Gotham Knights

Aus Hugo Strange wird keiner schlau

DC Comics

Titel: Gotham Knights: Transference

Autor/Zeichner: Devin Grayson/Dale Eaglesham, Paul Ryan

Erschienen: 2000-2001 (Gotham Knights #1-12), Paperback 2020


„I am a model of sanity.“ (Hugo Strange)

Nach dem Ende von No Man’s Land begann auch für Batman ein neues Jahrtausend. Gotham und Wayne Manor wurden neu aufgebaut. Die Serie Shadow of the Bat wurde beendet und durch Gotham Knights ersetzt. Und diesmal durfte erstmals eine Frau eine Batman-Serie schreiben: Devin Grayson.

In den ersten sechs Ausgaben erzählt sie zunächst Kurzgeschichten, die sich über ein bis zwei Ausgaben erstrecken und jeweils andere Mitglieder der Batman-Family zum Schwerpunkt haben: Robin, Nightwing, Batgirl, Oracle. Der rote Faden ist die berechtigte Frage: Warum umgibt sich einer wie Batman mit Helfern? Batman müsste es nach seinem Schicksalsschlag besser wissen: „The risk of LOSS is always too GREAT.“ In den Captions reflektiert in jeder Ausgabe ein unbekannter Erzähler, der Bruce Waynes Geheimidentität kennt, über die einzelnen Mitglieder seiner „Familie“. Dabei geht es auch um die Frage, wie Batman damit klarkommt, seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden.

Die Storys handeln meist von gewöhnlichen Kriminellen, die Schurken der Rogue’s Gallery haben nur kleine Auftritte. Die Auflösungen überraschen und überzeugen mal mehr, mal weniger. In einer Ausgabe kämpft Batman gegen den Key, der zuletzt in JLA #8-9 aufgetreten ist. In einem Zweiteiler geht es um den Geist eines toten Jungen, der Tote temporär zu Zombies wiederaufstehen lässt.

Die Rückkehr des Hugo Strange

Die erste längere Story ist der Vierteiler Transference: Hugo Strange kehrt zurück. Und wieder trägt er ein Batman-Kostüm, weil er es einfach nicht lassen kann. Zunächst entführt er Catwoman und lässt sie entkommen. Dann führt er seinen neuesten Racheplan aus, der diesmal von bestechender Einfachheit ist: Er schleicht sich als Psychiater bei Wayne Enterprises ein und will Bruce Wayne bei einer Routineuntersuchung erschießen.

Aber weil er sich dabei viel Zeit mit Reden lässt und sich noch eine Zigarre anzündet, kann sich Bruce aus der misslichen Lage befreien und schnell ins Batman-Kostüm schlüpfen. Doch statt Strange zu entwaffnen und dingfest zu machen, schlägt er ihm nur die Waffe aus der Hand und rennt aufs Dach. Warum? Vielleicht weil Strange ihm später droht, sein Geheimnis zu verraten. Batman springt vom Dach ins Batmobil, das daraufhin explodiert. Strange dringt in Wayne Manor ein und gibt sich als Batman aus. Kurz darauf taucht Bruce auf und scheint völlig ahnungslos von Batman zu sein.

ACHTUNG SPOILER!

Am Ende stellt sich alles nur als große Show heraus, um Hugo Strange von der fixen Idee abzubringen, dass Bruce Wayne Batman ist. Es stellt sich die Frage: Was will er eigentlich? Batman töten oder Bruce Waynes Geheimnis verraten? Auf jeden Fall will er ihn ersetzen. Aber die Motivation scheint zu schwanken. Er sei ein Paradebeispiel geistiger Gesundheit, sagt Strange über sich, aber daran gibt es doch erheblichen Anlass zum Zweifel. Und diese planlose Besessenheit macht die Figur auch so eindimensional.

Aber auch Bruce Wayne benimmt sich hier sonderbar. Nicht nur wegen seiner plötzlichen Amnesie, sondern vor allem weil er sich beim Wiederaufbau von Wayne Manor und in seiner Firma bewusst wie ein Vollidiot verhält, der nicht mal weiß, wie man das Treppenhaus findet, wenn es brennt. Das ist so übertrieben, dass es nicht nur Lucius Fox zur Weißglut treibt.

Visuell bewegen sich die ersten zwölf Ausgaben Gotham Knights auf einem Durchschnittsniveau, wobei einige Zeichner mehr überzeugen als andere. In einer Ausgabe wirkt jede Figur, als hätte man ihre Muskeln bis zum Platzen aufgepumpt, in einer anderen entgleisen alle Gesichtszüge – sehr gewöhnungsbedürftig.

Insgesamt ist das einer der vielen Batman-Bände, die man ohne große Vorkenntnisse lesen kann, aber nicht muss. Das Interessanteste spielt sich in den Captions ab: Es sind vor allem die Essays über Batman und Co., die die Geschichten lesenswert machen.

Wer sich nur für Hugo Strange interessiert: Transference (Gotham Knights #7-11) ist auch im Paperback Batman Arkham: Hugo Strange (2018) erschienen.

Mehr zum Thema:

Clayface 7 bis 8: Johnny Williams

Titel: The Shape of Things to Come

Autor/Zeichner: A.J. Lieberman/Al Barrionuevo

Erschienen: 2005-2006 (Gotham Knights 68-71), Paperback 2017 (Batman Arkham: Clayface)


Weil sechs Clayface nicht genug sind, kam in den Nuller Jahren noch ein siebter und ein achter hinzu. Eine Version tauchte bei Catwoman auf (Todd Russel), aber der ist nicht weiter der Rede wert, ein anderer in Gotham Knights: Johnny Williams ist ein Feuerwehrmann, der sich verändert, nachdem er bei einem Brand durch radioaktiven Abfall kontaminiert wurde. Zuerst tötet er eine Prostituierte, dann will er sich selbst von der Brücke stürzen. Da hält ihn Hush davon ab, erklärt ihm, dass er, Williams, der neue Clayface sei und er bietet ihm Hilfe an.

Dafür muss ihm Williams einige Gefallen tun: Er gibt sich gegenüber Batman als Tommy Elliot aus, dann als der wiederauferstandene Jason Todd (siehe Hush). Hush versucht zugleich, mithilfe eines Virus, Kontrolle über Alfred Pennyworth zu erlangen, um ihn einen Mord begehen zu lassen. So will er seinem Erzfeind Bruce Wayne schaden. Die Polizei verdächtigt Alfred, einen Mann getötet zu haben, der Bruce damit erpressen wollte, dessen Geheimidentität als Batman auszuplaudern. Zudem will Hush einen Weg finden, die Formwandler-Fähigkeit von Clayface zu adaptieren, ohne dabei seine Form zu verlieren. Dazu braucht Hush eine Probe von Clayface V, Cassius Clay

Es ist eine Menge Holz, das da einem zugemutet wird. Viel Dialog, zu viele vage Andeutungen des Schurken, bevor er endlich mal zur Sache kommt. Aber das ist nichts, was man sich zumuten muss. Der Vierteiler erscheint zwar scheinbar in voller Länge im Paperback Batman Arkham: Clayface, allerdings fehlt die Vorgeschichte von Gotham Knights #67, in der erzählt wird, wie es überhaupt zu der Erpressung von Bruce Wayne gekommen ist. Und um den Plot mit Alfred zu verstehen, sollte man Gotham Knights #60 gelesen haben, also am besten die ganze Storyline Hush Returns von Anfang an, die mit Ausgabe #50 beginnt.

Von daher ist dieses Kapitel nur schwer losgelöst vom Ganzen zu bewerten. Und deshalb erweist sich auch die Aufnahme in den Clayface-Paperback als eine weitere unglückliche Entscheidung. Von dem Kauf ist abzuraten, weil darin drei Geschichten nur bruchstückhaft nachgedruckt werden und der Rest bloß aus lauter Origins besteht, die sich auch noch wiederholen.

>> Liste der Clayface-Comics