Geoff Johns

„Three Jokers“: Geoff Johns kündigt neuen Comic an

Three Jokers

DC Comics

Das Geheimnis der drei Joker könnte bald gelüftet werden: DC-Autor Geoff Johns hat einen neuen Comic-Titel namens Three Jokers angekündigt. Jason Fabok soll die Geschichte zeichnen. Die beiden haben bereits an Justice League zusammengearbeitet. Auf Johns‘ Website heißt es noch kryptisch: „‚Three Jokers‘ is a mystery unlike anything the Dark Knight has faced. One that will shed a new light on The Batman and those closest to him as everything he’s ever believed about The Joker comes into question.“ Noch ist unklar, wann und wie Three Jokers erscheinen wird: als Serie, Mini-Serie oder als One-Shot.

Hintergrund: In Justice League #50 hat Batman den Möbius-Stuhl gefragt, wie der Joker wirklich heißt. Der Stuhl antwortete, es gebe drei Namen. Aufgegriffen wurde das Thema erneut in DC Universe Rebirth #1, allerdings ohne Neues preiszugeben. Darin sind Joker-Inkarnationen aus unterschiedlichen Epochen auf dem Bildschirm des Batcomputers zu sehen. Seltsam, dass Batman beim Stuhl nicht nachgefragt hat – aber dann wäre ja nicht mehr spannend.

Im Herbst 2018 soll Johns‘ neue Shazam!-Serie herauskommen. Der Autor kündigt auch einen dritten Teil von Batman: Earth One an, allerdings ohne Datum. Der wird wahrscheinlich erst nach der Serie Doomsday Clock erscheinen, in die Johns noch mit Zeichner Gary Frank eingebunden ist. Das kann sich aber noch hinziehen, denn bislang sind nur fünf von zwölf geplanten Ausgaben erschienen und DC hat den Erscheinungszyklus auf zwei Monate heraufgesetzt. Teil 6 erscheint am 18. Juli 2018.

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Take a Walk on the Darkseid

Titel: Darkseid War I-II (Justice League Vol. 7-8)

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Jason Fabok, Francis Manapul u.a.

Erschienen: 2015-2016 (Justice League #40-50), Paperbacks 2016


„With the Mobius chair, I can finally be the Batman that Gotham needs.“ (Batman)

Der Anti-Monitor ist wieder da! Nachdem er die Erde des Crime Syndicates zerstört hat, ist nun die Erde unserer Helden dran. Es kommt zum Kampf mit Darkseid, der ein ähnliches Ziel hat. Einer von beiden geht drauf. Und einige der Helden werden – wie der Zufall es will gleichzeitig – zu Göttern. Zum Beispiel wird Superman zu einem Schwarz-weißen Choleriker. Und Flash wird zum neuen Black Racer, dem Todesbringer. Batman übernimmt den Möbius-Stuhl von Metron. (Fun Fact: Der Stuhl gehörte früher dem Anti-Monitor, der einst Möbius hieß.) Dadurch hat er den totalen Durchblick. Als er fragt, wie der echte Name des Jokers lautet, ist er über die Antwort erstaunt: es sollen drei sein. (Welche, fragt er offenbar nicht mehr.)

Darkseid War ist ein Epos, mit dem Geoff Johns seine Justice League-Serie abschließt. Er greift damit Darkseids Angriff im ersten Band (Origin) auf, bei dem sich die JL formierte, er holt das Crime Syndicate aus Forever Evil wieder hervor und schlägt bestimmt auch ein paar Bögen, die ich verpasst habe. Er holt weit aus, rekapituliert die vergangenen drei Jahrzehnte DC-Geschichte, dichtet eine Darkseid-Tochter herbei, die von einer Amazone geboren wurde etc. Am Ende können all die Figuren, Nebenfiguren und Plot-Fäden nicht über die alte Formel hinwegtäuschen, dass alle mit vereinten Kräften gegen einen übermächtigen Schurken kämpfen. Und ziemlich einfach gewinnen.

So bleibt auch der Abschluss dieser Justice League-Serie eine solide Story, die man nicht unbedingt lesen muss. Es reicht auch, sich die atemberaubenden Zeichnungen von Jason Fabok und Francis Manapul anzusehen.

DC Comics

Ergänzt wird der Darkseid-Krieg durch mehrere One-shots, in denen die zu Götter verwandelten Helden einzelne Auftritte bekommen. In „God Only Knows“ (Justice League: Darkseid War: Batman #1) reist Batman als „God of Knowledge“ im Möbius-Stuhl durch Gotham und nimmt Pre-Crime-mäßig Schurken hoch, noch bevor sie Straftaten begehen. Eine Bande schickt er in die Antarktis, einen Mann, der seine Frau umbringen will, auf die Amazonen-Insel Themyscira. Und er sucht im Gefängnis Joe Chill heim. Da der Mörder seiner Eltern sich nicht reumütig zeigt, offenbart Batman ihm, dass er Bruce Wayne ist. Erst da bekommt er es mit der Angst zu tun.

Immerhin ist diese kleine Episode interessant, um Batman einmal von einer anderen Seite zu sehen: Zum einen abgeklärt und noch skrupelloser, zum anderen auch noch besessener, da er sich vom Stuhl der Erkenntnis beeinflussen lässt und nicht mehr von ihm loskommt.

Wissen ist Macht

DC Comics

Titel: Brainiac

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Gary Frank

Erschienen: 2008 (Action Comics #866-870, Superman: New Krypton Special #1), Paperback 2009, 2013 (als Last Son of Krypton)


„They call you Superman. Why would they call you that — when you are not a ‚man‘ at all? And ’super‘? There is nothing super about you.“ (Brainiac)

Die Story ist simpel: Brainiac kommt zurück und stiehlt Metropolis für seine Flaschenstadtsammlung, dann entführt er Superman und will die Erde vernichten. Superman verhindert das zusammen mit Supergirl. Wenn uns die Handlung bekannt vorkommt, dann liegt es daran, dass sie bereits ähnlich 1958 in Action Comics #242 erzählt wurde. Diese Story ist eine Art modernisiertes Update mit einigen starken Änderungen.

Brainiac geht es um reine Informationen. Wissen ist Macht, ist seine Devise. Das Leben interessiert ihn nicht, die Erde und ihre Bewohner sind für ihn minderwertig – und auch an Superman ist für ihn nichts super. Das wird ihm zum Verhängnis. Brainiac wird besiegt wie in Krieg der Welten, indem er mit dem Leben selbst konfrontiert wird.

Dank der Zeichnungen von Gary Frank (Superman: Secret Origin, Batman: Earth One) wird der Comic zum Genuss. Kaum einer zeichnet so klar und zugleich so lebensnah, dass jedes Gesicht und jeder Körper wirken, als könnten sie sich gleich in Bewegung setzen. Brainiac bekommt eine Aura verliehen, die an H.R. Gigers Alien erinnert. Das macht den Schurken zu einem unheimlichen Gegner.

ACHTUNG: SPOILER!

Am Ende wird auch Kandor befreit. Nicht nur aus Brainiacs Sammlung, sondern auch vergrößert. (Allerdings am Nordpol, neben der Festung der Einsamkeit.) Und Jonathan Kent stirbt. Superman hegt einen so großen Hass gegen Brainiac, dass er davon träumt, ihn zu Brei zu schlagen. Eine ungewohnte Seite, den friedfertigen Helden so aggressiv zu sehen.

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Noch ein letzter Kryptonier

DC Comics

Titel: Last Son (of Krypton) (dt. Kryptons letzter Sohn)

Autor/Zeichner: Geoff Johns, Richard Donner/Adam Kubert

Erschienen: 2006-2008 (Action Comics #844-846, #851, Action Comics Annual #11), Paperback 2013; dt. Panini 2013


„You’ve taught humanity to rely on you and not fight for themselves.“ (Lex Luthor)

Superman gilt als der letzte Kryptonier. Eine traurige Figur. Doch das blieb nicht lange so: Da gab es Cousine Supergirl, General Zod und seine Mitstreiter und es gab die ganze Stadt Kandor. Der letzte Kryptonier ist also keineswegs allein mit sich.

In Last Son geht es genau darum: Es kommt ein Kind zur Erde, das offenbar von Krypton stammt. Das Militär nimmt ihn in Obhut, Superman befreit es, dann will sich Lex Luthor den Jungen holen und bringt Bizarro ins Spiel. Letzten Endes ist der Junge nur die Vorhut von Zod, dem Vater des Kindes, der mit den anderen Gefangenen aus der Phantomzone die Weltherrschaft übernimmt. Selbst die Justice League kommt dagegen nicht an.

Superman landet selbst in der Phantomzone, er verbündet sich mit Lex Luthor und anderen klassischen Schurken. Hier beginnt der wahre Spaß. Geoff Johns und Richard Donner (Regisseur der ersten beiden Superman-Filme) entwerfen eine typische All-Star-Story, die alles bietet, was Superman-Fans kennen und lieben: die größten Schurken, Krypton-Backstory, eine vernichtende Alien-Invasion – und das alles dargestellt in vielen großen, atemberaubenden Splash Pages. (Allerdings bin ich kein großer Fan von Adam Kubert, die Zeichnungen seines Bruders Andy sprechen mich persönlich eher an.)

Dabei wird das Rad leider nicht gerade neu erfunden: Lex Luthor geht wieder in seiner Rolle als xenophobes Genie auf, das sich in seinem Kryptonier-Hass bestätigt sieht und Superman die Schuld dafür gibt, nicht den Krebs besiegt zu haben. Superman, so Luthor, sei auch verantwortlich dafür, dass die Menschen sich zu sehr auf ihn verlassen, statt selbst nach Höherem zu streben. Das alles hat man schon oft gelesen.

Leider bleibt die Story auch hinter der Erwartung zurück, dem kryptonischen Jungen, der später Christopher Kent getauft wird, so etwas wie einen Charakter zu geben. Dafür aber bekommt Zod eine ungeahnte Tiefe, als er sich als Mann mit einst noblen Motiven entlarvt.

Anmerkung: Die 2013er Ausgabe enthält auch die Storyline Brainiac von Geoff Johns und Gary Frank.

>> Liste der Superman-Comics

Supermans Aufstieg, Luthors Fall

DC Comics

Titel: Superman – Up, Up and Away (dt. Auf, auf und davon!)

Autor/Zeichner: Kurt Busiek, Geoff Johns/Pete Woods, Renato Guedes

Erschienen: 2006 (Superman #650-653, Action Comics #837-840), Paperback 2006; dt. Panini 2007


„You’re the worm in the apple, Superman …“ (Lex Luthor)

Ein Jahr nach der Infinite Crisis: Superman hat keine Kräfte mehr, lebt nur noch als Clark Kent. Wenn’s Ärger gibt, ruft er Supergirl. Lex Luthor hat seine politische Karriere hinter sich und ist von der Justiz freigesprochen worden. Doch seine Firma will ihn nicht mehr wieder, sein guter Ruf ist endgültig ruiniert. Jetzt will er Rache: Er schnappt sich den Sunstone von Krypton, entführt den Kryptonite Man, klaut alles Kryptonit zusammen und will Metropolis vernichten.

Up, up and away ist eine Story, die in zweifacher Hinsicht den Status quo wiederherstellt: Superman bekommt allmählich seine Kräfte wieder (einfach so), er kann zunächst nur springen, bevor er fliegen kann. Er wächst mit seinen Aufgaben. Und Lex Luthor ist kein gewiefter Unternehmer, sondern mehr der Mad Scientist, der sein Genie nur dazu benutzt, alles in Schutt und Asche zu legen, um sein Ego zu pampern. Wir sehen zu, wie der eine wieder aufsteigt und der andere noch tiefer sind.

Luthors Feldzug ist persönlich. Eigentlich wollte er Krebs heilen und den Welthunger bekämpfen, aber er gibt Superman die Schuld dafür, dass daraus nichts geworden ist. Am Ende kommt es zu einem Faustkampf … Und dann noch zu einem unnötig langen Epilog. Aber schließlich ist die Story eine im Großen und Ganzen runde Sache. Es gibt ein gutes Gleichgewicht zwischen Action und Zwischenmenschlichem, man kommt auch ohne Vorkenntnisse gut rein und findet raus, ohne unbedingt weiterlesen zu müssen. Als Extra gibt es Gastauftritte einiger anderer Superhelden.

Up, up and away ist eine solide wie altmodische Superhelden-Story, nur im neuen Gewand. Leider überzeugen die Zeichnungen nicht ganz, was Ausdruck und Einfallsreichtum angeht. Aber alles erfüllt hier ganz seinen bescheidenen Zweck.

Mehr zum Thema:

Jeder darf mal

DC Comics

DC Comics

Titel: Injustice League

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Ivan Reis, Doug Mahnke, Jason Fabok

Erschienen: 2014 (Justice League #30-39), Paperback 2015; dt. Panini 2016 (Paperback)


„You’re no different from those in Arkham, Luthor. You don’t have a colorful costume or carry a deck of cards. You don’t wear your psychosis on your sleeve like they do… But that’s what makes you more dangerous. You can hide among us.“ (Batman)

Lex Luthor hat die Welt gerettet. Jetzt will er der Justice League beitreten. Seine Begründung: Da kommt noch mehr auf die Erde zu. Aber Superman und Co. trauen Luthor nicht. Die Erfahrung mit ihm als Schurke lässt sich nicht wegdenken. Daraufhin versucht Luthor es bei Batman. Er kommt unangemeldet zu Bruce Wayne nach Hause, sagt ihm, dass er dessen Geheimnis kenne. Bruce stellt sich dumm. Und auch das Ziehen einer Handfeuerwaffe überzeugt Bruce nicht von Luthors edlen Motiven. (Warum wohl?)

Und dann gibt es noch das Vermächtnis von Power Ring, dem bösen Green Lantern von Erde 3. Dessen Ring hat sich ein neues Opfer gesucht: Jessica Cruz. Sie wird zum Träger wider Willen und lässt in Portland, Oregon, eine Flut an grünen Monstern und Flammen los. Die Doom Patrol greift ein, die Justice League folgt sogleich, es kommt zu einem kleinen, unmotivierten und auch nur halbherzigen Kampf.

Cyborg versucht in den Ring einzudringen. Lex Luthor versucht mit Drohungen an den Ring heranzukommen. Am Ende kann Batman durch gutes Zureden Jessica Mut machen, die Kontrolle zu übernehmen. Schließlich wird nicht nur sie in die Liga aufgenommen, obwohl sie weder sich noch den Ring im Griff hat, sondern auch Lex und nebenbei der infantile Shazam – offenbar nimmt man heutzutage jeden. Für Lex lautet der Grund: Man will ihn so besser beobachten …

In der zweiten Story, The Amazo-Virus, bereut die JL ihre Entscheidung. Bei einem gescheiterten Attentat auf Luthor wird aus seinem Labor ein Virus freigesetzt, das Menschen zunächst Superkräfte verleiht und sie kurz darauf sterben lässt. Auch die meisten Liga-Mitglieder werden infiziert. Man sucht nach Patient Null, doch als man ihn findet, trägt er nichts zur Lösung bei. Schließlich muss Superman Blut spenden, um die Sache zu lösen. Im Finale kommt es zum Kampf zwischen den infizierten und den verschont gebliebenen Mitgliedern.

Die Story ist ziemlich spannungsarm erzählt, die meiste Zeit wird bloß geredet, wobei wir am meisten nur selbstverliebte Monologe von Lex Luthor lesen. Dabei wird das Ausmaß der Seuche nie richtig greifbar und auch die Tatsache, dass die halbe Liga besessen vom Virus ist, wirkt nie richtig bedrohlich. Der Umstand, dass Menschen Superkräfte bekommen, spielt eigenartigerweise keine große Rolle, was den Sinn hinter der Idee fraglich macht. Jeder kriegt mit den Kräften seine 15 Minuten Ruhm – das könnte auch für die Rekrutierungsstrategie der Justice League stehen. Kurz: Ein weiteres Routine-Abenteuer.

Am Ende aber gibt es einen neuen Amazo und Green Lantern Hal Jordan kehrt zurück. Wo war der eigentlich hin? Man verliert sehr leicht den Überblick, wenn man nicht gut aufpasst und dranbleibt …

Mehr zur Justice League:

DC-Helden treffen Watchmen in „Doomsday Clock“

„The End is Nigh“, stand einst auf dem Schild von Walter Kovacs alias Rorschach, der durch die Straßen von New York ziehend den drohenden Weltuntergang ankündigte. Wer Watchmen gelesen (oder den Film gesehen hat), weiß, dass es nicht so schlimm geworden ist – allerdings ließ das Ende die Möglichkeit offen. Seit dem Start von DC Rebirth wissen wir, dass das nicht das Ende der Geschichte ist. Batman fand den Button des Comedian in seiner Höhle, Dr. Manhattan hat irgendwas mit all dem zu tun. Batman und The Flash sind dem Rätsel bislang nachgegangen. Ende des Jahres beginnt die langerwartete Fortsetzung: Doomsday Clock wird eine zwölfteilige Mini-Serie werden, geschrieben von Geoff Johns (Flashpoint, Batman: Earth One) und gezeichnet von Gary Frank (Batman: Earth One, Superman: Secret Origin). Und auf dem ersten Cover wird zu lesen sein: „The End is Here“.

Die erste Ausgabe erscheint am 22. November 2017 in den USA und soll laut DC 40 Seiten umfassen. Preis: 4,99 US-Dollar. Wem das zu teuer ist (60 Dollar für die gesamte Serie), wird wohl bis zum Jahr 2019 (!) warten müssen, bis die Serie voraussichtlich gesammelt in einem Band erscheinen wird (wenn es keine Verzögerungen gibt). Für die einen wird Doomsday Clock eine harte Abwägung gegen Kosten und der Befriedigung der Neugier. Für die anderen eine Gewissensfrage, ob man die (nicht von Alan Moore autorisierte) Fortsetzung eines ein Comic-Meisterwerks wie Watchmen überhaupt lesen sollte oder ob das Frevel wäre.

Christopher Reeve zurück im Comic

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman – Secret Origin

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Gary Frank

Erschienen: 2009-2010 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2010), dt. Panini 2012 (Paperback)


„I don’t want to be different. I want to be Clark Kent.“

Wie fühlt es sich an, wenn man beim Heranwachsen entdeckt, dass man Superkräfte hat? Dass man damit nicht nur Menschen helfen, sondern ihnen auch wehtun kann? Dass man auf Sport mit Freunden verzichten muss, um keine Gefahr für sie darzustellen? Es muss ein schreckliches Gefühl sein. Dieser Konflikt ist der Ausgangspunkt für Supermans Secret Origin, einer Neuinterpretation der Entstehungsgeschichte von Geoff Johns. Und mit Zeichner Gary Frank findet die Story auch auf visueller Ebene die nötige Sensibilität: mit feinem Strich und lebensnah-dynamischen Figuren wird der Comic geradezu veredelt.

Inspirieren lässt sich Johns von der TV-Serie Smallville, in der Clark Kent bereits seit der Jugend Lex Luthor kennt (was aber streng genommen keine große Rolle spielt), Frank wiederum lässt mit seiner Superman-Interpretation den Schauspieler Christopher Reeve auferstehen, der 2004 gestorben ist. Im zweiten Kapitel bricht das Niveau jedoch gegenüber dem starken Auftakt ein: Clark Kent wird von seiner Mutter in das spätere blau-rote Kostüm gesteckt und agiert zunächst als Superboy, bis er kurz darauf Besuch von der Legion of the Superheroes aus der Zukunft bekommt. Sie nehmen ihn mit in ihre Zeit und zeigen ihm, wie toll es ist, ein Superheld zu sein, aber die Episode wirkt wie ein Fremdkörper in dieser sonst linear verlaufenden Geschichte. Zu allem Überfluss kommt noch der Superhund Krypto hinzu, was aber nur angedeutet wird, er ist nie im Bild zu sehen.

In Kapitel drei gibt es einen Zeitsprung: Clark fängt beim Daily Planet an und darf sich schon am ersten Tag mit Lois Lane auf eine Lex Luthor-Pressekonferenz einschleichen. Es kommt zu einem Unfall, Lois stürzt in die Tiefe, Superman rettet sie – und hat ein paar Freunde und mit Lex einen Feind gewonnen. Es folgen Begegnungen mit dem Parasiten und Metallo. Das ist alles nichts Neues, aber sehr frisch erzählt, sodass man auch kein Superman-Fan sein muss, um sich davon unterhalten zu lassen.

Die Zeit ist kaputt

DC Comics

DC Comics

Titel: Flashpoint/Batman: Knight of Vengeance (dt. Batman – Ritter der Rache)

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Andy Kubert; Brian Azzarello/Eduardo Risso

Erschienen: 2011 (Miniserie #1-5; Mini-Serie #1-3), Paperbacks 2012 (Flashpoint/The World of Flashpoint Featuring Batman), dt. Panini 2013 (Paperback)


„Either we change this world, Flash, or we let it burn in hell.“ (Batman)

„All the blood on my hands … hasn’t changed a thin –“ (Batman)

Vor DC Rebirth war Flashpoint. Und danach kam The New 52. Und davor war Flash Rebirth. Alles klar? Nein? Dann noch mal von vorn:

Plötzlich hat Flash (Barry Allen) seine Kräfte verloren, dafür lebt aber seine Mutter wieder. Batman ist ein skrupelloser Killer. Superman gibt es nicht. Das Schlimmste aber: Wonder Woman und Aquaman befinden sich im Krieg – und das gefährdet die Welt; Europa ist bereits im Meer versunken. Der einzige, der sich an eine andere, bessere Welt erinnert, ist Barry. Er vermutet eine Intrige des Reverse Flash (Professor Zoom/Eobard Thawne), der bereits in die Vergangenheit gereits ist und Barrys Mutter ermordet hat. Barry sucht Batman auf und bittet ihn um Hilfe. Doch dann erfährt er, dass er es nicht mit Bruce, sondern mit Thomas Wayne zu tun hat, der nach dem Tod seines Sohnes zu Batman geworden ist. Zusammen mit Cyborg und ein paar anderen Superhelden verfolgen sie zwei Dinge: erstens, den Krieg zwischen Aquaman und Wonder Woman zu beenden, zweitens, die Zeitlinie zu ändern. Denn auch Batman will lieber nicht leben als in einer Welt zu existieren, in der sein Sohn tot ist.

Flashpoint ist ein wahres Ausnahme-Event. Keine Überschurken aus den Tiefen des Alls, keine 1000 Helden auf einem Haufen, die sich ins Schlachtgetümmel werfen, keine komplexen Geflechte aus Vorgeschichten und Ausläufern. Einfach nur eine fünfteilige Mini-Serie, die man gut ohne viele Vorkenntnisse verstehen – und vor allem genießen kann. Gerade die Überschaubarkeit des Personals, die Reduktion der Dramatik und die klaren Ziele machen Flashpoint zu einer aufregenden, kurzweiligen, aber nicht banalen Story. Auch das dystopische Elseworlds-Szenario weckt das Interesse, so dass man mehr über diese Welt erfahren will.

Flashpoint Batman (DC Comics)

Flashpoint Batman (DC Comics)

Empfehlenswert ist der Spin-off Batman: Knight of Vengeance, in dem Batmans Vorgeschichte erzählt wird. Sie ist eine kühne Variation des Altbekannten: Thomas Wayne betreibt ein Spielcasino, um dem Verbrechen näher zu sein, Martha Wayne ist nach dem Tod ihres Sohnes verrückt geworden – zum Joker. Brian Azzarello und Eduardo Risso (Broken City) erzählen in gewohnt noiresker Manier von einer kaputten Familie und einem kaputten Batman, der sein Blutvergießen als vergeblich betrachtet.

Batman Flashpoint Knight of Vengeance

DC Comics

Flashpoint ist etwa zu einem Drittel auch eine Batman-Story. Das andere Drittel wird bestimmt von Flash. Die wohl tollste Sequenz ist die, in der Batman versucht, Flash seine Kräfte wiederzugeben – mit einem elektrischen Stuhl. Die Story steckt voller solcher interessanter Ideen. Wohltuend ist auch, dass Superman hier nur eine marginale Rolle spielt. Seine Darstellung ist das genaue Gegenteil aller bisherigen Inkarnationen, aber ich will nicht alles verraten. Nur so viel noch: Am Ende überreicht Flash Bruce Wayne einen Brief seines Vaters – und der soll angeblich dafür verantwortlich sein, dass den DC Helden zehn Jahre gestohlen worden sind (siehe DC Universe Rebirth #1).

Um Flashpoint besser zu verstehen, empfiehlt es sich, vorher Flash Rebirth zu lesen. Denn die Ereignisse knüpfen direkt aneinander an. Aus Flashs Versuch, die Zeit zu verändern, um alles wieder rückgängig zu machen, entsteht eine neue Welt, das neue DC Universum „The New 52“, das von 2011 bis 2016 kanonisch war und von „DC Rebirth“ abgelöst, bzw. erneuert wird. Am Ende ist von drei verschiedenen Zeitlinien die Rede, die eine werden sollen: gemeint sind die Comic-Universen DC, Vertigo und Wildstorm.

Wer Flashpoint gelesen hat, ist bereit für Rebirth.

Hinweis: Im Jahr 2011 wurde die Story als Animationsfilm unter dem Titel Justice League: The Flashpoint Paradox adaptiert.

Wiedergeburt eines Universums

DC Comics

DC Comics

Titel: DC Universe Rebirth #1

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Gary Frank, Ethan Van Sciver, Ivan Reis, Phil Jimenez

Erschienen: 2016 (One-shot)


„I love this world, but there’s something missing.“ (Flash/Wally West)

Es ist wohl das meisterwartete DC-Heft des Jahres: DC Universe Rebirth #1. Es soll der Anfang einer neuen Ära sein, kein Reboot, sondern ein sanfter Neustart, mit ein paar Änderungen des Status quo und einer neuen Heftzählung. Aber so ganz für sich allein steht der One-shot nicht, er setzt die letzten Ereignisse des The New 52-Universums voraus und ist bloß der Auftakt zu mehr. In einem Satz: Das DC-Universum verschmilzt mit dem der Watchmen.

Was muss man zuvor wissen? (Spoiler!)

Gleich auf der ersten Seite steht, dass man zuvor Justice League #50 und Superman #52 gelesen haben sollte. Aber das ist nur die Minimalanforderung, denn die beiden letzten Nummern der Serien enthalten bloß die Schlusskapitel der Storylines Darkseid War und The Final Days of Superman – und da ist einiges los. In Kürze: Darkseid stirbt im Kampf mit dem Antimonitor und wird wiedergeboren, Jessica Cruz wird zu Green Lantern, der New-52-Superman stirbt und wird durch den klassischen Superman ersetzt, der mit Lois Lane verheiratet ist. Und was die große Enthüllung von Jokers wahrer Identität angeht, kommen mehr Rätsel als Antworten auf: es gibt drei Joker! Aber was das bedeutet, weiß Batman selbst nicht. (Und offenbar hat er vergessen, den Möbius-Stuhl danach zu fragen.)

Justice League 50: Batman und die drei Joker (DC Comics)

Justice League 50: Batman und die drei Joker (DC Comics)

Was passiert in DC Universe Rebirth? (Mehr SPOILER!)

Flash Wally West, der in der Speed Force festhängt, versucht, verschiedenen Helden mitzuteilen, dass mit dem Universum, wie sie es kennen, etwas nicht stimmt. Offenbar sind während des Flashpoint-Events, bei dem Flash (Barry Allen) die Vergangenheit geändert hat, zehn Jahre verloren gegangen. Zunächst sucht Wally Batman auf und erklärt ihm, dass alles mit dem Brief angefangen habe, den sein Vater (Thomas Wayne) ihm geschrieben hat. Flash Barry Allen hat Batman diesen Brief am Ende von Flashpoint überreicht. Doch niemand erinnert sich an Wally, immer wieder verschwindet er in der Speed Force, bevor er etwas erreichen kann. Schließlich wird er von Barry Allen aus seiner Lage befreit. Barry erinnert sich wieder an seinen vergessenen Sidekick. Dann sagt Wally, dass jemand die Jahre aus dem Universum gestohlen habe, um die Helden zu schwächen, dass ein neuer Krieg mit dem oder den Unbekannten anstehe – und dass sie beobachtet würden. Am Ende sieht man endlich, um wen es sich handelt: Batman entdeckt in der Bathöhle den blutbefleckten Smiley-Anstecker des Comedian aus Watchmen.

Im Epilog sieht man, wie auf dem Mars die (am Anfang des Hefts erwähnte) kaputte Armbanduhr von Wally West wie durch Geisterhand repariert wird, dazu erscheint ein kurzer Dialog zwischen Dr. Manhattan und Adrian Veidt (Ozymandias), ohne dass man sie sieht: „I did the right thing, didn’t I? It all worked out in the end“, sagt Adrian. – „In the end?“, sagt Dr. Manhattan. „Nothing ends, Adrian. Nothing ever ends.“ Das letzte Bild zeigt eine gelbe, blutbefleckte Uhr, die auf viertel vor zwölf steht. Darunter der Satz: „The Clock is ticking across the DC Universe!“ Und damit endet Rebirth #1.

Was erfahren wir über die drei Joker?

Nichts. Batman ist gerade beim Herumrätseln, als er von Flash gestört wird. Auf dem Monitor des Batcomputers sieht man drei Joker: den aus dem Golden Age, den aus The Killing Joke und dem aus Endgame. Batman hat noch immer keine Ahnung. Allerdings könnte das Ende einen ersten Hinweis darauf geben: Eine gewisse Nähe zwischen den Namen Joker und Comedian ist nicht zu leugnen (auch wenn die Körper und Gesichter ganz anders aussehen.)

Rebirth 1: Drei Joker. (DC Comics)

Rebirth 1: Drei Joker. (DC Comics)

Was ist aus Rebirth zu schließen?

Offenbar spielt der allmächtige Dr. Manhattan eine große Rolle bei der Schöpfung des DC-Universums von The New 52. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Ebenso wie über die Joker-Frage. Oder man wartet einfach geduldig auf die Fortsetzungen. Eines wird aber ganz deutlich: das Dilemma von DC. Einerseits blickt stolz man auf eine lange Tradition zurück, andererseits blicken nur wenige völlig durch bei den ganzen Helden, Storys und Welten. Einerseits will man neue Leser gewinnen, andererseits will man die alten nicht verlieren. Einerseits will man sich immer wieder neu erfinden, die Leser überraschen und ihnen etwas bieten, was sie noch nicht kennen. Andererseits läuft man dabei Gefahr, sich zu weit weg vom Vertrauten zu entfernen. Ob der Untergang des Multiversums in Crisis oder seine Neu-Entstehung in Infinite Crisis, ob der Radikal-Reboot von The New 52 oder der sanfte von Rebirth – es wird immer bei diesem Dilemma bleiben. Und mit jeder Neu-Ordnung stiftet man eigentlich bloß mehr Verwirrung.

Was taugt Rebirth #1?

Geoff Johns erzählt mal wieder so eine typische nostalgische Flash-Geschichte, die sehr an sein Flash Rebirth erinnert und noch einmal die gesamte Flash-Geschichte aus Wally Wests Sicht rekapituliert. Das ist alles fein gemacht, sensibel ausgeführt, in gewohnter hoher Qualität gezeichnet. Das Uhrenmotiv leitet sauber zu dem Thema Watchmen über. Über dieses Heft kann man viel sagen, vor allem über die Bezüge zur Vor-Flashpoint-Ära und die Wiederkehr einiger Nebencharaktere, aber eigentlich auch nur sehr wenig, denn die Story ist nichts als ein Übergang zwischen The New 52, das implizit als Fehler benannt wird, und etwas Neuem, von dem wir noch nicht genau wissen, worauf es hinausläuft. Außer natürlich auf eine Konfrontation mit Alan Moores Watchmen.

Eine gute Idee? Nach der Lektüre von Before Watchmen: Dr. Manhattan dachte ich mir: Warum erzählt DC diese sinnlosen Prequels, die nichts anderes tun, als Altbekanntes breitzutreten, statt (wenn man die Kuh schon weiter melken muss) eine Fortsetzung zu machen? Und wäre es nicht cool, wenn man die Watchmen auf die DC-Helden treffen ließe? Genau das wird demnächst wohl passieren. Unabhängig von den Gründen für den Einfluss auf das Universum (die eigentlich willkürlich sind) könnte darin das Potenzial für eine interessante Geschichte stecken, wenn man die Themen der Watchmen auf Superman, Batman und Co. überträgt.

Eine Warnung: Rebirth #1 taugt nicht als Startpunkt für neue Leser. Es wird zu viel vorausgesetzt. Zwar wird viel erklärt (vor allem die Ereignisse aus Flashpoint), aber um alles zu durchdringen muss man nicht nur die beiden oben genannten letzten Superman- und Justice League-Storys lesen, sondern eigentlich auch alles, was dazu geführt hat. Also die gesamte New 52-Reihe. Und natürlich Watchmen. Wer diesen Klassiker noch nicht kennt (oder nur den Film), sollte das spätestens jetzt dringend nachholen. Watchmen ist nicht nur eine herausragend erzählte Geschichte, sie setzt (neben The Dark Knight Returns) auch Maßstäbe für alle künftigen Superhelden-Geschichten. Das gilt vor allem für Rebirth und seine Folgen.

Eine Ermunterung: Das Heft kostet nur drei Dollar und bietet 80 Seiten, davon 66 Seiten Story. Ein fairer Deal.

(UPDATE: Laut Panini Verlag soll DC Rebirth Anfang 2017 auf Deutsch erscheinen.)