Die Rückkehr der Silver Ager

Titel: Green Lantern Rebirth/Flash Rebirth

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Ethan Van Sciver

Erschienen: 2004-2005/2009-2010 (Miniserien #1-6)


„I suppose this universe needs a little more light anyway.“ (Batman)

Bevor DC Comics sein Rebirth-Event startet, eine neue Heftzählung einführt und inhaltlich zu seinen Ursprüngen zurückkehrt, wollen wir die beiden Storys rekapitulieren, die bereits den Titel „Rebirth“ trugen: Green Lantern und Flash. Im Gegensatz zu Superman, Batman und Wonder Woman, die schon immer Clark Kent, Bruce Wayne und Diana Prince waren, hat es mit Green Lantern und Flash nicht beim ersten Versuch geklappt. Nicht die Golden Age-Helden Alan Scott und Jay Garrick haben sich durchgesetzt, sondern erst ihre Nachfolger im Silver Age: Hal Jordan und Barry Allen. Doch dieser Flash starb 30 Jahre nach seinem ersten Auftritt während der Crisis on Infinite Earths (1985), sein Nachfolger wurde sein ehemaliger Sidekick Wally West, und Green Lantern Jordan drehte in den 90ern durch, wurde zum mörderischen Schurken Parallax, ermordete die Green Lanterns und Wächter, vernichtete die Zentralbatterie und starb schließlich bekehrt – während der Final Night (1996) – doch den Heldentod. Kyle Rayner wurde die neue Green Lantern, Hal Jordan bekam eine neue Karriere als Rachegott Spectre.

Weil die Fans aber ihre alten Helden vermissten, holte DC in den Nullerjahren wieder zurück. Davon erzählen die beiden Rebirth-Miniserien. Beide stammen von Geoff Johns und Ethan Van Sciver, beide ähneln sich auch inhaltlich stark. Green Lantern Rebirth ist ein Musterbeispiel für Retroactive Continuity, auch Retcon genannt. Das Prinzip ist seit Sherlock Holmes Auferstehung von den Toten beliebt bei Serien, um vergangenes Geschehen rückgängig zu machen. Eigentlich ist es schummeln: man ändert im Nachhinein die Regeln, um plausible Erklärungen zu finden. So erweckt man Superhelden zum Leben, auch wenn man ihre bis auf die Knochen verbrannten Leichen gesehen hat.

Gelbe Schurken & Familienfeiern

Doch bei Green Lantern hat sich Geoff Johns etwas Geschicktes einfallen lassen: er erklärt nicht nur, dass Hal Jordan niemals ein irrer Mörder war, sondern von dem bösen Wesen Parallax besessen war, er gibt dem scheinbar weit hergeholten Schurken auch seine Daseinsberechtigung, weil er ihn untrennbar mit der Green Lantern-Mythologie verbindet. Parallax ist nämlich ein Urwesen, das für die Macht der Furcht steht – und damit im Gegensatz zu der Macht der Willenskraft, aus der sich die grünen Funzeln speisen. Parallax wurde in der Großen Lantern eingeschlossen, und weil er gelb ist, hatten die alten Ringe eine Gelbschwäche. So ist auch die älteste Frage nach der wohl dümmsten aller Schwächen geklärt.

Ähnlich ist es bei Flash: Dort wird erklärt, dass es auch eine negative Speed Force gibt. Und in beiden Storys ist der Schurke gelb. Bei Flash ist es der Reverse Flash, bei Green Lantern kommt zu Parallax noch Sinestro hinzu. Beide Helden müssen eine großangelegte Racheaktion an ihresgleichen verhindern, denn beide Wiedergeburten werden begleitet von einer kleinen Family Reunion: hier das halbe Green Lantern Corps und alte Weggefährten wie Green Arrow, dort alle Speedster auf Erden (und es sind verdammt viele) und ein kleines Rennen gegen Superman. Kurz gesagt, es wird viel Fan Service geboten, die Rückkehr der alten Helden wird gebührlich zelebriert – und dabei auch die lange Comictradition. Wie so oft bei solchen überambitionierten Storys bleiben die Neueinsteiger etwas auf der Strecke. Man sollte sich etwas mit GL und Flash auskennen, wenn man hier durchblicken will. Und wer so viel grün und gelb, bzw. gelb und rot nicht gewöhnt ist, dem könnte das detailliert gezeichnete Getöse bei den Endkämpfen zu viel werden.

Green Lanterns Kampf gegen Batman

Der Hauptunterschied: In Green Lantern Rebirth geht es darum, wie Hal Jordan vom Spectre wieder zu Green Lantern wird. Barry Allen ist am Anfang seiner Story bereits aus der Speed Force zurückgekehrt und Central City bereitet eine Willkommensfeier für ihn vor, mit Parade und allem drum und dran. Im Gegensatz zu Hal Jordan kommt er sich überflüssig vor. Jordan wiederum ist, sobald er seine lästigen Pflichten als Spectre losgeworden ist, die Zuversicht in Person. Oder, wie Batman es sagt, arrogant wie immer. Der Dunkle Ritter hat in Green Lantern Rebirth einen glorreichen Gastauftritt, bei dem er Zweifel an Jordans Rehabilitierung äußert: „Do you expect me to believe this?“ Hal revanchiert sich (schon zuvor) mit einen Kinnhaken. Eigentlich spricht Batman damit bloß vielen Lesern aus der Seele. Aber so läuft das nun mal in Superhelden-Geschichten. Es muss immer weitergehen. Deshalb stirbt hier auch niemand für immer.

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