Mike Grell

Batman und der herzlose Vampir

Titel: Heart of a Vampire

Autor/Zeichner: Elliot S. Maggin/Mike Grell

Erschienen: 1976 (Detective Comics #455)


Batman und Dracula sind von je her miteinander verbunden: Das schwarze Cape, die Vorliebe für Fledermäuse, die theatralischen Auftritte, die Schattenspiele – das alles diente als Inspiration für Batman. Schon 1939 (Detective Comics #31-32) kämpfte Batman gegen einen Vampir und 1976 trat er erstmals gegen einen Dracula-Verschnitt an, der an Christopher Lee erinnert.

Bruce Wayne und Alfred bleiben mit dem Auto in einer gottverlassenen Gegend liegen. Auf der Suche nach Wasser für den Kühler bricht Bruce in ein leerstehendes Haus ein. Wasser finden die beiden nicht, dafür einen Sarg, der von einer Sonnenlampe angestrahlt wird. Kurz darauf steht ein Mann im Cape vor ihnen, der sich als Gustav Decobra vorstellt, ein ehemaliger Wissenschaftler – und Vampir.

Bruce zieht sich daraufhin in die Schatten zurück und macht eine wundersame Verwandlung in Batman durch. Wo er das Kostüm her hat und wie er sich so schnell umzieht, bleibt ein Rätsel. (Warum der Vampir so geduldig ist, darauf zu warten, ist ein anderes.) Jedenfalls fackelt Batman dann nicht lange, greift den Vampir an und rammt ihm einen Pflock in die Brust.

Nützt aber nix, weil Decobra schlau genug war, sein Herz vorsorglich vor solchen Angriffen zu verstecken. Transplantationen waren nämlich früher sein Spezielgebiet. Aber Decobra war seiner Zeit voraus, von der Wissenschaft abgelehnt, musste er an Leichen experimentieren und weil ihm offenbar die frischen ausgingen, öffnete er ein paar Gräber – und einmal eben das falsche, das eines Vampirs …

Batman und Alfred fliehen nicht etwa aus dem Haus, sondern rennen nach oben. Dort wird dann gekämpft. Decobra hat die Superkraft, einen Spaten aus einem Gemälde herauszuholen, um ihn als Waffe zu benutzen – für einen Vampir ist das eine bemerkenswerte Eigenschaft. Am Ende schießt Batman einen Pfeil in das Zifferblatt einer Standuhr und unser Vampir vergeht. Batmans Grundregel, das fünfte Gebot, gilt offenbar immer noch nicht für Untote …

Später, im Elseworlds-Abenteuer Red Rain trifft Batman auf den echten Dracula und wird sogar selbst zum Vampir.

Phantom der Seifenoper

DC Comics

Titel: Masque

Autor/Zeichner: Mike Grell

Erschienen: 1997 (One-shot)


Die Elseworlds-Mode der 90er trieb seltsame Blüten. Einerseits befreite es die Autoren von dem Korsett der Kontinuität, andererseits zwängten sich manche in andere, noch viel engere Korsette, die ihrem Helden geradezu den Atem nahmen. Literatur-Adaptionen wie Batman als Frankenstein wirken so bemüht, weil sie nicht aufgehen. In Masque muss Das Phantom der Oper dran glauben. Der Roman von Gaston Leroux wird allerdings so sehr durch den Fleischwolf gedreht, dass davon kaum etwas übrig bleibt.

Die Geschichte spielt im Gotham der Jahrhundertwende. Das Phantom der Oper ist hier im Ballett unterwegs, die Rolle wird – wem sonst – Two-Face aufgedrückt. Aber der geheimnisvolle Maskenträger, der sich in die schöne Protagonistin verliebt, ist Bruce Wayne alias Batman. Die Enthüllung des Schurken ist so unspektakulär, wie man sich denken kann, nicht einmal beim Finale hat man sich irgendetwas halbwegs Interessantes einfallen lassen. Das alles plätschert so belanglos und lächerlich pathetisch daher wie eine Seifenoper.

Weil Autor und Zeichner Mike Grell nichts zu erzählen hat, füllt er die Seiten so dreist wie möglich: mit lauter ganzseitigen Panels, die oft sogar Doppelseiten füllen. Eigentlich muss man schon vom Cover gewarnt sein, das ist nämlich nichts als grässlicher Kitsch auf dem Niveau eines Groschenromans.