Batman beginnt als Batlad – und Henker

DC Comics

Titel: The Forging of Young Batman

Autor/Zeichner: Leo Dorfman/Bob Brown

Erschienen: 1972 (Superboy #182)


„This could be dynamite!“ Nachstellung einer Redaktionskonferenz. (DC Comics)

Eigentlich ist diese Geschichte viel zu krass, um sie zu erzählen. Das will uns zumindest DC Comics (damals National) klarmachen. Die wahre Geschichte, wie Superman und Batman sich erstmals trafen (Superman #76, World’s Finest #94), die wurde noch gar nicht erzählt, die lag angeblich bisher verschollen im Archiv, heißt es bei der Redaktionskonferenz. Ein Redakteur wendet ein: „This could be dynamite! I say, keep it buried!“ Aber der zigarrerauchende Chefredakteur knallt mit der Faust auf den Tisch und sagt: Nein, unsere Leser verdienen die Wahrheit! – Eine Szene, wie man sie eher von einer investigativen Tageszeitung erwartet hätte. Das weckt Neugier.

Als sich Clark Kent und Bruce Wayne zum ersten Mal begegnet sind (Adventure Comics #275), lebten Bruces Eltern noch. Zwölf Jahre sind seitdem vergangen – im Comic nur eins. Die Waynes wurden mittlerweile ermordet, Clark Kent erfährt davon aus der Zeitung. Und kaum liest er die traurige Nachricht, zieht er sich um und fliegt als Superboy nach Gotham City, um seinem alten Freund beizustehen.

Bruce Wayne jagt den Zodiac-Killer

Der kommt aber ganz gut allein zurecht. Einen Einbrecher lässt er in Wayne Manor in eine Falle tappen, die ihm einen Stromschlag verpasst. Bruce ist nicht zimperlich: Er will Rache am Mörder seiner Eltern nehmen – und er ist bereit, über Leichen zu gehen. Dafür pumpt er seine Muskeln auf und bringt sich selbst Karate bei. Und er hört den Polizeifunk ab, um zur rechten Zeit selbst seinen Beitrag zu leisten. Bruce glaubt ans Schicksal: „It’s written in the stars.“ Dazu konsultiert er sogar das Horoskop. (So viel zum Thema „superstitious lot“ …) Passenderweise treibt gerade der Zodiac-Killer sein Unwesen, einen Serienmörder, der am Tatort Symbole von Sternzeichen hinterlässt – unter anderem auch bei den Waynes. Ist der Zodiac-Killer der Mörder von Bruces Eltern?

Zunächst zieht sich Bruce nur einen schwarzen Anzug an, ohne Maske. Superboy, der dank Zukunftsblick weiß, dass Bruce einmal Batman werden soll, sieht sich verpflichtet, seinen Freund in die richtige Bahn zu lenken: „No man should be the judge, prosecutor and jury! You’re blinded by hate! You’re bound to make serious mistakes!“

Bruce wird zu Batlad. (DC Comics)

Nachdem er gesehen hat, dass Bruce in seiner Freizeit auch Fledermäuse erforscht, macht er ihm ein Kostüm, das dem späteren sehr ähnlich sieht – nur ohne Spitzohren. Bruce soll zu Batlad werden. (Robin war er bereits.) Doch als Bruce seine Maske im Spiegel sieht, zieht er einen anderen Schluss: Er sieht aus wie ein Henker – wie passend! Also nennt er sich Executioner und schwört noch einmal Blutrache an allen Kriminellen.

Todesstrafe für einen Unschuldigen

Bruce findet dank seines Hellseher-Computers heraus, dass der Zodiac-Killer als nächstes was mit Fischen plant, also nimmt er an einem Angler-Wettbewerb teil. Da er sich auch damit auskennt (er weiß und kann einfach alles), gewinnt er den ersten Preis, indem er einen riesigen Schwertfisch fängt. Doch dann reißt die Leine, der Fisch bohrt sich ins Schiff und reißt ein Loch in den Rumpf. Superboy rettet alle.

Dabei findet Bruce heraus, dass der Zodiac-Killer der Reporter Higbee ist. Aber der bestreitet das: Er hat sich den Killer nur ausgedacht, um seinen Job zu behalten. Der Zodiac-Killer ist Fake News! Bruce hätte fast den falschen Mann getötet. Das gibt ihm zu denken.

Und jetzt noch einmal zurück zum Anfang: War diese Geschichte wirklich so krass wie angekündigt? Tatsächlich: Bruce Wayne ist hier nicht der liebe Batman, den wir seit vielen Jahren kennen. Er ist ein angry young man auf Abwegen. Er will töten. Bei all dem fantastischen Unsinn, der hier aufgetischt wird, ist das eine Komponente, die diese Geschichte zumindest psychologisch glaubhafter macht. Auch Batman kann sich von seinen Gefühlen in die Irre führen lassen. Umso triumphaler erscheint dagegen seine spätere Laufbahn.

>> World’s Finest Comics


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