Tim Sale

Superman ist einer von uns

DC Comics

Titel: A Hero’s Journey

Autor/Zeichner: Joe Kelly/Pascual Ferry, Duncan Rouleau u.a.

Erschienen: 2003 (Action Comics #800), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman)


Als Superman 65 wurde, erschien Action Comics #800. Wieder ein Anlass, um in die Geschichte zu schauen, wieder ein Anlass, um dessen Vorgeschichte zu erzählen, wieder ein Anlass, um nostalgisch und sentimental zu werden.

Wir sehen erneut das Altbekannte: Vom Kind aus der Rakete bis zum ersten Auftritt im Cape. Wie die Kents diskutieren, ob sie das Kind adoptieren sollen, wie Jonathan Kent seinem Sohn mit bestem Beispiel vorangeht, wie Clark fliegen lernt und sich in Metropolis zunächst verloren fühlt und es dann in Paris und Venedig versucht, wo er sich erstmals als Held beweisen kann. Später lernt er das Journalisten-Handwerk von Ed Wilson, rettet das Flugzeug Constitution (Superman rettet als guter Amerikaner sozusagen die Verfassung) und wird zu Superman im bekannten Kostüm.

Es sind Momente der Introspektion und Selbstreflexion, es sind Momente des großen Zweifels eines Heranwachsenden, der seinen Platz in der Welt sucht – vor allem vor dem Hintergrund, dass er besondere Fähigkeiten hat. Und wir kennen es bereits zum Erbrechen. Hier nochmal dargestellt in bonbonbunten Farben.

Was diese Jubiläumsausgabe interessant macht, sind die Zwischenspiele: Mehrere Zeichner, darunter Tim Sale, Jim Lee, Lee Bermejo und Klaus Janson, schildern entweder eine sehr persönliche Sicht auf Superman oder aber erzählen kurze Geschichten, wie Superman „einfache Menschen“ inspiriert. Das kranke Kind will wieder gesund werden, die gelähmte Frau lernt wieder gehen, ein Polizist zieht zur Arbeit ein Superman-T-Shirt als Glücksbringer an, wird von seinen Kollegen verspottet und nach einer Heldentat respektiert. Doch da sind auch nostalgische Momente: Alex Ross reinszeniert das Cover von Action Comics #1, wir sehen den Superman aus den Fleischer-Cartoons der 40er und Jerry Siegel mit Joe Shuster, wie sie Superman erfinden.

Wir sehen also Supermans Geschichte zum einen durch seine und zum anderen durch unsere Augen, aus der Sicht des Helden und aus der Sicht der Leser. Zwischen den Panels steht also Supermans Rechtfertigung im 21. Jahrhundert. Nein, er ist nicht nur eine kindische Fantasie, er ist einer von uns – und deshalb kann er auch Menschen in der realen Welt dazu bringen, über sich selbst hinauszuwachsen. Pathetisch? Ja, natürlich. Aber wenn ich nach all der Superman-Lektüre eines verstanden habe, dann dass Superman ohne Pathos nicht geht. Das ist die Garantie von Superman-Comics: dass sie eine optimistische, menschenfreundliche Haltung haben. Man kann sich darauf verlassen, dass sie Trost spenden, motivieren und ein gutes Ende finden. Ob das einem gefällt, ist eine andere Frage.

Mehr zum Thema:

Advertisements

Superman im grünen Bereich

DC Comics

Titel: Kryptonite (dt. Kryptonit)

Autor/Zeichner: Darwyn Cooke/Tim Sale

Erschienen: 2007-2008 (Superman Confidential #1-5, 11), Paperback 2008, dt. Panini 2008 (Superman-Sonderband 25)


Wie Superman das Kryptonit entdeckte und dabei auch Krypton fand, haben wir bereits erzählt. Aber manche Geschichten, so ein Prinzip von unendlichen Meta-Erzählungen, kann man immer wieder neu erzählen. So dachte es sich Darwyn Cooke, der hier nur als Autor fungiert. Die Geschichte verläuft hier etwas anders: Den grünen Stein hat hier kein falscher Wahrsager, sondern ein zwielichtiger Casinobetreiber mit dunkler Vergangenheit (Jason Gallo). Auf ihn setzt Perry White Lois, Clark und Jimmy an. Lois flirtet mit ihm. Und Superman fällt vom Himmel, als er zum ersten Mal die grüne Strahlung von Kryptonit spürt. Lex Luthor kommt dahinter, dass der Stein Supermans Schwachpunkt ist.

Erzählt wird die Geschichte scheinbar auch aus der Perspektive des Kryptonit-Brockens. Zunächst wirkt es, als hätte er ein Bewusstsein und würde teilnahmslos beobachten, was um ihn herum geschieht. Das sind zunächst menschliche Graumsamkeiten. Außerdem spürt er die Präsenz des Kryptoniers uns sehnt sich nach dessen Nähe. Am Ende stellt sich heraus, dass nur eine außerirdische Instanz steckt. Dieser Historiker zeigt Superman schließlich, wo er herkommt – und so schließt sich doch der Kreis zur Vorlage (Superman #61, 1949).

Über allem schwebt die Frage, die sich Superman selbst stellt: Ist er wirklich unverwundbar oder hat er seine Schwachstelle nur noch nicht gefunden? Bevor er mit dem grünen Stein konfrontiert wird, geht er fast bei einem Einsatz gegen einen Vulkanausbruch drauf. Nachdem er seine erste Kryptoniterfahrung macht, wird ihm nicht nur seine Sterblichkeit bewusst, sondern dadurch auch seine Menschlichkeit. Auch wenn er erfährt, dass er von Krypton stammt und Kal-El heißt, will er am Ende doch nur Clark Kent von der Erde sein. (Nebenbei erfahren wir, dass Superman im Schrank ein paar Clark-Roboter aufbewahrt, die ihm ein Alibi verschaffen, wenn er zufällig als Superman mit Jimmy nach Hause kommt.)

Tim Sale gehört zu meinen Lieblingszeichnern und er bietet auch hier einige eindrucksvolle Panels, aber ich habe den Eindruck, dass er in seinen früheren Werken in besserer Form war. Seine Batman-Werke (The Long Halloween, Haunted Knight) und Superman for All Seasons wirkten mutiger und konsequenter, dieses Comic ist dagegen ziemlich gewöhnlich. Von daher ist es fast schon schade, dass Darwyn Cooke nicht selbst gezeichnet hat. Alles in allem ist Kryptonite kein schlechter Neuaufguss, aber auch kein sonderlich überzeugender. Die Figur des Jason Gallo wirkt deplaziert – und am Ende erweist sie sich auch als überflüssig. Lex Luthor ist nur ein unbeteiligter Beobachter, der sich schließlich nimmt, was er will. Dass er selbst am Tatort auftaucht, lässt ihn aus der Rolle fallen. Aber um Continuity scheint sich Cooke ohnehin nicht groß zu scheren. Auch wenn diese Geschichte bodenständiger und damit moderner sein will, war das Original gerade wegen seiner naiven Abgedrehtheit um einiges sympathischer.

Mehr zum Thema:

Batman treibt Blüten

DC Comics

DC Comics

Titel: Solo

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2004-2006 (Mini-Serie #1-12), Deluxe Edition 2013


„Tell me, Alfred — am I a dinosaur?“ (Batman)

Das Prinzip von Solo ist einfach: zwölf Zeichner, jeder hat ein Heft von 48 Seiten und darf machen, was er will. Und wenn großen Künstlern völlige Freiheit gelassen wird, kommt oft etwas Gutes dabei heraus. (Siehe Batman Black and White.) In Solo steckt viel Gutes: viele erstklassige Geschichten aller Art, von Science-Fiction bis Western, von Noir-Gangster-Krimis bis zum Superhelden-Comic. Für jeden Genretyp und Geschmack ist was dabei – hochtrabend künstlerisch bis cartoonesk-trivial. Und natürlich auch viel Batman.

In „Date Knight“ beginnt Tim Sale (The Long Halloween, Dark Victory, Haunted Knight) gleich mit einem furiosen Katz- und Fledermaus-Spiel zwischen Catwoman und Batman: in gewohnt herrlicher Noir-Manier mit großen Panels, die die intimen Momente feiern.

Darwyn Cooke (Batman: Ego), der seine Anthologie in eine Rahmenhandlung mit Slam Bradley bettet, zelebriert am Ende den Dunklen Ritter, wie es seit dem Vorspann von The Animated Series nicht mehr getan wurde. Der Vergleich kommt nicht von ungefähr: Cooke war Storyboard-Zeichner für die Serie, und seine Geschichte „Deja vu“, die eine 70er-Jahre-Story nacherzählt, handelt wie der Vorspann davon, dass Batman sich ein paar Bankräuber schnappt. Das geht zwar etwas drastischer und dramatischer vonstatten, aber die Handlung ist nur der Aufhänger, um die Essenz von Batman stimmungsvoll einzufangen. Das einzig Überflüssige sind hier die Worte, es ist eine Story, die mustergültig über die Bilder wirkt. Ein mustergültiger Comic. Cooke bekam für seine Ausgabe einen Eisner-Award.

Gleiches gilt für „Teenage Sidekick“ von Paul Pope. Darin rettet Batman Robin aus einer Todesfalle des Jokers. Doch das Spannende spielt sich im Text ab: Der Erzähler zieht einen Vergleich zwischen den dreien, er erklärt plausibel, warum Batman einen Robin braucht, weil er dann nämlich dem Joker zu ähnlich wäre: „dark, isolated, alone … a lonely, hollow man … a bad man who can’t feel …“ Auch dafür gab es den Eisner-Award.

„Poison“ von Jordi Bernet und Brian Azzarello: Poison Ivy bekennt ihren Hass auf Männer und bekommt dafür zweimal eine von Batman gewatscht. Moralisch höchst bedenklich, aber auch sonst eine der eher schwächsten Geschichten des Bandes. Gleiches gilt für die Beiträge von Damion Scott und Brendan McCarthy. Sergio Aragones gelingt eine alberne, aber immerhin witzige Parodie auf Batman.

Michael Allred versucht sich in „Batman A-Go-Go!“ an einer Dekonstruktion des Mythos, anhand der Batman-TV-Serie der 60er Jahre. Buchstäblich, denn es taucht sogar ein Derrida-lesender Möchtegernschurke namens Doctor Deconstruction auf. Aber das nur am Rande. Batman wird grundsätzlich infrage gestellt: Ist er noch zeitgemäß? Lockt er bloß andere Kostümierte an, die sich mit ihm messen wollen? Und es geht auch um die Grundfrage der Kunst: Soll sie das „wahre Leben“ nachahmen? Und wenn ja, ist das „wahre Leben“ das Gute oder das Schlechte? Eine amüsante Reflexion auf einer poppig-bunten und albernen Ebene. Ein interessantes Experiment, wenn auch keine dramaturgisch raffinierte Geschichte.

Ein richtiges Highlight, vielleicht sogar die beste Story der gesamten Anthologie, ist „Batman: 1947“ von Scott Hampton. Ein Batman-Darsteller wird unfreiwillig durch Zufall zum Alltagshelden. Das ist nicht nur eine sympathische Idee, sie wird auch einfühlsam und perfekt inszeniert. Aber auch die übrigen Geschichten von Hampton sind außerordentlich.

Spekulationen in Schwarz-weiß

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Black and White Vol. 2 (Case Study)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Alex Ross (u.a.)

Erschienen: 2000-2001 (Gotham Knights #1-16), Paperback 2008


„What if the Joker is not insane?“

Was, wenn der Joker nicht verrückt wäre, sondern die Fassade des Verrückten bloß für einen persönlichen Rachefeldzug nutzte? Diese Frage stellt sich ein Arzt in Arkham in der Kurzgeschichte „Case Study“. Autor Paul Dini (Mad Love) spielt die Entstehung des Jokers in einer Variante durch: früher soll der Schurke bloß ein gewiefter Gangster gewesen sein, der sich ständig neue Namen gab und sich neue Handlanger suchte. Polizeiverhören entging er dank eines guten Anwalts. Zum Red Hood wurde er, um seine Anonymität zu wahren: mit dem roten Helm konnte er nicht fotografiert werden. Der Rest ist bekannt: die Monarch Spielkartenfabrik, Batman, der Sturz in den Chemikalientank etc. Schlussfolgerung: der Gangster wurde zum Joker, weil er mit seinem entstellten Gesicht nicht mehr unerkannt sein Imperium weiterführen konnte. Also wurde seine neue Mission die Rache für diesen Verlust …

Diese „Fallstudie“ wäre wesentlich unspektakulärer, wenn nicht Alex Ross (Kingdom Come) ihr mit seinen fotorealistischen Collagen eine Aura von höchster Kunst verliehe. So wird die Kurzgeschichte nicht nur zu einer psychologischen Spekulation, sondern auch zu einer Feier des Mythos Joker. In Schwarz-Weiß.

„Case Study“ bildet einen starken Auftakt für den zweiten Band der Anthologie Batman Black and White, in der achtseitige Kurzgeschichten gesammelt werden. Im Gegensatz zum ersten Band stammen sie nicht aus einer dafür geschaffenen Mini-Serie, sondern aus der Serie Gotham Knights, aber das sei nur am Rande erwähnt. Autoren und Künstler wie Brian Azzarello, John Byrne, Howard Chaykin, Alan Grant und Paul Pope feiern ihre Versionen des Dunklen Ritters mit kleinen aber feinen Geschichten. Oft düster, mal heiter und manchmal sogar ziemlich albern.

Black and White lebt, wie jede Anthologie, von der Variation. Unter den sehr verschiedenen Zeichenstilen, die von der Karikatur bis zur anspruchsvollsten Kunst reichen, ist für jeden Geschmack etwas dabei. Leider fehlen aber die herausragenden Storys, die sich so einprägen wie die Höhepunkte des ersten Bandes.

Wir sehen Batman mit Catwoman gegen Nazis kämpfen und mit Green Lantern (Alan Scott) gegen ganz gewöhnliche Gangster; als Bruce Wayne muss er sich in der Rolle des Babysitters mit Zwillingen rumschlagen. Meist schwankt die Qualität zwischen bemüht und belanglos. Nur weniges ist erwähnenswert: die Storys von Eduardo Risso, Jim Lee und Tim Sale (The Long Halloween, Dark Victory, Haunted Knight), sowie eine Riddler-und eine Scarecrow-Geschichte. Als Lektüre für Eilige und Batman-Connaisseure erfüllt aber auch der zweite Black and White-Band seinen Zweck.

Coverwahn #19

Tim Sale, einer der besten Batman-Zeichner, hat in den 90ern so wunderbare Werke geschaffen wie Haunted Knight, The Long Halloween, Dark Victory und Catwoman: When In Rome. Seit dem Neustart der Comicserien von DC Rebirth erlebt er ein kleines Comeback: er zeichnet die Variant Cover der Serie Batman. Und der Meister beweist, dass er es immer noch drauf hat.

Coverwahn #16

Zu Batman #1 (2016) gibt es 35 Variant Cover. Hier eine Auswahl der besten. Eine Bildergalerie mit allen gibt es hier.

Idylle mit Landei

Exkurs: Superman (Teil 3)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman For All Seasons (dt. Superman für alle Zeiten)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1998 (Mini-Serie #1-4)


 „Maybe it’s time I was a little impulsive.“ (Clark Kent)

Bevor es Superman gab, gab es nur ein Landei namens Clark Kent. Ein Farmersohn aus Kansas. Ein Durchschnittsamerikaner. Jeph Loeb und Tim Sale versuchen in ihrer Mini-Serie den Mann aus Stahl zu einem Jedermann zu machen, der klein angefangen hat, als Träumer, Grübler und Zweifler. Wie geht ein junger Mann mitten in der Gewöhnlichkeit damit um, ungewöhnlich zu sein, Superkräfte zu haben? Wer bin ich und was soll ich tun?, sind die Fragen, die ihn umtreiben.

Man könnte Superman For All Seasons auch Superman: Year One nennen. Es umfasst das erste Jahr im Leben von Clark nach dem Abschluss in Smallville und seinen Anfängen in Metropolis. Viel Handlung gibt es nicht: Zwar fängt Superman eine Atomrakete ab, zerlegt ein U-Boot voller Terroristen, hält einen Zug auf und stoppt eine Flut, aber diese Taten erscheinen nebensächlich. Es wird kein großes Drama um sie gemacht, vielmehr wirkt es, als müsste man sie zeigen, weil sie einfach nur zum Mythos dazu gehören. Zeichner Tim Sale zelebriert diese Momente in  eindrucksvollen doppelseitigen Splash Pages.

(mehr …)

Coverwahn #3

Der Hype um Dark Knight III: The Master Race nimmt Überhand. DC hat bereits 42 Variant Cover angekündigt. Doch auch wenn sehr viele erstklassige Künstler involviert und ein paar tolle Motive präsentiert worden sind, treten beim Betrachten der Bilder jetzt schon Verbrauchserscheinungen ein. Meistens sind es bloß Hommagen an den ersten Dark Knight-Teil. Langsam reicht es. Wie viele Sprünge von Batman mit Robin Carrie Kelley wollen wir noch sehen? Wie viele Variationen der Prügelei mit dem Mutanten-Anführer? Wie viele Sichten auf den Kampf mit Superman? Da ist mal ein minimalistisches Cover wie das von Tim Sale eine willkommene Abwechslung: Silhouette und Symbol in einer dunklen Gasse – und das war’s. Der Mann hat’s immer noch drauf.

Interessanter als das Bildergucken ist ein Interview mit Co-Autor Brian Azzarello, bei dem Details zu der Mini-Serie, die am 25. November beginnt, bekannt werden. Allerdings sind es eher formale Details. Azzarello verrät, dass Teil 3 eine Mischung aus Teil 1 und Teil 2 wird, dass die Mini-Comics, die zu jedem Teil beigelegt werden, eigentlich Teile der Haupthandlung waren und ausgegliedert wurden. Außerdem gibt er Einblicke in seine Schreibwerkstatt mit Frank Miller. Ein etwas ausführlicheres Interview, bei dem sich der Autor furchtlos zeigt, findet man bei Comicbookressources.com.

Der Vollständigkeit halber hier die ganze Liste der Zeichner, die ein Variant-Cover beisteuern werden:

(mehr …)

Roter Zorro stiehlt Batman die Show

DC Comics

DC Comics

Titel: Collected Legends of the Dark Knight (Blades, Legend of the Dark Mite, Hothouse)

Autor/Zeichner: James Robinson, John Francis Moore, Alan Grant/Tim Sale, P. Craig Russell, Kevil O’Neill

Erschienen: 1994 (Paperback, Originalausgaben: 1992-1993, Legends of the Dark Knight #32-34, 38, 42-43)


„I am so sick … and sick and tired … of hunting the bad man.“ (Batman)

„Remember, Batman, the potential for evil is in every man. In every man. Even you.“ (The Cavalier)

Drei frühe Erzählungen aus der Serie LOTDK: eine hervorragende, eine mittelmäßige, eine bescheuerte. Die beste sollte man gelesen haben: Blades von James Robinson handelt von einem Batman am Rande seiner Fähigkeiten. Er jagt einen Serienmörder, der es auf alte Menschen abgesehen hat, aber er findet keine Spur, die zum Täter führt – das treibt ihn zur Verweiflung. In dieser Krise erscheint ein neuer Vigilant in Gotham: der Cavalier. Dieser Held mit roter Maske und Schwert orientiert sich an den Helden der Stummfilmzeit wie Zorro oder Robin Hood (beide dargestellt von Douglas Fairbanks). Für Batman ist das besonders bitter, weil Zorro sein Jugendheld ist – und er sich von ihm die Show stehlen lassen muss. Doch als auch noch ein Juwelendieb auftaucht, wird klar, dass der Cavalier nicht der Strahlemann ist, der er vorgibt zu sein.

Die Story hat alles, was man sich wünschen kann: einen gebrochenen, selbstzweifelnden Helden, einen ambigen Gegner und einen mysteriösen, scheinbar übermächtigen Mörder, der als Phantom den Helden plagt. Vollendet wird das Ganze durch die herrlichen, noiresken Zeichnungen von Tim Sale, der später mit Jeph Loeb die Meisterwerke Haunted Knight, The Long Halloween und Dark Victory geschaffen hat. Schon mit dieser frühen Arbeit erweist sich Sale als wahrer Künstler.

Sind die Maßstäbe erst einmal so hoch, ist es schwierig mitzuhalten. Die Geschichte Hothouse ist solides Mittelmaß. Batman untersucht den Selbstmord eines Mannes und der Weg füht ihn zu Pamela Isley, die ihren ersten Auftritt als Poison Ivy hinter sich hat und nun versucht, eine anständige Bürgerin zu sein, was nicht ganz gelingt. Trotz einiger ambitionierter Ansätze schafft es die Story nicht, eine Zugkraft zu entwickeln.

Die dritte Story des Bandes heißt Legend of the Dark Mite. Genug gesagt.

Gotham im Gepäck

Catwoman: When in Rome

Titel: Catwoman: When in Rome

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 2004 (Mini-Serie #1-6)


„Cat. Woman. That last part about the ‚woman‘ is pretty important.“ (Catwoman)

Während Batman in Dark Victory den Hangman-Killer jagt, reist Selina Kyle nach Rom, um herauszufinden, ob Carmine „The Roman“ Falcone wirklich ihr Vater ist, wie sie vermutet. Mit dabei ist Edward Nygma, der Riddler, der ihr dabei helfen soll, das Geheimnis zu lüften. Der aber erweist sich dabei ziemlich untauglich, sondern nutzt nur jede Gelegenheit, sich an seine Auftraggeberin ranzuschmeißen. Die aber träumt und halluziniert nur von Batman, während sie in Wirklichkeit mit einem blonden italienischen Auftragskiller anbandelt. Ach so, und ganz nebenbei gerät die Dame in Nöte, weil die italienische Mafia hinter ihr her ist.

Aber wen interessiert schon die Handlung, wenn man einer so heißen Braut mit Idealmaßen beim Baden, Räkeln und Nacktschlafen zusehen kann? When in Rome wirkt wie ein einziger feuchter Traum von Comic-Nerds, die sehen wollen, wie Catwoman endlich von Batman flachgelegt wird. Natürlich gibt sie – ganz die Emanze – die Unnahbare. Es ist die dick aufgetragene Erotik, die der Geschichte ihre Spannung verleiht. Bereits in The Long Halloween machte das doppelte Knistern zwischen Bruce und Selina/Batman und Catwoman einen Reiz aus, hier werden die damit verbundenen Sehnsüchte regelrecht ausgeweidet.

(mehr …)