Versuch und Irrtum

DC Comics

DC Comics

Titel: Earth One Vol. 2

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Gary Frank

Erschienen: 2015 (One-shot)


„You’re not much of a detective, are you?“ (James Gordon)

„See, Bruce, you might have worked out who you are. But in Gotham, you never know who anyone else really is.“ (Alfred Pennyworth)

Dieser neue Typ im Fledermauskostüm mag zwar gut darin sein, den Abschaum der Straße aufzumischen, aber er hat keine Ahnung davon, wie man sein Hirn benutzt: Am Tatort trampelt er auf Beweisen herum, verwischt mögliche Fingerabdrücke. Batman hat sich schon mal geschickter angestellt. Doch auf Erde eins ist er nicht nur ein Neuling, er ist auch ein Greenhorn, dessen Lehrjahre mit dem Anlegen der Maske und dem Bestehen der ersten Feuerprobe noch längst nicht beendet sind. Während er sich von James Gordon sagen lassen muss, mal seinen Verstand einzuschalten, meint Alfred, er solle mal lieber ein scumbag oder lowlife vom Dach werfen, um ein Zeichen zu setzen.

Im zweiten Teil der Earth One-Saga, einer alternativen Welt, muss Batman Muskeln und Hirn einsetzen, um gegen zwei klassiche Schurken zu bestehen: Killer Croc und Riddler. Letzterer terrorisiert die Bürger Gothams mit Rätselspielchen, die darauf hinauslaufen, dass Menschen sterben – aber er selbst bleibt das größte Rätsel. Man hört nur seine Stimme, man sieht ihn nicht und weiß nicht, was er mit dem Terror vorhat. Schließlich fällt der Verdacht auf Bruce Wayne zurück, Alfred kommt in den Knast – und Batman rackert sich ziemlich ab, um nicht nur sich selbst zu behaupten, sondern auch seine Beziehung zu Jessica Dent, der neuen Bürgermeisterin und Zwillingsschwester von Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent, aufzubauen. Der Bruder hat allerdings seine Vorbehalte.

Großartig erzählt – auch ohne Worte

Autor Geoff Johns beweist nach all dem Justice League-und-Event-Gedöns erneut, dass er auch ein Talent für feinsinniges Storytelling hat. Er zeigt ein Gespür für Charakterzeichnung, eine mitreißende Handlung voller Überraschungen und schafft pointierte Dialoge mit einer wholdosierten Portion Humor und Selbstironie. Gleichzeitig weiß er, wann er sich mit Worten zurückhalten muss, wo allein die richtigen Bilder ausreichen, um alles Nötige auszudrücken. Einmal mehr erweist sich Zeichner Gary Frank mit seinem klaren Strich als der richtige Mann für solche Bilder. Verglichen mit den anderen Origins Year One und Zero Year geht Johns weiter als Frank Miller und Scott Snyder, indem er nicht nur die altbekannte Geschichte anders erzählt und den alten Charakteren neues Leben einhaucht, sondern er erfindet die Charaktere neu. Killer Croc wird wieder mehr ein Waylon Jones, Riddler kommt ohne das typische Kostüm und den Nerdfaktor aus und Two-Face entsteht durch einen genialen Schachzug, der hier nicht verraten werden soll.

Johns‘ Batman ist vor allem ein Suchender, der sich erst mal selbst finden muss, dabei viele Fehler macht und oft mehr mit Glück als mit Können davonkommt. In gewisser Weise ist dieser Batman realistischer oder besser gesagt lebensnäher, menschlicher als souveräne Überheld, den man sonst kennt. Es macht Spaß, ihn stürzen und einstecken zu sehen – vor allem von Gordon und Alfred. Trotzdem gibt es einen Punktabzug dafür, dass am Ende wieder mal ein deus ex machina Batman den Arsch rettet. In Teil drei sollte er einen Showdown auch mal alleine bestehen. Nach dieser Steigerung gegenüber Teil eins sollte man uns nicht zu lange auf die Fortsetzung warten lassen.

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