Das ist Selbstmord

Batman versus Superman, Teil 24: Dawn of Justice (2016)

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Batman v Superman – Dawn of Justice

Regie/Drehbuch: Zack Snyder/Chris Terrio, David S. Goyer

Erschienen: 2016


„Ich bin ein Freund Ihres Sohnes.“ (Batman zu Martha Kent)

Was ist der Reiz von Comicverfilmungen? Genauer gesagt: Von Superhelden-Verfilmungen? Es geht darum, gezeichneten Figuren Leben einzuhauchen. Sie mit echten Darstellern, also Menschen, der Realität ein wenig näher zu bringen. Und den Zuschauer ein wenig mehr dem Unmöglichen. Superheldenfilme sind dem Rezipienten etwas näher als Comics. Sie geben die Aussicht auf einen besseren, stärkeren und edleren Menschen. Sie enthalten das Versprechen: auch du könntest ein Superheld sein, ein Gott. Wie Christopher Reeve und Christian Bale. Oder neuerdings: wie Henry Cavill und Ben Affleck. Alles, was es dazu braucht, ist ein schickes Kostüm und ein paar Spezialeffekte aus dem Computer. – So scheint es jedenfalls.

Bei dem ersten Gipfeltreffen von Batman und Superman im Kino geht es genau darum: um den Kampf zwischen Mensch und Gott. Superman ist ein zweifelhaftes Wesen zwischen Erlöser und Bedrohung, Batman agiert als Korrektiv und Katastrophen-Prävention. Man kann sich kaum einen besseren Konflikt für einen großen Film vorstellen, ausgetragen von zwei der ikonischsten Figuren. Und Batman v Superman hat auch sonst alles, was es braucht, um diesen Konflikt glaubhaft und packend auszutragen. Und dennoch macht der Film alles falsch.

Kaum Aufarbeitung

Zunächst: er ist schlicht langweilig. Regisseur Zack Snyder schafft es zu keinem Zeitpunkt, für seine Geschichte Interesse zu wecken. Er scheint sich selbst auch für keinen Charakter zu interessieren – immer noch, denn das war schon bei Man of Steel das Problem. In Sachen Farbgebung hat man zwar aus den Fehlern gelernt, nun ist alles in Sepia getaucht statt in Grau, aber die Fortsetzung macht fast genauso wenig Spaß wie der Vorgänger. Der neue Film ist überfrachtet mit öden Subplots, führt wichtige Charaktere wie Lex Luthor und Wonder Woman kaum ein, entwickelt sich schwerfällig und wenn es endlich zur Hauptsache, dem Kampf der Titelhelden kommt, hat Snyder bereits jegliche Spannung verspielt. Statt den Kulturschock und den Schaden stärker aufzubereiten, den die Vernichtungswelle durch Superman und Zod hinterlassen hat, tritt ein kaum ausgeführter, aber umstrittener Einsatz Supermans gegen irgendwelche Terroristen in den Vordergrund.

Das Gleiche passiert auch mit Batman: Abgesehen davon, dass seine Keilerei mit Superman viel zu kurz kommt, tritt der dahinterstehende Konflikt zu schnell in den Hintergrund, als die Entführung von Martha Kent durch Lex Luthor alles verdrängt. Dass der zum Äußersten bereite Batman seine Mordabsichten an Superman vergisst, sobald er erkennt, dass Supermans Mutti, die zufällig auch Martha heißt, in Gefahr ist, überzeugt wenig. Ben Affleck füllt die Rolle als grauer Batman mit Dreitagebart zwar gut aus, aber diese Rolle ist bedenklich. Dass Batman überhaupt zum Bruch seines einzigen Tabus bereit ist, wird nie thematisiert, geschweige denn problematisiert. Auch wenn er am Ende – viel zu spät – klassischerweise gegen Schurken kämpft, scheint er keine Skrupel zu haben, über Leichen zu gehen.

Kino mit der Brechstange

Zack Snyder zitiert fleißig die Tradition, Frank Millers The Dark Knight Returns und Dan Jurgens‘ The Death of Superman, zum Teil Wort für Wort und Bild für Bild, aber setzt kaum bemerkenswerte eigene Impulse. Stattdessen tut er das, wofür er immer schon bekannt war: Kino mit der Brechstange. Martialische Auftritte von Batman im Batmobil und Rüstung, Muskelspielchen von Superman, ein an Blitzen und Explosionswellen überladenes Finale gegen das seelenlose Monster Doomsday. Die Zerstörungsorgie ist ebenso ermüdend wie bei Man of Steel, nur dass es dieses Mal keine zivilen Opfer zu geben scheint. Am Ende bleibt nur noch eine Staubwolke übrig. Der Tod von Superman lässt einen kalt – weil Snyder noch nie darin investiert hat, mit diesem Charakter warm zu werden. Da hilft auch nicht die plötzlich vorausgesetzte Beziehung zu Lois Lane.

Lois ist ebenso wie Wonder Woman bloß schmückendes Beiwerk. Klassische Nebencharaktere und potenzielle Sympathieträger wie Perry White und Alfred bleiben ebenso blass. Bei Lex Luthor kann auch ein fähiger Schauspieler wie Jesse Eisenberg nichts daran ändern, dass die Figur nicht über das Klischee eines verrückten Wissenschaftlers hinausgeht. Sein irres Gestammel nervt so sehr, dass man schmerzlich den genialen wie eiskalten Geschäftsmann aus den Comics vermisst. Über ihn erfährt man ebensowenig wie über das Schicksal des verfallenen Wayne Manor.

Letztendlich krankt der Film auch an seinem Anspruch, eine neue Justice League zu etablieren und damit Interesse für die Fortsetzung zu wecken. Bruce Waynes Vision von einem apokalyptischen Kampf gegen eine Allianz von Superman und dem Schurken Darkseid (nur angedeutet durch das Omega-Symbol, Paradämonen und das Teufelsgemälde) wirkt zusammenhanglos wie ein Fremdkörper; gerade comicfremde Zuschauer dürften damit wenig anzufangen wissen. Auch die bemühte Einführung anderer „Metawesen“ wie Aquaman, Flash und Cyborg bremst den Fluss der Handlung unnötig aus. Hiermit will DC schnell zu Marvel aufschließen, packt aber bloß zu viel Stoff in einen Film, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Die Lust an DC-Kino ist vergangen

Doch noch bevor es mit der großangelegten Justice League weitergehen kann, ist das DC Extended Universe ein Rohrkrepierer. Zack Snyder kann mit den DC-Helden nicht umgehen. DC Comics kann keine Filme. Ja mehr noch: Es zerstört im Kino seinen eigenen Mythos. Außer Christopher Nolans Dark Knight-Trilogie und Watchmen ist Warner Bros. im neuen Jahrtausend kein sehenswerter DC-Film gelungen: Schon Superman Returns und Green Lantern, ganz zu schweigen von Catwoman, sind große Fehlschläge gewesen. Das Reboot des Filmuniversums mit Man of Steel enttäuschte mit einer schwachen Vorstellung. Batman v Superman sollte das besser machen, es sollte der Film des Jahres werden, nun ist er die größte Enttäuschung des noch jungen Jahrhunderts der Filmsuperhelden – und lässt nichts mehr von Zukunftsprojekten wie Wonder Woman und vor allem Justice League erwarten.

Ein Satz von Alfred, den er zu Bruce Wayne sagt, erweist sich als treffende Bilanz für die Filme: „Das ist Selbstmord.“ So bleibt einem Fan nur, die Highlights in angenehmer Erinnerung zu behalten, die bereits in den Trailern gezeigt wurden, und sich vorzustellen, wie aus diesen vielversprechenden Elementen ein fantastischer oder wenigstens viel besserer Film hätte werden können. Alle richtigen Zutaten waren da, nur wurden sie falsch zusammengemischt. Zu hohe Erwartungen wurden geweckt, zu viele Versprechen nicht eingehalten. Die Lust auf mehr ist dahin. DC sollte sich lieber auf seine Kernkompetenz Comics konzentrieren und Warner sollte seine Filmhelden lieber in die Hände von Marvel legen. Die wüssten damit so viel mehr anzufangen.

>> Weitere Beiträge in der Serie Batman versus Superman

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27 Kommentare

  1. Hallo Lukas,

    ich kann einige Passagen die du geschrieben hast nachvollziehen, aber auch einiges kann ich gar nicht verstehen. Z.B. hast du, wie ich den Text verstehe keinen positiven Aspekt gefunden. Ich habe auch schon viel Kritisches gehört, von allem nicht Comic Leser. Wonder Woman hätte es in diesem Film nicht gebraucht, vielleicht ein Cameo oder die Metawesen Tapes oder wie von die geschrieben:
    er ist schlicht langweilig. Regisseur Zack Snyder schafft es zu keinem Zeitpunkt, für seine Geschichte Interesse zu wecken. Er scheint sich selbst auch für keinen Charakter zu interessieren – immer noch, denn das war schon bei Man of Steel das Problem.
    Also ich fand mich sehr gut Unterhalten im Film, war auch zu keinen teil gelangweilt. Ich glaube schon dass Zack Snyder ein großes Interesse an seine Figuren hat, er soll ja auch ein sehr „belesener“ Comic Leser sein. Bei Man of Steel fande ich die Herangehensweise sehr gut und auch anders als bei Superman I – IV oder Superman Returns, natürlich ist in MoS nicht alles Gold was glänzt, aber ich finde man sollte sich vom Gedanken entfernen Superman so zu sehen wie er in den 1970er und 1980er von Christopher Reeve Dargestellt wurde.
    Ben Affleck füllt die Rolle als grauer Batman mit Dreitagebart zwar gut aus, aber diese Rolle ist bedenklich.
    Ich fande es nicht so bedenklich wie Batman mit seinen Gegner umgegangen ist. In den Tim Burton Batman Filmen hat sich Batman auch nicht immer sehr „nett“ gegenüber seinen Gegnern gezeigt und heute spricht kein Mensch mehr darüber. Es wird im Film auch kurz darüber gesprochen, 20 Jahren Gotham, wer ist noch von den guten Übrig.
    Stattdessen tut er das, wofür er immer schon bekannt war: Kino mit der Brechstange. Martialische Auftritte von Batman im Batmobil und Rüstung, Muskelspielchen von Superman, ein an Blitzen und Explosionswellen überladenes Finale gegen das seelenlose Monster Doomsday.
    Wen du sowas über Michael Bay schreiben würdest, das würde ich sofort Unterschreiben. Aber ich finde Zack Snyder sollte man nicht auf eine Stufe mit Michael Bay stehlen. Natürlich hat Zack Snyder nicht alles richtig gemacht (Sucker Punch), es war ein überladenes Finale, aber da sage ich, guckt euch die Avengers Filme, Iron Man 3 oder Captain 2 wahrscheinlich auch Captain 3 an, da wird auch alles in Grund und Boden geschossen. Da werden teilweise reale Städte zerstört und Menschen umgebracht. Deswegen finde ich zu sagen in MoS und BvS werden Städte und Menschen zerstört ziemlich schwach als Argument.
    Die Lust auf mehr ist dahin. DC sollte sich lieber auf seine Kernkompetenz Comics konzentrieren und Warner sollte seine Filmhelden lieber in die Hände von Marvel legen. Die wüssten damit so viel mehr anzufangen.
    Ich glaube das wäre der größte Fehler den DC machen könnte ihre Figuren an Marvel/Disney abzugeben. Ich möchte meine DC Comic Figuren in einer ihr entsprechenden, meist, dunklen Welt sehen. Wenn ich nur an die unsäglichen Batman Forever oder Batman & Robin denke, und so könnte ich es mir bei Marvel/Disney vorstellen, dann wird mir schlecht.

    Aber Gott sei dank hat jeder ein anderen Geschmack ; ). Ich freue mich noch auf die Suicide Squad und nächstes Jahr auf Wonder Woman und Justice League.
    Gruß Christian

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    1. Hi Christian, danke für deinen Kommentar.
      Ich freue mich, dass dir der Film gefallen hat und bin neidisch auf jeden, der Spaß daran hatte. Ich habe mich auf BvS sehr gefreut und war enttäuscht von dieser verschenkten Chance. Das ist auch der Grund, weshalb das Negative bei mir überwiegt. Ich weiß nur wenig Gutes über den Film zu sagen, aber immerhin lobe ich Ben Affleck in der Rolle als Batman. Überhaupt ist die Besetzung (das kommt in meinem Text etwas kurz) vom allerfeinsten. Auch Wonder Woman macht einen guten Eindruck. Daher ist es umso bedauerlicher, dass nicht mehr aus diesen Figuren gemacht wurde, damit die Schauspieler etwas zu tun bekommen.
      Ich erwarte keineswegs, dass die Superhelden wie in den 70ern, 80ern oder 90ern sind. Aber dieser Superman ist einfach als Charakter uninteressant und strahlt kaum Positives aus, was ihn eigentlich ausmachen sollte. Dass er durch seine Fahrlässigkeit Menschen getötet und Zod ermordet hat, scheint ihn nicht zu kümmern. In BvS spricht er nie darüber. Er wirkt bloß arrogant.
      Batman soll nicht nett zu seinen Gegnern sein. Dass er Brandzeichen hinterlässt, geht etwas zu weit. Aber dass er Schusswaffen benutzt und bereit zum Töten ist, sollte schon ein Problem für ihn darstellen. (Was ist eigentlich mit dem Kerl, der den Flammenwerfer bedient? Der dürfte auch draufgehen, nachdem Batman auf dessen Gasflasche geschossen hat.)
      Zugegeben: Im dritten Akt gleichen sich die Superheldenfilme und verlieren im Schlachtgetümmel an Spannung. Weniger Spektakel täte ihnen gut. Aber auch raffiniertere Kämpfe. Das Problem bei BvS ist, dass nach einem persönlichen Kampf zwischen Batman und Superman ein sehr hohler Kampf mit Doomsday stattfindet – eine spannungsfreie Klopperei mit viel Zerstörung. Wäre es nur das Finale eines ansonsten unterhaltsamen Films, wäre es okay. Aber für mich war es bloß eine weitere uninspirierte Szene ohne Überraschungen. Zack Snyder ist ein besserer Regisseur als Michael Bay – aber bis auf bei Watchmen hat er das noch kaum bewiesen.
      Mein Vorschlag, Superman und Batman an Marvel abzugeben, ist natürlich ironisch gemeint. Ich will damit nur sagen, dass die mehr davon verstehen, Filme zu machen als Warner/DC. Daher freue ich mich mehr auf Captain America: Civil War als auf Suicide Squad. Aber immer noch bleibt der Wunsch, auch mal wieder einen gelungenen DC-Film zu sehen. Alle Hoffnung ruht auf Batfleck.

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