Killer Croc

Killer Croc: Das Krokodil in der Kanalisation

Manche Klischees sind so ausgelutscht, dass sich jeder Autor davor hüten sollte, auch nur in Erwägung zu ziehen, sie zu bedienen. Wie etwa die Urban Legend von den Krokodilen in der Kanalisation. Bei Killer Croc ist die Versuchung verlockend, denn wenn der Ami Krokodil hört, muss er wohl gleich an Kanalisation denken. Das ist natürlich auch ein Klischee, aber so oft, wie das bereits erfüllt wurde, kann man von einem wahren Kern ausgehen.

Zur Verteidigung muss man sagen: Bei Killer Croc liegen Kanäle nahe. Zum einen ist man da unten geschützt, zum anderen hat man es da feucht, was einem halben Krokodil zupass kommen dürfte. Doch wie sieht es eigentlich mit Nahrung aus? Ein Fernsehteam will es genau wissen und steigt in Gotham in den Untergrund, um mit einer Reptilienexpertin herauszufinden, was an dem Mythos dran ist („The Crocodile Hunter“, Batman 80-Page-Giant 2010, 2011). Das Klima da unten ist zwar nicht ideal für Kaltblüter, aber in Ordnung. Fragt sich nur, woher die Tiere ihre Nahrung hernehmen. Obdachlose vielleicht? Noch so ein Klischee …

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Killer Croc in „Batman ’66“

DC Comics

Titel: King Tut Barges In/Hunt the Croc Down

Autor/Zeichner: Jeff Parker/Rubén Procopio, Dean Haspiel

Erschienen: 2014/2015 (Batman ’66 #8/28), Paperback 2014/2016 (Batman ’66 Vol. 2/5)


Nein, Killer Croc gab es natürlich noch nicht in der TV-Serie mit Adam West, weil der Schurke noch gar nicht erfunden war (das kam erst 1983), aber das holte man in der Comicserie Batman ’66 nach. Anders als bei anderen Schurken der Serie sehen wir sogar, wie er entsteht: Der eingebildete Pharao King Tut reist per Zeitportal ins Alte Ägypten zurück, wo er kostbare Schätze gegen billige Schokolade eintauscht – mit dem Reichtum will er Gotham kaufen. Dabei bekommt er einen Zaubertrank in die Finger, der Menschen mit einer Krokodilhaut unverwundbar macht.

Waylon trinkt den Zaubertrank für Unverwundbarkeit. (DC Comics)

King Tuts Handlanger Waylon, ein einfältiger Muskelprotz, schnappt sich das Fläschen und trinkt es auf Ex, worauf er sich sofort in einen Echsenmenschen verwandelt, was aber nur angedeutet wird und zunächst lange folgenlos bleibt.

Waylon mutiert zu Killer Croc. (DC Comics)

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Killer Croc: Vom Kannibalen zum König

Superhelden-Mainstream-Comics  laufen schon so lange, dass man alle paar Jahre die Leser wieder neu abholen muss. Daher bringt DC zum Beispiel immer wieder Geschichten heraus, die einen über den aktuellen Stand eines Charakters aufklären, etwa in Secret Origins oder One-Shots.

Bei Killer Croc war Anfang der Nuller-Jahre so viel passiert, dass man in The Beast Beneath: Croc’s Tale of Tears“ (Detective Comics #808-810, 2005) alles noch einmal rekapituliert hat: Hush hat Croc mit einem Virus infiziert, das ihn weiter zu einem Reptil mutieren und seine Menschlichkeit und seinen Verstand fast ganz verlieren ließ. Dann wurde er geheilt (was man in Broken City sehen kann), dann aber mutierte das Virus weiter.

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Killer Croc in Batman Adventures

Schönes Cover, oder? Killer Croc hält Batman im Würgegriff, zerquetscht fast seinen Kopf, es sieht ziemlich eng aus … Doch das hat mit der Geschichte – wie so oft – leider nichts zu tun. Croc ist in „Raging Lizard“ (Batman Adventures #7, 1993) zwar ein Ringer/Wrestler, aber er ringt nicht mit Batman, sondern mit dem Masked Marauder, nicht zu verwechseln mit dem Marvel-Schurken und auch nicht mit Hooded Justice aus Watchmen, der ebenfalls eine Kapuzenmaske mit Schlinge um den Hals trägt.

Dieser hat Croc einmal im Ring gedemütigt, nun muss er sich ihm wieder stellen. Zunächst will er sich drücken, dann lässt er sich von seinem Trainer motivieren. Für die Fans. Und schließlich für sich selbst, um sich seinen Ängsten zu stellen. Derweil prügelt sich Batman durch die Unterwelt, um einen gewissen Mobster zu schnappen. Zufälligerweise findet auch sein Finale bei Crocs Kampf statt. Der Masked Marauder will Batman an den Kragen und Croc hilft ihm aus der Patsche.

Schwer zu sagen, wo genau diese Geschichte reinpasst. Zwar wissen wir aus Batman TAS, dass Croc früher Ringer war, aber vor der ersten Croc-Folge („Vendetta“) kann sie nicht spielen, weil Batman in der Serie behauptet, Croc nie zuvor gesehen zu haben. Danach aber auch nicht, weil Croc hinter Gittern sein müsste – wegen Mordes. Da kommt man nicht so leicht raus, es sei denn man haut ab, aber Batman will ihn nicht zurückbringen. Man sollte sich um Continuity nicht zu sehr den Kopf zerbrechen.

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Killer Croc in Batman: The Animated Series

Killer Croc gehörte nie zu den großen Schurken, durfte aber in Batman: The Animated Series schon mal mit ihnen an einem Pokertisch sitzen: Joker, Two-Face, Pinguin und Poison Ivy tauschen mit ihm Geschichten aus, wie sie beinahe Batman umgebracht haben. Crocs Story gehört zu den, sagen wir mal, weniger spektakulären, was aber das Vergnügen an der Episode nicht mindert – „Almost Got ’Im“ (Fast erwischt) gehört zu den besten der Serie. Aber wer sie kennt, weiß auch, dass dieser Auftritt eigentlich nicht zählt …

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Killer Croc trifft Swamp Thing

Titel: Killer Croc: Fast Train to the Wet Dark/Swamp Things

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1995 (Batman #521-522), Hardcover 2014 (Batman by Doug Moench & Kelley Jones Vol. 1); dt. Dino 1997 (Batman Special #1)


Waylon Jones von Kelley Jones – was kann schöner sein, als der Meister des Horrors, der ein Monster zeichnet? Und tatsächlich wird Killer Croc hier ein Stück weit mehr zum Monster. Nicht bloß ein Mann mit einem Hautproblem, sondern ein halbes Reptil. Wie ein Tier stürzt er sich in Arkham auf sein Essen.

Da wächst ein sonderbares Kraut aus dem Boden, spuckt einen Pilz aus, Waylon verschlingt ihn und hört plötzlich eine Stimme, die ihn nach Hause ruft – ins „dunkle Nass“. Daraufhin bricht er aus Arkham aus, um es zu suchen. Weder Gitterstäbe noch Elektroschocks halten ihn auf, dieses Monster hat Hulk-Qualitäten. Auf seiner Flucht zerlegt er ein Auto.

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Killer Croc in Knightfall

Waylon Jones alias Killer Croc ist in den 90ern ein anderer. Nachdem er als Möchtegern-Unterweltboss gescheitert ist, lebt mit Obdachlosen in der Kanalisation bzw. einem stillgelegten Atombunker und stiehlt Delikatessen, damit es sich auch mal die Armen gut gehen lassen können. Außerdem hat er Albträume, zurück in Arkham zu sein, wo er mit Stromstößen malträtiert wird – darunter von einem dämonischen Batman (Requiem for a Killer, Batman #471, 1991).

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Dunkler Ritter in dunkler Stadt

DC Comics

Titel: Batman: One Dark Knight

Autor/Zeichner: Jock

Erschienen: 2022 (Miniserie #1-3), Hardcover 2022


„How can Gotham — my city — crumble so fast?“

Ein Superschurke namens Edward M. Pressler soll von Arkham Asylum nach Blackgate Prison verlegt werden. Der Name wird mit E.M.P. abgekürzt – und der ist Programm, denn Pressler kann elektromagnetische Pulse absondern, die für Stromausfälle sorgen. Eine hochdelikate Angelegenheit also, die Drogen, Panzerfahrzeuge und Hightech erfordert. Außerdem gibt es da noch ein Haufen von Gangs, die die Gelegenheit nutzen wollen, um sich bei E.M.P. für den Ausbruch vor fünf Jahren zu rächen, bei dem Menschen zu Tode gekommen sind. Allerdings ist das Unternehmen nicht durchdacht: Denn erst durch ihren Angriff lösen sie wieder das Chaos aus – einen Stromausfall in ganz Gotham. Batman schnappt sich E.M.P. und schleppt ihn durch die düstere Stadt, um ihn zum Ziel zu bringen.

Parallel dazu entführt die Polizistin Detective Rita Vasquez, eine Law-and-Order-Hardlinerin, Edwards Sohn, um ihn als Waffe zu nutzen. Sie hat ihre Familie durch E.M.P. verloren – nun geht sie über Leichen.

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Batman und das Reptil

DC Comics

Titel: Batman Reptilian (dt. Das Reptil)

Autor/Zeichner:  Garth Ennis/Liam Sharp

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-6), Hardcover 2022


Ein Monster läuft in Gotham frei herum. Ein Schwergewichtsboxer, der beschuldigt wird, eine Frau geschlagen und vergewaltigt zu haben, wurde freigesprochen. Batman taucht vor dem Gerichtsgebäude auf und nennt ihn einen Feigling. Der Boxer langt zu, Batman nimmt das zum Anlass für Notwehr. Dann aber werden Tote aufgewunden, bestialisch abgeschlachtet von einer ganz anderen Bestie. Nach und nach müssen auch Batman’s Erzschurken dran glauben. Als letztes bleiben Joker und Killer Croc übrig. Doch Croc selbst ist nicht das Monster – er hat es aber selbst hervorgebracht …

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Drachentöter in Barcelona

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DC Comics

Titel: Batman in Barcelona: Dragon’s Knight

Autor/Zeichner: Mark Waid/Diego Olmos

Erschienen: 2009 (One-shot), Paperback 2010 (Batman International)


Bei manchen Comics hat man den Eindruck, dass nicht so sehr eine interessante Idee für eine Geschichte im Vordergrund stand, sondern lediglich der Wille zu einem Ort. Ähnlich wie James Bond reist auch Batman immer wieder zu exotischen Schauplätzen rund um die Welt, er war etwa schon in Schottland und in Hong Kong, 2009 war eben Barcelona an der Reihe. Wahrscheinlich, um spanische bzw. katalanische Fans zu gewinnen.

Denn die Story dahinter ist dünn: Killer Croc flieht aus Arkham Asylum. Sein Blut verrät, dass er unter dem Einfluss einer Droge von Scarecrow und Mad Hatter stand. Offenbar ist er jetzt noch gefährlicher, da verrückt. Die beiden Schurken haben Croc eingeredet, er habe ein Ziel, nämlich der wiedergeborene Drache zu sein, den einst Sankt Georg getötet hat. (Warum? Wohl nur zum Spaß.) Croc hat sich daraufhin vorgenommen, sich an dem Ritter zu rächen und ist nach Katalonien gereist, da Georg der Schutzpatron des Landes und der Stadt Barcelona ist.

Croc hätte genauso gut nach Albanien, Äthiopien, England, Litauen, Malta, Montenegro, Portugal, Serbien, Sizilien oder Russland fahren können, aber es ist eben Barcelona geworden. Vielleicht, weil es dort auch ein Volksfest Georg zu Ehren gibt. Um die Aufmerksamkeit des Ritters auf sich zu ziehen, tötet er Frauen. Also düst Batman hinterher, macht als Bruce Wayne ein wenig Sightseeing (wie schon in Schottland), trifft eine alte Bekannte wieder, die er versetzt, und kämpft gegen den „Drachen“ Killer Croc.

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Wie einst Georg und der Drache: Batman gegen Killer Croc. (DC Comics)

Wie gut, dass sich der Gegner ein paar Sehenswürdigkeiten als Schauplätze aussucht: das Hospital de Sant Pau, die Ramblas und am Ende klettert er auf die Basilika Sagrada Família, die man auch auf dem Cover von Jim Lee sieht. Im Finale sieht man dann Batman auf einem Motorrad, dem modernen Pferd, und bewaffnet mit einem Speer auf Croc zujagen, drei immer größer werdende Panels werden dafür verwendet, und weil das ikonografische Zitat so schön ist, darf Batman schließlich Croc noch einmal mit einem Schwert abstechen – eine weitere Splash Page, noch eine Seite des dünnen Heftes gefüllt.

Die Auflösung (ACHTUNG SPOILER): Killer Croc hat nur so getan, als wäre er verrückt! Und Bruce Wayne tut nur so, als wäre er oberflächlich und unzuverlässig, denn er hat seine Bestimmung längst gefunden: Drachentöten. Entwicklung? Erkenntnis? Mehrwert? Batman und damit auch wir waren mal in Barcelona. Die Tourismusbehörde wird es DC danken.

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