Deutscher Titel: JLA – Ein Akt Gottes
Autor/Zeichner: Doug Moench/Dave Ross
Erschienen: 2000-2001 (Miniserie #1-3), dt. Panini 2001 (DC Premium)
Was wäre, wenn alle Superhelden der Erde ihre Kräfte auf einen Schlag verlieren würden? Dann gäbe es nur noch die Superhelden, die ihre Kräfte der Technik zu verdanken haben, wie etwa Steel mit seiner Hightech-Rüstung, und natürlich Batman und Co. Die anderen wie Superman, Wonder Woman, Flash und Green Lantern wären ziemlich nutzlos. Jedenfalls würden sie das denken und es sich einreden, sodass sie es selbst wären.
So sehen wir über fast 150 Seiten dabei zu, wie die einst größten Helden der Welt nichts Besseres zu tun haben, als in Selbstmitleid zu versinken. Statt nach einer Lösung zu suchen oder nach neuen Aufgaben, verzweifeln sie. Kyle Rayner verbringt ein Jahr lang in seinem Green-Lantern-Kostüm und schreit bloß rum, bis ihn seine Freundin verlässt. Clark Kent hört auf zu arbeiten, trennt sich von Lois Lane, sucht Trost bei Diana Prince, die wiederum Trost in der Kirche sucht, bis auch sie verlassen wird und sich am Ende sogar umbringen will.
Clark Kent als Säufer in der Gosse
Es ist nicht nur völlig unglaubwürdig, dass ausgerechnet Superman und Wonder Woman, die edelsten Charaktere des DC-Universums, alle Hoffnung verlieren, weil sie nicht mehr so mächtig sind wie zuvor, es ist auch schrecklich mitzuerleben, wie schließlich Clark als Säufer in der Gosse landet. Man möchte ihnen zuschreien: Kriegt euch verdammt noch mal ein! Selbst Menschen, die nach Unfällen im Rollstuhl landen, finden sich mit ihrer Behinderung leichter ab als diese Einst-Götter-Nun-Jammerlappen.
Der Verlust von Superkräften wird hier als „Tod“ dargestellt – na vielen Dank auch, da fühlt man sich als normaler Mensch auch gleich viel besser. Nur Martian Manhunter, Aquaman, Supergirl und Flash bilden eine Selbsthilfegruppe namens „Phoenix“, die Batman im Kämpfen ausbildet und mit neuen Kostümen und Gadgets versorgt. Aus J’onn J’onzz wird „Green Man“, der kleine Totenkopfbomben wirft. Aus Aquaman wird dank einer vielseitigen Handprothese „The Hand“, aus Flash wird „Red Devil“ samt Dreizack und Supergirl wird „Justice“ samt Augenbinde und einer Waage als Waffe, an der zwei Morgensterne hängen – lächerlicher geht es kaum.
Interessante Prämisse, fehlgeleitete Ausführung
Und dann gibt es noch Lex Luthor, der wie üblich versucht, daraus Profit zu schlagen, und herauszufinden, was Superwesen super gemacht hat, während er ihre Technik kopiert, um Supersoldaten zu erschaffen. Dazu führt er menschenverachtende Experimente durch und bringt sogar Ray Palmer alias Atom um. Das hätte er auch einfacher haben können.
Diese Elseworlds-Story ist eine der langweiligsten und ärgerlichsten. Schade um die an sich interessante Prämisse, die natürlich nicht neu ist, denn Superman hat nicht erst in der Final Night seine Kräfte verloren und kam besser damit klar. In Whatever Happened to the Man of Tomorrow? hat er sie sogar freiwillig abgelegt, um ein normales Leben führen zu können. Während die Botschaft von guten Superhelden-Comics stets lautet: Nicht die Kräfte machen einen zum Helden, wird hier genau das Gegenteil exerziert – und zwar bemüht und angereichert mit pathetischen inneren Monologen und melodramatischen Dialogen. Und das Ende macht leider nichts besser, außer dass man endlich durch ist mit diesem unerträglichen Trash.
Schade auch um die schönen Zeichnungen.
