Scott Beatty

Joker gegen den Rest der Welt

Titel: The Joker’s Last Laugh (dt. Wer zuletzt lacht)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Scott Beatty/Pete Woods, Marcos Martin, Walter McDaniel, Andy Kuhn, Ron Randall, Rick Burchett

Erschienen: 2001-2002 (Joker: Last Laugh #1-6), Paperback 2008; dt. Panini 2019 (Paperback)


Wahrscheinlich wurde keine Phrase im Zusammenhang mit dem Joker so oft verwendet wie „having the last laugh“. Es gibt je eine Story aus den 60ern, aus den 70ern und aus dem 80ern, die „last laugh“ im Titel trägt, außerdem eine Episode der TV-Serie mit Adam West und eine der Animated Series. Ganz zu schweigen von den unzähligen Malen, da sie in den Comics fällt. Anfang der Nuller-Jahre hat man sie noch einmal bemüht für ein Event, dessen Kern eine sechsteilige Miniserie ist.

Die Story: Barbara Gordon hat die Schnauze voll: Sie findet, dass man den Schurken endlich töten sollte, damit das Morden endlich aufhört. Leider ist sie mit der Idee etwas spät dran. Denn der Joker hat ausgelacht. Im Meta-Knast „The Slab“ wird bei ihm ein tödlicher Hirntumor diagnostiziert. Daraufhin löst er einen Gefängnisaufstand aus, befreit alle Insassen, macht sie zu Jokern und zieht mit ihnen mordend durch die Welt.

Luthors Krieg gegen Joker

Da die Justice League sonstwo unterwegs ist, bleiben auf der Erde nur Batman, die Bat-Family sowie andere B-Ligisten wie Black Canary, Blue Beetle und Power Girl, um das Schlimmste zu verhindern. Aber damit nicht genug: Das ganze Töten langweilt den Joker sehr schnell. Er will, dass jemand sein Werk vollendet. Also versucht er, Harley Quinn zu entführen und mit ihr einen Nachkommen zu zeugen. Und dann mischt sich auch noch US-Präsident Lex Luthor ein und erklärt dem Joker den Krieg …

Bunt, actionreich und kurzweilig kommt dieses Event daher, das wie üblich in unzählige Tie-ins ausfranst. Aber wenn man (wie ich) diese Exkurse auslässt, dann gibt es Brüche in der Handlung: Barbara lässt am Ende von ihrer Mordlust plötzlich ab, Joker will Harley töten, Robin ist in Gefangenschaft und dann auch scheinbar tot etc. Leider ist das alles im Paperback nicht erzählt. Wie üblich lässt auch hier DC seine Leser im Stich und sie müssen selbst zusehen, wie sie aus dem Wust an Heften schlau werden.

Joker braucht ein Publikum

Im Grunde läuft es aber auch so auf eine Story hinaus, die so sprunghaft ist wie die Launen des Jokers. Zwischendurch sehen wir, wie Helden auf gejokerte Schurken einprügeln, und wie der Knast in einem schwarzen Loch versinkt und irgendwelche uninteressanten Randfiguren versuchen, ihn wieder zurückzubringen. Nicht gerade spannend. Auch Batman ist nur eine Figur von vielen, das Finale trägt Nightwing mit dem Joker aus, oder vielmehr im Kampf gegen sich selbst, ob er ihn umbringen soll oder nicht. (Das Cover zur letzten Ausgabe – siehe oben – führt dreist in die Irre.) Und Apropos Tod: (ACHTUNG: SPOILER!) Die Ausgangsidee mit Jokers Hirntumor verpufft im Nichts und man fragt sich, was die ganze Sache sollte.

Nur am Ende gibt es eine bemerkenswerte Einsicht: Der Joker braucht ein Publikum – ohne ist er machtlos. Also werden in seiner neuen Zelle keine Kameras mehr auf ihn gerichtet. Das hat heute, im Zeitalter des Terrorismus, sogar eine aktuelle Brisanz. Ohne Berichterstattung wären Anschläge und Amokläufe wirkungslos – und fänden wahrscheinlich nicht in diesem Ausmaß statt. Leider macht die Joker-Story nichts mit dieser Idee. Sie dient nur als Schlusspointe dieses ansonsten eher banalen und zum Teil cartoonhaft gezeichneten Comics.

>> Liste der Joker-Comics

Batgirls Feuertaufe

Titel: Batgirl – Year One (dt. Batgirl: Das erste Jahr)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Scott Beatty/Marcos Martin

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-9) Paperback 2003/2013 (Batgirl/Robin Year One); dt. Panini 2004, Eaglemoss 2015


36 Jahre nach dem ersten Auftritt von Barbara Gordon als Batgirl gab es sie nicht mehr. Nach dem Angriff des Joker war sie nur noch als Orakel aktiv – vom Rollstuhl aus versorgte sie Batman und andere Helden mit Informationen. Weil damit eigentlich eine beliebte Figur verschwendet wurde, erzählte man ihre Entstehungsgeschichte noch einmal und zwar ausführlich.

Das Team von Robin: Year One verwendet dabei Elemente aus den frühesten Storys aus dem Jahr 1967. Wieder näht sich Batgirl ihr Kostüm zu einem Maskenball der Polizei und trifft auf Killer Moth. Allerdings wird sie nicht auf dem Weg dorthin aufgehalten, sondern kommt dort an und muss feststellen, dass nicht Bruce Wayne, sondern ihr Vater James Gordon entführt werden soll.

Barbara Gordon wird zur Heldin wider Willen – und findet Gefallen daran. Batman ist natürlich gar nicht begeistert. Trotzdem führt er sie (mit Augenbinde) in die Bathöhle (ebenfalls schon in den 60ern vorgekommen) und lässt ihr über Robin trotzdem einige Gadgets und ein Motorrad geben. Allerdings nur, damit sie endlich zur Vernunft kommt und das Ganze wieder sein lässt. Das ist eine seltsame Methode, denn man kann sich leicht denken, dass eine professionelle Ausrüstung erst recht die Lust bei ihr weckt, als Vigilantin weiterzumachen.

Wir sehen Barbara bei den ersten Gehversuchen als Superheldin zu. Und was bei Batman und Robin funktioniert hat, bewährt sich auch hier. Barbaras Fehler und Naivität lassen sie menschlich und sympathisch erscheinen. Ihr Charakter erinnert an die Darstellung aus Batman: The Animated Series. Die Story mit Killer Moth bildet den roten Faden der Handlung. Er erpresst hier keine Reichen, sondern bietet Gangstern Schutz vor Batman an. Dabei verbündet er sich mit dem Pyromanen Firefly, einer abgründig-fiesen Figur. Batgirl sucht Hilfe bei Black Canary.

Einen großen Anteil daran, dass der Comic funktioniert, ist Marcos Martin (The Private Eye, Barrier) zu verdanken. Er hat einen dynamischen und klaren Stil, bei dem kein Strich zu viel ist. Zuweilen erinnert er an den Animated-Style, wie er in den Comics adaptiert wurde. Starker Ausdruck und ungewöhnliche Perspektiven, dazu knallige Farben machen Batgirl: Year One zu einem Fest fürs Auge. Aber auch sonst ist der Band jedem zu empfehlen, der kein Batgirl-Fan ist. (Allerdings nur im Original, die deutsche Übersetzung ist zum Teil furchtbar.)

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Prügel für den Wunderbengel

DC Comics

DC Comics

Titel: Robin: Year One (dt. Robin – Das erste Jahr)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Scott Beatty

Erschienen: 2000-2001 (Mini-Serie #1-4, Paperback 2002, mit Batgirl Year One 2013) dt. Panini 2002


„Du schwörst, Unschuldige zu beschützen — und trotzdem hast du einen Jungen bei dir?“ (James Gordon)

Der Police Captain bringt das Problem auf den Punkt: Indem Batman ein Kind an seinem Kampf teilnehmen lässt, handelt er fahrlässig. Trotzdem schlägt sich Robin alias Dick Grayson in seinem ersten Jahr zu Beginn noch ganz gut, ganz allein bekämpft er den Mad Hatter. Doch dann wird er von Two-Face mit einem Baseballschläger fast totgeschlagen. Batman macht sich Vorwürfe, nie wieder etc., doch der Wunderknabe will nach seiner Genesung weitermachen. Weil er als Robin nicht darf, besiegt er zunächst Mr. Freeze in zivil, dann schließt er sich einer Racheakademie an, in der Kinder zu Killern ausgebildet werden. Als er den Auftrag bekommt, Two-Face umzulegen, bekommt er die Chance, sich zu rächen …

Robin: Year One ist eine Geschichte, die in der Tradition von Batman: Year One steht. Der Erzählstil ist ähnlich, wir verfolgen die Aufzeichnungen von Alfred, der in der Story die Rolle eines Mittlers einnimmt. Robin wird dargestellt als lebenslustiger, ungestümer und souveräner Verbrechensbekämpfer. Im Mittelpunkt steht das Verhältnis zu Bruce Wayne. Minuspunkte gibt es für die anfangs eingesetzte, aber nicht ausgeführte Liebesgeschichte. Die Zeichnungen erinnern in ihrer Schlichtheit ein wenig an den Animated-Stil, kommen aber nicht an die Klasse eines David Mazzucchelli heran.

Wer die Figur Robin hasst, könnte hier mit ihm versöhnt werden. Aber der Grundkonflikt, dass jemand, der so vorausschauend wie Batman ist, den gleichen Fehler mit Robin wiederholt, bleibt ein unaufgelöster Widerspruch. Doch darüber muss man zugunsten der Tradition hinwegsehen – genauso wie darüber, dass Batmans Seil nicht immer einen Ankerpunkt finden kann oder dass niemand auf den Trichter kommt, dass er Bruce Wayne ist. Comics haben ihre eigenen Regeln. Sie gelten auch für Robin.