Deadshot

Wie Deadshot beinahe Batman ersetzte

Deadshot

Deadshot in Batman #59 (1950, DC Comics)

Titel: The Man Who Replaced Batman

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Lew Sayre Schwartz, Bob Kane

Erschienen: 1950 (Batman #59), Hardcover 2019 (Batman: The Golden Age Vol. 7)


Sagt euch der Name Floyd Lawton etwas? Falls nicht, habt ihr sicher schon von Deadshot gehört – ja genau, der Profikiller mit dem roten Monokel, den Will Smith in dem unsäglichen Film Suicide Squad spielt. (Nicht zu verwechseln mit Deathstroke und schon gar nicht mit Deadpool!) Doch lange bevor es so weit kam, begann Deadshot seine Karriere noch ganz anders: Als Millionär, der sich einen Schießstand baut und so lange das Ballern übt, bis er jedes Mal sein Ziel trifft.

Batman, Robin & Deadshot

DC Comics

Dann zieht er sich einen Frack, einen Zylinder und eine Augenmaske an und versucht, als „Deadshot“ Batman Konkurrenz zu machen. (Batman macht gerade mit Robin Urlaub – obwohl sie immer noch einen Mann namens „Trigger“ Rhodes suchen.) Allerdings schießt Lawton noch nicht tödlich: Als er Räuber von der Flucht abhalten will, schießt er einen Lampenschirm von einer Straßenlaterne, die einem der Räuber auf den Kopf fällt, einen anderen erwischt die Plattform eines Fensterputzers.

Davon ist die Polizei schwer begeistert. Deadshot spricht bei Commissioner Gordon vor: Alles sei legal, er habe eine Genehmigung für seine Waffen, jetzt will er seine Chance als legitimierter Verbrechensbekämpfer neben Batman. Gordon wendet ein: Batman verwendet niemals Handfeuerwaffen, aber Deadshot beruhigt ihn, niemals zu töten. Gordon fragt, warum er nicht gleich Polizist werden wolle, aber Lawton zeigt ihm sein kriegsversehrtes Bein – er würde niemals einen Eignungstest bestehen.

Und so bekommt Deadshot seine Chance und bewährt sich, indem er einem Mann den Hut wegschießt oder eine Stromleitung mit einer Kugel durchtrennt. Schon bald leuchtet statt des Bat-Signals eine Zielscheibe am Himmel – das Bullseye für Deadshot. Und als das Dynamische Duo aus dem Urlaub zurückkehrt, hat der Konkurrent „Trigger“ Rhodes bereits geschnappt.

Deadshot schießt an Batman vorbei

Batman ist misstrauisch. Oder sagen wir besser: neidisch. Aber dann findet er mit Robin heraus, dass Deadshot gelogen hat, was sein Bein betrifft. Als Batman damit zu Gordon geht, ist der Commissioner immer noch überzeugt von Lawtons guten Taten. Batman will sich daher nicht anstellen, oder, wie er es ausdrückt: wie eine Primadonna klingen.

Doch er lässt nicht locker: Er untersucht ein Stück Stoff von Deadshots Kleidung, verfolgt es zu einem Schneider zurück und findet durch einen Trick heraus, dass Schütze Lawton ist – ein neues Mitglied in einem von Bruce Waynes Millionärsclubs. Als sie ihn belauschen, offenbart er seine wahre Absicht: Er will Batman ersetzen, um zum Gangsterboss aufzusteigen. Später hört Batman, wie Deadshot einen Bankraub plant. Aber der kommt nicht zustande, stattdessen schnappt er nur einen weiteren Ganoven. Gordon ist daraufhin ziemlich sauer auf Batman.

Also muss dieser zu drastischeren Maßnahmen greifen: Er stellt sich Deadshot und lässt auf sich schießen. Der Schurke will es wie einen Unfall aussehen lassen. Doch Deadshot trifft nicht! Warum? Batman hat Deadshots Pistolen manipuliert, sodass sie stets am Ziel vorbeischießen. Aber das weiß Lawton nicht. Er denkt, er habe versagt und legt aus Verzweiflung vor Gordon ein Geständnis ab. Der Commissioner greift daraufhin selbst zum Beil, um das Bullseye-Signal zu zerschlagen.

Und die Moral von der Geschicht: An Batman zweifelt man besser nicht.

(Deadshot kehrt zurück in The Deadshot Ricochet, Detective Comics #474, 1977 – Teil der Storyline Strange Apparitions. Darin erhält er sein neues Kostüm.)

>> Batman 1950-1959


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Der Geist, der Clown und der Killer

DC Comics

Titel: Detective Comics Vol. 3: Greetings From Gotham

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Christian Duce, Doug Mahnke

Erschienen: 2019 (Detective Comics #1006-1011), Hardcover 2020


„It’s time to let the moonshine in and enjoy the basic pleasures of life … the classics.“ (Joker)

Nach zwei längeren Storylines (Mythology, Arkham Knight) erzählt Peter J. Tomasi in Detective Comics drei kürzere Geschichten: von Spectre, Joker und Deadshot.

In der ersten wird Jim Corrigan von Anhängern eines Spectre-Kults entführt, um ihn zu töten und das gründgewandete Gespenst, das die personifizierte Rache Gottes darstellt, für eigene Zwecke zu missbrauchen. Spectre selbst bittet Batman um Hilfe. So ganz klar wird nicht, wozu er ihn braucht. Ich meine: Der Kerl ist doch schier allmächtig. Von daher wirkt es auch etwas albern, wenn er sich zunächst übergroß vor Batman aufbaut, ihn fängt und Batman sich dann mit allerlei Gadgets gegen ihn zur Wehr setzt. Am Ende geht alles auch sehr einfach. Aber: Ausdrucksstark gezeichnet ist diese Belanglosigkeit immerhin, der schaurige Stil von Kyle Hotz erinnert an Kelley Jones. Highlight: Spectre ergreift von Batmans Dino Besitz …

Mit dem Joker auf dem Rummelplatz

Die zweite Story ist die titelgebende: Der Joker lädt Batman – ganz klassisch – zu einem Abend im Vergnügungspark ein. Der Clown hat dafür alle Mitarbeiter und Besucher in Geiselhaft genommen. Batman muss mitspielen. Also fahren die beiden Achterbahn, Autoscooter und in den Liebestunnel. Der Joker hat riesigen Spaß, Batman eher weniger.

Diese simple Quatsch-Story erinnert an The Joker’s Playground of Peril (Batman #286, 1977) und weckt natürlich Erinnerungen an Klassiker wie The Dark Knight Returns und The Killing Joke. Allerdings ohne inhaltlichen Mehrwert. Von daher kann man sie eine Hommage nennen. Oder auch nostalgisch. Oder auch einfach nur: abgedroschen und einfallslos. Ich meine: Joker auf dem Rummelplatz? Das ist kein Topos mehr, das ist längst ein Klischee …

Mit Deadshot im Pazifik

Das Beste kommt zum Schluss: Auftragskiller Deadshot kapert ein Flugzeug, in dem Bruce Wayne und Lucius Fox zusammen mit ein paar anderen Millionären sitzen. Doch dann schlägt ein Blitz ein und das Flugzeug stürzt auf einer einsamen Insel im Pazifik ab. Zwei Kriegsveteranen – einer japanisch, einer amerikanisch – die seit dem Krieg abgeschottet von der Außenwelt dort festsitzen, versorgen den verletzten Bruce Wayne. Mit ihrer Hilfe besorgt er sich ein notdürftiges Batman-Kostüm und nimmt den Kampf mit Deadshot auf.

Klingt bescheuert? Ist es aber nicht. Tatsächlich ist das Ganze so stark und humorvoll erzählt, dass diese Episode am meisten Vergnügen macht. Es ist wahrscheinlich sogar die beste Story, seit Tomasi Detective Comics übernommen hat. Und wer hätte das gedacht: Deadshot steht auf The Who …

Zwischendurch sieht man, wie die nächste größere Geschichte vorbereitet wird: Mr. Freeze schließt einen Pakt mit Lex Luthor, um endlich seine geliebte Nora aus dem kryogenischen Schlaf zu holen – eine Story im Rahmen von „Year of the Villain„. Davon dann beim nächsten Mal mehr.

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Bis einer stirbt

Titel: Cacophony (dt. Kakofonie)

Autor/Zeichner: Kevin Smith/Walt Flanagan

Erschienen: 2009 (Mini-Serie #1-3), Paperback 2009; dt. Panini 2010 (Paperback/Hardcover)


„I’m crazy ′cause I hate you.“ (Joker)

Deadshot versucht, den Joker in Arkham Asylum zu töten – ein Auftagsmord als Rache eines trauernden Vaters. Da wird er von einem maskierten Unbekannten daran gehindert. Deadshot stirbt dabei augenscheinlich, der Joker bekommt einen Koffer voller Geld überreicht. Der Unbekannte hat die nervige Eigenschaft, Lautwörter (Interjektionen) nachzusprechen. Der Joker sucht Maxie Zeus auf, der – angeblich geheilt – sein Glück als Drogengroßhändler versucht, indem er Jokers Lachgas recycelt.

Kinder sterben, dann die Gäste eines Nachtclubs, Batman kommt und auch wieder der Unbekannte. Beide entkommen. Batman versucht schließlich, den Joker anzulocken, um wieder an den anderen ranzukommen. Als der Joker lebensgefährlich verletzt wird, steht Batman vor der Entscheidung, ob er ihn retten oder sterben lassen soll.

Das Finale ist ein langer Dialog zwischen Batman und Joker. Dabei erklärt der Joker, dass er erst Ruhe geben wird, wenn einer von beiden tot ist. Wie öde. Zu dieser Erkenntnis gelangte schon Frank Miller (The Dark Knight Returns) und auch in Going Sane wurde das Szenario bereits durchgespielt. Eine neue Facette des Schurken wird hier nicht offenbart, alles bleibt oberflächlich. Und auch die Identität des Unbekannten wird nicht aufgelöst. Insgesamt ist Cacophony eine Story, bei der man nicht so recht weiß, worum es hier eigentlich geht und die auch auf nichts Konkretes hinausläuft. Enttäuschend. Auch grafisch bleibt der Comic eher mittelmäßig.

Mehr zum Thema:

Der Mann ohne Augenlider

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman by Ed Brubaker Vol. 1

Aut0r/Zeichner: Ed Brubaker/Scott McDaniel

Erschienen: 2000-2002 (Batman #582-586, #591-597, Batman: Our Worlds at War #1), Paperback 2016


„… the bat will always surprise you. That’s just his nature. He’s a nature of determination.“

Die Story dieses Comics zusammenzufassen, ist gar nicht so leicht. Ich versuche es mal so: Ein neuer Schurke erscheint in Gotham: Zeiss, ein Killer mit technisch verbessertem Gehirn. Weil er Batmans Kampftechnik gespeichert hat, kann er dessen Bewegungen vorhersehen und abwehren. Sein Markenzeichen ist eine Brille mit Kamerablenden, die ihm die Augenlider ersetzen. Das ist natürlich noch keine Story. Aber das Problem ist, dass Zeiss zwar der rote Faden ist, aber der Band episodenhaft erzählt ist und dadurch mal mehr und mal weniger mit ihm zu tun hat.

Auf den ersten Blick ist der erste Ed Brubaker-Band eine lose Story-Sammlung: mal geht es um einen ehemaligen Wayne-Mitarbeiter auf Abwegen, mal um zwei Leute, die eine Batman-Doku drehen. Mal geht es um einen Rechtsstreit zwischen Pinguin und Bruce Wayne, mal um eine Fehde zwischen verfeindeten Gangsterfamilien, der Auftragskiller Deadshot tritt auf. Von der Batman-Family haben Robin, Nightwing, Batgirl und Huntress kleine Gastauftritte.

Erst nach und nach kristallisiert sich Zeiss als zentrales Element heraus, aber als Antagonist taugt er nur wenig, weil er nur Handlanger von Gangstern ist – mit Batman verbindet ihn nichts. Überhaupt mäandert die Handlung zu sehr und franst in unnötige Nebenhandlungen aus, wie etwa das Erscheinen eines gestrandeten Aliens, das Batman kurz beschäftigt, aber nichts mit der eigentlichen Story zu tun hat.

Unnötiger Einschub

Nichts hat auch der One-shot Batman: Our Worlds at War mit dem Rest zu tun, der ebenfalls in den Band integriert wurde, da er auch von Brubaker geschrieben wurde. Wer nicht vor hat, dieses Crossover weiterzulesen, sollte auch diese Episode lassen. Überflüssigerweise wurde sie mitten in den Band geschoben, wo sie die Leser von der Haupt-Story ablenkt.

Die meisten Zeichnungen stammen von Scott McDaniel – ein Künstler, der viel zu lange an Batman herangelassen wurde. Er hat einen furchtbar übertriebenen und unübersichtlichen Stil, der die Panels überfrachtet und die Gesichter wie Grimassen erscheinen lässt. Ein zu oft verwendetes Stilmittel: Wenn Batman durch die Luft fliegt, folgt ihm stets ein Schwarm von Fledermäusen.

Insgesamt ist Batman by Ed Brubaker zwar solide geschrieben, aber zu wenig einnehmend erzählt. Durchschnittsware, die bloß deshalb als Paperback neu aufgelegt wurde, damit sich Hardcore-Fans ein weiteres Buch ins Regal stellen können. Lesen muss man es nicht.

Hammer und Hyänen

Passend zum deutschen Kinostart von Suicide Squad bringt DC einen Trailer zum Game Injustice 2 heraus, in dem die neue Harley Quinn und Deadshot präsentiert werden. Harley sieht – Überraschung – aus wie im Film und hat neuerdings – wie im Comic – ihre zwei Hyänen dabei, die sich auf ihre Gegner stürzen, während sie mit dem Hammer ausholt. Ach ja, das wird bestimmt ein Spaß. Wahrscheinlich ein größerer als der Film. Aber dazu später mehr.

Injustice 2 erscheint im Jahr 2017.

Nothing really matters to me

„Is this the real life? Is this just fantasy?“ (Queen)

Wirkte der erste Suicide Squad-Trailer wie ein düsterer Psychothriller, wirkt der zweite wie eine Action-Komödie: laut, schnell, schrill. Mit Queens „Bohemian Rhapsody“, der von Realitätsverzerrung und Mord handelt, haben die Macher einen perfekten Song für die Untermalung ausgewählt. „Nothing really matters to me“, heißt es darin am Ende, und tatsächlich haben wir es mit einem Haufen Nihilisten zu tun. Die Task Force der gefährlichsten Kriminellen der Welt wird lakonisch eingeführt: Der eine erschießt Leute (Deadshot), der andere isst sie auf (Killer Croc), der andere verbrennt sie (El Diablo) – und Harley Quinn ist einfach nur verrückt. Und dann gibt es da noch unter anderen den sadistischen Joker (Jared Leto), der hier nur einen Satz zu bieten hat: „I can’t wait to show you my toys.“ Man sieht ihn in einen Chemietank springen, wahrscheinlich Harley hinterher, die er anschließend aus der Brühe fischt, wahrscheinlich rührt daher auch ihr blasser Teint.

In dem an Filmschnipseln völlig überladenen und schnell geschnittenen Video ist nur einer nicht zu sehen: Batman. Aber auch der Feind, gegen den die Suicide Squad eingesetzt wird, kommt darin nicht vor. Das ist auch ganz okay so, es soll ja nicht alles verraten werden (im Gegensatz zum Batman v Superman-Trailer, indem die ganze Geschichte erzählt wird). Was bleibt am Ende? Die Hoffnung, dass Regisseur David Ayer (nicht gerade für seine Subtilität bekannt) es nicht zu gut meint, dass es nicht allzu überdreht und anstregend wird, dass auch mit diesem Film das Fundament für ein stimmiges und aufregendes Filmuniversum gelegt wird. Wenn die Mischung stimmt, könnte Suicide Squad ein großer Spaß werden. Viel Sinn und Tiefgang darf man bei einem Haufen Verrückter ohnehin nicht erwarten.

Am 18. August 2016 wissen wir mehr.

Angriff der Langeweile

Warner Home Video

Warner Home Video

Titel: Batman: Assault on Arkham

Regie/Drehbuch: Jay Oliva, Alan Spaulding/Heath Corson

Erschienen: 2014


Bei dem Erfolg der Arkham-Games lag es nahe, einen darauf basierenden Film zu machen. Anders ist nicht zu erklären, warum es Assault on Arkham gibt. Denn eine leitende Idee hat der Animationsfilm nicht. Die Story ist simpel: Sechs Superschurken (darunter Harley Quinn und Deadshot) werden dazu verdonnert, in Arkham einzubrechen, um den Stab des Riddlers zu klauen. Darin soll sich irgendein geheimes Dokument befinden. Also zieht die Gruppe, die sich im Original Suicide Squad nennt (und im Deutschen „Himmelfahrtskommando“), los und tut wie geheißen. Natürlich läuft dabei einiges schief …

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Kein Patent für Joker

Batman: Strange Apparitions

Titel: Strange Apparitions

Autor/Zeichner: Steve Englehart, Len Wein/Marshall Rogers, Walt Simonson

Erschienen: 1977/1978 (Detective Comics #469-479), Paperback 1999; dt. Panini 2012 (Batman Collection: Marshall Rogers), Eaglemoss Collection 2015 (Im Zeichen des Jokers)


„But the fish share my unique face! If colonel what’s-his-name can have chickens, when they don’t even have mustaches –!“ (Joker)

Obwohl die Geschichte unter einem Titel zusammengefasst wurde und ein linearer Zusammenhang besteht, ist es schwer, hier von einer Story zu sprechen. Im Grunde sind es sechs Geschichten, die aufeinander folgen. Batman begegnet einem radioaktiven Glühwürmchen namens Dr. Phosphorus, dann Hugo Strange, dem Pinguin, Deadshot, Joker und Clayface. Den roten Faden bilden Nebenhandlungen mit Rupert Thorne, der Batman aus der Stadt haben will, sowie Bruce Waynes Liebschaft mit Silver St. Cloud. Aber ein Spannungsbogen ergibt sich nicht.

Die meisten dieser Geschichten mögen für die späten 70er vielleicht was hergegeben haben, aus heutiger Sicht sind sie altbackene Standardware. Vor allem die Erzählung, in der der Joker, Fische zum Lächeln bringt (The Laughing Fish), um sie patentieren zu lassen, hat zwar einen ungewöhnlichen Ausgangspunkt, ist aber sonst ziemlich schwach, vor allem, weil sie sich zu sehr bei der ersten Joker-Story in Batman #1 bedient.

Die interessanteste Geschichte ist die um Hugo Strange. Der kommt nämlich zufällig hinter Batmans Geheimidentität, nimmt dessen Position als Bruce Wayne ein, um ihn auszunehmen und zu ruinieren, und veranstaltet eine Auktion, bei der er den Namen an den meistbietenden Schurken zu versteigern versucht. Wie man sich denken kann, wird das Schlimmste verhindert. Dafür gibt es aber eine Frau, Silver St. Cloud, die ebenfalls eins und eins zusammenzählt und herausfindet, dass der Mann den sie liebt, nachts gerne Verbrecher verprügelt. Die Schlussfolgerung daraus kann nur eine Tragische sein: Die Beziehung zerfällt.

Die filigranen Zeichnungen von Marshall Rogers entschädigen für die Kritzeleien eines Walt Simonson und das insgesamt mäßige Storytelling. Aber vielleicht muss man diese 70er-Jahre-Geschichten auch mit anderen Augen sehen. Immerhin gelten sie als einflussreiche Klassiker. (In den 80ern diente Strange Apparitions zunächst als Vorlage für das Drehbuch des geplanten Batman-Films, der erst 1989 von Tim Burton realisiert wurde – allerdings mit einem ganz anderem Script.)

Zwei der Storys wurden für Episoden der Animated Series wiederverwendet. Die Grundidee der Hugo Strange-Story wurde in „The Strange Secret of Bruce Wayne“ (S01E37) aufgegriffen; dort bieten Joker, Two-Face und Pinguin um ein Videoband, auf dem Strange Bruce’s Trauma aufgezeichnet hat.

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In „The Laughing Fish“ (S01E34) erzählt Paul Dini die Joker-Story neu, wobei er sich zwar überwiegend an die Vorlage hält (zum Teil sogar wörtlich), er aber ein wesentlich spannenderes Finale mit einem Haifisch-Kampf erzählt (der ist „The Joker’s Five-Way-Revenge“ entlehnt). Vor dem Hintergrund der lachenden Fische allerdings erscheint die später in Mad Love zum Tragen kommende Idee mit den grinsenden Pyranhas wie ein Abklatsch … (wenn auch ein guter!)

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(Dieser Artikel wurde am 6.11.2017 überarbeitet und aktualisiert.)

>> Batman 1970-1979