Idylle mit Landei

Exkurs: Superman (Teil 3)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman For All Seasons (dt. Superman für alle Zeiten)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1998 (Mini-Serie #1-4)


 „Maybe it’s time I was a little impulsive.“ (Clark Kent)

Bevor es Superman gab, gab es nur ein Landei namens Clark Kent. Ein Farmersohn aus Kansas. Ein Durchschnittsamerikaner. Jeph Loeb und Tim Sale versuchen in ihrer Mini-Serie den Mann aus Stahl zu einem Jedermann zu machen, der klein angefangen hat, als Träumer, Grübler und Zweifler. Wie geht ein junger Mann mitten in der Gewöhnlichkeit damit um, ungewöhnlich zu sein, Superkräfte zu haben? Wer bin ich und was soll ich tun?, sind die Fragen, die ihn umtreiben.

Man könnte Superman For All Seasons auch Superman: Year One nennen. Es umfasst das erste Jahr im Leben von Clark nach dem Abschluss in Smallville und seinen Anfängen in Metropolis. Viel Handlung gibt es nicht: Zwar fängt Superman eine Atomrakete ab, zerlegt ein U-Boot voller Terroristen, hält einen Zug auf und stoppt eine Flut, aber diese Taten erscheinen nebensächlich. Es wird kein großes Drama um sie gemacht, vielmehr wirkt es, als müsste man sie zeigen, weil sie einfach nur zum Mythos dazu gehören. Zeichner Tim Sale zelebriert diese Momente in  eindrucksvollen doppelseitigen Splash Pages.

Dem gegenüber stehen die Doppelseiten, in denen die endlose Weite der Felder in Kansas gezeigt wird, mit winzigen Menschen vor pastellfarbenem Himmel. Auch wenn sich Superman in Metropolis mit Lex Luthor rumschlägt, dort für seinen Heldentum gefeiert wird, bleibt er doch einsam und kehrt immer wieder nach Smallville zurück, wo er Trost bei seinen Eltern und bei Lana findet. So erscheint Superman menschlicher denn je, aber auch weicher und lethargischer, um nicht zu sagen langweiler. Und es bleibt offen, ob Autor Jeph Loeb ihm einen Gefallen damit tut, dass er die vier Kapitel von Jonathan Kent, Lois Lane, Lex Luthor und Lana Lang erzählen lässt, oder ob es interessanter gewesen wäre, Clarks Gedanken zu lesen.

Was Loeb und Sale schaffen, ist eine Idylle. Sie inszenieren Superman als Über-Helden und zeigen, dass er eigentlich lieber kleiner wäre. Das wird deutlich in der riesenhaften Gestalt der Hauptfigur, die einerseits aufgepumpt und imposant erscheint, andererseits in der Menschenrolle unbeholfen und plump. Clark ist die Rolle des Superman zu groß, er muss erst hineinwachsen. Ebenso ist er aber auch zu groß, um einfach nur ein Mensch zu sein. Dieser Zwiespalt wird zwar sehr schön deutlich, aber es stellt sich die Frage, ob es so einen Superman braucht oder ob das Image des übersensiblen Oberpfadfinders nicht ein überholwürdiges Auslaufmodell ist.

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