Batmans Jahr der Motte

DC Comics

1951 war für Batman das Jahr der Motte. Gleich drei Mal nämlich traf er auf einen neuen Gegner: Killer Moth! Der bizarrste Kriminelle, dem Batman und Robin je begegnet seien, heißt es auf dem Cover. Und das kam so: Ein verurteilter Verbrecher kommt im Knast beim Lesen von Berichten über Batman auf die glorreiche Idee, dem Vorbild zu folgen – nur dass er nicht Recht und Ordnung aufrecht erhalten, sondern dem Verbrechen helfen will (The Origin of Killer Moth, Batman #63, 1951). Dass der Joker bereits fünf Jahre vor ihm auf die Idee gekommen und damit gescheitert ist, scheint ihm entgangen zu sein.

Wie dem auch sei: Als Cameron Van Cleer gewinnt das Vertrauen der High Society, wird sogar in den Vorstand des Gotham Museum berufen, er kauft sich (von seiner alten Beute) ein Anwesen, dann lässt sich darunter eine Höhle graben und bringt die Arbeiter anschließend um. Die Höhle braucht er für sein Geheimversteck, denn er weiß, dass Batman auch so eins hat. Und so zieht sich Cameron ebenfalls wie ein Tier der Nacht an, eine Motte (nur viel bunter), baut sich ein Mothmobile (das aussieht wie eine Raupe) und richtet sich auch ein Labor und (sehr zuversichtlich) einen Trophäenraum ein.

Cameron Van Cleer wird Killer Moth – samt Mothmobile. (DC Comics)

Dann trommelt er Gothams Unterwelt zusammen und bietet seine Dienste an: Für schlappe zwei Drittel der Beute hilft er ihnen aus der Patsche, wenn Polizei oder Batman ihnen in die Quere kommen. Dazu müssen sie nur das „Moth Signal“ leuchten lassen, das nur er mit seinen Infrarot-Linsen sehen kann. Ach ja, und als Sidekick hat er einen Revolver dabei – so gut wie sechs Robins. (Ha, ha!)

In seiner Identität als Cameron Van Cleer täuscht er sogar Bruce Wayne und geht mit ihm essen – aber nur bis Bat- und Moth-Signal am Himmel leuchten, dann müssen beide plötzlich weg. Es kommt zum unvermeidlichen Kampf mit Batman, wobei sich herausstellt, dass Killer Moths Flügel nur Dekoration sind, denn er braucht auch ein Seil, um sich durch die Lüfte zu schwingen.

Allerdings schafft er es, mit Gas aus seinem Mothmobile Batman und Robin zu betäuben und zu entführen. Während Robin gefesselt wie eine Motte ums Feuer kreist, soll Batman den Schurken zur Bathöhle bringen, denn der würde gerne noch ein paar Geheimnisse erfahren. Batman fährt ihn also im Batmobil hin. Einfacher wäre es, Batman einfach die Maske abzunehmen, aber wo wäre da der Spaß? Robin befreit sich, sagt Batman per Funk Bescheid und Killer Moth sucht das Weite. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd auf einer Brücke stürzt der Schurke in die Tiefe.

Verräterisches Licht

Doch schon eine Ausgabe später kehrt die Motte wieder (The Return of Killer Moth, Batman #64, 1951). Wir erfahren, dass die Flügel doch nicht ganz nutzlos sind, denn immerhin haben sie seinen Sturz ins Wasser gebremst, sodass er überlebt hat. Leider gilt das nicht für seine Reputation: In Gothams Unterwelt ist Killer Moth eine Lachnummer. Also versucht er, seinen guten Ruf wieder herzustellen, indem er wertvolle Motten-Statuen der Prä-Inkas aus dem Museum stiehlt.

Batman versucht herauszufinden, wer von den vier anderen Vorstandsmitgliedern dahinterstecken könnte. Während der Vorstand berät, steigen die beiden Gegner in ihre Kostüme und bekämpfen sich wie die Neandertaler (so zeigt es ein Röntgenbild – ach, fragt lieber nicht). Bei einem späteren Einsatz locken Batman und Robin die Motte mit einer Riesenglühbirne an (wie sonst?) und entlarven ihn mit einer Ultraviolett-Lampe, weil er vorher Milch getrunken hat und die Milch gelb auf seinen Lippen leuchtet. Nur wie können die das erkennen, wenn Killer Moth eine Maske trägt? Vielleicht hat Batman doch einen Röntgenblick …

Killer Moth als falscher Batman

DC Comics

Und schließlich trifft der schlimmste Fall ein: Der Anti-Batman wird zu Batman – aus Killer Moth wird „Batman’s Double“ (Detective Comics #173, 1951). Nach einem Gefängnisausbruch hat Van Cleer nicht mehr die Mittel, um sich einen neuen Ruf aufzubauen. Aber gerade noch genug, um sein Gesicht umoperieren zu lassen, damit er aussieht wie Bruce Wayne. Der Zufall begünstig, dass er ihm ohnehin ähnlich sieht.

Ein paar Wochen später knockt er Bruce nach einem Benefizboxen aus und sperrt ihn in einen verlassenen Banktresorraum. Der Killer in der Motte scheint nachgelassen zu haben. Als neuer Bruce täuscht er sogar Dick Grayson. Als der ihn in die Bathöhle führt, ist das Geheimnis raus. Der Schurke spielt mit und steigt ins Batman-Kostüm. Zusammen nehmen sie es mit der Whitey Casey Gang auf. Mit der hat Killer Moth noch eine Rechnung offen, denn die wollte nie seine Dienste in Anspruch nehmen. Jetzt versucht er sich in einem Doppelspiel: Robin macht Van Cleer vor, Casey zu jagen, während er Casey gegenüber den Retter als Killer Moth spielt. Und wieder fragt man sich: Warum nicht einfach Bruce Wayne töten und alle Probleme auf einmal lösen? Weil das zu einfach wäre.

Also zurück zum Plot, der am Ende auch nicht zu kompliziert sein darf, denn immerhin muss nach zwölf Seiten Schluss sein: Als auch Robin auf schmerzhafte Weise erfahren muss, mit wem er es zu tun hat, befreit sich Bruce, steigt ins Batman-Kostüm und rettet den Tag. Killer Moth wird von Casey mit dem Maschinengewehr verwundet – und zwar so schwer, dass nicht nur plastische Chirurgie nötig ist, sondern auch ein Teil seines Gehirns entfernt werden muss. Praktischerweise der Teil, der fürs Gedächtnis zuständig ist.

Bat-Girl und Robin gegen Moth

Bat-Girl und Robin gegen Moth. (Batman #141) (DC Comics)

Killer Moth ist für lange Zeit erledigt. Doch zehn Jahre später taucht ein Nachahmer auf: Moth, ohne Killer im Namen, dafür sieht er mehr nach Motte aus (Batman #141, 1961). Aber diese Gestalt ist schwerlich ein Charakter zu nennen: Wir erfahren nichts über ihn. Er hat nicht mal ein Gesicht. Er ist nur ein beliebiger Ganove in einem bescheuerten Kostüm, bei dem man sich fragt, wie so einer es schafft, Handlanger zu finden. Aber das ist wohl zu viel gefragt. Die Geschichte dreht sich ohnehin um etwas ganz anderes: Um das Verhältnis von Batman zu Batwoman sowie von Robin zu Bat-Girl. In dieser Soap ist alles andere bloß Fassade.

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