Hugo Strange

Das Cabinet des Dr. Crane

DC Comics

DC Comics

Titel: Terror

Autor/Zeichner: Doug Moench/Paul Gulacy

Erschienen: 2001 (Legends of the Dark Knight #137-141, Paperback 2003, Neuauflage 2012 als Prey, zusammen mit der gleichnamigen Story)


 „No one gets away with killing Dr. Hugo Strange.“ (Hugo Strange)

„… I’ve got to shift from prey to predator …“ (Batman)

„… some criminals can be stopped only by the bat. The weird ones, the mad ones … the demons.“ (Batman)

Zehn Jahre nach dem Erscheinen von Prey haben Doug Moench und Paul Gulacy eine Fortsetzung gemacht: Terror. Hugo Strange, der einst im Gotham River verschwand, kehrt wieder zurück: als Mörder im Batman-Kostüm. Er will sich an seinem Peiniger rächen. Dafür befreit er Scarecrow aus Arkham, weil er dessen Angstgas für seinen Plan braucht. Doch Scarecrow, bestärkt in seinem Selbstvertrauen, macht sich selbständig, tötet Strange und macht sich auf, offene Rechnungen an den Menschen zu begleichen, die ihn mit Mobbing zu dem gemacht haben, was er ist. Und der böse schwarze Mann mit den spitzen Ohren steht ganz oben auf der Liste.

Catwoman spielt in der Story dieses Mal eine größere Rolle als in Prey. Sie wird zum Köder für Batman. Viel interessanter jedoch ist das erotische Spielchen zwischen den beiden. Catwoman macht Batman an – und Batman bekennt sich dazu. Aber zu mehr als einem hauchzarten Küsschen kommt es leider nicht …

Anders als bei Prey handelt es sich bei Terror um eine klassische Batman-Story, ohne den Schwerpunkt auf Bruce Wayne zu legen. Im Vergleich zum ersten Teil ist sie schon fast banal unterkomplex. Und leider löst Scarecrow zu schnell Strange als Antagonisten ab. Allerdings zeigt Strange auch keine neue Facette: immer noch hängt er an seinem Batman-Fetisch fest und spricht gerne zu leicht bekleideten Schaufensterpuppen. Scarecrow, als armer Außenseiter ein Opfer der bösen Gesellschaft, hat auch nicht gerade mehr Tiefe zu bieten. Gulacys Zeichnungen kommen nicht an sein Niveau bei Prey heran, was vielleicht an dem neuen Tuscher liegen mag. Die Körper sind zwar immer noch dynamisch, aber die Gesichter wirken häufig missraten: steif und entgleist. Und so ist Terror nur eine solide Batman-Geschichte im oberen Mittelmaß.

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Psychiater auf Fledermausjagd

DC Comics

DC Comics

Titel: Prey (dt. Die Intrigen des Dr. Strange/Beute)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Paul Gulacy

Erschienen: 1992 (Legends of the Dark Knight #11-15), Paperback 1992, Neuauflage 2012 (zusammen mit Terror); dt. Carlsen 1992, Panini 2014


 „Batman is actually good for morale. It doesn’t hurt, for some of the men, at least, to know we’re not out there on the street alone.“ (James Gordon)

„Must I act alone? Is my ego that huge? My obsession that great? What would it take for me to trust someone? And who could I trust?“ (Bruce Wayne)

„Oh, he’s a killer, this Batman … A killer who doesn’t kill.“ (Hugo Strange)

„The one crime the Bat-Man can never stop is the one that started him.“ (Hugo Strange)

Zu Beginn seiner Karriere hat Batman nicht viele Freunde. In Prey hat der Held nur Captain James Gordon auf seiner Seite, der nicht vergessen hat, dass Batman in Year One sein Kind gerettet hat. Ansonsten bringt der Vigilant immer noch die Polizei gegen sich auf, der Bürgermeister verurteilt die Selbstjustiz und initiiert ein Sonderkommando, das Batman endlich ausschalten soll. Gordon führt die Einheit an, beruft einen gewissen Sergeant Cort dazu, der gerne rabiat gegen Batman vorgeht. Zu der Task Force gehört auch der Psychiater Dr. Hugo Strange. Der ist ganz versessen darauf, Batman zu analysieren und dessen wahre Identität herauszufinden (die Idee stammt aus Strange Apparitions), er entwickelt einen regelrechten Batman-Fetisch, verkleidet sich sogar wie der Held. Um die Stimmung gegen Batman weiter anzuheizen, entführt Strange die Tochter des Bürgermeisters und manipuliert Cort so, dass dieser selbst zum Vigilanten Night-Scourge wird. Batman ist umgeben von Jägern, die es auf ihn abgesehen haben.

Batman-Altmeister Doug Moench fährt eine dichte Story mit vielen Facetten auf, die trotz der Handlungsstränge den Helden nicht aus dem Fokus verliert. Wie häufig bei den Geschichten über Batmans Frühzeit geht es um den Menschen hinter der Maske: den schwachen, zweifelnden und verletzlichen. Bruce Wayne wird von Strange infrage gestellt und mit seinem Ur-Trauma konfrontiert. Er verspürt Müdigkeit und Hunger (letzteres eine Seltenheit!). Die dunkle Bathöhle dient als Rückzugsort der Kontemplation, hier findet Batman zu seinem wahren Selbst zurück. Darüber hinaus sehen wir erstmals Batmobil und Batsignal im Einsatz. Dass Catwoman ein paar Mal auftaucht, hätte es allerdings nicht gebraucht. Hier wird sie noch für Batmans Komplizin gehalten, am Ende darf sie deus ex machina spielen. Sie nimmt die Doppelrolle von Gegnerin und Gefährtin auf.

Doch eine mitreißende Story ist bekanntlich nur die halbe Miete. Paul Gulacys filigrane Zeichnungen machen die andere Hälfte aus: detail- und schattenreich, dynamisch und voller schräger Perspektiven sorgen sie für eine düstere Noir-Stimmung und lassen den Dunklen Ritter trotz seines blauen Capes schön dramatisch erscheinen. Das alles macht die dritte Legends-Geschichte zu einem mustergültigen Beispiel dafür, wie man Batman erzählen sollte.

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Kein Patent für Joker

Batman: Strange Apparitions

Titel: Strange Apparitions

Autor/Zeichner: Steve Englehart, Len Wein/Marshall Rogers, Walt Simonson

Erschienen: 1977/1978 (Detective Comics #469-479), Paperback 1999; dt. Panini 2012 (Batman Collection: Marshall Rogers), Eaglemoss Collection 2015 (Im Zeichen des Jokers)


„But the fish share my unique face! If colonel what’s-his-name can have chickens, when they don’t even have mustaches –!“ (Joker)

Obwohl die Geschichte unter einem Titel zusammengefasst wurde und ein linearer Zusammenhang besteht, ist es schwer, hier von einer Story zu sprechen. Im Grunde sind es sechs Geschichten, die aufeinander folgen. Batman begegnet einem radioaktiven Glühwürmchen namens Dr. Phosphorus, dann Hugo Strange, dem Pinguin, Deadshot, Joker und Clayface. Den roten Faden bilden Nebenhandlungen mit Rupert Thorne, der Batman aus der Stadt haben will, sowie Bruce Waynes Liebschaft mit Silver St. Cloud. Aber ein Spannungsbogen ergibt sich nicht.

Die meisten dieser Geschichten mögen für die späten 70er vielleicht was hergegeben haben, aus heutiger Sicht sind sie altbackene Standardware. Vor allem die Erzählung, in der der Joker, Fische zum Lächeln bringt (The Laughing Fish), um sie patentieren zu lassen, hat zwar einen ungewöhnlichen Ausgangspunkt, ist aber sonst ziemlich schwach, vor allem, weil sie sich zu sehr bei der ersten Joker-Story in Batman #1 bedient.

Die interessanteste Geschichte ist die um Hugo Strange. Der kommt nämlich zufällig hinter Batmans Geheimidentität, nimmt dessen Position als Bruce Wayne ein, um ihn auszunehmen und zu ruinieren, und veranstaltet eine Auktion, bei der er den Namen an den meistbietenden Schurken zu versteigern versucht. Wie man sich denken kann, wird das Schlimmste verhindert. Dafür gibt es aber eine Frau, Silver St. Cloud, die ebenfalls eins und eins zusammenzählt und herausfindet, dass der Mann den sie liebt, nachts gerne Verbrecher verprügelt. Die Schlussfolgerung daraus kann nur eine Tragische sein: Die Beziehung zerfällt.

Die filigranen Zeichnungen von Marshall Rogers entschädigen für die Kritzeleien eines Walt Simonson und das insgesamt mäßige Storytelling. Aber vielleicht muss man diese 70er-Jahre-Geschichten auch mit anderen Augen sehen. Immerhin gelten sie als einflussreiche Klassiker. (In den 80ern diente Strange Apparitions zunächst als Vorlage für das Drehbuch des geplanten Batman-Films, der erst 1989 von Tim Burton realisiert wurde – allerdings mit einem ganz anderem Script.)

Zwei der Storys wurden für Episoden der Animated Series wiederverwendet. Die Grundidee der Hugo Strange-Story wurde in „The Strange Secret of Bruce Wayne“ (S01E37) aufgegriffen; dort bieten Joker, Two-Face und Pinguin um ein Videoband, auf dem Strange Bruce’s Trauma aufgezeichnet hat.

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In „The Laughing Fish“ (S01E34) erzählt Paul Dini die Joker-Story neu, wobei er sich zwar überwiegend an die Vorlage hält (zum Teil sogar wörtlich), er aber ein wesentlich spannenderes Finale mit einem Haifisch-Kampf erzählt (der ist „The Joker’s Five-Way-Revenge“ entlehnt). Vor dem Hintergrund der lachenden Fische allerdings erscheint die später in Mad Love zum Tragen kommende Idee mit den grinsenden Pyranhas wie ein Abklatsch … (wenn auch ein guter!)

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(Dieser Artikel wurde am 6.11.2017 überarbeitet und aktualisiert.)

>> Batman 1970-1979

Ziemlich ätzend

Detective Comics 2: Scare Tactics

Titel: Scare Tactics (dt. Die Maske des Schreckens)

Autor/Zeichner: Tony Daniel (u.a.)

Erschienen: 2012 (Detective Comics #8-12, #0, Annual #1 (The New 52)), Paperback 2013; dt. Panini 2013 (Batman #13-14), Paperback 2014


„The death of your parents is the best thing that could happen to you. It freed you from the constraints of mortality. You are destined to be more than human… You are destined to soar like a god.“ (Shihan Matsuda)

Der zweite Sammelband der neuen Detective Comics ist ein Potpourri an Geschichten und Figuren – leider wird kaum etwas davon im Gedächtnis bleiben.  Das erste Heft erzählt eine Scarecrow-Story, die Catwoman und den bereits im ersten Band eingeführten Sohn von Hugo Strange involviert, aber auf den wenigen Seiten keinen Platz bekommt, einen Spannungsbogen Hier werden bloß bekannte Figuren vorgezeigt, ohne etwas Interessantes mit ihnen anzufangen. Bruce Waynes Verhältnis zu seiner Freundin, die im ersten Band eingeführt wurde, spielt kaum noch eine Rolle.

Die zweite Story bildet das Arkham-Kapitel der Night of the Owls, bevor die drei nächsten Ausgaben einem neuen Schurken gewidmet ist: Mr. Toxic. Nicht nur der Name klingt lachhaft, als käme er aus dem Golden Age, auch das Kostüm des Kerls ist nicht gerade einfallsreich. Ein Kerl in einer Rüstung, natürlich mit Muskeln bepackt, trägt eine an Red Hood erinnernde Haube, die – Achtung! – mit einem Totenkopf und gekreuzten Knochen bemalt ist – ziemlich ätzend … In dieser Story wirft Batman nur so mit irgendwelchen pseudo-physikalischen Fachbegriffen um sich, nur um einer ziemlich trivialen Handlung so etwas wie eine Glaubwürdigkeit zu verleihen. Dabei fängt sie eigentlich ganz interessant an: Mit einer Gruppe als Batman verkleideter Räuber. Nur leider wird bis zum Ende nicht klar, warum sie sich gerade so verkleidet haben …

Detective Comics #0, das von einem Kampf von Black Mask gegen den Mad Hatter handelt, ist ebenfalls nicht der Rede wert. Interessant wird es erst am Ende des Bandes (Detective Comics #0), denn dort bekommt man zwei Kapitel aus Batmans Vorgeschichte zu lesen: Zunächts eine Episode aus Bruce Waynes Ausbildung im Himalaya, dann sehen wir seine Heimkehr. Das ist zwar etwas zusammenhanglos, aber es macht Lust auf das Zero Year, das später in Batman erzählt wird. (Leider ist auch die Himalaya-Episode nicht ganz logisch, aber ich will nicht zu viel vorwegnehmen.) Zum Schluss (im Annual #1) gibt es eine passable Two-Face-Story und eine Hinführung zu der Joker-Storyline Death of the Family – beide überzeugen eher durch die Bilder von Szymon Kudranski als die Handlung.

Während Batman die großen Stories erzählt, wird Detective Comics wohl nur die kleinen und zweitrangigen Beiträge leisten.

>> Batman 2011-2019

Batman – Das Jahr Eins

 

Titel: Detective Comics #27 (The Case of the Chemical Syndicate) – Batman #1

Erschienen: Mai 1939 – Frühling 1940

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane


Vor 75 Jahren erschien Detective Comics #27. Es enthielt die erste Batman-Geschichte: The Case of the Chemical Syndicate. Ich kann mich noch erinnern, als ich dieses historische Werk zum ersten Mal las: Im Juni 1999, der Dino-Verlag hatte zum 60. Geburtstag des Helden die 37. Ausgabe seiner Batman-Serie  zur Jubiläumsausgabe erklärt: Das Heft war 64 Seiten dick, bot fünf Geschichten, das Cover war matt-schwarz, mit dem schwarz-gelben Batman-Logo in Hochglanz und wenn man es umdrehte, war da das legendäre Cover von Detective Comics #27 – schon deshalb legendär, weil das Original selten und teuer war.

Die Geschichte dahinter enttäuschte mich zunächst: Sechs Seiten, schlecht gezeichnet (besonders Batman sieht seltsam aus) und eine abgehetzt erzählte Standard-Story um ein Mordkomplott, ohne Spannung oder interessante Charaktere. Man kann diese Story nicht ernst nehmen, zu sehr ist sie von heutigen Lesegewohnheiten entfernt. Aber nach einigen Jahren erkannte ich, dass man sie mit einer historischen Brille lesen muss, so wie man Stummfilme schaut – es ist ein anderes Sehen. Die überraschende Wendung der Geschichte ist nämlich nicht das Lösen des Falls, also wer wen warum getötet hat, sondern dass der reiche, gelangweilte Schnösel Bruce Wayne sich als der Mann hinter Batmans Maske herausstellt. Das mag für heutige Leser klar sein, bei den Lesern von 1939 dürfte das Interesse geweckt und der neuen Figur zum Erfolg verholfen haben.

Auch das Cover ist auf diesen Effekt aus: Im Vordergrund stehen zwei Männer in Hüten, die uns den Rücken zukehren, einer hält eine Waffe in der Hand. Er richtet sie auf Batman, der sich an einem Seil durchs Bild schwingt und einen Mann im Schwitzkasten hält. Wir nehmen die Perspektive der Gangster ein. In gewisser Weise spiegelt sich darin das Cover von Action Comics #1, der ersten Superman-Geschichte aus dem Jahr 1938. Dort ist im Vordergrund ein Mann zu sehen, der erschreckt vor Superman wegläuft, während der Held ein Auto an einem Felsen zerschmettert. Hier hält sich zumindest einer der Gangster bereit zum Schießen. Während das Superman-Cover Übermacht ausstrahlt, geht vom Batman-Cover Gefahr aus. Die Szene kommt – anders als das Bild von Action Comics #1 – im Heft nicht vor. Sie drückt nur aus, für was die Figur steht, nämlich Abenteuer in brenzligen Situationen. Es geht darum, neugierig zu machen: Wer ist dieser Typ im Fledermauskostüm und Maske, der diesen anderen Kerl so souverän am Hals durch die Gegend schwingt? Und wie wird es ihm angesichts dieser anderen Gangster ergehen? Oder vielmehr: Wenn Batman einen Mann mit einem Arm festhalten kann, was wird er erst mit den anderen beiden anstellen?

Es ist lohnenswert, die Batman-Stories aus dem ersten Jahr zu lesen. Man kann dabei zusehen, wie die Figur sich entwickelt, besonders äußerlich: Wie die Maske immer deutlichere Konturen bekommt, wie die Handschuhe sich verändern. Schon in diesem ersten Jahr werden wichtige Wegmarken für den Mythos gesetzt: Schon die erste Geschichte handelt von der für Batman so wichtigen Chemie, eine Gaskammer kommt darin vor und – noch viel wichtiger – ein Sturz in einen Chemietank (was für den Joker wichtig werden soll). Später erfahren wir Batmans Entstehungsgeschichte (Detective #33/Batman #1), in der bereits alle wichtigen Elemente auf zwei Seiten vorkommen, der Sidekick Robin hat seinen ersten Auftritt (Detective #38) und es werden Superschurken eingeführt wie der verrückte Wissenschaftler Hugo Strange (Detective #36) und der Joker (Batman #1). Vor allem letzterer ist bereits ganz der irre, Chaos stiftende Mörder, der Batman immer einen Schritt voraus ist. Nicht zuletzt verdankt diese Pulp Fiction ihren Unterhaltungswert der unfreiwilligen Komik: Es ist drollig zu lesen, wie Batman mit sich selbst spricht und so Sätze sagt wie „Feet, run like you’ve never run before!“ Oder, wenn der Joker auf ihn einschießt und sich fragt, warum sein Gegner nicht stirbt, denkt sich Batman: „Hasn’t the Joker ever heard of a bullet-proof vest!“ Und einmal beginnt eine Geschichte damit, dass Batman sich verfahren hat und nun an einem Haus hält, um nach dem Weg zu fragen (Detective #37). Solche Szenen sind es, die den ersten Stories ihren Charme verleihen.

Batmans erstes Jahr ist versammelt in dem Paperback Batman Chronicles #1 (Englisch) sowie dem Batman Archiv #1 (Deutsch, Dino-Verlag).