David Vern Reed

Harvey Dent wird rückfällig

Batman #81 (DC Comics)

Titel: Two-Face Strikes Again

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Dick Sprang

Erschienen: 1954 (Batman #81), Paperback 2008 (Batman vs. Two-Face), Hardcover 2017 (Two-Face: A Celebration of 75 Years)


„This proves I was meant to be a criminal! Fate has decreed it!“ (Harvey Dent)

Armer Harvey Dent! Als hätte er nicht schon genug als Two-Face gelitten, musste er gleich dreimal erleben, wie andere sich in den Schurken verwandelt haben. Mal war es sein eigener Butler, mal ein korrupter Theatermanager, der Dent mit der Masche für ihre eigenen Verbrechen verantwortlich machen wollte, mal war es ein Schauspieler, der Dent spielen sollte und dabei selbst verunstaltet wurde.

Jetzt aber holt ihn das Schicksal wieder ein – und zwar endgültig. Als Harvey Dent Einbrecher auf frischer Tat ertappen will, wird er von einer Explosion wieder entstellt. Harvey meint, es müsse Schicksal sein. Zur Sicherheit wirft er noch mal eine Münze, der zerkratzte Kopf landet oben – also geht wieder alles von vorne los.

Two-Face sucht Leute auf, die von Berufs wegen zwei Gesichter haben: einen Clown, einen Taucher, einen Lincoln-Schauspieler und einen Poker-Spieler. Es gibt zwei spektakuläre Szenen mit einem riesigen Billardtisch und auf einer hohen Statue, schließlich kommt es zu einem dramatischen Finale: Two-Face bindet Batman und Robin auf eine Riesenmünze und wirft sie mit einem Katapult auf Stacheln. Eigentlich unfair, weil den Gesetzen der Physik zufolge die schwere Seite unten landen müsste, aber daran zeigt sich bereits, dass Two-Face bei aller 50:50-Besessenheit und Schicksalsgläubigkeit doch eher zur bösen Seite tendiert.

Wie dem auch sei: Unsere Helden landen natürlich oben. Die Erklärung dafür hat mit Physik nichts zu tun (Radios in den Gurten, die als Elektromagnete dienen), also lassen wir das mal unkommentiert. Die Story endet mit einer pseudowissenschaftlichen Erklärung, bei der sich Batman und Robin mal wieder selbst auf die Schulter klopfen. Aber niemand verschwendet auch nur ein Wort über Harvey Dent, diese tragische Figur, die vom Pech verfolgt wird und dadurch wieder ihre zweite Chance verpfuscht hat.

Armer Harvey! Jetzt erwarten ihn erstmal 17 Jahre Knast, bis er wieder zurückkehren darf …

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Batman und Joker tauschen Körper

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman – Clown of Crime

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1954 (Batman #85), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„Batman (…) you’re the new Joker of Gotham City!“

Das Batmobil ist nicht nur ein Auto, es ist eines von Batmans Erkennungszeichen. Wenn es kommt, wissen alle Bescheid. Dass der Joker ein Jokermobil hat, erweist sich allerdings nicht gerade als beste Idee – vor allem, wenn man damit gerade vor einem Tatort parkt. Es gleicht geradezu einer Einladung, erwischt zu werden. So geschieht es, nachdem der Joker – mal wieder – aus dem Knast entlassen wurde. (Das Thema hatten wir beim letzten Mal.) Der Schurke will Radium aus einem Labor stehlen, vermutet das dicke Geld. Als Batman angerannt kommt, ist der Clown erfreut: „Nothing gives me as much fun as playing cat-and-mouse with Batman!“ Die ewige Jagd ist ein Spiel, das um seiner selbst betrieben wird.

Doch dann werden die beiden Kontrahenden von irgendwelchen Strahlen getroffen – und ihre Identitäten sind vertauscht. Der dauerlachende Batman haut ab und treibt Schabernack, indem er Chaos stiftet: er lässt einen Swimmingpool zufrieren, schießt mit einem mannsgroßen Füllfederhalter und bietet für eine Million Dollar an, Batmans Geheimidentität zu lüften. Bei dem ganzen Spaß vergisst der Joker allerdings, selbst unter die Maske zu spähen. Oder aber schon damals interessierte ihn das Geheimnis nicht wirklich (vgl. Death of the Family).

Das Finale findet auf einem Dach eines Lupenherstellers statt. Denn der hat, wie bei Lupenherstellern offenbar üblich, eine gigantische Lupe auf dem Dach stehen. Damit will der Joker ganz Gotham Batmans wahres Gesicht zeigen. Wie löst man so ein Problem? Auf die Lösung wäre wohl niemand gekommen außer Batman in Gestalt des Jokers: mit einer Milchflasche. Nicht nur, dass dadurch die Linse unbrauchbar wird, die Idee beeindruckt Joker-Batman so sehr, dass er vor lauter Überraschung umfällt.

Der Rest ist einfach: Handschellen, Strahlentherapie und – zackfeddich – Status quo.

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Batman stiehlt Joker die Show

DC Comics

DC Comics

Titel: The Crimes of Batman

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1952 (World’s Finest Comics #61), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„Look! It’s Batman and some clowns! Ha-ha! This must be a special act!“

Batman, der Verbrecher! Gleich drei Schandtaten begeht er hintereinander: er betrügt, stiehlt, tötet sogar! Wirklich? Natürlich nicht. Aber so hätte es der Joker gerne. Nachdem der Joker einmal unfreiwillig Batman dazu verholfen hat, eine Gangsterbande hochzunehmen, will sich der Schurke rächen und den Helden richtig in die Scheiße reiten.

Es beginnt damit, dass der Joker mal wieder aus dem Knast entlassen wurde. Schon wieder? Nach so kurzer Zeit? Angesichts des rigiden US-Justizsystems ist das eine beachtliche Leistung, für einen unverbesserlichen Räuber ständig wieder auf freien Fuß gesetzt zu werden. Ganz zu schweigen von den Morden im Golden Age … aber die scheinen in den 50ern bereits vergessen zu sein.

Aber ich schweife ab. Der Joker nimmt Robin als Geisel und verlangt von Batman, drei Verbrechen zu begehen: Betrug, Diebstahl und Mord. Aber Batman wäre nicht Batman, wenn er für das Problem nicht eine ausgefuchste Lösung parat hätte. Nein, nicht was ihr denkt: Ja, heute würde Batman einfach über den Joker und seine Handlanger herfallen und ein paar gebrochene Knochen später wäre Robin wieder frei. Aber wir sind hier im Silver Age, da lässt sich Batman auf solche Spielchen ein.

Batman betrügt, indem er seinen Tod vortäuscht. Er stiehlt, indem er der Joker-Bande einen Coup vermiest – er stiehlt also dem Joker die Show. Und am Ende erweist Batman sich als mehrfacher Mörder: er schlägt Zeit tot, haut das Publikum um und schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe (im Original: „kill two birds with one stone“). Ihr seht: Batman lässt keinen, aber wirklich keinen Kalauer aus, um seinen Witz auszureizen.

Aber auch sonst ist unser Held in Topform: Zuerst schaltet Batman die Bande spielend mit Golfschläger und Football aus, dann führt er mit dem Joker Trapez-Kunststücke im Zirkus auf und schließlich verkleidet er sich sogar als Joker im Clownskostüm. Leider hat Zeichner Bob Kane letztere Szene zu bescheiden inszeniert. Aber sonst ist die Story ein mustergültiges Comic seiner Zeit: herrlich fantasievoll und schräg.

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