Dan Abnett

Luthor, der moderne Prometheus

DC Comics

Titel: The Superman Monster

Autor/Zeichner: Dan Abnett, Andy Lanning/Anthony Williams

Erschienen: 1999 (One-Shot)


Vor 200 Jahren erschien Mary Shelleys Roman Frankenstein, vor 80 Jahren Action Comics #1, vor 19 Jahren kam ein Comic heraus, das beide Mythen verband: The Superman Monster. Die Story spielt 1988 in der Schweiz. Victor Frankenstein ist hier Vicktor Luthor, ein übereifriger Student der Naturphilosophie, der sich an der Uni unbeliebt mit seinen Experimenten macht. Er sieht sich als moderner Prometheus. Auch in seinem künftigen Schwiegervater findet er keinen Freund, denn Luthor macht keinen Hehl daraus, dass er seine Eloise vor allem wegen der Mitgift heiraten will.

Eines Nachts entdeckt er Kal-Els Rakete, doch das Baby an Bord ist tot. Mithilfe einer Projektion von Jor-El und einigen Leichenteilen erweckt er das namenlose Monster. Superman trägt schwarz und ein silbernes Symbol auf der Brust – also passenderweise das Kostüm nach dessen Tod und Auferstehung in den Comics der regulären Serien. Luthor ist beim Anblick erschüttert, er denkt, dass das Monster ihn töten will, aber tatsächlich rettet es ihn aus seinem Labor, das in Flammen aufgeht. Ähnlich ergeht es Superman später: Obwohl er Menschen rettet, verabscheuen sie ihn.

Superman findet Asyl bei Familie Kant, bekommt den Namen Klaus und macht sich auf dem Acker nützlich. Luthor setzt ein Kopfgeld auf ihn aus, findet ihn, tötet seine Zieheltern und Superman rächt sich auf der Hochzeit mit der schlimmstmöglichen Wendung: Über den Umweg des Todes wird aus Eloise Frankensteins Braut …

Wie schon mit Two Faces, in dem Batman als Dr. Jekyll und Mr. Hyde kombiniert wurde, legen die Autoren Dan Abnett und Andy Lanning eine weitere solide und kurzweilige Adaption eines Literaturklassikers hin. Eine ähnliche Elseworlds-Story hat es bereits 1994 mit Batman gegeben (Castle of the Bat), damals wirkte es äußerst bemüht, Batman zu Frankensteins Monster zu machen. Mit Superman funktioniert es, weil Luthor ohnehin den perfekten Mad Scientist abgibt und er auch sonst Superman als Monster verachtet. Überraschungen gibt es zwar keine, außer der Tatsache, wie gut sich die beiden Geschichten ineinander fügen. Ansonsten bekommt man, was man erwartet, und dazu noch ausdrucksstarke Zeichungen.

Kritisieren könnte man höchstens, was häufig das Problem von Elseworlds-Storys ist: 48 Seiten sind auch hier zu kurz, um in die Tiefe zu gehen. Man hätte mehr draus machen können. Aber als Hommage reicht das Format völlig aus.

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Die zwei Gesichter des Bruce Wayne

Batman: Two Faces

DC Comics

Titel: Batman – Two Faces

Autor/Zeichner: Dan Abnett & Andy Lanning/Anthony Williams

Erschienen: 1998 (One-shot, Elseworlds) (keine dt. Veröffentlichung)


 „The Bat Man … the Joker … good and evil … two sides of a human coin …“

Über diese Geschichte kann man nicht reden, ohne das Ende vorwegzunehmen, doch es deutet bereits das Cover an: Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde wird zum seltsamen Fall des Batman und Joker. Diese Elseworlds-Story spielt im Gotham des Jahres 1886. Two Face (Harvey Dent) versucht, eine seltene Pflanze mit zwei Persönlichkeiten zu rauben. Warum? Weil’s gut zur Geschichte passt: Nachts erscheint sie anders als tagsüber. Nachdem der Raub scheitert und eine Frau namens Pamela Isley dabei ermordet wird, gibt sich Dents ehemaliger Freund die Schuld und macht aus dem Kraut ein Serum, das die gespaltene Persönlichkeit heilen soll. Den Rest kann man sich denken: Wayne probiert das Gebräu selbst aus. Gestärkt in Geist und Körper beginnt er als Batman Two Face zu bekämpfen. Doch kurz darauf erscheint ein Frauenmörder, der sich Joker nennt …

Obwohl die Lage wegen der Nähe von Stevensons Vorlage schnell klar ist, ist es ein kurzweiliges Vergnügen Two Faces zu lesen. Sowohl die Epoche ist gut eingefangen, wie es einst Mike Mignola mit Gotham by Gaslight (1989) geschafft hat, als auch das Thema der Dualität konsequent ausgeführt: Batman und Joker sind zwei Seiten einer Medaille, ebenso wie Two Face zwei Persönlichkeiten in sich vereint. Der klare Zeichenstil von Anthony Williams ist solide, wenn auch nicht aufregend, besonders gelungen sind die Inszenierungen von Batman und Joker, auch Selina Kyle in Strapse macht sich ganz gut … Vielleicht hätte man sich für die schnell voranschreitende Handlung etwas mehr Zeit (bzw. Raum) lassen können, dadurch büßt die Story etwas von ihrer Stimmung ein. So ist es schade, dass sie in nur 54 Seiten auserzählt ist.