Dick Grayson

Vom Donut-Dieb zum Wunderknaben

Tim Drakes erster Auftritt als Robin

Titel: Sins of the Father/Old Wounds (dt. Tim/Alte Wunden)

Drehbuch: Rich Fogel

Erschienen: 1997/1998 (The New Batman Adventures S01E02/017)


„Die Dinge ändern sich.“ (Batman/Nightwing)

In der dritten Staffel von Batman TAS gibt es zunächst keinen Robin mehr. Warum, erfährt man später. Doch in der zweiten Folge tritt bereits ein Nachfolger an: Tim Drake. Seine Geschichte orientiert sich jedoch nicht an A Lonely Place of Dying, sondern erinnert an dem Werdegang von Jason Todd, dem zweiten Robin aus den Comics. Tims Vater ist ein Gauner, der für Two-Face gearbeitet hat (wie Jasons Vater), Tim ist ein verwahrlostes Kind, das Polizisten die Donuts klaut (interessante Analogie: im Comic stahl Jason Batman die Reifen) und sich dabei mit einem Batarang behilft. Als Two-Face den Jungen umlegen will, rettet ihm Batman das Leben, daraufhin erwidert Tim den Gefallen, indem er den (nach einem Scharmützel mit Two-Face) verletzten Helden in Sicherheit bringt.

Tim findet Robins Kostüm in der Bathöhle.

Kaum in der Bathöhle, kommt Tim hinter Batmans Geheimnis. Two-Face erpresst Gotham: 22 Millionen Dollar oder er setzt ein tödliches Gas frei. Als Batman und Batgirl zu Two-Face Geheimversteck eilen (Janus-Kino), steigt Tim ins Robin-Kostüm und fährt hinterher …

Two-Face und Robin

Nach bestandener Feuerprobe beginnt seine Ausbildung zum neuen Robin, da taucht Dick Grayson auf.

„Warum fallen wir?“ Bruce trainiert Tim.

Dick ist mittlerweile als Nightwing unterwegs. Wie es dazu kam, erzählt er Tim in der Folge „Old Wounds“. Es geschah nach dem College-Abschluss, dass Dick Batmans Methoden anzweifelte. Deutlich wird das in einer Szene, in der Batman einen Mann ausquetscht, dessen Familie dabei zusehen muss. Robin geht aus Protest. Später – nach einem gemeinsamen Kampf mit Batgirl gegen den Joker – wird das Vertrauen zwischen dem Duo zerbrochen, als er erfährt, dass Batman die ganze Zeit über gewusst hat, dass Barbara Gordon (Dicks Freundin) Batgirl ist. Dick wirft Batman vor, seine Nächsten zu manipulieren und auszutricksen, um zu bekommen, was er will. Zum Schluss verpasst er ihm sogar einen Haken, bevor er Maske und Cape abwirft und sich verdrückt.

Robin schlägt Batman.

Zwei Dinge bleiben unklar: Warum Dick und Barbara sich nicht von ihren Geheimidentitäten erzählt haben, obwohl sie ein Paar waren, und wie Robins Kostüm seine grüne Farbe verlor.

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Zweite Chance für Jason Todd

DC Comics

Titel: Second Chances

Autor/Zeichner: Max Allan Collins u.a./Jim Starlin u.a.

Erschienen: 1987 (Batman #402-403, #408-416, Batman Annual #11), Paperback 2015


„In what I do there is no place for a child.“ (Bruce Wayne)

Jason Todd war als Robin-Nachfolger zunächst nichts als ein Dick-Grayson-Abklatsch – ein Zirkuskind, dessen Eltern ermordet wurden (von Killer Croc). Sein erster Auftritt war in Batman #357 (1983), im Robin-Kostüm in Batman #366 (1983). Doch nach der Crisis on Infinite Earths bekam Jason eine zweite Chance: Second Chances erzählt eine neue Version der Geschichte, wie Jason Todd zum zweiten Robin wurde und was er in seinen ersten Tagen erlebte.

Zunächst hört Dick Grayson als Robin auf, nachdem er vom Joker angeschossen wurde. Batman bekommt Skrupel, ein Kind zu gefährden, feuert seinen Partner und will auch keinen neuen Robin mehr rekrutieren. Doch als bald darauf ein neuer Junge auftaucht, scheinen alle guten Vorsätze vergessen. Jason Todd ist zunächst ein Straßenkind, das ohne Eltern in der Crime Alley aufwächst (Mutter tot, Vater Gauner). Als Batman seine Runde durch das Viertel dreht, erwischt er Jason dabei, wie er ihm die Reifen vom Batmobil klaut. Batman ist – anders als erwartet – sehr amüsiert darüber und lacht schallend. (Zugegeben: Etwas gruselig.) Beeindruckt vom Mumm des Knaben steckt er ihn in eine neue Schule für Straßenkinder, die eine alte Frau namens Ma Gunn in der Gegend betreibt. Doch die Alte ist in Wirklichkeit eine durchtriebene Schurkin, die Kinder zu Verbrechern heranzieht …

Batman lacht über geklaute Reifen.

Aber Jason hat da keine Lust drauf. Nicht etwa, weil er lieber ehrlich geworden wäre, er klaut lieber weiter Reifen. Nachdem er Batman hilft, die Bande hochzunehmen, entwickelt sich Jason aber zum Musterknaben: Batman zieht ihn sofort ins Vertrauen, bildet ihn in allem aus, was man als Verbrechensbekämpfer wissen muss (sogar im Schießen!) und macht ihn zum neuen Robin. Alles kein Problem. Auch die erste Bewährungsprobe gegen Two-Face meistert Jason mühelos. Als er erfährt, dass Two-Face dessen Vater ermordet hat, will er dann aber den Schurken eigenhändig kaltmachen. Eine Bat-Lektion später ist er aber wieder guter Dinge und rettet im Finale sogar Two-Face vor dem sicheren Tod. Als Robin auf Nightwing trifft, kommt es zur Aussprache zwischen Batman und Dick Grayson. Batman gesteht ihm den wahren Grund für den neuen Robin: weil er sich einsam gefühlt hat. Sehr bedenklich …

Batman spatziert durch Crime Alley.

Die Story ist nicht gerade ein Musterbeispiel an Eleganz. Batman ist hier nicht der typische düstere und mysteriöse Eigenbrötler, man sieht ihn nicht nur lachen, sondern auch bei Gordon lässig auf der Couch rumlümmeln. Wenn er bei ihm im Büro auftaucht, ist er nicht plötzlich da, sondern er wird beim Einstieg durchs Fenster gezeigt oder er benutzt einfach die Tür. Auf der Crime Alley geht Batman spazieren (eine ähnliche Szene gibt es in Gotham After Midnight), einmal sitzt er grübelnd auf der Motorhaube des Batmobils. Angesichts der Tatsache, dass erst ein paar Ausgaben zuvor das düstere Year One erschienen ist, wirkt diese heiter-lässige Batman-Version umso befremdlicher.

Und dann sind da noch ein paar lächerliche Momente, die an Rückfälle ins Golden Age erinnern: Two-Face leistet sich eine Jagd auf dem Baseball-Feld und dann noch eine in einem Riesen-Roulette. Der Schurke bleibt oberflächlich und plump – und damit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Warum denn so albern?

Nach der Haupthandlung kommen noch ein paar belanglose Einzelausgaben: Batman und Robin kämpfen gegen eine Pantomine, die die Klöppel aus Kirchenglocken stiehlt, um Stille in der Stadt herzustellen, dann gegen einen Dieb japanischer Schwerter, am Ende steht eine Anekdote über den Pinguin, der sich verliebt, aus dem Knast kommt und eine Schirmfabrik aufmacht. Außerdem gibt es eine Episode aus dem Crossover Millenium, mit dem man nichts anfangen kann, wenn man den Rest nicht kennt. Bemerkenswert sind lediglich zwei Storys: eine über einen ehemaligen Polizist, der sich für Batman hält und mit tödlicher Gewalt gegen Verbrecher vorgeht, und eine (Batman #414), in der Batman allein einen Serienmörder jagt – und dabei aus persönlichen Motiven die falschen Schlüsse zieht.

Jason Todd macht es als Robin bekanntlich nicht lange. Schon bald darauf (A Death in the Family) wird er vom Joker ermordet und von Tim Drake ersetzt (A Lonely Place of Dying). 2005 kehrt Jason als Red Hood von den Toten zurück.

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Katze trifft Fledermaus

Catwoman im Golden Age (Teil 1)

DC Comics

Titel: The Cat

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #1)


„Lovely girl! What eyes!“ (Batman)

Vor Catwoman gab es the Cat: eine hübsche wie raffinierte Diebin, ohne Katzenkostüm, aber schon verkleidet, eine Unbekannte, aber von Anfang an anziehend für Batman …

Beginnen wir am Anfang: Die erste Catwoman-Story beginnt als erste Robin-Solo-Story. Gleich in seinem dritten Abenteuer darf Dick Grayson sich zunächst alleine behaupten. Bruce Wayne lässt ihn als Kellner auf einer Yacht arbeiten, um eine teure Kette vor Dieben zu schützen. Dick ist sehr aufmerksam, hat auch schon gleich zwei Verdächtige unter den Gästen erspäht, als die Kette plötzlich weg ist – gestohlen von einem Unbekannten.

Kurz darauf treffen Gangster auf der Yacht ein, um die Kette zu rauben, aber sie kommen zu spät, also nehmen sie mit, was sonst noch da ist. Als Dick einen Kampf mit ihnen anfängt, springt er ins Wasser, zieht sich schnell sein Robin-Kostüm an, während er Maschinengewehrkugeln ausweicht. Da trifft auch schon Batman ein, überwältigt die Gauner auf ihrem Boot, Robin hält sie fest.

Aber weil es offenbar niemand eilig hat, passiert plötzlich etwas Seltsames: ein Experiment. Batman lässt vier Gangster auf Robin los, um den amerikanischen Kindern zu zeigen, wie feige sie ohne ihre Waffen sind. Hier ist sich die fiktive Held bewusst, dass er nur eine Comicfigur ist und dass er vor einem Kinderpublikum auftritt! Das ist einzigartig für Batman. Und als auf der nächsten Seite die Verbrecher ihre Lektion bekommen haben und vor Robin erzittern, wendet sich Batman direkt an die Leser, wiederholt seine Botschaft und ermuntert sie, sich dem Kampf gegen das Verbrechen anzuschließen.

Zurück zum Plot: Auf der Yacht sind mittlerweile alle so bedrückt, bestohlen worden zu sein, dass sie eine Kostümparty schmeißen, um sich wieder aufzuheitern. Ein Preis soll verliehen werden für die beste Verkleidung. Als Batman erscheint, geht der Preis an ihn, weil er nicht für den richtigen Batman gehalten wird. Und wieder haben wir es mit einer Selbstreferenzialität zu tun: „An ironical joke takes place!!“ Batman ist mittlerweile so legendär, dass seine tatsächliche Erscheinung nicht mehr für wahrscheinlich gehalten wird. Interessant: Während er sich selbst als das erkennt, was er wirklich ist, erkennen die anderen ihn nicht als echten Batman.

The Cat in Batman #1 (1940, DC Comics)

Erst jetzt kommt die Hauptschurkin ins Spiel: Robin löst einen falschen Feueralarm aus und als alle Gäste losrennen, offenbart sich eine alte Frau als gute Läuferin mit schönen Beinen: „Nice legs for an old woman.“ Batman überwältigt sie, wischt ihr rüde die Schminke aus dem Gesicht („Quiet or papa spank!“ – Ja, er sagt es wirklich.) und nimmt ihr die Kette ab.

Die Schurkin offenbart sich als the Cat, von der Batman schon gehört hat. Sie bietet ihm an, sich ihr anzuschließen; sie würden ein tolles Team als König und Königin des Verbrechens hergeben, findet sie. Aber Batman bleibt hart. So scheint es zunächst. Denn als das Dynamische Duo sie mit dem Boot zur Polizei bringen will, lässt er sie über Bord springen. Nicht nur, dass er sie nicht verfolgt, er hindert auch Robin daran, hinterherzuspringen. Am Ende schwärmt er laut von ihrer Schönheit und muss sich selbst daran erinnern, dass er bereits an eine gewisse Judy (Madison) vergeben ist, aber er sehnt sich jetzt schon nach einem Wiedersehen mit der Katzendiebin …

Auch das ist bemerkenswert, weil der unbestechliche Verbrechensbekämpfer hier erstmals mit seinen Prinzipien bricht. Von Anfang an hat die Schurkin eine ganz besondere Wirkung auf Batman. Man kann sagen: In dem Augenblick, in dem er sich seiner wahren Erscheinung selbst bewusst wird, ihn aber andere nicht als wahren Batman erkennen, wird er zu einem anderen Batman, einem Helden mit einer dunklen Seite, die von einer Frau hervorgerufen wird.

Prassen mit Blüten

DC Comics

DC Comics

Titel: The Joker’s Millions

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Dick Sprang

Erschienen: 1952 (Detective Comics #180), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„Ah, how the mighty have fallen!“ (Joker)

Auf einen Schlag wird der Joker reich – und das ganz legal. Bei der Testamentseröffnung des Gangsters Barlowe bekommt der Joker dessen Vermögen vererbt. Der Clown ist überrascht, weil Barlowe ihn einst gehasst hat. Aber die Freude über den unverhofften Reichtum überwiegt die Skepsis, also prasst der Joker drauflos. Seine größte Freude dabei: er muss nicht mehr rauben, um an Geld zu kommen.

Wer die letzte Episode unserer Joker-Reihe gelesen hat, wird sich wundern: In den 40ern hatte der Joker bereits einen riesigen Geldspeicher, gefüllt mit Geld und Juwelen, und er raubte nur zum Spaß. Hier fängt er offenbar wieder von vorn an, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde.

Der Joker ist also wieder sorglos. Aber zu früh gefreut: bald erkennt er, dass das meiste Geld und die meisten Juwelen gefälscht sind – Barlowe hat ihn reingelegt! Als dann auch noch das Finanzamt vorbeikommt und die Erbschaftssteuer kassieren will (zwei Mio), steckt der Clown Prince of Crime in einer Zwickmühle: Auch wenn er Batman nicht fürchtet, mit dem Finanzamt legt man sich besser nicht an. Aber den Irrtum zugeben will er auch nicht, da er sich nicht zum Gespött der Unterwelt machen will. Also begeht der Joker Verbrechen, allerdings möglichst unauffällige, die sich nicht mit ihm in Verbindung bringen lassen. Das nützt nix, denn wie der Zufall es will, erkennt Batman doch immer wieder die Handschrift des Jokers.

Der Joker leidet: einerseits kann er bei seinen Aktionen nicht den Künstler spielen, andererseits ist er dazu genötigt, auch wenn Batman die Masche durchschaut. Das Katz- und Maus-Spiel gipfelt im Zoo: der Joker sperrt Batman in einem Fledermauskäfig ein – zusammen mit Affen, die wie der Joker geschminkt sind. Aber Batman bleibt auch hier Herr der Lage.

Joker’s Millions wurde 1998 verfilmt. In der dritten Staffel der Animated Series (The New Batman Adventures, Episode 7) ist der Plot im Wesentlichen gleich, allerdings wird Joker unterstützt von Harley Quinn und dem Pinguin, während Batman mit Batgirl (statt Robin) zusammenarbeitet.

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Kartenspiel mit Joker

DC Comics

DC Comics

Titel: The Riddle of the Missing Card

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Batman #5), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„All life is a gamble.“ (Batman)

Der Joker kehrt mal wieder von den Totgeglaubten zurück. Rastlos, wie er nun mal ist, stürzt er sich sofort ins nächste Verbrechen: Drei Gauner holen ihn buchstäblich ins Boot, um ihr nächstes Ding zu planen. Da kommt dem Criminal Mastermind auch schon gleich eine Idee: Als ihm auffällt, dass die Namen der Komplizen sich auf Spielkarten übertragen lassen (wie auch seiner), will er einen Haufen Bonzen am Kartentisch abziehen – und dabei herausbekommen, welche Juwelen sie zu Hause bunkern, um auch die zu stehlen.

Als Batman den Schurken auf die Schliche kommt, nimmt der Joker Robin gefangen und lockt Batman in eine Falle: dort muss Batman gegen die Bande an einem Kartenspiel teilnehmen, um Robins Leben zu retten. Das Spiel dauert nicht lange, der Joker gewinnt – mit einer Joker-Karte. Aber das ist Batman egal: er wirft dem Joker die Karten ins Gesicht, wirft den Tisch um und befreit Robin. Fragt sich nur, warum er sich überhaupt auf das Spiel eingelassen hat. Klar: sonst gäbe es diese absurde Szene nicht. Aber Batman erklärt es damit, dass das Leben ohnehin ein Glücksspiel sei. No risk, no fun.

Interessant ist dabei ein Nebenaspekt: eine Frau, die zu den Gaunern gehört, deckt Batmans Geheimidentität auf. Sie erkennt ihn an einer Schnittwunde am Kinn von Batman. (Da zeigt sich, wie gefährlich so eine Maske sein kann, die nur das halbe Gesicht verdeckt.) Aber statt ihn zu verpfeifen, weckt gerade diese Erkenntnis ihre Sympathie und sie hilft Batman. Dass dabei plötzlich aus dem Nichts Waffen auftauchen und wieder spurlos verschwinden, ist eine dieser vermeintlichen Macken, die den Geschichten aus dem Golden Age ihren trashigen Charme verleihen.

Übrigens endet die Sache nach einer wilden Verfolgungsjagd wieder damit, dass der Joker im Wasser landet – und offen bleibt, ob er überlebt hat … Diese Cliffhanger-Masche war schon damals ein alter Hut – aber als Tradition des Genres wird sie bis heute gepflegt (z.B. in Death of the Family).

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Tote leben länger

Batman: Eye of the Beholder

DC Comics

Titel: Eye of the Beholder

Autor/Zeichner: Tony S. Daniel/Tony S. Daniel, Steve Scott

Erschienen: 2011 (Batman #704-707, 710-712), Paperback 2011


„Doesn’t anyone stay dead these days?“ (Batman)

Einmal noch. Nur noch einmal müssen wir durch eine Story von Tony Daniel durch. Wer schon länger dieses Blog verfolgt, weiß, dass ich bisher nie überzeugt davon war, dass in diesem Autor-Zeichner ein Doppeltalent steckt. Zeichnen ja, schreiben nein. Allein sein Battle for the Cowl war okay, Life After Death taugte aber nichts – und erst recht nicht seine beiden späteren Detective Comics-Bände Faces of Death und Scare Tactics. Okay, eine Chance geben wir ihm noch: Eye of the Beholder.

Erzählt werden zwei Geschichten: In der ersten muss Batman (Dick Grayson) gegen den Schurken Sensei antreten, der eine chinesische Maske des Bösen in Gotham sucht. Sensei, der Vater von Ra’s al Ghul, müsste eigentlich tot sein (siehe The Resurrection of Ra’s al Ghul), aber … naja … die Familie hat’s nicht so damit, Endgültigkeiten zu akzeptieren. Batman verbündet sich mit der chinesischen Heldin Peacock, die aussieht, als könnte sie beim brasilianischen Karneval auftreten, und dem blinden Kämpfer I-Ching. Außerdem schauen noch die Schurken Riddler und Reaper vorbei, ohne allerdings für Höhepunkte zu sorgen.

Two-Face sucht seine Münze

In der zweiten Story geht es um Two-Face. Der hat seine Münze verloren und geht bei der Suche danach über Leichen. Dahinter steckt ein Plot des Gangsters Mario Falcone und Harvey Dents Frau Gilda (siehe The Long Halloween), der aber weder besonders ausgeklügelt noch interessant ausgeführt ist. Und wieder hat der Riddler etwas damit zu tun, allerdings kommt dieser Schurke nicht zur Entfaltung, da sein Kostüm zwar übersät ist mit Fragezeichen, er aber keine Rätsel stellt.

Noch überflüssiger ist die Erscheinung von zwei Sidekicks: „Riddlers Tochter“ Enigma und Catwomans Zögling Catgirl. Es wird mal wieder zu viel Personal reingepackt, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und Batman stellt sich mal wieder nicht besonders klug an. Gleich dreimal geht er fast drauf: einmal stürzt er in die Tiefe, dann wird er beinahe ertränkt, schließlich bekommt er eine Kugel in den Kopf. Aber auch Dick Grayson ist so hart im Nehmen wie sein Mentor, der sich übrigens lieber anderswo rumtreibt, statt sich um seine Stadt zu kümmern.

Lange Rede, kurzer Sinn: Eye of the Beholder könnt ihr euch sparen. Es sei denn, die Zeichnungen sind euch wichtiger als eine packende Story.

Loch im Kopf

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 4 – Dark Knight Vs. White Knight

Autor/Zeichner: Paul Cornell, Peter J. Tomasi, Judd Winick/Scott McDaniel, Patrick Gleason, Guillem March u.a.

Erschienen: 2010-2011 (Batman & Robin #17-25), Paperback 2012


„In fact, you need this exactly as much as you need a hole in the head!“ (The Absence)

Ein Comicautor hat es bestimmt nicht leicht. Ständig muss er sich irgendwelche Geschichten ausdenken, oft Auftragsarbeiten, schreiben am Fließband – da kann nicht alles gut sein, und manchmal fällt einem auch nichts ein. Leere im Kopf. Aber wie das so ist bei Kreativen: Sie machen auch aus der Not eine Tugend. Wenn man unter Schreibblockade leidet, schreibt man eben darüber. Filme wie Barton Fink oder Adaption zeugen davon. Paul Cornell, der Autor der ersten Batman & Robin-Story in diesem Band, hat die Leere im Kopf einfach wörtlich genommen – und eine Schurkin daraus gemacht.

Die Schurkin hat ein riesiges, kreisrundes Loch im Kopf. Eine Hand passt da durch. Erklärung: Ein Kopfschuss. Und die Abwässer im Gotham River, in die sie nach dem Schuss gelandet ist. Künstlername: The Absence. Oje … Superheldencomics lassen zwar selbst Tote auferstehen, aber dass ein Mensch mit einem riesigen Loch in der Stirn herumläuft (ganz zu schweigen von fehlenden Teilen des Gehirns), ohne dass wenigstens etwas dagegen unternommen wird (Implantate, Genetik, was auch immer), das ist schon sehr absurd. Die Dame sucht nämlich keinen Arzt auf, sie sucht Aufmerksamkeit. Von Bruce Wayne. Der hat nämlich mal mit ihr angebandelt, aber zu ihrer vermeintlichen Beerdigung bloß Rosen geschickt, statt da zu sein. Und so müssen sich Batman (Dick Grayson) und Robin mit der Irren herumschlagen. Dass am Ende dann doch alles anders ist, macht die Story nicht klüger.

Heimkino-Abend mit der Bat-Familie

Dabei fängt es mit dem Dynamischen Duo gut an: Dick Grayson ist das typische Großmaul, das bei seinen Einsätzen ebenso viele Hiebe wie lockere Sprüche austeilt, Damian ist der grimmige Wunderknabe. Am Anfang sind die pointierten Dialoge noch der Lichtblick der Story. Und dann gibt es noch eine schöne Sequenz, in der Bruce Wayne mit der Familie The Mark of Zorro schaut. Dabei wird klar, warum das Schauen des Films kein Trauma, sondern bloß schöne Erinnerungen bei Bruce weckt.

Aber fragt man sich nach dem ersten Teil: Kann es noch schlimmer werden? Ja, es kann. In der dritten Story, einem Wiedersehen mit Jason Todd alias Red Hood (siehe Batman & Robin Vol. 1), taucht die Schurkentruppe The Menagerie auf, die aus Leuten mit Tierköpfen besteht: Löwen, Tiger und – einem T-Rex. Muss ich wirklich weitererzählen? Na gut, machen wir’s kurz: Sie befreien Jason aus dem Knast, er befreit seinen Sidekick Scarlet aus ihren Fängen und kommt mit ihr frei. Höhepunkt: Jason zieht sich bis auf die Haut aus – und, was erstaunlich ist, blitzschnell wieder an. Egal, vergesst es einfach, weiter geht’s.

Die einzige Story, die hier allein der Rede wert ist (ich habe schon zu viele Worte für diesen Band verbraucht), ist die Titelstory. Sie hat einen interessanten Ansatz: Ein neuer selbsternannter Rächer bringt die Angehörigen der Arkham-Schurken um. Dabei verpasst er ihnen Flügel, damit sie sofort als Engel in den Himmel kommen können. Die Idee ist reizvoll, aber in drei Ausgaben hat sie nicht viel Platz, um sich zu entfalten. Der Autor der Story, Peter J. Tomasi, ist es dann auch, der die Serie nach dem Relaunch/Reboot The New 52 fortführt. Gute Wahl. Trotzdem kann man auf diesen Band verzichten.

(Hinweis: Nicht in diesem Band enthalten ist Batman & Robin #26, die letzte Ausgabe vor dem Relaunch 2011.)

Rückkehr auf Raten

DC Comics

DC Comics

Titel: Bruce Wayne – The Road Home (dt. Bruce Wayne – Der lange Weg zurück)

Autor/Zeichner: Fabian Nicieza, Mike W. Barr u.a./Cliff Richards, Ramon Bachs u.a.

Erschienen: 2010-2011 (ursprünglich acht One-Shots), Paperback 2011, dt. Panini 2011 (Paperback)


„Will my return cause more grief than when I was gone?“ (Bruce Wayne)

Lange schien Bruce Wayne zunächst tot zu sein, in Wirklichkeit war er verschollen in der Zeit, jetzt ist er von seiner Odyssee zurück. Aber statt wieder das Batman-Kostüm anzulegen, spielt er erstmal Theater: Statt sich zu erkennen zu geben, legt er sich die Identität „The Insider“ zu, steigt in einen High-Tech-Anzug, der die Fähigkeiten der Justice League vereint, und stalkt seine alten Weggefährten: Dick Grayson und Damian, die als Batman und Robin ein gutes Team ergeben, Tim Drake (Red Robin), Stephanie Brown (Batgirl), Selina Kyle (Catwoman), Barbara und James Gordon sowie die C-Heldengruppe, die Outsider. Jeden beobachtet er oder stellt ihn oder sie auf die Probe. Bruce erkennt schnell, dass alle ziemlich gut auch ohne ihn ausgekommen sind. Das bestärkt ihn darin, seine geheime Agenda zu verfolgen …

Zeitgleich machen Attentäter weltweit Jagd auf Stadtoberhäupter, aber das ist nur der äußere Anlass für Action. Die eigentliche Gefahr geht von der Reporterin Vicky Vale aus, die hinter Batmans Geheimidentität gekommen ist (siehe Battle for the Cowl) und damit an die Öffentlichkeit gehen will. Leider geht sie bei ihrer Recherche nicht allzu vorsichtig vor, sodass bald Gothams Unterwelt hinter ihr her ist – und Ra’s al Ghul. Aber da ist Bruce schon zur Stelle.

The Road Home ist keine Batman-Story, sondern eine Story über Bruce Wayne in einer Übergangsphase, die zu Batman Incorporated leiten soll. Batman wächst über die Familie hinaus zu einem weltweiten Unternehmen. Daher kommen hier auch so viele Nebenfiguren auf, auf die man sonst gut verzichten kann. Stark sind die Momente, die die Beziehungen zu den Verbündeten vertiefen, auch Batman in seinem neuen Anzug voller Gadgets kämpfen zu sehen, macht Spaß, auch wenn es zu übertrieben ist und zu sehr nach Batman Beyond aussieht. Die erste Hälfte ermüdet ein wenig, weil die Proben mehr oder weniger nach dem gleichen Prinzip laufen, in der zweiten Hälfte zieht die Vicky Vale-Handlung stärker an und gewinnt an Spannung. Was aber am meisten nervt, ist diese unnötige Geheimniskrämerei und diese Rückkehr auf Raten. Hier bleibt sich Bruce leider unangenehmerweise treu.

Von den Zeichnungen her ist bis auf das James Gordon-Kapitel, das von Szymon Kudranski genial stimmungsvoll inszeniert ist, kaum etwas der Rede wert. So ist The Road Home noch eine dieser mittelmäßigen Transit-Storys, durch die man durch sollte, wenn man das gesamte Bild haben will, aber kein Muss für Fans ausgefeilten Storytellings.

Zombie-Batman greift an

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 2: Batman versus Robin

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Cameron Stewart, Andy Clarke

Erschienen: 2010 (Batman & Robin #7-12), Paperback 2010; dt. Panini 2011 (Paperback)


„Being Robin is the best thing I’ve ever done, mother.“ (Damian Wayne)

Batman-Stellvertreter Dick Grayson hat die letzte (die allerletzte?) Lazarusgrube in England aufgespürt und versucht, den Leichnam seines Mentors Bruce Wayne wiederzubeleben. Leider geht das schief. Weil Darkseid die Leiche gegen einen seiner missglückten Batman-Klone ausgetauscht hat, taucht ein ziemlich aggressiver Batman-Zombie aus der Grube auf, der aus irgendeinem Grund alles töten will, was ihm in den Weg kommt. Zum Glück ist Batman Grayson nicht allein: mit dabei hat er nicht nur Knight und Squire (Englands Batman und Robin-Abklatsch), sondern auch Batwoman, die zufällig aus einer explodierenden Kiste gesprungen kommt.

Und was ist mit Robin? Der bekommt nach seiner Querschnittslähmung, die ihm der Schurke Flamingo verpasst hat, eine neue, künstliche Wirbelsäule von Mutti Talia verpasst. Obwohl er sich danach schonen muss, kommt es zur Konfrontation mit dem Zombie-Batman, der über Wayne Manor hereinfällt. Mit Batman und Batwoman können sie das Schlimmste abwenden, aber am Ende bleibt die Gewissheit: der wahre Batman ist nicht tot, sondern bloß verschollen in der Zeit.

Fremdgesteuerter Zombie-Robin

Darum geht es im zweiten Teil des Bandes: Batman und Robin untersuchen Wayne Manor nach Hinweisen, die der alte Fuchs Bruce in der Vergangenheit hinterlassen haben könnte. Doch während Dick eine geheime Bathöhle inspiziert, dreht Damian durch und versucht ihn umzubringen. Hier wird klar, dass Talia über die künstliche Wirbelsäule ihren Sohn kontrolliert. Noch schlimmer wird es, als Deathstroke die Fernsteuerung übernimmt. Auf Zombie-Batman folgt also eine Art Zombie-Robin. Und dann kommt auch noch eine Verbrecherbande dazu, die ein Geheimnis in Wayne Manor sucht – im Auftrag des Schurken El Penitente. Ganz zu schweigen von Oberon Sexton, dem vermummten „Gravedigger“, ein mysteriöser Helfer, der sich am Ende als ein Schurke offenbart, mit dem man nicht gerechnet hat.

Mit dem zweiten Band beginnt Batman & Robin Spaß zu machen. Fans bekommen einen Kampf Batman gegen Batman und dann Batman gegen Robin geliefert, Archäologie-Mystery á la Indiana Jones, krachende Action mit Wow-Faktor, auch ein bisschen Familiendrama und noch vieles mehr, wonach man nie gefragt hat. Grant Morrison bleibt sich zwar treu, zu viele Ideen und Figuren in seine Storys zu packen und es seinen Lesern nicht leicht macht, den Überblick zu bewahren, aber wer noch den ersten Band zum Nachschlagen bereit hat, für den ergibt sich langsam das Gesamtbild. Denn obwohl zwei Geschichten erzählt werden, läuft die Rahmenhandlung im Hintergrund immer mit und tritt allmählich in den Vordergrund.

Talia al Ghuls Handeln ist immer noch so unlogisch, wie es Morrison gerade passt: Warum sie sich darüber beklagt, ihren Sohn an Batman verloren zu haben, obwohl sie ihn bei ihm ausgesetzt hat, muss man nicht verstehen. Erst recht nicht, warum sie sich so sehr um Damian bemüht, obwohl sie bereits einen Klon von ihm in der Mache hat. (Damian scheint das nicht zu stören.)

Zeichnerisch überzeugen weder Cameron Stewart noch Andy Clarke vollkommen. Beiden fehlt das gewisse Etwas, aber vor allem Clarkes sauberer Stil lässt bei den Figuren das Leben vermissen.

Wunderritter und Dunkler Knappe

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman & Robin Vol. 1 – Batman Reborn

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Frank Quietly, Philip Tan

Erschienen: 2009-2010 (Batman & Robin #1-6), Paperback 2010; dt. Panini 2011 (Paperback)


„Let the punishment fit the crime.“ (Red Hood)

Das neue Dynamische Duo ist das Gegenteil des alten: Ein heiterer Batman und ein grimmiger Robin. Man könnte auch sagen: Wunderritter und Dunkler Knappe. Doch sowohl Dick Grayson als auch Damian Wayne haben eigentlich keine Lust auf den Job. Dick leidet immer noch unter der Bürde seiner Rolle und Damian akzeptiert ihn nicht als Autorität. Dennoch müssen sie als Team miteinander klarkommen und ihre ersten Abenteuer schweißen sie zusammen. In den ersten drei Ausgaben geht es gegen den Psycho-Metzger Professor Pyg, der Drogen und biologische Kampfstoffe herstellt und eine Vorliebe für Chirurgie hat. Im zweiten Teil kehrt (nach seiner Niederlage im Battle for the Cowl) Jason Todd als Red Hood zurück und versucht erneut, das Verbrechen ein für alle mal auszumerzen. Dieses mal unterstützt ihn ein Sidekick: ein entstelltes Mädchen namens Scarlet. Damit haben Batman und Robin ihr Gegenstück gefunden.

Batman und Robin geraten in Gefangenschaft und werden beinahe nackt der Öffentlichkeit präsentiert, aber wie gut, dass Damian so gut mit Knoten umgehen kann, sodass die Dramatik der Situation so schnell verflogen wie sie aufgekommen ist. Wir bekommen eine Reihe neuer Schurken präsentiert: zuerst einen Haufen Zirkusfreaks wie einen Krötenmenschen und siamesische Drillinge, dann den pinken Profikiller Flamingo, der gerne die Gesichter seiner Opfer verspeist. Abgesehen von dem vielen Blut, das bei der Metzelei fließt, geht es sehr bunt und schrill zu, aber auch zuweilen überdreht und überstürzt. Immerhin bleiben ein paar Momente, in denen Dick Grayson ein wenig über sein Dasein als Batman jammern darf und von Alfred wieder aufgemuntert wird. Ein bisschen Witz lockert das Ganze auf.

In diesem Band zeichnen Frank Quietly und Philip Tan jeweils die Hälfte. Quietlys Stil ist mit seinen vielen Runzeln und Falten der speziellere, Philip Tans Stil ist deutlich düsterer und erinnert sehr an Tony Daniel. Auffällig ist, dass die meisten Panels sich über die gesamte Seitenbreite erstrecken und untereinander angeordnet sind (vgl. Darwyn Cookes DC: The New Frontier).

Batman Reborn ist eine kurzweilige Unterhaltung, die keinen tieferen Eindruck hinterlässt. Vielleicht erklärt das den Erfolg: leichte Kost, die schnell geschluckt und schnell verdaut ist.