Silver St. Cloud

Traue niemals einer Ziege

DC Comics

Titel: The Widening Gyre (dt. Der Teufelskreis)

Autor/Zeichner: Kevin Smith/Walt Flanagan

Erschienen: 2009/2010 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2010), dt. Panini 2011


Bei einem Einsatz in Arkham Asylum wird Batman fast vom Dämon Etrigan getötet – da hilft ihm im letzten Moment ein Unbekannter mit Ziegenmaske. Baphomet, wie er sich später nennt, ist ein neuer Vigilant, der Batman erklärtermaßen helfen will. Immer wieder springt er ihm in der Folge als Deus ex machina bei. Der Held hat einiges drauf, Batman vertraut ihm, obwohl ihn schon der Name skeptisch macht. Aber eine rührselige Hintergrundgeschichte und das Ablegen der Maske reichen, um den besten Detektiv der Welt zu überzeugen.

Parallel dazu taucht Bruce Waynes alte Flamme Silver St. Cloud auf und erneuert ihre Liebschaft mit ihm. Das macht sogar Catwoman eifersüchtig. Wir sehen dabei zu, wie Batman sich nachts durch die gesamte (!) Rogues Gallery arbeitet und sich tagsüber mit seiner Freundin am Strand vergnügt, in Rückblenden lässt er Episoden seiner Vergangenheit mit Robin Revue passieren. Zwischendurch schaut Aquaman vorbei, um Bruce aufzuziehen.

Wären nicht die humoristischen Einschübe, wäre The Widening Gyre kaum zu ertragen. Denn bei dem episodenhaften Erzählstil fehlen ein Spannungsbogen, ein klares Problem und eine glaubhafte Entwicklung. Stattdessen fallen Batman und Bruce ständig aus der Rolle, etwa mit einem überstürzten Heiratsantrag und einer verantwortungslos-naiven Demaskierung. Dass die Story eine Fortsetzung von Cacophony ist, merkt man kaum. Aber wenn man es weiß, ahnt man schnell, auf welche Offenbarung es am Ende hinausläuft. Das letzte Panel setzt auf maximalen Schock-Effekt, aber es ist keine Überraschung. Dreist daran ist vor allem, dass die Geschichte bislang nicht zu Ende erzählt wurde. Eine sechsteilige Fortsetzung ist seit Jahren angekündigt, aber nie umgesetzt worden.

>> Batman 2000-2011

Kein Patent auf gute Storys

Batman: Strange Apparitions

Titel: Strange Apparitions

Autor/Zeichner: Steve Englehart, Len Wein/Marshall Rogers, Walt Simonson

Erschienen: 1977/1978 (Detective Comics #469-479), Paperback 1999; dt. Panini 2012 (Batman Collection: Marshall Rogers), Eaglemoss Collection 2015 (Im Zeichen des Jokers)


„But the fish share my unique face! If colonel what’s-his-name can have chickens, when they don’t even have mustaches –!“ (Joker)

Obwohl die Geschichte unter einem Titel zusammengefasst wurde und ein linearer Zusammenhang besteht, ist es schwer, hier von einer Story zu sprechen. Im Grunde sind es sechs Geschichten, die aufeinander folgen. Batman begegnet einem radioaktiven Glühwürmchen namens Dr. Phosphorus, dann Hugo Strange, dem Pinguin, Deadshot, Joker und Clayface. Den roten Faden bilden Nebenhandlungen mit Rupert Thorne, der Batman aus der Stadt haben will, sowie Bruce Waynes Liebschaft mit Silver St. Cloud. Aber ein Spannungsbogen ergibt sich nicht.

Die meisten dieser Geschichten mögen für die späten 70er vielleicht was hergegeben haben, aus heutiger Sicht sind sie altbackene Standardware. Vor allem die Erzählung, in der der Joker, Fische zum Lächeln bringt (The Laughing Fish), um sie patentieren zu lassen, hat zwar einen ungewöhnlichen Ausgangspunkt, ist aber sonst ziemlich schwach, vor allem, weil sie sich zu stark bei der ersten Joker-Story in Batman #1 bedient.

Die interessanteste Geschichte ist die um Hugo Strange. Der kommt nämlich zufällig hinter Batmans Geheimidentität, nimmt dessen Position als Bruce Wayne ein, um ihn auszunehmen und zu ruinieren, und veranstaltet eine Auktion, bei der er den Namen an den meistbietenden Schurken zu versteigern versucht. Wie man sich denken kann, wird das Schlimmste verhindert. Dafür gibt es aber eine Frau, Silver St. Cloud, die ebenfalls eins und eins zusammenzählt und herausfindet, dass der Mann den sie liebt, nachts gerne Verbrecher verprügelt. Die Schlussfolgerung daraus kann nur eine Tragische sein: Die Beziehung zerfällt.

Die filigranen Zeichnungen von Marshall Rogers entschädigen für die Kritzeleien eines Walt Simonson und das insgesamt mäßige Storytelling. Aber vielleicht muss man diese 70er-Jahre-Geschichten auch mit anderen Augen sehen. Immerhin gelten sie als einflussreiche Klassiker. (In den 80ern diente Strange Apparitions zunächst als Vorlage für das Drehbuch des geplanten Batman-Films, der erst 1989 von Tim Burton realisiert wurde – allerdings mit einem ganz anderem Script.)

Zwei der Storys wurden für Episoden der Animated Series wiederverwendet. Die Grundidee der Hugo Strange-Story wurde in „The Strange Secret of Bruce Wayne“ (S01E37) aufgegriffen; dort bieten Joker, Two-Face und Pinguin um ein Videoband, auf dem Strange Bruce’s Trauma aufgezeichnet hat.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

In „The Laughing Fish“ (S01E34) erzählt Paul Dini die Joker-Story neu, wobei er sich zwar überwiegend an die Vorlage hält (zum Teil sogar wörtlich), er aber ein wesentlich spannenderes Finale mit einem Haifisch-Kampf erzählt (der ist „The Joker’s Five-Way-Revenge“ entlehnt). Vor dem Hintergrund der lachenden Fische allerdings erscheint die später in Mad Love zum Tragen kommende Idee mit den grinsenden Pyranhas wie ein Abklatsch … (wenn auch ein guter!)

Diese Diashow benötigt JavaScript.

(Dieser Artikel wurde am 6.11.2017 überarbeitet und aktualisiert.)

>> Batman 1970-1979