Jokers Rätselbox oder: Wer tötete den Riddler?

DC Comics

Titel: The Joker Presents: A Puzzlebox (dt. Der Joker: Die geheimnisvolle Rätselbox)

Autor/Zeichner: Matthew Rosenberg/Jesus Merino u.a.

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-7), Hardcover 2022; dt. Panini 2022 (Paperback)


„This is a really confusing story.“ (Punchline)

Der Riddler wurde ermordet und Commissioner Gordon und seine Truppe wollen herausfinden, wer es gewesen ist. Sie sperren fast die ganze Rogues Gallery auf einmal ein (die sich aus irgendeinem Grund an einem Ort versammelt hat) und vernehmen einen Schurken nach dem anderen. Als erstes ist der Joker dran, doch der erweist sich naturgemäß als notorisch unzuverlässiger Erzähler – und die anderen sind auch nicht gerade glaubwürdiger.

Es entspinnt sich ein Plot um eine „geheimnisvolle Rätselbox“ (so der deutsche Untertitel), die „Master Engine“, die angebliche jeden Wunsch erfüllt (aber nur einen pro Nase). Der Riddler bot dem Joker an, zu kooperieren, um die einzelnen Teile der Box zusammenzusuchen, der hat ihn aber schroff abgewiesen. Dann beauftragte der Joker Catwoman mit der Suche, die wiederum andere Schurken als Subunternehmer beschäftigte, ebenso bildete der Riddler ein eigenes Team. So kamen sich mehrere Konkurrenten in die Quere und wir sehen kurze Duelle zwischen Two-Face und Black Mask, Killer Moth und Man-Bat, Scarecrow und Professor Pyg etc.

DC Comics

Währenddessen finden wir heraus, dass auch bei der Polizei einiges im Argen liegt – vor allem aber erweisen sich die Beamten als ziemlich inkompetent, den Schurkenhaufen beisammen zu halten. (Vielleicht sollten US-Polizisten endlich mal eine gründlichere Ausbildung bekommen, die dauert dort nämlich nur wenige Monate.) Gordon versucht, aus all dem schlau zu werden, während Batman meist durch Abwesenheit glänzt, obwohl er nichts Besseres zu tun hat, aber das höchst seltsame Geschehen anscheinend nicht wichtig genug findet, um auszuhelfen.

Kein Rätselspaß

Puh. Hier wird eine Menge Holz aufgefahren. Eigentlich steckt in diesem Haufen alles drin, was das Fanherz begehrt: die meisten großen Schurken und ein paar kleine, viele Duelle, darunter eines zwischen Joker und Riddler, ein Whodunit, die Jagd nach einem McGuffin, ein großer Rätselspaß. – Zumindest theoretisch. Tatsächlich aber fragt man sich beim Lesen immer ungeduldiger, worauf das alles hinausläuft, und wird aber dabei genauso frustriert wie die Gordon. Denn statt dass Hinweise geboten werden, bei denen man wie bei einem guten Krimi miträtseln kann, statt dass zumindest Gordon oder sonstwer das Rätsel löst, erklärt der Joker alles am Ende in einer superlangen Ansprache, ohne dass man hinterher schlauer geworden wäre. Denn der Plan ist unnötig kompliziert und verworren, ohne rechten Sinn zu ergeben.

Jetzt kann man wieder sagen: Tja, so isser halt, der Joker, dieser verrückte Kerl, führt uns alle nur an der Nase herum zu seiner eigenen Unterhaltung. Aber diese überstrapazierte Universalerklärung ist doch recht unbefriedigend und billig – eine faule Ausrede für faules Schreiben. (Wie faul wird deutlich, dass sich der Autor nicht mal zu schade ist, eines der bekanntesten Rätsel zu recyceln, allerdings ohne Kaspar Hausers kluge Antwort aus Werner Herzogs Film zu kennen.) Das ganze Theater soll nur davon ablenken, dass es hier eigentlich um nichts geht.

Im Grunde hätte die Story eine weitere Adaption von Kurosawas Film Rashomon aus dem Jahr 1950 sein können. (Das Erzählprinzip – mehrere Variationen einer Geschichte und die Frage: Was ist Wahrheit? – wurde unzählige Male adaptiert – von Akte X bis hin zu Star Trek, auch Batman: The Animated Series hat eine solche Episode mit dem programmatischen Titel „P.O.V.“) Aber die einander widersprechenden Geschichten der Schurken geben dafür nicht genug her.

Die Erzählungen wirken so beliebig wie die Kämpfe, oft sind sie auch (von verschiedenen Zeichnern) in einem cartoonhaften Stil inszeniert, sodass man sie nicht ernst nehmen kann – und wohl auch nicht soll. Das ganze Kuddelmuddel soll wohl bloß ein bunter Spaß sein, ohne tieferen Sinn oder doppelten Boden. Wohlgemerkt: ein 40-Dollar- bzw. 29-Euro-Spaß für den Gehalt eines kindischen Groschenhefts.

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Ein Kommentar

  1. Danke für die review. Ich hatte tatsächlich schon überlegt, mir dieses Werk zu kaufen, die Inhaltsangabe klang recht kryptisch und machte mich neugierig. Diese Neugierde hat sich jetzt gelegt und ich der leider allzu gewohnten Ernüchterung gewichen. Hier wäre wieder einmal deutlich mehr drin gewesen, wie es scheint. Sehr schade!

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