Batman/Catwoman: Ein hohles Weihnachtgeschenk

DC Comics

Titel: Batman/Catwoman

Autor/Zeichner: Tom King/Clay Mann, Liam Sharp

Erschienen: 2021-2022 (#1-12, Special #1), Hardcover 2022; dt. Panini (4 Bände)


„None of this is a revelation.“ (Batwoman)

Wenn es eine Batman-Geschichte gibt, die sich unendlich anfühlt, dann ist es die, die uns Tom King erzählt. Für alle, die es verpasst haben: 86 Ausgaben lang quälte er uns mit einer Storyline mit Bane und Catwoman, es kam zur Hochzeit, dann doch nicht, dann doch – und dazwischen gab es unfassbar viel Geschwätz und Geschmachte. Wir hatten es bereits hinter uns, da schickte Mr. King noch eine zwölfteilige Serie hinterher, die alles zu Ende erzählen sollte – weil 86 Ausgaben nicht reichen, wenn man darin zu viel trödelt.

Also gut, dann noch mal Batman/Catwoman. 272 Seiten. Letzte Chance. Ich würde lügen, wenn ich sagte, ich gehe da unvoreingenommen ran, aber die Zeichnungen von Clay Mann sind schon mal eine Augenweide, also versuche ich es mal.

DC Comics

Erzählt wird die Geschichte auf drei Zeitebenen. In ferner Zukunft ist Batman tot, Selina Kyle alt und reich, sie sucht den Joker in Florida auf, wo er sich zur Ruhe gesetzt hat, und ermordet ihn. Ihre Tochter Helena (die neue Batwoman) kommt dahinter und will (in Zusammenarbeit mit Commissioner Dick Grayson) ihre Mutter dafür zur Rechenschaft ziehen – darin ist sie ganz der Papa.

In einer Art Gegenwart treffen wir Andrea Beaumont wieder (die Schurkin Phantasm aus dem BTAS-Film Batman und das Phantom), die sich für ihren ermordeten Sohn am Joker rächen will. Die entführt Catwoman und verlangt, dass Batman ihm den Joker ausliefert, damit sie ihn töten kann. Batman weigert sich, denn Mord ist keine Option.

In der Vergangenheit kommen sich Batman und Catwoman näher, aber Selina ist mit dem Joker befreundet, kriegt Tipps von ihm für seinen nächsten Anschlag, Selina zögert damit, es Batman zu erzählen und gefährdet Menschenleben, später schmückt sie mit dem Joker einen Weihnachtsbaum.

Und ach ja, das alles spielt an und um Weihnachten herum, passend dazu wird in jedem Kapitel ein anderen Weihnachtslied zitiert, das dann auch als Titel dient. Dazu gibt es noch ein Batman/Catwoman Special, das erneut durch die Jahre jagt, wieder nur Weihnachten, diesmal im Schnelldurchlauf: Selina Kyle landet als kleines Kind im Müllcontainer und Waisenhaus, sie wird Catwoman, Mutter und schließlich wird sie bei einem Raubüberfall erschossen.

Drei Zeitebenen, eine Dreiecksbeziehung

Tom King springt wild durch die drei Zeitebenen, ohne sie zu erklären, was sehr verwirrend sein kann, auch weil er sich nicht an die Chronologie der Catwoman-Kostüme hält (grau kommt eigentlich vor schwarz). Wer einen Spannungsbogen erwartet, wird mal wieder enttäuscht. Hier geht es nicht um die Handlung, die ist eher dünn und wird vernachlässigt, sondern um eine Dreiecksbeziehung zwischen Batman, Catwoman und Joker. Doch das irritiert: Zum Einen wird nicht klar, warum Catwoman sich dem Joker verpflichtet fühlt und Kontakt mit ihm pflegt. Zum anderen fragt man sich, wie Batman mit so einer Frau zusammen sein kann. Nachvollziehbar ist allein der erratische Joker: Er ist eifersüchtig auf Catwoman. In einer Szene spricht er es explizit aus (d.h. explizit wäre es, wenn DC das Wort „fuck“ nicht zensieren würde, was beim „Black Label“ inkonsequent gehandhabt wird): Er würde es am liebsten Batman selbst besorgen, um ihn mal richtig zu befriedigen.

Es wird mal wieder, wie üblich bei Tom King, viel geredet, sehr viel, zu viel. King weiß das, er lässt Catwoman Jokers Ansprache ankündigen und abfällig kommentieren, aber er schwätzt einfach zu gerne. Und so liest man sich durch zwölf Ausgaben Dialoge und Monologe. Zugegeben: Es finden sich einige interessante Momente und Gedanken. Etwa, warum Robin bunte Farben trägt statt Schwarz: entweder um sich nicht nur aufs Kostüm zu verlassen oder um den Joker zum Lachen zu bringen (und ihn damit davon abzuhalten, Robin zu töten). Aber das bleibt nur oberflächlich. Echten Tiefsinn gibt es hier nicht – er wird nur durch Geschwätz vorgegaukelt.

Nachgeholte Hochzeit

So rauscht man durch diese Seiten in der Hoffnung, es würde noch irgendwas von Belang passieren, aber stattdessen wird das Ganze nur mit Schauwerten in Form von Splash Pages gestreckt. Viele Szenen reißen nur Möglichkeiten an, ohne sich dafür zu interessieren, irgendwas davon auszuführen. Die Phantasm-/Phantom-Geschichte hat weder Funktion noch echte Konsequenz. Zwischendrin gibt es eine sinnlose Keilerei mit Harley Quinn in Wayne Manor, die nach all den Jahren der Emanzipation immer noch am Joker hängt und sich für den Mord rächen will. Doch auch sonst läuft der Mord am Joker auf nichts hinaus – Selina kommt mühelos davon. Der Konflikt mit der Tochter verpufft.

Schließlich wird die Hochzeit nachgefeiert, die in Batman #50 geplatzt ist: Bruce und Selina heiraten in einer kommerziellen Kapelle, die eine Batman-Hochzeit anbietet. Lois und Clark sind die Trauzeugen. Ruiniert wird der große Moment durch einen lieblosen Zeremonienmeister im Adam-West-Kostüm und ein falsch eingespieltes Weihnachtslied. Ein billiger Gag am Schluss, um nicht ganz dem Kitsch zu verfallen, doch das trägt nur zur Lieblosigkeit der Szene bei.

Und damit endet es – einfach so, ohne dass irgendwas geklärt oder gelöst wäre. Selten etwas gelesen, das sich so unbefriedigend angefühlt hat. Damit ist Batman/Catwoman – trotz aller Anerkennung für die Zeichner – nichts als eine hübsche Verpackung, die aber innen hohl ist. Ein Weihnachtsgeschenk, das als reine Deko dient. Eine Verschwendung von Potenzial und Zeit.

Tom King kann mich mal.

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2 Kommentare

  1. „Tom King kann mich mal.“ *lol*
    Wow, danke Lukas für dieses Feedback, das klar und konstruktiv erklärt, warum besagter Autor hier dich am Ende mal an deinem allerwertesten naja du weißt schon was kann. Deinen Argumenten nach kann ich das außerordentlich gut nachvollziehen. Auch wenn ich, wie du ja vielleicht zwischendurch bei meinen Kommentare aufgeschnappt hast, eine schwache Story eher verzeihen kann, als schlechte Zeichnungen; das Auge isst bei mir eben ein wenig mehr mit als bei manch anderem, schätze ich. Aber eine meiner liebsten Figuren, das Phantasm Andre Beaumont, so gnadenlos sinnfrei und konsequenzlos zu verschwenden, das sollte schlicht strafbar sein. Und vom Joker sieht und hört man die letzten Jahre nun auch wirklich so schon mehr als genug, den hätte man hier nun wirklich mal ausnahmsweise außen vor lassen können. Und überhaupt: Heiraten Bruce und Selina hier tatsächlich…so richtig in der offiziellen Kontinuität? In einer kommerziellen Kapelle mit Batman Thema? Ernsthaft? Wo denn bitte, in Vegas? *lol*
    Das sieht für mich tatsächlich aus wie pornomäßig tolle Zeichenkunst, aber in den Dialogen wird 272 Seiten lang lediglich über das Stroh auf dem Fußboden und die Masken der Hauptprotagonisten debattiert . Wer auf Porno steht wird sicher bedient, aber Anspruch und gute Unterhaltung geht anders, schätze ich. ;-P

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