Joker gegen Riddler: Krieg ohne Pointe

DC Comics

Titel: The War of Jokes and Riddles (dt. Der Joker/Riddler-Krieg)

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Clay Mann

Erschienen: 2017 (Batman #25-32), Paperback 2017 (Batman Vol. 4)


„What’s the difference between a joke and a riddle? (…) The answer is ‚Who cares?'“ (Selina Kyle)

Ein Jahr nach dem Zero Year: Dem Joker ist der Humor abhanden gekommen. Egal, was er auch tut, er kann nicht mehr lachen. Auch wenn er Komiker vorsprechen lässt, auch wenn er wahllos irgendwelche Leute umbringt. Der Riddler, der im Knast einsitzt, hat auch keinen Spaß mehr an Rätseln, auch wenn ihn die Polizei ständig um Hilfe bittet, welche für sie zu lösen. Und der Grund für die Miseren der beiden ist Batman. Riddler bricht aus dem Knast aus, kommt zum Joker und schlägt ihm einen Pakt vor. Der Joker lehnt ab, schießt auf den Riddler – und damit beginnt ein Krieg, bei den sich Batmans Rogue Gallery in zwei Lager spaltet …

Es gibt einige bemerkenswerte Momente in dieser Story: Das Vorsprechen der Komiker bei Joker. Riddlers Gefängnisausbruch. Ein Abendessen der Kontrahenten bei Bruce Wayne. Einen Exkurs zu Kite-Man, der dem lächerlichen Schurken eine ernst zu nehmende Tiefe verleiht. Es gibt Fan-Service wie eine Variation der Joker-Spiegel-Szene aus Tim Burtons erstem Batman-Film, einen Pinguin, der an Danny DeVito aus Batman Returns erinnert und eine Anspielung auf den ersten Auftritt des Jokers in Batman #1. Außerdem sind die präzisen Zeichnungen von Mikel Janin und Clay Mann wie immer beeindruckend.

Aber: Trotz allem hat die Geschichte bei mir nicht funktioniert. Warum? Es gibt einen Grundsatz beim Schreiben: Show, don’t tell. Das heißt: Werde konkret, lass Charaktere handeln und sprechen, erzähle nicht einfach, was sie denken, fühlen und tun. Autor Tom King kennt diesen Grundsatz, wie jeder Profi. Und dennoch ist sein War of Jokes and Riddles meistens eine reine Nacherzählung, in der er Batman in zu vielen Captions einfach nur reden lässt, statt der Handlung mehr Raum zu geben, sich entwickeln zu lassen. Der Krieg bleibt abstrakt, wir sehen kaum etwas davon, er wird nur behauptet, aber selten gezeigt – auch nicht in seiner Wirkung auf Gotham und seine Einwohner. Einzig ein dreitägiger Kampf zwischen den Profikillern Deathstroke und Deadshot bekommt ein paar Seiten gewidmet, aber auch der bleibt spannungsarm, weil man nie das Gefühl hat, dabei zu sein, zu distanziert wirkt das alles.

Das andere große Problem bildet die Motivation der Figuren. Es ist etwas müßig, beim Superhelden-Genre das Maß der Wahrscheinlichkeit anzulegen, aber jede noch so fantastische Story braucht ein gewisses Maß an Glaubwürdigkeit innerhalb ihrer Ansprüche und Möglichkeiten. Hier ist es nicht nur fragwürdig, warum Joker und Riddler sich so verbittert bekriegen, sondern auch dass sich wirklich alle großen Schurken auf eine der beiden Seiten schlagen und sich souveräne Einzelgänger wie Two-Face oder Poison Ivy als Handlanger bzw. Soldaten einspannen lassen. Tom King zeigt uns nicht, wie es dazu kam, er spart die Rekrutierung einfach aus – so wie vieles andere.

So bleibt The War of Jokes and Riddles da sprunghaft, wo es interessant geworden wäre. Stattdessen gibt es seitenweise Gräueltaten, Dialoge zwischen und Monologe von Joker und Riddler. Und obwohl viel geredet wird, bleiben ihre Motive dennoch schwammig und dadurch wirkt der große Krieg sehr bemüht. Auch die Lösung und Auflösung am Ende überzeugen (mich) nicht. Und sowohl Bruce Waynes Fahrlässigkeit als auch Batmans Handeln bleiben (mir) unverständlich.

Das ist auch deshalb schade, weil damit eine grundsätzlich interessante Idee verheizt wurde. So wirkt der Comic nur wie der feuchte Traum eines Fanboys, der sich ausmalt, wie cool es wäre, wenn der Joker und der Riddler gegeneinander Krieg führten, aber nicht genug Fantasie und Fähigkeiten entwickeln, aus der Idee eine durchdachte, spannende und vielleicht sogar innovative Geschichte zu schreiben.

Coole Prämissen, schwache Umsetzungen – Superhelden-Comics sind leider voll davon.

Hier eine andere Meinung:

Mehr Batman von Tom King:

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