Odyssee eines Außenseiters durch Gotham

DC Comics

Titel: Shadows of the Bat: House of Gotham

Autor/Zeichner: Matthew Rosenberg/Fernando Blanco

Erschienen: 2022 (Detective Comics #1047-1058, Backup-Storys), Hardcover 2022


Der Joker bringt die Eltern eines Jungen um. Der Junge versteckt sich im Schrank. Da kommt Batman und hält den Joker auf. Der Junge jedoch hält danach beide für böse. Nach einer oberflächlichen Untersuchung stellt man fest, dass er gesund ist, und das Sozialamt kümmert sich nicht weiter um ihn. James Gordon bringt ihn nach Arkham, wo dieser von Clayface traumatisiert wird. Dann kommt er auf Initiative von Bruce Wayne in ein Waisenhaus, von wo er vom Pinguin adoptiert und zur Arbeit verpflichtet wird. Dann geht’s wieder nach Arkham, wo er fast von Zsasz umgebracht wird. Trotzdem fühlt er sich vor allem in Arkham heimisch – womit er der erste sein dürfte.

Wir sind Zeuge einer Odyssee durch ein gescheitertes System, das sich nicht um Kindeswohl schert, wenn nicht zufällig ein Milliardär sich eines erbarmt. Und damit ist diese Geschichte höchst unglaubwürdig. Klar gibt es immer wieder Menschen, die scheitern, weil sie durchs System fallen, aber hier wird das Pech extrem übertrieben. Warum sollte man einem alleinstehenden Mann mit zweifelhafter Reputation wie Oswald Cobblepot ein Kind anvertrauen, und dann noch ohne nachzuprüfen, wie es dem Kind geht? (Was leicht wäre, denn Kinder arbeiten sichtbar im Club.)

Brutales, aber überzeugendes Ende

Unser junger Held irrt dabei auch durch die Batman-Historie: Er trifft auf Jason Todd (später Robin II und Red Hood), Jean-Paul Valley als Batman, der ihn von einer Brücke stößt, später schlägt er sich im Niemandsland durch und gründet schließlich eine Untergrundorganisation der Ausgestoßenen und Monstern wie Killer Croc und Clayface. (Was an die BTAS-Episode The Underdwellers erinnert.) Erfreulich, dass wir dabei nicht den Werdegang eines weiteren irren Superschurken mitansehen, sondern den eines Jungen, der nicht in die üblichen Muster (und Klischees) fallen will. Bis er es dann in einer Hinsicht doch tut: Rache.

Denn am Ende läuft es auf ein Wiedersehen mit seinen Peinigern hinaus, Joker und Batman. Mal wieder geht es um die Frage: Mord oder kein Mord, um größeres Leid zu verhindern. Wir erfahren dabei nichts Neues, sondern landen in den Gemeinplätzen, die wir seit Jahrzehnten kennen. Leider werden sie breitgetreten in einer Debatte, die fast in Sprechblasen erstickt. Doch viel spannender ist das Ende danach. Der Epilog ist von so brutaler Konsequenz, dass er die gesamte Story rettet. Ich will nicht zu viel verraten, nur eins: Wir erkennen, in diesem ganzen Batman-Zirkus gibt es viele namenlose Opfer, für die sich niemand interessiert.

Autor Matthew Rosenberg gelingt damit nicht nur ein überzeugenderes, tieferes Werk als sein sehr plattes The Joker Presents: A Puzzlebox, sondern auch die interessantere Geschichte als die Hauptstoryline von Shadows of the Bat: The Tower. Dazu tragen auch die stimmungsvolleren Zeichnungen von Fernando Blanco bei, die nicht zu glatt und gefällig daherkommen.

>> Batman 2020-2029


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