Mike W. Barr

Die Geschichte wiederholt sich

DC Comics

Titel: Batman: Two-Face Strikes Twice!

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Joe Staton, Daerick Gross

Erschienen: 1993 (Zweiteiler)


„I guess there really are two sides to every story!“ (Robin)

Anfang der 90er kam eine Two-Face-Story heraus, die es mit dem Doppelten auf die Spitze trieb: Two-Face Strikes Twice erschien nicht nur als Zweiteiler, sondern auch als Doppelausgabe mit Wendecover und jeweils zwei Hälften zweier Geschichten, die aufeinander aufbauen.

Die erste Hälfte (gezeichnet von Joe Staton) ist im Stil des Golden Age gehalten. Harvey Dents Ex-Frau Gilda heiratet wieder: den Unternehmer/Wissenschaftler Paul Janus. Und als wäre der Name nicht schon genug, reibt sie es auch noch ihrem Ex unter die Nase. Klar, dass er aus dem Knast ausbricht und die Hochzeit vereitelt.

Two-Face verkleidet sich als Pfarrer und wirft dem Bräutigam Säure ins Gesicht. Kurz darauf trägt Janus eine Doppelmaske und begeht mit Two-Face Verbrechen. Sehr glaubwürdig ist das nicht, aber auch Batman und Robin haben ihren Verdacht, dass hier irgendwas faul ist. Das Dynamische Duo landet in einer Todesfalle, in der der Schurke eine riesige Münze über sie rollen lassen will. Später tritt Two-Face in Ritterrüstung auf einer Van-Gogh-Ausstellung auf und Robin wird – wie symbolträchtig – von einem Pinsel gerettet.

Fortsetzung mit Zwillingen

Die zweite Story (gemalt von Daerick Gross) erzählt die Fortsetzung in einem (für die 90er) zeitgemäßeren Stil. Familie Janus hat Zwillinge bekommen. Gilda ahnt, dass das wieder nur Ärger bedeutet – und damit liegt sie richtig, denn ihr Ex lässt nicht lange auf sich warten und entführt die beiden Babys. Ein zwielichtiger Wissenschaftler will aus ihnen das Fruchtbarkeitsmittel extrahieren, das Janus entwickelt hat. Allerdings stellt sich heraus, dass die Zwillinge ohne das Mittel entstanden sind. Also erpresst Two-Face Janus. Die Frage ist: Ist Harvey fähig, Kinder zu töten?

Für Batman wiederholt sich die Geschichte: Wieder landet er in einem Graben und soll von einer riesigen rollenden Scheibe zerdrückt werden, mit dem Unterschied, dass er diesmal allein ist und es sich um eine große Linse aus Glas handelt. Dann wird Robin entführt …

Brücke zwischen Continuitys

Interessant an dieser Doppel-Struktur ist, dass Autor Mike W. Barr stets den Epochen treu bleibt: Im ersten Teil kämpft Batman an der Seite von Dick Grayson, im zweiten ist es Tim Drake. Im ersten sitzt Two-Face im Knast, im zweiten in Arkham Asylum. Trotzdem schlägt die Story eine Brücke über die beiden Continuitys vor und nach der Crisis.

Ansonsten handelt es sich um eine wendungsreiche Story, die von viel Nostalgie und Albernheit geprägt ist. Die zweite Hälfte wirkt zwar ernsthafter, aber ist ebenso plakativ gemacht und nicht ernst zu nehmen. Superdämliche Handlanger und eine übertriebene Neigung zur Zahl Zwei heben die Qualität nicht wirklich. Harvey Dent bleibt in der Falle seiner Zweidimensionalität stecken, mehr eine Karikatur seiner selbst. Daran ändert auch die Wendung am Ende nicht viel. In den 90ern war man eigentlich schon weiter, daher wirkt der zweite Teil merkwürdig anachronistisch.

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Brennende Sünder

DC Comics

Titel: The Messiah of the Crimson Sun

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Trevor von Eeden

Erschienen: 1982 (Batman Annual #8)


Als in dem Dorf Shinn Corners die Sonne aufgeht, vebrennen die Bewohner bei lebendigem Leib. Nur die Knochen bleiben zurück. Die Ursache ist ein Rätsel, aber dann bekennt sich ein neuer maskierter Schurke zu der Tat: Er nennt sich „Messiah of the Crimson Sun“ und kündigt per Videobotschaft an, dass die Sünder von Gotham City in 24 Stunden dasselbe Schicksal ereilen wird – so wie einst Sodom und Gomorra.

Batman vs. Messiah of the Crimson Sun (DC Comics)

Prima: Solche Ankündigungen geben Helden stets genug Zeit, das Unheil zu verhindern. Batman nimmt die Herausforderung an und ermittelt in Shinn Corners. Dort taucht plötzlich ein Prediger im Jesus-Stil auf, der behauptet, von dem Feuer verschont worden zu sein. Er sei nämlich Seth, wie der dritte Sohn Adams, und die Kinder Adams seien auserwählt etc. Batman wittert einen Handlanger des Schurken und lässt Robin sich als Seth verkleiden. Der Köder wirkt zunächst, Robin wird undercover ins Hauptquartier des Messias gebracht und der lässt seine Maske fallen. Es ist aber gar kein neuer Schurke, sondern …

ACHTUNG SPOILER!

Ra’s al Ghul! Und er hat natürlich auch Robins Fassade durchschaut und nimmt ihn gefangen. Batman findet heraus, dass die Menschen verbrannt sind, weil etwas im Trinkwasser war. Er verbündet sich mit der US-Army, um in Gotham das Schlimmste zu verhindern, dann hilft ihm auch noch Talia dabei und man fliegt gemeinsam ins Weltall, wo Ra’s seine eigene Raumstation samt Mega-Lupe hat, die Sonnenstrahlen rot färbt und tödlich macht, wenn man eine bestimmte Chemikalie schluckt.

Prost! Batman trinkt mit Ra’s. (DC Comics)

Das tun die beiden Kontrahenten auch, als sie aufeinandertreffen. So wird das Duell spannender, weil derjenige stirbt, der in die roten Strahlen gerät. Batman macht den Becher leer. So viel Kämpferehre muss sein. Und die Wasserzufuhr hat der Held auch bitter nötig, denn der Kampf zieht sich über eine Stunde hin, was zum Glück nur eine Comicseite einnimmt.

Am Ende jedoch muss sich Ra’s geschlagen geben und will mit einem Shuttle abhauen. Aber Batman hat es so manipuliert, dass der Schurke in die Strahlung fliegt – und offenbar stirbt. „But Batman … you’ve killed him!“, sagt Robin. „Have I, Robin?“, sagt Batman nur. Es scheint ihm ziemlich egal zu sein. Talia will hinterher nichts mehr von ihm wissen. Aber Hauptsache, er hat Gotham gerettet.

Ein sehr seltsames Ende, aber dafür ist das Ganze stark gezeichnet und aufgelockert mit einigen ungewöhnlichen Layouts. So ungewöhnlich, dass man manchmal verwirrt ist, wo man weiterlesen soll, aber bei dieser doch simpel gestrickten Story kriegt man das hin. Und was Batmans Mord angeht: Vielleicht geht er einfach davon aus, dass Ra’s es – wie immer – irgendwie schaffen wird, doch zu überleben. Falsch liegt er damit ja nicht …

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Blauer Batman gegen roten Batman

DC Comics

Titel: The Player on the Other Side

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Michael Golden

Erschienen: 1984 (Batman Special #1), Paperback 2009 (Batman: The Wrath), Hardcover 2014 (Batman: A Celebration of 75 Years)


Im Grunde ist es trivial zu sagen, ein bestimmter Schurke sei das Gegenteil von Batman. Denn das trifft auf die meisten seiner klassischen Schurken zu: Joker ist der Anarchist im Gegensatz zu Recht und Ordnung, Two-Face spiegelt die dunkle Seite seines Doppellebens, der Riddler ist mit seinen Rätseln der intellektuelle Gegenpart zum Detektiv, Man-Bat erklärt sich von selbst usw.

1984 wurde aber ein Schurke geschaffen, der als das genaue Gegenstück konzipiert war: The Wrath. Ein Schurke mit einem ganz ähnlichen Kostüm, nur eben in Rot und Violett statt in Blau und Grau. Er ist sogar am gleichen Tag entstanden: Während Bruce Waynes Eltern von einem Räuber erschossen wurden, wurden seine Eltern, die Einbrecher waren, von einem Polizisten erschossen. Aus dem einen wurde ein Verbrechensbekämpfer, aus dem anderen ein Verbrecher, der sich an Polizisten rächt.

Batman & The Wrath (DC Comics)

Als nächstes ist Commissioner James Gordon dran: Drei Attentatsversuche verübt Wrath auf ihn: ein Schuss, eine Autobombe, eine Bombe in einer Essenslieferung. Batman sieht einen Zusammenhang mit anderen Polizistenmorden. Ohne bestimmten Grund (wahrscheinlich „Instinkt“) vermutet er, sein Gegenstück gefunden zu haben: „The Player on the Other Side“. Laut einem Essay von Thomas Huxley handelt es sich dabei um eine Allegorie: Ein unbekannter Gegner in einem Schachspiel (Welt), der nach den Regeln spielt (Naturgesetze), aber keine Fehler macht.

Doppelter Gedenktag am 26. Juni

The Wrath erfährt, dass der 26. Juni für Batman eine besondere Bedeutung hat. An diesem Tag sind die Waynes gestorben, also muss er Batman sein. Er zerstört das Grab der Waynes und sprayt die Botschaft „Give me C.G.“ darauf – gemeint ist Commissioner Gordon. Dann schlägt er Alfred krankenhausreif. Schließlich kommt es zur Konfrontation in Crime Alley, inklusive Leslie Thompkins.

Mike W. Barr erzählt in „The Player on the Other Side“ eine dramatische und sehr persönliche Geschichte voller Spannung und Wendungen, in der am Ende sogar Batman für einen Tod verantwortlich ist, was aber niemanden zu stören scheint. Michael Golden inszeniert sie über 40 Seiten hinweg mit präzisem Strich, lebensnah und ausdrucksstark.

The Wrath ist ein skrupelloser Killer, der jeden umbringt, der sich ihm in den Weg stellt, aber man erfährt nie seinen wahren Namen. Etwas schade ist, dass es so schnell mit ihm zu Ende geht. Allerdings kehrt der „Anti-Batman“ zurück in Batman Confidential #13-16 (2008) und in Detective Comics Vol. 4: The Wrath (2014).

>> Batman 1980-1989

Batman trifft Sherlock Holmes

DC Comics

Titel: The Doomsday Book

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis, Carmine Infantino u.a.

Erschienen: 1987 (Detective Comics #572), Hardcover 2012 (Legends of the Dark Knight: Alan Davis Vol. 1), Paperback 2018 (Batman: The Dark Knight Detective Vol. 1)


Als die Serie Detective Comics 50 Jahre alt wurde, wurde Sherlock Holmes 100. DC nahm das Doppeljubiläum zum Anlass, die beiden berühmtesten Detektive der Welt zusammenzubringen. Und dafür ist noch nicht einmal eine Zeitreise nötig. Außerdem brachte man noch zwei weitere Detective Comics-Veteranen zusammen: Slam Bradley, den Detektiv, der in der ersten Ausgabe auftrat, und den Elongated Man, der eine Zeitlang die Zweitstory in der Serie bekam.

Die Geschichte beginnt mit Slam Bradley, der kurz vor Weihnachten von einem jungen Engländer namens Morton den Auftrag bekommt, seine Verlobte wiederzufinden, die gekidnappt worden ist. Slam kann noch nicht mal ja sagen, als Morton entführt wird. Batman und Robin können noch verhindern, dass Schlimmeres passiert. Die Spur führt nach London, wo bereits der Elongated Man in der Baker Street einen Mann aufsuchen will, der ihm eine unveröffentlichte Sherlock-Story zeigen will. Der Held trifft dabei auf einen Nachfahren des Schurken Moriarty, der einen doppelten Anschlag auf die königliche Familie plant.

Mit vereinten Kräften können die drei Helden das Schlimmste verhindern. Aber wo bleibt Sherlock selbst? Der bekommt eine ausführliche Rückblende: In The Adventure of the Red Leech verhindern Holmes und Watson ebenfalls einen Anschlag auf die Königin. Die Geschichte droht sich 100 Jahre zu wiederholen.

[ACHTUNG: SPOILER!]

Und am Ende kommt es zum Treffen der Detektive: Sherlock steht plötzlich da, als sehr alter Mann, der immer noch lebt, weil er nicht mehr raucht, sich ausgewogen ernährt (unter anderem von einem Präparat aus Gelée royale) und im tibetischen Hochland lebt. Auch dank ihm kann der Fall schließlich gelöst werden.

Die Story feiert auf sympathische Weise sowohl Literatur- als auch Comicgeschichte, indem sie Batman nicht zum Haupthelden macht, sondern zu einem unter mehreren. Sowohl Slam Bradley als auch der Elongated Man kommen zu ihrem Recht. Batmans Rolle wird sogar für die Sherlock Holmes-Hommage sehr zurückgefahren. Die Rahmenhandlung zeichnet Alan Davis mit gewohnt elegantem Strich, während Carmine Infantino mit seinem sperrigen Stil das Niveau leider wieder senkt und sich einmal sogar blamiert, weil er nicht weiß, wie man eine Geige zeichnet – bei ihm sieht sie wegen der falschen Lochform aus wie eine Ukulele.

Auch wenn hier keine Innovation geboten wird, das muss es auch nicht. Hier geht es um Nostalgie. Und als Jubiläumsstory funktioniert diese hier allemal.

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Ra’s al Ghul als Gott der Sintflut und Noah

Titel: Bride of the Demon

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Tom Grindberg

Erschienen: 1990 (One-Shot), Paperback 2012 (Batman: Birth of the Demon)


Ra’s al Ghul hat mal wieder Großes vor, diesmal in der Antarktis.

Schritt 1: Batman erledigen. Ra’s schickt seinen besten Mann: Shard. Der lockt zwar Batman in eine fiese Falle, aber wird von ihm schnell besiegt. So schnell, dass sich Shard daraufhin selbst mit einem Gas tötet. Batman macht einen Abzug von dessen Gesicht, damit er sich bei Ra’s einschleichen kann. Paradoxerweise macht erst das Attentat Batman auf Ra’s Pläne aufmerksam. Hätte er das mal lieber gelassen …

Schritt 2: Ra’s sucht sich eine neue Partnerin. Das geht ganz einfach: Man geht zu einer gealterten Schauspielerin, die gerne wieder jung wäre, man steckt sie in die Lazarus-Grube und sie ist einem sofort ergeben. So ergeben, dass sie einen sofort heiratet, sich schwängern lässt und sogar einen wahnsinnigen Weltzerstörungsplan unterstützt.

Schritt 3: Welt zerstören. Ra’s al Ghul holt sich dafür den Klimaforscher Carmody. Dessen Sohn stirbt im Eifer des Gefechts, Ra’s verspricht ihm, ihn wiederzubeleben, wenn er ihm hilft, die Atmosphäre zu zerstören und den Treibhauseffekt so zu verstärken, dass sich das Klima erwärmt, die Pole schmelzen und die Menschheit ausstirbt.

Aber Moment mal: Gehen dabei auch nicht viele andere Lebewesen drauf? Wird dadurch nicht das ganze Ökosystem Erde zerstört? Ja, sagt Ra’s, ein notwendiges Übel, das man in Kauf nehmen müsse. Aber das Ökosystem werde sich irgendwann wieder erholen. Weil er aber die Regeneration der Erde nicht mehr erleben werde, brauche er einen Erben. Außerdem werde er Exemplare der gefährdeten Arten retten. Ra’s tritt hier als biblischer Gott der Sintflut und neuer Noah in Personalunion auf, ganz nach dem homöopathischen Motto: Wer die Welt retten will, muss sie erstmal zerstören. Bevor es besser wird, muss es schlechter werden. Dass er dabei eigentlich nur das vorantreibt, was er der Menschheit zur Last legt, scheint er nicht zu erkennen. Er hätte einfach abwarten können, bis es von selbst so kommt. Oder er könnte versuchen, das Unheil noch abzuwenden. Aber nein, Ra’s legt in Sachen Vernichtung lieber selbst Hand an und macht sich zum Schuldigen. Skrupel? No way!

Bei Batman ist er dann wieder sehr nachsichtig. Obwohl er ihn zunächst umbringen lassen wollte, gibt er ihm danach noch einige Chancen, sich von ihm aufhalten zu lassen – Erklärung der Pläne inklusive. Talia ist mal wieder wankelmütig gegenüber ihrem Geliebten. Zunächst gibt sie sich ihm gleichgültig gegenüber, dann hasst sie ihn dafür, dass sie für ihn ihrem Vater untreu geworden ist, und lässt es ihn auch handfest spüren. Dann hintergeht sie ihn, dann schlägt sie sich wieder auf seine Seite. Immer dasselbe mit dieser Frau …

Tim Drake reitet den Riesenpenny

Auch wenn die Geschichte nicht immer Sinn ergibt: In dieser Fortsetzung von Son of the Demon fehlt es nicht an Action und Schauwerten. Höhepunkt ist eine Sequenz in der Bathöhle: Der Noch-nicht-Robin Tim Drake springt auf den Riesenpenny und bringt ihn zum Rollen, um die bösen Buben auszuschalten. Dazu gibt es leichtbekleidete Frauen und einen sehr luftig gekleideten Ra’s. Die würden allerdings eleganter wirken, wenn die Zeichnungen nicht so grob wären. Tom Grindberg lässt den feinen Strich eines Jerry Bingham vermissen, und er verwirrt auch beim Lesen mit zum Teil schlecht durchdachten Layouts.

Das alles disqualifiziert Bride of the Demon zwar als Pflichtlektüre, aber eine Katastrophe ist es nicht …

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Clayface IV: Lady Clay

Titel: Strike Force Kobra

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Jim Aparo

Erschienen: 1987 (The Outsiders #21), Paperback 2017 (Batman Arkham: Clayface)


Der Clayface, wie wir ihn heute kennen, brauchte lange, um das zu werden, was er heute ist. Es gab drei Clayfaces: Den Schauspieler Basil Karlo, den Abenteurer Matt Hagen und den Wissenschaftler Preston Payne. Der heutige Clayface ist eine Fusion aus den dreien.

Weil aber drei Clayfaces offenbar nicht genug waren, erdachte man bei DC in den 80ern noch eine vierte: Lady Clay. Sie ist eine Schurkin, die für den Oberschurken Lord Kobra arbeitet und im Grunde die gleichen Formwandlerkräfte hat wie Matt Hagen, mit dem Unterschied, dass sie auch Superkräfte übernehmen kann. In einer Story der Outsiders übernimmt sie die Identität von Looker, einer total bescheuert aussehenden Superheldin, die eine pinke Leggings mit nur einem Hosenbein und einer großen Schleife trägt. Drei Seiten später fliegt die Betrügerin auf, sie verwandelt sich in Katana, die Outsiders bekämpfen sie usw. Das Ganze dient als Ablenkung, damit die Strike Force Kobra Stagg Enterprises überfallen kann, die Geburtsstätte des Helden Metamorpho.

Es wird nicht klar, inwiefern die Aktion die Outsiders ablenken sollte, wenn sie nicht gemerkt hätten, dass Lady Clay unter ihnen ist. Später taucht sie dann, obwohl in Gewahrsam der Outsiders, bei der Strike Force auf. Aber das ist natürlich nur die halbe Geschichte. Ich würde euch gerne die ganze erzählen, aber leider hat DC nur die erste Hälfte in den Band Batman Arkham: Clayface gesteckt. Das ist leider kein Einzelfall, auch beim Pinguin ist das passiert. Es scheint ein Prinzip dahinterzustecken. Vielleicht ist die Geschichte nicht gut genug, dass es sich lohnt, sie zu Ende zu erzählen. Dann kann man sich aber auch den ersten Teil sparen.

Lady Clay taucht später in der Story The Mud-Pack auf, zusammen im Verbund mit ihren drei Vorgängern. In Knightquest: The Crusade gründet sie mit Preston Payne eine Familie. Ihr Kind nennen sie – Achtung: Kalauer – Cassius „Clay“ Payne, benannt nach Muhammad Ali.

>> Liste der Clayface-Comics

Die eigenwillige Katze

Titel: Catch as Catscan/The Last Laugh

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis

Erschienen: 1986-1987 (Detective Comics #569-570), Hardcover 2013/2018 (Legends of the Dark Knight: Alan Davis/Batman: The Dark Knight Detective Vol. 1)


Eine Katze lässt sich nicht dressieren. Der Joker versucht es trotzdem. Zunächst versucht eine Bande von Typen in gelben Katzenkostümen einen Helm zu stehlen, mit dem man Gedanken manipulieren kann. Batman und Robin vereiteln den Diebstahl, Catwoman hilft ihnen dabei. Denn Catwoman will Batman davon überzeugen, dass sie ihre Laufbahn als Verbrecherin hinter sich gelassen hat. Batman ist skeptisch, sie will das lieber bei sich zuhause ausdiskutieren.

Als ein gelangweilter Joker sieht, dass seine Feinde jetzt zu dritt sind, führt er das Dynamische Trio in eine Falle, nimmt Catwoman gefangen und versucht, sie wieder zum Verbrechen zu bekehren. Sie schlägt sich zunächst auf seine Seite, es kommt zu einem Kampf gegen Batman auf dem Jokermobil, aber als sie töten soll, ist Schluss mit lustig.

Für den Leser ist die Story aber ein großer Spaß – wenn er ein Fan des Golden Age sein sollte. Denn obwohl die Geschichte nach dem großen Reboot des DC-Universums erschienen ist (Stichwort: Crisis), ist sie doch nichts als eine Reminiszenz an die gute alte Zeit. Batman und Robin machen ihre Kalauer, der Joker ist ein Chaot und Catwoman sieht mit ihrem Kleid aus wie aus der Zeit gefallen. Alan Davis (The Nail) inszeniert das Ganze mit seinen feinen Strichen und einem eleganten Schwung, alles strotzt nur so vor Dynamik und Ausdruck.

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Batman und die fünf Langweiler

DC Comics

Titel: Batman and the Outsiders

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Jim Aparo

Erschienen: 1983 (The Brave and the Bold #200, Batman and the Outsiders #1-4), Hardcover 2017 (#1-13), dt. Eaglemoss 2016


Lucius Fox wird in dem Bürgerkrieg geplagten Land Markovia entführt. (Markovia wird als ein OSTeuropäisches Land bezeichnet, das auf einer Karte neben Luxemburg verortet wird …) Batman bittet die Justice League um Hilfe, aber als die sich weigert, sich in den Konflikt einzumischen, tritt er – sehr dramatisch – aus der Liga aus und holt sich anderweitig Hilfe. Er holt den Gestaltenwandler Metamorpho und Black Lightning dazu, aber nur damit sich letzterer als Bruder von Lucius Fox ausgeben kann. (Bruce Wayne würde man die Nummer aus nachvollziehbarem Grund nicht abkaufen.)

Wie der Zufall es will, kommen noch drei weitere Helden dazu: Der Prinz von Markovia lässt sich von einer Wissenschaftlerin in Geo-Force verwandeln, den Helden mit den Kräften der Erde. Aus dem Nichts tauchen dann noch Katana und Halo auf. Katana ist eine Schwertschwingerin auf einem privaten Rachefeldzug, Halo hat ihr Gedächtnis verloren und ist auch sonst – trotz ihres Namens und ihrer Kräfte – keine besonders helle Leuchte. Zusammen halten sie den Usurpator Baron Bedlam (toller Name) auf und beschließen, als „Outsiders“ weiterzumachen.

Nur zwei Ausgaben braucht es, damit sich das Team zusammenfindet. Anfang der 80er Jahre hat man noch nicht lange gefackelt. Dann geht die übliche Routine los: gegen Schurken wie Agent Orange und Meltdown, dann irgendwelche Terroristen in einem Krankenhaus (das erste Kapitel spielt faktisch erst später). Was die Serie besonders macht, ist die Teamfindung: die Helden sind noch unerfahren und können weder mit ihren Kräften umgehen noch ordentlich zusammenarbeiten. Batman weist sie gleich zu Beginn in die Schranken. Er macht sich alleine auf, weil die anderen noch nicht reif seien, aber dann ist er doch dankbar, als sie ihm helfen – das Robin-Prinzip.

Interessante Figuren sind es nicht, die Batman da um sich schart, besonders Halo nervt. Und man fragt sich, warum er sich überhaupt auf einen Haufen Anfänger einlässt. Wahrscheinlich geht einfach das Ego mit ihm durch, seit er sauer auf die Justice League ist. Im Laufe der Serie bekommen die Outsiders zwar mehr Hintergrundstory, aber so weit habe ich nicht gelesen, weil mir die fünf Ausgaben in der deutschen Ausgabe gereicht haben.

Die Ausgabe der DC Graphic Novel Collection von Eaglemoss wirkt zwar auf den ersten Blick hochwertig, aber ist leider schlampig gemacht. Das beginnt beim Lettering (abgesehen vom durchgehend falschen Serifen-I ist die Schrift zum Teil verrutscht) und endet bei einer zweifelhaften Übersetzung bzw. miesem Lektorat. Es ist nicht der einzige Fall, in dem sich die Sammlung solche und noch schlimmere Patzer leistet. Man hat zwar nicht am Druck, dafür an der inhaltlichen Qualität gespart. Noch ein Grund, beim Original zu bleiben – wenn es denn unbedingt sein muss.

Kampf der Guillotine

DC Comics

Titel: Reign of Terror

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/José Luis Garcia-Lopez

Erschienen: 1999 (One-shot)


„… is not the purpose of this great experiment to judge men by our inner truths, not by the masks we present to the world?“ (Bruce Wayne)

Kleine Geschichtsstunde mit Batman, diesmal in Frankreich. In den Wirren der französischen Revolution gab es ein Jahr, das als „Terrorherrschaft“ bekannt werden sollte. Von Juni 1793 bis Ende Juli 1794 ließen Robespierre und seine Jakobiner sehr viele Köpfe rollen, über 16.000 offizielle Hinrichtungen gab es. Der ehemalige Offizier Bruce Wayne hat selbst Betroffene in der Familie, die Eltern seiner Ehefrau sollen durch „Madame Guillotine“ getötet werden. Da fällt er einen spontanen Entschluss, näht sich schnell ein (ziemlich schickes) Fledermauskostüm, macht sich ein paar Batarangs und ein Schiff mit schwarzen Segeln und befreit in einer Aktion seine Schwiegereltern. Als Batman lehrt er mit weiteren Rettungsaktionen solcher Art die Jakobiner das Fürchten, bis ihn Hervé Deinte, der Mann mit der entstellten Gesichtshälfte und der Münze, in eine Falle lockt.

Abgesehen davon, dass Reign of Terror unter seiner Kürze leidet und zu abgehetzt erzählt wird (ein Problem vieler Elseworlds-Comics), es gibt durchaus dümmere Comics. Hier hat Mike W. Barr sich zumindest Mühe gegeben, das historische, brutale Setting glaubhaft auszustatten; die lebhaften und klaren Zeichnungen tragen ihren Teil dazu bei, dass man sich in diese Welt schnell einfindet. Bei so viel Bodenständigkeit und Ernst der Lage wirken allerdings einige Plot-Elemente hanebüchen. Vor allem das Finale. Wenn man denkt, wie sich Batman aus der Guillotine befreit, kann absurder nicht sein, taucht dann aus dem Nichts ein Bat-Heißluftballon mit einer Robin-Frau auf und das konstruierte Ende des Schurken steigert das Ganze noch einmal.

Okay, Reign of Terror ist Quatsch. Aber wenn man sich darauf einlässt, kann es auch nette Unterhaltung sein.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Alter schützt vor Torheit nicht

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight Dynasty

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Scott Hampton, Gary Frank, Scott McDaniel

Erschienen: 1997 (One-shot)


„I win again. But then, I always do.“ (Vandal Savage)

2300 Jahre Waynes, drei Generationen von Batmen: als Kreuzritter im Mittelalter, als Dunkler Ritter in der Gegenwart, als High-Tech-Kriegerin in ferner Zukunft. Und alle drei müssen sich mit Vandal Savage rumschlagen, jenem unsterblichen Schurken, der einem mysteriösen Meteorit nachjagt. Dafür tötet er sogar Bruce Waynes Eltern. Wozu der ganze Ärger, das erfährt man erst am Ende: auch der Böse hat einfach nur das grundmenschliche Bedürfnis zu wissen, was ihn zu dem gemacht hat, das er ist. Der Aufwand wirkt dann doch etwas übertrieben, vor allem gegen Ende, wenn er einen ganzen Kult um sich begründet. Gastauftritte haben eine Art Catwoman des Mittelalters und eine weibliche Scarecrow, Scarecrown genannt.

Dass sein hohes Alter Vandal Savage aber nicht unbedingt weiser macht, zeigt auch ein Plot-Element, das immer wiederkehrt: In jedem der drei Kapitel lässt er den Helden in einer Todesfalle zurück und lässt ihm damit jedesmal die Gelegenheit zur Flucht – im zweiten Kapitel sogar zweimal. Okay, das ist nicht unbedingt ein Klischee mehr, es ist einfach ein Topos von Heldengeschichten. Aber gleich viermal den gleichen Fehler zu begehen, lässt dann doch am Verstand des angeblich superschlauen Superschurken zweifeln und wird zum Running Gag, der die Story unfreiwilligen komisch macht. Noch lächerlicher ist nur noch ein Affe, der in der Zukunft zu Robin wird (warum nur, warum?).

Visuell macht Dark Knight Dynasty wenigstens zu zwei Dritteln etwas her: Die gemalten Seiten von Scott Hampton (Night Cries) im Mittelalter-Teil und die von Gary Franks (Batman: Earth One, Superman: Secret Origin) Gegenwarts-Teil sind wahre Hingucker. Dagegen ist das Finale von Scott McDaniel und Bill Sienkiewicz nicht nur sperrig gezeichnet, sondern lässt auch schwer der Handlung folgen.

Insgesamt ist Dark Knight Dynasty zwar episch angelegt, aber kann seinen Anspruch nicht ganz erfüllen, weil es dann doch bloß in Banalitäten abdriftet.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics