Sheldon Moldoff

Bat-Girls erster Auftritt

DC Comics

Titel: Bat-Girl!

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1961 (Batman #139)


„Not bad — for a girl!“ (Robin)

Fünf Jahre nach Batwomans erstem Auftritt, der das Dynamische Duo zu einem Trio machte, kam Bat-Girl. Und zwar aus dem Nichts. Die drei sind gerade dabei, eine neue Bande, die Cobra Gang, aufzumischen, da werden sie durch einen Kraftstrahl außer Gefecht gesetzt. Plötzlich kommt Bat-Girl zum Fenster rein, schwingt sich mit einem Vorhang auf den Schurken und befreit die anderen.

Bat-Girl als Retterin in der Not verschwindet genauso schnell wie sie aufgetaucht ist. Kathy Kane erfährt später in ihrer Höhle, dass es sich um ihre Nichte Betty Kane handelt. Sie besuchte die reiche Tante, kam hinter ihr Geheimnis, nähte sich ein ähnliches Kostüm und begann damit, ihr Idol zu stalken. Warum scheint in letzter Zeit jeder zu glauben, dass er Vigilant spielen müsse? Und dann auch noch ein Mädchen!

Batman weiß Rat. Kathy soll Betty durch endloses Training hinhalten. Doch Betty wird ungeduldig und zieht wieder als Bat-Girl alleine los. Zuerst erschreckt sie die Cobra Gang mit einem riesigen Ballon, dann wird sie aber gefangengenommen – als Geisel. Betty kann sich durch eine Bastelstunde retten, indem sie Papierfledermäuse ausschneidet und als Hilferuf durch einen Lüftungsschacht schickt. Das Dynamische Trio rettet sie und sie lernt ihre Lektion.

Nach drei Jahren lernt es auch DC: Redakteur Julius Schwartz wirft Batwoman und Bat-Girl raus. Doch schon 1967 kehrt sie in neuer Form in die Comics zurück – dank der Batman-Fernsehserie.

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Die nächste Generation braucht Starthilfe

DC Comics

Titel: The Second Batman and Robin Team

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1960 (Batman #131)


„Golly — we’re like the three musketeers!“ (Robin II)

Was wäre, wenn … Bruce Wayne als Batman in Ruhestand ginge, zusammen mit seiner Frau Batwoman? Alfred denkt sich diese mögliche Zukunft aus, als er eine neue Schreibmaschine ausprobiert. Naheliegende Folge: Dick Grayson wird Batman II – inklusive einer römischen Zwei auf der Brust. Und wer wird Robin? Natürlich Bruce Wayne, Jr. Der kleine Rotschopf (!) hat ein paar Tricks von Onkel Dick gelernt und will unbedingt der neue Wunderknabe werden. Die Eltern wollen nicht, es ist zu gefährlich (warum durfte dann Dick?), aber schließlich kann Junior sie überreden.

Schon bald stürzt sich das neue Dynamische Duo ins Abenteuer, aber beim ersten Fall baut Robin Mist und lässt die Gangster entkommen. Beim zweiten Mal wird Dick gefangen genommen, Robin befreit ihn, aber dann geraten sie beide in Gefangenschaft. Also müssen die Rentner ihre Kostüme wieder anlegen, um den Jungs aus der Patsche zu helfen – ohne Starthilfe der alten Garde geht es nicht. (Bruce will mal wieder, dass die Frau zuhause bleibt, aber natürlich kann sich der Mann mal wieder nicht durchsetzen, wie Alfred ironisch bemerkt.) Robin vergleicht das Team später mit den drei Musketieren, will heißen, dass die Frau mal wieder nicht zählt.

Am Ende sind die Eltern total stolz auf ihren Sohn, obwohl er mit Dick so ziemlich alles falsch gemacht hat und ewig Hausarrest bekommen müsste. Talentiert zu sein scheint Junior nur als Detektiv und in schlechten Kalauern. Aber das ist ja auch nur eine imaginäre Geschichte – oder jedenfalls so ähnlich.

Ein bitterer Beigeschmack: In einem Panel sagt Junior zu seinem Vater, jetzt, da er Judo könne, solle Bruce lieber nicht versuchen, ihn zu züchtigen. Bruce lacht nur. Im Jahr 1960 war daran noch nichts Schlimmes.

Mehr zum Thema:

Batman heiratet Batwoman

DC Comics

Titel: The Marriage of Batman and Batwoman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1959 (Batman #122)


„A wife’s place is in the home!“ (Batman)

Bruce Wayne geht auf ein Date mit Kathy Kane, alias Batwoman. Robin bleibt allein zu Haus. Er ist eifersüchtig. Und macht sich Sorgen. Was wäre wohl, wenn Batman und Batwoman verheiratet wären? In Wayne Manor sagt Bruce noch, Heiraten käme für ihn nicht in Frage, weil er sonst Gefahr laufen würde, aufzufliegen. Das wäre das Ende von Batman. Doch als er später am Abend nach Hause kommt, sind die beiden verheiratet.

Noch in der gleichen Nacht müssen Batman und Robin zu einem Einsatz. Da Kathy als einzige nicht Bescheid weiß, findet Bruce eine Ausrede, bzw. lügt seine Ehefrau an. Doch die kommt kurz darauf im Batwoman-Kostüm hinterher. In Wayne Manor gibt’s dann erstmal eine Rüge vom Ehemann: Batman offenbart sich als Bruce und sagt ihr, eine Ehefrau habe zu Hause zu bleiben. Sie widerspricht: „A wife’s place is with her husband!“ Als Batman ihr dann von der Gefahr erzählt, dass sie seine Geheimidentität aufs Spiel setzt, sieht sie es ein. Um ganz sicherzugehen, versteckt Bruce ihr Kostüm.

So viel zum Thema Vertrauen unter Eheleuten. Aber schon beim nächsten Einsatz wird es gebrochen. Kathy kann’s nicht lassen, also schlüpft sie in eines von Batmans Kostümen. Weil aber die Maske nicht dicht sitzt, fällt sie in einem ungünstigen Moment von ihrem Gesicht, die Gauner erkennen sie und ziehen ihre Schlüsse. Das wars! Das ist das Ende von Batman! Doch … es war alles nur Dicks Traum. Aber was ist, wenn er eines Tages wahr werden würde?

Nicht auszuhalten, wenn eine Frau den Helden um seine Heldenrolle bringen würde, um sein Hobby, das ihn mit Dick Grayson eint … Willkommen in der US-Gesellschaft der 50er.

Die Waffen einer Frau

DC Comics

Titel: The Batwoman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1956 (Detective Comics #233)


„A girl saving you? It’s ridiculous!“ (Robin)

Wer hätte das gedacht: In Gotham City gibt es ein Gesetz, das besagt, niemand dürfe ein Batman-Kostüm tragen. Gemeint ist wohl niemand anders als das Original. Und dann taucht plötzlich eine Frau auf, die eins trägt. Batman und Robin wissen gar nicht, wie ihnen geschieht. Sie wissen nur: Das geht gar nicht!

Batwoman ist in Wahrheit Kathy Kane, eine ehemalige Zirkusakrobatin und Batman-Fangirl, die von ihrem Onkel einen Haufen Geld geerbt hat und jetzt ihrem Vorbild nacheifert. Als Batwoman trägt sie ein schwarz-gelbes Kostüm mit rotem Cape und roter Maske, sie fährt Motorrad und statt eines Gürtels trägt sie eine Handtasche mit Hilfsmitteln.

Ihre Waffen sind die einer Frau: Puderdose, ein Flakon mit Tränengas, einen Handspiegel, ein Haarnetz, Armreife als Handschellen usw. Dank eines schicken Motorrads schafft sie es auch trotz High-Heels Batman und Robin zuvorzukommen, ja sogar Batman das Leben zu retten.

Trotzdem: Da das Ego der beiden Herren gekränkt ist, wollen sie sie stoppen. Wenn die Frau bisher erfolgreich war, dann nur weil sie Glück hatte, findet Batman. Er müsse sie unbedingt vor weiteren Gefahren bewahren. Mit anderen Worten: Wir müssen wieder den Status quo des Patriarchats wieder herstellen.

Doch Batwoman droht: Wenn Batman sie auffliegen lässt, lässt sie ihn auffliegen. Batman geht das Risiko ein. Schließlich kommt es zu einer Verfolgungsjagd in einem Nachtclub (Thema: Weltall), bei der Batman und Batwoman miteinander konkurrieren und sich gegenseitig retten. Batwoman bekommt Gelegenheit, Batman zu demaskieren, aber verzichtet darauf. Zu dritt nehmen sie später eine Bande hoch und belehren einen Gauner, der die Frau nicht für voll nimmt, eines Besseren.

Das Dynamische Duo findet heraus, dass Batwoman Kathy Kane ist, suchen sie in ihrer Höhle auf und überzeugen sie aufzuhören. Wenn Batman und Robin sie finden konnten, dann auch andere. Dass das Gleiche auch für die beiden zählt, spielt keine Rolle. Obwohl Kathy ebenfalls die beiden enttarnen könnte, gibt sie klein bei und beendet ihre Karriere als Batwoman. Natürlich nur fürs Erste – denn sie wird noch ein paar Jahre weitermachen.

Batwoman wurde eingeführt, als Batman und Robin im Verdacht standen, schwul zu sein. Der Psychiater Fredric Wertham behauptete in seinem Buch Seduction of the Innocent, dass Comics Kinder verderben würden. Daraufhin wurde nicht nur der Comics Code eingeführt, mit dem die Verlage sicherstellten, dass die Storys moralisch einwandfrei waren. Im Fall von Batman wollten die Verleger das unliebsame Gerücht zerstreuen, indem sie eine neue Frauenfigur an der Seite von Batman schufen. (Dass Batman bereits was mit Catwoman am laufen hatte, spielte keine Rolle mehr: Sie war seit zwei Jahren nicht mehr aufgetaucht und sollte noch für weitere zehn Jahre verschwinden.)

Man merkt der Story an, dass Batwoman für eine Frau in den 50ern ziemlich emanzipiert ist, aber immer noch möglichst in Schranken gehalten werden soll. Sie ist nur ein Abklatsch von Batman, ihre Gadgets sind sexistische Klischees und trotzdem hat sie ihren eigenen Kopf und lässt sich (zumindest anfangs) nichts von Batman sagen. Batman geht als der Überlegenere aus der Geschichte hervor. Doch das ist erst der Anfang. Die Zeit der Männer-WG in Wayne Manor ist vorbei. Batwoman steht am Beginn der Batman-Familie …

Poison Ivy küsst zurück

DC Comics

Titel: A Touch of Poison Ivy

Autor/Zeichner: Robert Kanigher/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1966 (Batman #183)


Batman steht noch immer sehr unter dem Eindruck von Poison Ivy. Egal, mit welcher Frau Bruce Wayne anbandelt, ihm erscheint jedes Mal die in Blattgrün gekleidete Schurkin, die ihn mit einem Kuss in ihren Bann gezogen hatte. Robin versucht, mit kleinen Kämpfen gegen das Verbrechen Batmans Kopf wieder klarzukriegen. Aber so ganz klappt das nicht. Ivy lässt nicht locker. Zunächst tut sie so, als wäre sie im Gefängnis geläutert und schickt Batman zum Dank ein Geschenk: einen Handspiegel. Doch der ist vergiftet, und so fällt Batman wieder dem Bann der Frau zum Opfer – davor schützen ihn auch nicht die Handschuhe.

Er hilft ihr dabei, aus dem Knast zu entkommen und wird dadurch selbst zu ihrem Gefangenen. Tagelang liegt er gefesselt auf einem Sofa, ohne dass Ivy auch nur versucht, ihn zumindest seiner Maske zu entledigen, und widersteht der Versuchung, etwas zu essen. Als er zwangsernährt werden soll, dreht Poison Ivys Haustier, ein Panther, plötzlich durch und greift sie an. Batman rettet sie, Robin eilt herbei, und während es wieder zum Kuss kommt, beweist Batman, dass er immun gegen sie geworden ist. Zumindest vorläufig …

Poison Ivys erster Kuss

DC Comics

Titel: Beware of — Poison Ivy

Autor/Zeichner: Robert Kanigher/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1966 (Batman #181), Paperback 2017 (Batman Arkham: Poison Ivy)


„I hate to put such a beautiful doll behind bars!“ (Batman)

Wer ist die größte, die meistgesuchte Verbrecherin? Ist es Dragon Fly, Silken Spider oder Tiger Moth? Keine der drei, findet die junge Frau mit den roten Haaren und dem grünen Anzug, die plötzlich im Gotham Art Museum auftritt und große Töne spuckt: Sie selbst sei es, Poison Ivy. Sie behauptet, so gut zu sein, dass ihre Verbrechen nicht einmal auffallen. Den Beweis bleibt sie zunächst schuldig, fordert aber die drei genannten Schurkinnen heraus. Natürlich ist das eine Falle. Aber auch Batman und Bruce Wayne sind eingeladen, weil Ivy auf beide steht und sich erst im Direktvergleich für einen von beiden entscheiden will.

Als Batman und Robin mit ihren Fallschirmen vorbeikommen, ist bereits eine Schlägerei der drei Vebrecherbanden in vollem Gange. Die drei Anführerinnen erleiden einen Elektroschock, als sie sich gleichzeitig auf eine Krone stürzen, die ihnen Ivy überreicht.

Ivy versucht, Batman dazu zu überreden, sich ihr anzuschließen – mit einem Kuss. Robin durchschaut, dass Chemie im Spiel ist und reißt Batman los. Die Schöne ist jedoch davon überzeugt, dass sie auch ohne das Hilfsmittel bekommen hätte, was sie will. Und tatsächlich: Batman schwirrt danach ganz schön der Kopf.

Und da sie sich nicht besonders geschickt anstellt, wird sie auch schnell aufgehalten. Aber die Begegnung wirkt bei Batman nach. Er wirkt betört von der jungen Frau in Grün. Es wird klar, dass das nur der Anfang einer langen Beziehung sein kann.

Auffallend an diesem ersten Auftritt von Poison Ivy ist: Sie kommt aus dem Nichts. Es gibt keine Erklärung, warum sie Verbrechen begeht und warum sie ein Pflanzenkostüm trägt. Sie hat keinen Namen, nur ein Pseudonym. Typisch ist, dass es (nach Catwoman) wieder eine Frau ist, die Batman und Robin entzweit. Schon auf dem Cover wird sie als mögliche Ursache für einen Konflikt des Dynamischen Duos eingeführt, noch bevor man etwas über sie weiß.

Der Tag, an dem Robin starb (und Batman durchdrehte)

DC Comics

Titel: Robin Dies At Dawn

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1963 (Batman #156), Paperback 2009 (The Black Casebook), Hardcover 2015 (Robin, the Boy-Wonder: A Celebration of 75 Years)


„I’ve never felt so alone in all my life …“ (Batman)

„Why are you watching me?“ (Batman)

Als Batman für einen Geheimauftrag verschwindet, trifft Robin auf Ant-Man. Nein, natürlich nicht auf Marvels Ant-Man, der ein Jahr zuvor seinen ersten Auftritt hatte, aber auf einen anderen kleinen Helden, der dem von Marvel ziemlich ähnlich ist. Zweimal springt ihm das rote Kerlchen mit der Kraft eines ausgewachsenen Mannes zur Seite, als er es mit Räubern und Dieben zu tun hat. Doch dann macht sich Ant-Man mit dem Diebesgut davon. Robin findet den Wissenschaftler, der für das Schrumpfen verantwortlich ist und überlistet im Labor den kleinen Gauner, indem Robin sich selbst als Marionette spielt und sich seinen Gegner in den Fäden verheddern lässt.

Aber „The Secret of the Ant-Man“ ist nur der Prolog. Denn was Batman in der Zwischenzeit treibt, erfahren wir im zweiten Teil: „Robin Dies at Dawn“. Batman wird auf mysteriöse Weise ins Weltall gezogen und landet auf einem fremden Planeten. Die Stimmung mutet surreal an, wie in einem Traum: Eine gelb-grüne Wüste mit großen violetten Kratern und seltsamen anhänglichen Pflanzen, darüber schweben zwei Monde. Als sich eine der Pflanzen Batman schnappt, wünscht der sich seinen Partner herbei und kaum hat er ihn in seiner Verzweiflung gerufen, rettet er ihn.

Doch dann kommt es zum dramatischen Höhepunkt: Das Dynamische Duo wird von einem Steinriesen verfolgt, Robin wird übermütig und wird von einem Felsen erschlagen. Batman begräb ihn. Danach fühlt er sich beobachtet von Menschen, aber er kann niemanden sehen. An dieser Stelle fühlt man sich als Leser ertappt: den natürlich ist man es selbst, der Batman zuschaut, ohne dass er zurückschauen könnte. Nachdem er von einem roten Monster angegriffen wird, erfahren wir, was wirklich los ist: Batman hat sich einem Experiment ausgesetzt, bei dem er so isoliert war wie ein Astronaut im Weltall.

Batman halluziniert Monster

Diese Idee erinnert stark an die Pilotfolge der TV-Serie The Twilight Zone („Where is Everybody?“), die 1959 erschien. Darin findet sich ein Mann in einer verlassenen Welt wieder und die Auflösung ist die gleiche. Bei Batman werden die Halluzinationen mit der Angst vor der Einsamkeit erklärt. Batman bildete sich den Tod von Robin nur ein, weil er ohnehin in ständiger Sorge um ihn lebt.

Im dritten Akt zeigen sich die Spätfolgen dieses Experiments: Während Batman und Robin eine Bande in Affenkostümen jagen, wird Batman von Halluzinationen heimgesucht, die ihn an die eingebildete Alien-Welt erinnern. Batman schmeißt hin, Robin weint. Aber der Ruhestand dauert nur eine Seite. Als Robin gefangen genommen wird, eilt Batman mit Ace, dem Bat-Hound, zu Hilfe, verkleidet sich als Affe, überwindet seine Angst, rettet Robin, alles gut. Und doch: das letzte Panel wirkt mit seiner orangen Sonne und den dunkelvioletten Wolken irgendwie seltsam, als wären wir immer noch in der surrealen, verstörenden Traumwelt …

Was diese Story so spannend macht, ist nicht nur, dass sie eine gewisse psychologische Tiefe offenbart und Batman als psychisch kranken Mann zeigt, sie nimmt auch viele spätere Entwicklungen vorweg, vor allem den 23 Jahre später erschienenen The Dark Knight Returns: Robins Tod, Bruce Wayne gibt als Batman auf, Batman als Selbstzweifler, seine Rückkehr, um das Verbrechen zu bekämpfen. (Die Vorgeschichte ist nachzulesen in Last Crusade.) Grant Morrison bedient noch später sich bei seinem Epos Batman R.I.P. sehr stark bei dieser Story.

Mehr zum Thema:

Mister Freeze fängt bei Null an

DC Comics

Titel: The Ice Crimes of Mr. Zero

Autor/Zeichner: Dave Wood/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1959 (Batman #121), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


„Got to keep rocking! … It’s … our only chance …“ (Batman)

Bevor Mister Freeze der gefühlskalte Griesgram und kriminelle Dauermelancholiker war, den wir aus The Animated Series kennen und lieben, hat er als lächelnder Mr. Zero angefangen. Zunächst ist er bloß ein Wissenschaftler, der bei der Entwicklung einer Eiskanone mit einem Gas kontaminiert wurde, sodass er nur noch Temperaturen unter Null erträgt. Seitdem muss er einen seinen Anzug tragen, der zwar noch grün-rot ist, aber schon den charakteristischen Glashelm hat. Allerdings erklärt der tragische Unfall nicht seine Vorliebe fürs Verbrechen.

Mr. Zero zieht nämlich getarnt im Eiswagen umher, um Raubüberfälle zu begehen. Batman und Robin kommen ihm sofort auf die Spur, weil kurz nach dem Raub nicht die Polizei kommt, sondern zunächst das Batsignal leuchtet und das Dynamische Duo wie durch ein Wunder sofort am Tatort ist. Naja, egal: die beiden erleben jedenfalls ihr kaltes Wunder, als ihre Verfolgungsjagd von einem Eisstrahl unterbrochen wird.

Beim zweiten Mal werden sie von Zero in Eisklötzen gefangen genommen. Batman befreit sich und Robin, indem er von innen heraus den Klotz bewegt. Mr. Zero muss beim Vereisen zu viel Bewegungsraum gelassen haben. Die Blöcke brechen, dann gibt’s nach althergebrachter Art für den Schurken was aufs Maul. Aber statt Schmerzen spürt er große Freude: Dank der Dämpfe, das Batman aus Leitungen gelassen hat, ist Mr. Zero von seiner Kältesucht geheilt. Eine einfache Dampfkur hätte also alle Verbrechen verhindern können. Batmans Kommentar: „That steam treatment must have changed you back to normal! Now we’ll see if the law can straighten out your distorted mind!“ Wie wir wissen, wird das nicht so gut klappen. Aber immerhin wird erstmal für die nächsten neun Jahre Ruhe sein – bis Mr. Zero als Mr. Freeze zurückkehrt.

Und nun zum Abschluss ein wenig Musik, passend zum Thema Rocken bei Kälte:

>> Liste der Mister Freeze-Comics

Die grinsenden Geschworenen

DC Comics

DC Comics

Titel: The Joker Jury!

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1964 (Batman #163), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„This is insane! It’s like a scene out of ‚Alice in Wonderland‘!“ (Batman)

Es wird nicht ganz klar, warum sich Batman und Robin vor drei überdimensionalen Springteufeln mit Joker-Köpfen fürchten, aber diese Story basiert ohnehin nicht auf dem gesunden Menschenverstand. Jedenfalls lockt der Joker unsere Helden in eine Falle und stellt Batman vor Gericht: der Richter ist der Joker selbst, Ankläger und Geschworene sehen aus wie er. Die Anklage: Batman beschneidet das Recht von Individuen, Verbrechen zu begehen. Das klingt zunächst absurd, aber trifft einen wahren Kern. Denn der Joker spricht von der menschlichen Freiheit, sich entscheiden zu dürfen, ob er gegen das Gesetz verstößt oder nicht. Aber so tief gehen weder Anklage noch Plädoyers, Batman kommt nicht zu Wort und wird sofort verurteilt und verknackt. (Zusammen mit Robin, der eigentlich nicht angeklagt wurde, aber sei’s drum.)

Das groteske Schauspiel dauert nur zwei Seiten lang, die übrigen elf sind einer nicht minder absurden Verbrechensreihe gewidmet. Der Joker richtet sich thematisch nach der Zuständigkeit von Behörden aus. Zunächst kippt er einen Laster des Bau-Amtes aus, dann bedient er sich eines riesigen Staubsaugers, um Juwelen zu stehlen, dann geht es um Straßenbau, Grünflächen und am Ende um Gesundheit. Man könnte sagen: der Joker unterwandert das System und stiftet Chaos mit den Mitteln der Gemeinde.

Interessant dabei ist, dass das Finale auf einer Batman-Wohltätigkeits-Messe stattfindet, bei der die Helden aus Pappmaché ausgestellt sind, zusammen mit einer Reihe von Batmobil- und Batplane-Modellen. Am Ende lässt Batman die Modelle per Schalter auf die Joker-Bande los. So hat der ganze Batman-Kult auch einen praktischen Nutzen.

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Kampf der Formwandler

DC Comics

DC Comics

Titel: The Great Clayface–Joker Feud

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1963 (Batman #159)


„Clayface will rue the day he tried to compete with the Joker!“

Eigentlich war Clayface erledigt, nachdem Batman ihm den Zugang zu seinem Wundermittel versperrt hat. Jetzt ist wieder da, mit selbstgebrautem Formwandler-Serum. Das beeindruckt die Unterwelt so sehr, dass es heißt, er sei der größte Kriminelle des Landes. Als der Joker das hört, kann er es nicht auf sich beruhen lassen.

Es beginnt ein Wettstreit der Schurken: Zunächst fordert Clayface Joker heraus, indem er ihn imitiert, dann revanchiert sich der Joker, indem er bei einem Kunstraub mehrere Kostüme übereinander legt und vor Batman und Robin eins nach dem anderen ablegt. So wird aus dem Clown ein afrikanischer Krieger, dann ein Igel oder vielmehr ein Stachelschwein, schließlich eine Libelle – er entkommt auf Flügeln.

Clayface hat es satt: er entführt Batman und Joker. Letzterer schlägt eine Allianz vor, man einigt sich. Doch als Clayface versucht, Batman zu demaskieren, nimmt die Story eine unerwartete Wendung. Mal wieder hat sich Batman als Joker verkleidet … (das scheint zur Gewohnheit zu werden)

Unterstützt werden Batman und Robin nicht nur von einem täuschend echten Batman-Roboter, sondern auch von der Presse, die freiwillig Falschmeldungen in die Welt setzt, damit Batman seinen genialen Plan umsetzen kann. Glaubwürdigkeit der Medien spielte damals wohl noch keine große Rolle. Auch Batwoman und Batgirl mischen mit, zunächst nur als Jungfern in Nöten, aber dann erweisen sie sich auf Fluggeräten namens Whirly-Bats als ziemlich nützlich – wenigstens hinter den Kulissen. Am Ende dürfen sie das Dynamische Duo nach dem aufregenden Abenteuer beruhigen. Als Batwoman mit Batman flirtet, bleibt dem sonst so souveränen Dunklen Ritter die Luft weg.

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