Paul Dini

Two-Face unterm Messer

Harvey Dent soll operiert werden

Titel: Second Chance (dt. Sein schlimmster Feind)

Story/Drehbuch: Paul Dini, Michael Reeves/Gerry Conway

Erschienen: 1994 (Batman: The Animated Series, S02E15)


Two-Face ist auf dem Weg der Besserung. Harvey Dent hat seine böse Seite im Griff, jetzt soll er auch eine plastische Chirurgie bekommen. Bruce Wayne zahlt. Doch kaum liegt Harvey unterm Messer, kommen Typen mit Maschinengewehren in den OP und entführen ihn. Batman und Robin verfolgen die Entführer und finden zwei Spuren: Die eine führt zu Rupert Thorne, die andere zum Pinguin. Aber wer ist der Auftraggeber?

Two-Face mit Münze

Die deprimierende Antwort: Harvey Dents schlimmster Feind. Batman zieht allein los, um ihn zu fassen, Robin soll zuhause bleiben, denn es wird persönlich. Batman gerät in Gefangenschaft, Two-Face wirft eine Münze, die auf der Kante stehen bleibt. Immer wieder. Ein alter Trick, den wir schon aus den Comics kennen: Batman hat die Münze ausgetauscht.

Münze auf der Kante

Am Ende kommt es zu einer dramatischen Entscheidung: Two-Face hängt am Abgrund, Batman hält ihn an einer Hand fest, in der anderen hält Two-Face seine falsche Münze fest. Doch Überleben heißt nur Rückkehr nach Arkham. Armer Harvey. Manche wollen einfach nicht gesund werden.

Second Chance ist eine gelungene und tragische Fortsetzung des Zweiteilers Two-Face. Zusammen bilden sie eine Art Trilogie, die man auch als einen Film schauen kann. Die Episode zeigt drastisch die Hoffnungslosigkeit dieser gescheiterten Existenz.

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Batman auf der Anklagebank

Joker als Richter

Titel: Trial (dt. Der Prozess)

Drehbuch/Story: Paul Dini, Bruce Timm

Erschienen: 1994 (Batman: The Animated Series S02E03)


„Ich persönlich war ja mehr für einen Schuss zwischen die Augen, verlor aber beim Münzenwerfen.“ (Two-Face)

Die neue Bezirksstaatsanwältin, Janet Van Dorn, ist kein großer Fan von Batman. Sie will ihn aufhalten. Doch bevor es dazu kommen kann, wird sie von den Schurken nach Arkham entführt. Dort haben die Irren die Anstalt übernommen und halten einen Schauprozess über Batman ab. Joker als Richter, Two-Face als Staatsanwalt, die restliche Rogues Gallery als Geschworene. Van Dorn soll ihn verteidigen. Sie spielt mit – auch wenn das Spiel keinen Sinn ergibt, weil die Verrückten ohnehin tun, was sie wollen.

Verteidigung und Geschworene

Die Anklage: Batman hat Joker und Co. zu dem gemacht, was sie sind. Van Dorn kann das zwar widerlegen, die Geschworenen sprechen Batman frei – und trotzdem wird er verurteilt. Bevor er hingerichtet wird, soll er demaskiert werden, aber da erweist sich die Verteidigerin als Retterin in der Not.

Demaskierung vor der Hinrichtung

Die Episode hat einige witzige Situationen und starke Momente. Aber die größte Stärke dieser Folge besteht nicht nur im Spaßfaktor völligen Irrsinns und in dem All-Star-Ensemble der Schurken, sondern auch, dass die Figuren sehr kritisch hinterfragt werden – genauso wie Batman selbst. Dass am Ende nicht nur Van Dorn, sondern auch Batman für eine Stadt ohne Batman kämpfen wollen, ist ein perfekter Abschluss: Batman ist die Verneinung seiner selbst. Er ist da, um sich überflüssig zu machen.

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Batman-Killer wider Willen

Titel: The Man Who Killed Batman (dt. Der Mann, der Batman getötet hat)

Drehbuch: Paul Dini

Erschienen: 1993 (Batman: The Animated Series S01E51)


Der Kleinganove Sidney Debris will in Rupert Thornes Gang aufsteigen. Seine Mitstreiter halten nicht so viel von ihm, sie nehmen ihn bloß als Beute für Batman mit, damit sie ungestört ihr Ding drehen können. Doch als es zur Konfrontation mit dem Dunklen Ritter kommt, stürzt dieser durch Zufall vom Dach, ein Gastank explodiert – es sieht als, als wäre Batman tot. Daraufhin bekommt er unter dem Beinamen „The Squid“ den Ruf, der Mann zu sein, der die Fledermaus erledigt hat.

Jokers Sarg für Batman

Kurz darauf nimmt sich der Joker seiner an. Denn wenn Batman tot ist, dann ist nicht nur das Verbrechen keinen Spaß mehr, dann wurde er auch um das Vergnügen gebracht, seinen Erzfeind selbst zu erledigen. Bei einer Trauerfeier im ACE-Chemiewerk wird Sidney Debris im Säuretank versenkt …

Der Joker zeigt, wo es langgeht.

Wie immer bewahrheitet sich die alte Weisheit: Keine Leiche, keine Toten. Klar, Batman kann nicht sterben. Muss er auch nicht. Zwar fehlt er die meiste Zeit in dieser Folge, aber man vermisst ihn nicht. Seine Präsenz ist ständig spürbar, ob in der Betroffenheit der Polizei oder in dem Verhalten der Verbrecher. Allen voran der Joker, der ständig zwischen aufrichtiger Trauer um seinen Kontrahenten, Albernheit und Ärger changiert. Batman fehlt allen. Und ist dadurch ständig präsent.

Der eigentliche Held aber ist der kleine Sidney Debris, der tollpatschig von einer Klemme in die nächste gerät, nur weil er sich nach Anerkennung sehnt. Batman rettet ihn und macht ihn auf ungewöhnliche Weise glücklich. Eine rundum spaßige Folge.

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Sicherheit über alles

Lock-up in Batman TAS.

Titel: Lock-Up (dt. Hinter Schloss und Riegel)

Story/Drehbuch: Paul Dini/Marty Isenberg, Robert N. Skir

Erschienen: 1994 (Batman: The Animated Series S02E17)


Lyle Bolton ist ein berüchtigter Sicherheitsbeamter im Arkham Asylum: Die Insassen haben Angst vor ihm. Selbst als sie aussagen sollen, traut sich zunächst niemand, etwas gegen ihn hervorzubringen. Schließlich ringen sie sich doch durch – Bolton rastet aus und wird gefeuert. Sechs Monate später ist er als Vigilant Lock-Up (dt. der Schließer) unterwegs, um eine neue Gesellschaftsordnung aufzustellen. Dazu entführt er den Bürgermeister, den Arkham-Chef, Commissioner Gordon und die Reporterin Summer Gleeson.

Lock-Up ist die Verkörperung des reaktionären Amerika, wie man es an der heutigen Regierung sehen kann. Seine Hardliner-Rhetorik geht über Law-and-Order hinaus, sie zeugt von einem faschistischen Weltbild, das kein Mitleid, keine Nachsicht und auch keinen Widerspruch duldet. „Wenn Sie nicht Teil der Lösung sind, dann sind Sie ein Teil des Problems“, sagt er zu Batman, der sich ihm nicht anschließen will. Wenn er über die Arkham-Insassen spricht, wird seine Menschenverachtung deutlich: „Ihr seid der letzte Dreck! Man sollte euch totschlagen, ihr nichtswürdigen Kreaturen!“

Vor diesem Schließer haben alle Angst.

Die Insassen seien aber nur die Symptome für die Stadt, die wie eine offene Wunde sei, die unbedingt genäht werden müsse. Bolton schimpft über Bürokraten, die lasche Polizei, verhätschelnde Ärzte, liberale Medien. Sie alle sollten in einen Käfig ohne Schlüssel gesperrt werden. Und Bolton lässt auf Worte sogleich Taten folgen – er nimmt das Gesetz in die eigene Hand, um die Welt nach seiner Vorstellung zu gestalten. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Damit ist Lock-up eine extreme Karikatur von Batman: Auch dieser setzt sich über Grenzen hinweg – allerdings um das System zu stützen. Und damit macht sich Batman auch mitverantwortlich, dass Arkham nur eine Drehtür für gefährliche Kriminelle ist. In diesem Punkt hat Bolton recht. Aber auch nur in diesem.

Lock-up ist ein so interessanter Schurke, dass er es später auch in die Comics geschafft hat (Detective Comics #697-699, 1996).

Bolton hält nichts von den liberalen Medien.

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Götter als Alltagshelden

Titel: The World’s Greatest Super-Heroes (dt. DC Helden)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Alex Ross

Erschienen: 1999-2004 (One-shots: Superman: Peace on Earth, Batman: War on Crime, Captain Marvel: Power of Hope, Wonder Woman: Spirit of Truth, JLA: Secret Origins, JLA: Liberty and Justice) Paperback 2005, Hardcover 2017 (Absolute Justice League); dt. Panini 2007 (DC Premium 50)


„I now see that taking on this responsibility was too ambitious for one man, even a Superman.“

Alex Ross ist der Michelangelo unter den Superhelden-Malern. In den 90ern hat er zuerst mit Marvels die Marvel-Helden zu Göttern gemacht, dann – mit Kingdom Come – die DC-Helden, wenn auch in einem Elseworlds-Szenario. Ende der 90er begann er zusammen mit Autor Paul Dini damit, den größten Charakteren einzelne Denkmäler zu setzen: Superman, Batman, Captain Marvel, Wonder Woman und der Justice League. Entstanden sind sechs Bände, in denen einerseits die Helden mit bildgewaltigen Auftritten zu Göttern stilisiert, anderersits ihre menschlichen Seiten gezeigt werden.

Die Helden kämpfen nicht gegen Superschurken, sondern gegen die realen Probleme der Welt: Superman versucht, den Welthunger zu besiegen – und scheitert an der Gier und der Borniertheit der Menschen. Batman (der sich fragt, wie sein Leben ohne Reichtum verlaufen wäre) versucht, das Verbrechen an der Wurzel anzugehen, um Menschen in Gotham ein besseres Leben zu ermöglichen, und erzielt immerhin Teilerfolge. Es ist interessant in der Gegenüberstellung, wie der Übermensch versagt und der Mensch gewinnt, aber in ihrer Grundhaltung sind beide Geschichten positiv.

So auch Captain Marvel (Shazam) und Wonder Woman: Während der eine behinderten Kindern Hoffnung gibt, indem er Zeit mit ihnen verbringt, beschützt die andere Unschuldige (Frauen) weltweit vor ihren Unterdrückern. Captain Marvel kann zwar auch den Vater eines Jungen davon abhalten, seinen Sohn zu misshandeln, aber Wonder Woman scheitert mit ihrer Naivität, als sie sich halbnackt in ihrem Kostüm unter vollverschleierte Muslima begibt – dafür fliegen Steine.

Jeweils über zwei Seiten werden die jeweiligen Entstehungsgeschichten der Helden nacherzählt, so auch die von Flash, Green Lantern, Aquaman, Martian Manhunter und anderen. Die umfangreichste Story ist der Justice League gewidmet. Das Team muss einen außerirdischen Virus in Zentralafrika bekämpfen, der zur Bedrohung für die Welt wird. Während die Helden versuchen, das Schlimmste zu verhindern, bricht weltweit Panik aus, die Helden müssen intervenieren und machen sich damit unbeliebt. Das Vertrauen wird erschüttert – und muss anschließend mühsam wieder aufgebaut werden.

Trotz der allzu weltlichen Probleme ist der Blick stets nach innen gekehrt, der Ton der Geschichten nachdenklich. Sprechblasen gibt es nicht (außer bei der JLA), die Captions sind aufgelöst in reine Textfelder, um der Kunst mehr Raum zu geben. Wichtiger als die äußere Handlung sind die inneren Vorgänge und Motivationen der Helden. So bekommen die Charaktere eine größere Tiefe als in den meisten Comics. Und manches Unerhörte offenbart neue Abgründe, wie z.B. dieser Gedanke von Batman:

„In my darkest moments, I’m taunted by the suspicion that my parent’s murder was the best thing that ever happened to me. Cynically, I tell myself it has given my life a destiny and the means to fulfill it.“

Die Superhelden zweifeln an sich, weil sie mit ihren scheinbar unendlichen Kräften an die Grenzen des Machbaren stoßen. Ganz alltägliche Probleme scheinen unüberwindbarer als eine Alien-Invasion. Man sieht, warum auch Superhelden nicht alles können – es sei denn, sie werden zu Tyrannen, was sie natürlich nicht wollen. Ihren größten Nutzen haben die Übermenschen, wenn sie sich bemühen, einfach nur gute Menschen zu sein. So besteht auch ihr Zweck für die reale Welt darin, anderen Menschen Hoffnung zu verleihen.

Alex Ross inszeniert die Protagonisten nicht nur überaus realistisch, sondern auch feinfühlig, mit einem treffenden Gespür für Ausdrücke und Nuancen schafft er es, jeden noch so geringen Statisten mit Leben zu füllen. Mit ungewöhnlichen Perspektiven und einer Vielzahl an romantisierenden Lichtstimmungen versetzt er auf jeder Seite seine Leser in Staunen. The World’s Greatest Super-Heroes wird seinem Titel mehr als gerecht, es ist ein Meisterwerk.

Jahrelang war das Buch vergriffen, jetzt hat DC es in einer prächtigen Absolute-Edition herausgebracht (UVP: 75 US-Dollar). Für jeden DC- und Alex Ross-Fan dürfte es das perfekte Weihnachtsgeschenk sein.

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Der tragische Mister Freeze

DC Comics

Titel: Batman – Mr. Freeze

Autor/Zeichner: Paul Dini/Mark Buckingham

Erschienen: 1997 (One-shot), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


„I have done nothing to deserve this punishment. I’m an innocent man. One of the few true innocents in this city.“ (Mister Freeze)

Mister Freeze läuft Amok in Gotham: Mit seiner Frostkanone schießt er wild um sich, um das Böse aus der Stadt auszumerzen, die er für die Hölle hält. Selbst Robin wird vereist. Dass Batman dagegen vorgeht und dabei gegen Eisbären und einen Seeleoparden kämpft, ist nur die Rahmenhandlung. Der Kern der Story sind die Rückblenden, die Mister Freeze eine tragische Vorgeschichte geben, die von der Version in The Animated Series inspiriert ist.

Victor Fries hat schon als Kind gerne Tiere in Eiswürfel eingefroren, um ihre Schönheit zu bewahren. Seine Eltern fanden das gar nicht lustig und steckten ihn in ein Heim. Der Junge wurde ein Leben lang gemobbt, bis er an der Uni die Liebe seines Lebens fand: Nora. Die beiden verliebten sich, heirateten, eine Weile war alles gut, bis Nora unheilbar krank wurde. Victor suchte sich einen neuen Job bei Gothcorp, um die Rechnungen fürs Krankenhaus bezahlen zu können. Als die Lage verzweifelt schien, legte er sie auf Eis – in einen Kryo-Schlaf. Doch weil das Projekt gestrichen wurde, gab es Ärger, als Victor sich wehrte, wurde er mit der Flüssigkeit kontaminiert, die ihn so wärmeempfindlich machte.

Im Kälteanzug wurde Fries zu Freeze und beging Rache mit der Frostkanone. Nachdem Batman ihn aufhielt, schwor er, sich auch an ihm zu rächen: „I will find whatever you treasure most … and destroy it in front of your eyes …“ Das Opfer wurde schließlich Robin.

Eine ähnliche Prämisse hat auch die BTAS-Folge Cold Comfort (ebenfalls von 1997), in der ein verbitterter Mister Freeze Amok läuft, um den Menschen wegzunehmen, woran ihr Herz am meisten hängt. Hier sieht sich der Schurke sogar wegen seiner Opferrolle als Unschuldiger, der im Recht ist, über andere zu richten. Eine interessante Entwicklung. Zum ersten Mal kann man den Charakter auch in der Haupt-Continuity der Comics ernst nehmen. Ein Umstand, der jedoch von der Darstellung von Mister Freeze im Film Batman & Robin (1997) wieder zunichte gemacht wurde.

(Bemerkenswert, dass dieses Comic (neben One-shots zu Bane, Batgirl und Poison Ivy) den Film mitbewerben sollte. Die Enttäuschung dürfte nach dieser Lektüre groß gewesen sein, wie sehr Comic und Film sich unterschieden.)

>> Liste der Mister Freeze-Comics

Lektüre für Minuten

DC Comics

Titel: Private Casebook

Autor/Zeichner: Paul Dini/Dustin Nguyen

Erschienen: 2007-2008 (Detective Comics #840-845, DC Infinite Halloween Special #1), Paperback 2008


Paul Dini gehört zu den Legenden unter den Batman-Autoren: Miterfinder von The Animated Series, Autor von Mad Love, zuletzt schrieb er den autobiografischen Comic Dark Night: A True Batman Story. Doch schon in den Nuller Jahren durfte er lange Comics schreiben, wie The Resurrection of Ra’s al Ghul, Heart of Hush und Streets of Gotham. Daneben schrieb er auch eine Reihe von Kurzgeschichten; Private Casebook ist eine Sammlung davon.

Der Auftakt ist ein Epilog zu The Resurrection of Ra’s al Ghul, der eigentlich im dazugehörigen Paperback besser aufgehoben wäre. Der auferstandene Schurke versucht wieder, in Gotham Fuß zu fassen. Aber Batman prügelt ihn nach Arkham. Aber das ist auch schon die stärkste Erzählung des Bandes.

Was sonst noch passiert?

In „The Wonderland Gang“ versammelt der Mad Hatter eine Gruppe von Handlangern, die wie er von Alice im Wunderland inspiriert sind. „The Suit of Sorrows“ macht eigenartigerweise einen Sprung zurück zu The Resurrection of Ra’s al Ghul, wo Batman eine historische Rüstung getragen hat. Hier geht er dem Geheimnis der Rüstung nach. Aber interessieren muss uns das nicht.

Zu einem Team-up mit der Zauberin Zatanna kommt es im Zweiteiler „Opening Night/Curtains“. Zusammen nehmen sie es mit einem neuen Bauchredner auf, einer Frau, die offenbar von Scarface besessen ist. Wir lernen die Frau mit sehr viel Vorgeschichte näher kennen, bevor wir uns wieder schnell von ihr verabschieden. Schließlich trifft Batman in „The Riddle Unanswered“ auf Catwoman, aber das ist eigentlich nicht nennenswert, ebenso wie die Halloweengeschichte am Ende.

Kurz gesagt: Man muss Private Casebook nicht lesen. Außer man braucht eine Klolektüre für Minuten oder belanglose Gutenachtgeschichten zum Einschlafen.

Spekulationen in Schwarz-weiß

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Black and White Vol. 2 (Case Study)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Alex Ross (u.a.)

Erschienen: 2000-2001 (Gotham Knights #1-16), Paperback 2008


„What if the Joker is not insane?“

Was, wenn der Joker nicht verrückt wäre, sondern die Fassade des Verrückten bloß für einen persönlichen Rachefeldzug nutzte? Diese Frage stellt sich ein Arzt in Arkham in der Kurzgeschichte „Case Study“. Autor Paul Dini (Mad Love) spielt die Entstehung des Jokers in einer Variante durch: früher soll der Schurke bloß ein gewiefter Gangster gewesen sein, der sich ständig neue Namen gab und sich neue Handlanger suchte. Polizeiverhören entging er dank eines guten Anwalts. Zum Red Hood wurde er, um seine Anonymität zu wahren: mit dem roten Helm konnte er nicht fotografiert werden. Der Rest ist bekannt: die Monarch Spielkartenfabrik, Batman, der Sturz in den Chemikalientank etc. Schlussfolgerung: der Gangster wurde zum Joker, weil er mit seinem entstellten Gesicht nicht mehr unerkannt sein Imperium weiterführen konnte. Also wurde seine neue Mission die Rache für diesen Verlust …

Diese „Fallstudie“ wäre wesentlich unspektakulärer, wenn nicht Alex Ross (Kingdom Come) ihr mit seinen fotorealistischen Collagen eine Aura von höchster Kunst verliehe. So wird die Kurzgeschichte nicht nur zu einer psychologischen Spekulation, sondern auch zu einer Feier des Mythos Joker. In Schwarz-Weiß.

„Case Study“ bildet einen starken Auftakt für den zweiten Band der Anthologie Batman Black and White, in der achtseitige Kurzgeschichten gesammelt werden. Im Gegensatz zum ersten Band stammen sie nicht aus einer dafür geschaffenen Mini-Serie, sondern aus der Serie Gotham Knights, aber das sei nur am Rande erwähnt. Autoren und Künstler wie Brian Azzarello, John Byrne, Howard Chaykin, Alan Grant und Paul Pope feiern ihre Versionen des Dunklen Ritters mit kleinen aber feinen Geschichten. Oft düster, mal heiter und manchmal sogar ziemlich albern.

Black and White lebt, wie jede Anthologie, von der Variation. Unter den sehr verschiedenen Zeichenstilen, die von der Karikatur bis zur anspruchsvollsten Kunst reichen, ist für jeden Geschmack etwas dabei. Leider fehlen aber die herausragenden Storys, die sich so einprägen wie die Höhepunkte des ersten Bandes.

Wir sehen Batman mit Catwoman gegen Nazis kämpfen und mit Green Lantern (Alan Scott) gegen ganz gewöhnliche Gangster; als Bruce Wayne muss er sich in der Rolle des Babysitters mit Zwillingen rumschlagen. Meist schwankt die Qualität zwischen bemüht und belanglos. Nur weniges ist erwähnenswert: die Storys von Eduardo Risso, Jim Lee und Tim Sale (The Long Halloween, Dark Victory, Haunted Knight), sowie eine Riddler-und eine Scarecrow-Geschichte. Als Lektüre für Eilige und Batman-Connaisseure erfüllt aber auch der zweite Black and White-Band seinen Zweck.

Weiße Weihnacht dank Mister Freeze

DC Comics

DC Comics

Titel: The Batman Adventures Holiday Special

Autor/Zeichner: Paul Dini/Bruce Timm u.a.

Erschienen: 1995 (One-shot), Paperback 2016 (The Batman Adventures Vol. 4)


„One of these years I’m going to beat him to the check.“ (James Gordon)

Batgirl gegen Clayface im Kaufhaus, Harley Quinn und Poison Ivy auf Shoppingtour mit Bruce Wayne, Silvester mit dem Joker. Das Batman Adventures Holiday Special versammelt fünf humorvolle Episoden rund um Weihnachten und Silvester. Abgesehen von den herausragenden Zeichnungen von Bruce Timm (Mad Love) leben sie von lauter schönen Einfällen: Bullock als Undercover-Weihnachtsmann, Montoya als sein Elf und am Ende treffen sich Batman und James Gordon an Neujahr zu einer Tasse Kaffee – eine Tradition, die im Rahmen einer größeren steht: Batman kippt den Kaffee eilig runter, zahlt und verschwindet wieder, während Gordon mal kurz wegguckt.

Neujahrstradition: Batman und Gordon in Holiday Knights

Neujahrstradition: Batman und Gordon in Holiday Knights

Das Special wurde 1997 unter dem Titel „Holiday Knights“ für The New Batman Adventures verfilmt. Auch wenn die Serienfolge sehr nah an der Vorlage ist, fehlt die Episode, auf die das Heftcover verweist: In „White Christmas“ bricht Mr. Freeze am Weihnachtsabend aus Arkham aus und hinterlässt eine kalte Spur bis zum Friedhof, nur um seiner toten Frau Nora ein weißes Weihnachten zu bescheren. Sentimental, aber wohl etwas zu traurig für den sonst launigen Ton der übrigen Storys.

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Jokers Spritztour mit Robin

DC Comics

DC Comics

Titel: Slayride

Autor/Zeichner: Paul Dini/Don Kramer

Erschienen: 2007 (Detective Comics #826), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„… I couldn’t have planned this.“ (Joker)

Man soll nicht zu Fremden ins Auto steigen. Nicht mal, wenn sie Hilfe in der Not anbieten. Nicht mal, wenn man Erwachsen ist. Nicht mal, wenn man Robin ist. Diese Erfahrung muss Tim Drake machen. Während eines Einsatzes tut er nämlich genau das und bereut es sofort, denn im Auto sitzt der Joker. Der betäubt und fesselt ihn an den Beifahrersitz und fährt mit ihm planlos durch die Gegend.

Es geht zu wie bei GTA: Joker überfährt ein paar Fußgänger, erschießt den Manager eines Fast-Food-Ladens. Robin versucht, sich mit einem Spielzeugauto zu befreien. Der Joker nimmt es ihm zwar weg, aber er kommt doch frei (irgendwie, ist auch egal), vermöbelt ihn und die Fahrt endet mit einem Unfall.

Ach ja, eines noch: der Joker trägt eine Weihnachtsmann-Mütze, es ist Vorweihnachtszeit, aber das spielt eigentlich keine Rolle. Und es beschert der ziemlich willkürlichen Story auch nicht unbedingt mehr Sinn. Immerhin is sie ganz ansehnlich gezeichnet. Aber ansonsten: geschenkt.

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