Joe Chill

Batman rächt seine Eltern

DC Comics

Titel: The Origin of the Batman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1948 (Batman #47)


„It’s a desperate move … but I must take it … even if it means the end of Batman’s career!“

Okay, ihr kennt die Story vom jungen Bruce Wayne: sie beginnt mit dem Raubüberfall, bei dem seine Eltern ermordet werden. Bruce schwört daraufhin, das Verbrechen zu bekämpfen. Aber was ist mit dem Mörder seiner Eltern? Wurde er gefasst? Und wer ist das? Und warum hat er eigentlich nicht auch Bruce ermordet, wenn dieser Zeuge war? Die Fragen bleiben neun Jahre lang unbeantwortet. Seltsam eigentlich, weil es nahegliegend gewesen wäre, wenn Bruce zuerst den Mörder seiner Eltern gestellt hätte.

In The Origin of the Batman bekommt der Mörder einen Namen: Joe Chill. Batman und Robin entdecken ihn durch Zufall. Er betreibt ein Lkw-Unternehmen, das Gauner illegal über Staatsgrenzen bringt. Als Batman dessen Foto sieht, erinnert er sich an sein Kindheitstrauma – und zum ersten Mal seit Batman #1 wird die Urgeschichte neu erzählt. Nachdem die Eltern erschossen sind, wendet sich Bruce an Chill und wirft ihm den Mord vor. Chill erwidert: „Stop lookin‘ at me like that!“ Er bekommt Gewissensbisse und etwas in den Augen des Jungen lässt ihn sich zurückziehen.

Wir sehen wieder, wie Bruce Wayne zu Batman wird, aber der bekannte Text wurde leicht verändert. In der Urfassung (Detective Comics #33/Batman #1, 1939/1940) schwört Bruce betend am Bett, beim Geiste seiner Eltern, ihren Tod zu rächen, indem er den Rest seines Lebens Verbrecher bekämpft. In der Neufassung kommt noch der Schwur dazu, ihrem Mörder Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Als Batman wiederholt er den Schwur.

Batman tritt erstmals verkleidet vor Chill, als er versucht, sich in sein Unternehmen einzuschmuggeln. Aber seltsamerweise stellt er ihn noch nicht. Zunächst wird noch eine unnötige Schleife gedreht, indem Batman ein illegales Casino auf internationalen Gewässern aufmischt. Dabei hatte sich Batman schon entschieden, wie er vor Chill treten will: er demaskiert sich und konfrontiert ihn mit dem Mord. Aber Chill gesteht nicht. Also droht ihm Batman, ihn sein Leben lang zu verfolgen.

Verzweifelt vor Angst sucht Chill Hilfe bei seinen Angestellten, aber nachdem er ihnen erzählt hat, dass er Batman erschaffen hat, erschießen sie ihn. Er stirbt noch bevor er ihnen verraten kann, dass es Bruce Wayne ist. Batman knockt die Gauner aus, Chill stirbt, Fall geschlossen.

Interessant ist, dass Robin hier kaum eine Rolle spielt. Dadurch kann Bruce Wayne seine Geschichte allein abschließen.

Die Geschichte von Joe Chill wird in The Untold Legend of the Batman (1980) nacherzählt. In Year Two (1987) werden Batman und Joe Chill vorübergehend zu Verbündeten wider Willen – und Batman greift zur Pistole. Nach der Zero Hour (1994) wird der Wayne-Mörder wieder anonym. Nach dem Reboot von The New 52 (Batman: The Dark Knight #0) kehrt Joe Chill zurück und Bruce Wayne will sich an ihm rächen, wobei er wieder zur Waffe des Täters greift. Aber natürlich drückt er nicht den Abzug.

Advertisements

Bat Lantern

Batman: In Darkest Knight

Titel: In Darkest Knight

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Jerry Bingham

Erschienen: 1994 (One-shot)


Was wäre wenn … Bruce Wayne Green Lantern wäre?

Die Elseworlds-Story In Darkest Knight ist ein Beispiel dafür, dass auf eine interessante Frage noch längst keine interessante Antwort folgen muss. Die Geschichte beginnt an der berühmten Stelle aus Year One, da Bruce vor der Büste seines Vaters sitzt und sich fragt, wie er es hinbekommt, dass Verbrecher Angst vor ihm haben. Doch kurz bevor die Fledermaus durchs Fenster krachen kann, erscheint ihm ein außerirdischer Green Lantern und übergibt ihm den grünen Ring.

Was folgt, ist eine unfassbar abgehetzte Story, die sich weder für Charaktere noch für Dramaturgie geschweige denn Stimmung interessiert. Im Eilverfahren akzeptiert Bruce seine neue Aufgabe, legt sich ein fledermausartiges Kostüm zu, hält Red Hood und seine Bande im Chemiewerk auf bevor der Anführer zum Joker werden kann (kleine Anspielung auf The Killing Joke) Dann wird der Held auch schon dazu verdonnert, Sinestro zu stürzen, was auch sogleich passiert – ohne groß Fragen zu stellen. Es kommt zu einem persönlichen Rachefeldzug des lila Schurken gegen Wayne, bei dem Sinestro seinen Geist – warum auch immer – mit dem von Joe Chill vereint und fortan dämliche und bemüht witzige Selbstgespräche führt. Und weil Wayne auch noch gegen die Wächter und seine Corps-Kumpels rebelliert, werden kurzerhand Superman, Wonder Woman und Flash zu Green Lantern-Reservisten gemacht. Genauso lieblos übers Knie gebrochen wirken auch ihre auf Lantern getrimmten Kostüme.

Nach 46 ermüdenden Seiten bricht „Bat Lantern“ zum letzten Kampf gegen Sinestro auf, aber da endet auch schon die Geschichte, ohne uns das Finale zu erzählen. Nicht, dass es uns interessiert hätte oder noch eine Überraschung zu erwarten wäre, aber man fühlt sich schon betrogen. Doch es passt zum Gesamteindruck einer verschenkten Chance.

Von Bruce Wayne zu Batman: Das Zero Year bisher

Häufig ist es schwierig, bei den ganzen Publikationen von DC zu einer Storyline durchzublicken. Zum Zero Year (dt. Jahr Null), dem neuen Batman-Origin (d.h. der Entstehungsgeschichte), gibt es eine Reihe von zusätzlichen Storys, die das Hauptevent ergänzen. Hier ein Vorschlag, Bruce Waynes Werdegang in eine halbwegs chronologische Reihenfolge zu bringen (wohlwissend, dass es in Zero Year immer wieder Rückblenden in die Kindheit gibt, ebenso wie im Event Court of Owls/City of Owls):

  1. Batman: The Dark Knight #0: Chill in the Air (Bruce Wayne will sich an Joe Chill, dem Mörder seiner Eltern, rächen. Enthalten in Batman: The Dark Knight Vol. 2 – Cycle of Violence.)
  2. Detective Comics #0: The Final Lesson (Vor zehn Jahren schließt Wayne im Himalaya seine Ausbildung bei einem alten Meister der Kampfkunst ab und verliebt sich dabei – unglücklich – in ein Mädchen. Enthalten in Detective Comics Vol. 2 – Scare Tactics.)
  3. Batman Zero Year: The Director’s Cut #1: (Drei Episoden aus dem Leben des 19-, 21- und 24-Jährigen, Wayne besteht Prüfungen seiner Lehrmeister und lernt das Verbrecherleben kennen. Enthalten in Batman Vol. 4 – Zero Year: Secret City.)
  4. Detective Comics #0: The Long Wait (Wayne kehrt vor sieben Jahren nach Gotham zurück. Enthalten in Detective Comics Vol. 2 – Scare Tactics.)
  5. Batman #0: Bright New Yesterday (Bruce Wayne nimmt vor sechs Jahren maskiert an einem Banküberfall der Red Hood Gang teil. Enthalten in Batman Vol. 6 – Graveyard Shift.)
  6. Batman #21-24 (Haupt-Story. Enthalten in Batman Vol. 4 – Zero Year: Secret City.)
  7. Detective Comics #25: Whistleblower’s Blues (Tie-In mit James Gordon in der Hauptrolle. Enthalten in Detective Comics Vol. 5 – Gothtopia.)
  8. Batman #25-27, 29-33 (Haupt-Story geht weiter. Enthalten in Batman Vol. 5 – Zero Year: Dark City.)
  9. Batman #0: Tomorrow (Nachspiel zu Zero Year, Gordon schaltet im Beisein seiner Tochter Barbara zum ersten Mal das Batsignal ein, die drei künftigen Robins Dick Grayson, Jason Todd und  Tim Drake sehen es.)
  10. Nightwing #0 (Dick Graysons Vorgeschichte)

Die Hand am Abzug

Batman: The Dark Knight #0

Titel: Chill in the Air (dt. Schuld in der Luft)

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz/Tom DeFalco

Erschienen: 2012 (Batman: The Dark Knight #0; Paperback: 2013, Batman: The Dark Knight Vol. 2)


„Wir wissen, wo es anfängt … aber wissen wir, wo es endet?“

Bruce Wayne sucht den Mörder seiner Eltern. Er glaubt an einen geheimen Sinn dahinter, eine Verschwörung von Feinden der Familie Wayne, an den Rat der Eulen – doch am Ende ist es nur ein armer Säufer, Joe Chill, der nur die Perlenkette von Martha Wayne haben wollte, um sich eine Flasche Schnaps zu kaufen.

(mehr …)

Batman mit Knarre

Batman: Year Two/Full Circle/Fear the Reaper

Batman: Year Two/Full Circle/Fear the Reaper

Titel: Year Two – Fear the Reaper/Full Circle

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis, Todd McFarlane

Erschienen: 1987 (Detective Comics #575-578)/1990 (One-shot) (Paperback 2002)


Batman war nicht der erste Rächer von Gotham City. 20 Jahre vor ihm machte der Reaper die Straßen unsicher, ein Kerl mit roter Rüstung, Totenkopfmaske und Sicheln an den Händen. Dieser „Sensenmann“ brachte den Tod, metzelte alle – Gauner wie Prostituierte – ohne Unterschied nieder. Nun, in Batmans zweitem Dienstjahr, kehrt er wieder zurück. Klar, dass die Fledermaus mit diesen Methoden seine Probleme hat. Doch bei der ersten Konfrontation zwischen den beiden Rächern bekommt Batman eine derartige Abreibung, dass er beschließt, zu härteren Mitteln zu greifen: der Pistole, die seine Eltern getötet hat.

Dieser Tabubruch kommt etwas plötzlich und es ist auch nicht ganz klar, warum es nötig ist, so weit zu gehen. Zumal Batman sie kaum benutzt, und dass auch nur so selten wie möglich, etwa um Gegner zu entwaffnen oder um Gordon seine Pistole aus der Hand zu schießen (was etwas sinnfrei ist, weil beide in dieser Situation dasselbe wollen, nämlich den Reaper zu überführen). Auf die Reaper zu schießen ist übrigens sinnlos, da ihn die Rüstung schützt. Konsequenz geht anders. Aber es kommt noch dicker: Da auch die Unterwelt ein Interesse daran hat, den Hardliner mit den Sichelhänden loszuwerden, verbünden sich die Gangster mit Batman und stellen ihm einen Profikiller zur Seite: Joe Chill, den Mörder seiner Eltern.

(mehr …)