Am Anfang ist die Bank. Die Tür wird in die Luft gejagt. Gangster hauen mit der Beute ab – bis Batman sich ihnen in den Weg stellt. Mit dieser ikonischen Startsequenz, ganz ohne Worte, brachte Batman: The Animated Series ihren Helden auf den Punkt. Unübertroffen. Am Anfang der zweiten Staffel adaptiert die Nachfolgeserie Batman: Caped Crusader dieses Intro, ohne ihm auch nur etwas von Wert hinzuzufügen. Im Gegenteil: Batman schnappt sich die Bande um den Riddler nicht, sondern lässt sie ohne sichtbaren Grund entkommen. Dieses eitle, aber fade Selbstzitat von Produzent Bruce Timm steht für den Rest der Serie: Ans Original reicht sie einfach nicht heran. Statt selbst erinnerungswürdige Szenen zu schaffen, bleibt sie generischer Durchschnitt.
Wann ist ein Riddler kein Riddler mehr?
Dabei gibt man sich Mühe. Große Mühe. Die Schurken sind weniger Superschurken als weitgehend glaubwürdige Gegner. Der Calendar Man? Nur ein Mitarbeiter des Gangsters Rupert Thorne, der sich gut Daten merken kann. Er soll umgebracht werden, bevor er als Zeuge vor Gericht aussagen kann. Der Mad Hatter? Eine polemische TV-Reporterin namens Hattie Tetch. Mr. Freeze heißt hier (wie ursprünglich) Mr. Zero, legt für andere Mörder die Leichen gern auf Eis, um sie zu sammeln, aber dafür lässt er uns als Figur ziemlich kalt – im Gegensatz zu seinem ausgefeilten Pendant in BTAS. Der Riddler ist bloß ein impulsiver Handlanger von Rupert Thorne, lacht ständig blöde vor sich hin und ballert bei jeder noch so kleinen Gelegenheit wild um sich – bleibt aber trotz seiner nicht gerade unauffälligen Methoden schwer zu fassen. Doch dabei stellt sich die Frage: Ist ein Riddler ohne Rätsel und Intelligenz immer noch ein Riddler?
Überhaupt geht es in Caped Crusader sehr brutal zu. Ständig werden Gangster und Polizisten skrupellos ermordet. Auch in Folge 3 soll einer getötet werden, bevor er „singen“ kann. Matches Malone geht in den Knast, um ihn zu beschützen. Der Riddler erschießt auch einen Ex-Cop, von dem er Schutzgeld erpresst, nur weil dieser Widerworte gegeben hat. Schlau ist anders. Man sieht auch Gewalt gegen Frauen, nur als Bullock die Hand gegen ein Kind erhebt, überlegt er es sich ohne rechte Motivation anders.
Die Serie versucht so sehr, reif und ernst zu sein, dass sie vergisst, Spaß zu machen. Fast alle Figuren wirken steif und nicht mal in den Dialogen gibt es einen Comic Relief. Humor ist nur in homöopathischen Dosen vorhanden. Das zeigt sich auch an der neuen Roxy Rocket. Einst war sie eine der charismatischsten Figuren in BTAS, mit viel Leidenschaft und Abenteuerlust (und Frivolität), hier ist sie bloß eine langweilige Wissenschaftlerin, die nach einem Mordversuch des Terrible Trio Rache übt. Statt auf einer Rakete fliegt sie in einem Raketenanzug wie der Rocketeer. Ebenso ist eine Floristin namens Rose auf Rache an ihrem Vater aus, und verwandelt sich in die verführerische Thorn – im grünen Dornenkostüm und mit Anleihen bei Poison Ivy. Dafür lässt sie sich aber erstmal lange intim mit dem Mörder ein, bis sie ihre Rache vollzieht. 24 Minuten müssen ja irgendwie gefüllt werden.
Joker: Der Mann, der niemals lacht
Auch der Joker ist ernst. Sehr ernst. Er ist der Mann, der niemals lacht (wie auch in der Comicserie Absolute Batman), sondern bloß andere dazu bringt. Er soll dadurch wohl (ehr)furchteinflößender sein, bleibt dadurch aber nur – pardon – blass. Man macht es eigentlich nur dadurch spannend, dass man ihn immer wieder anteasert und uns auf ihn bis ganz zum Schluss warten lässt. Dann bekommt er eine Doppelfolge gewidmet wie schon Two-Face in der ersten Staffel.
Die Handlung folgt zunächst der ersten Joker-Story aus Batman #1: Der Joker kündigt an, den Bürgermeister um Mitternacht zu ermorden – und schafft es durch sein Joker-Gift. Vorher sterben bereits Rupert Thorne und Hattie Tetch daran. Doch dann nimmt die allzu bekannte Story eine neue Wendung: Die grinsenden Leichen stehen wieder auf, lachen und verströmen Gas, das andere zu wütenden Hulk-Zombies macht. In Gotham bricht eine Epidemie aus.
ACHTUNG: SPOILER!
Doch wozu das Ganze? Das bleibt vage. Der Joker will damit einerseits die Verkommenheit der Gesellschaft, andererseits seine Überlegenheit beweisen. Batman nennt er einen Bruder – man sei vom selben Schlag. Es leuchtet nicht recht ein. Der Endkampf auf der Baustelle eines Hochhauses nimmt unfreiwillig komische Wendungen: Der Joker will abhauen bis zum nächsten Mal, Batman wirft einen Batarang, verfehlt, doch der macht kehrt, durchschneidet zufällig ein Seil, an dem mehrere Metallstangen hängen, eine spießt zufällig den Joker auf, der springt dann in den sicheren Tod, aber seine Leiche wird nie gefunden … Damit wird der Joker zum unfreiwilligen Komiker.
Carrie Kelley ist der Star
Die vielleicht schönste Folge ist die achte, mit Carrie Kelley, die bereits in der ersten Staffel zu sehen war und nun im Gray-Ghost-Kostüm als selbsternannte „Crime Smasher“ auftrifft. Carrie wird zu Batmans erstem Sidekick wider (seinen) Willen – und sie stiehlt ihm die Show, denn das Mädchen hat mehr Persönlichkeit als er in der bisherigen Serie. Es muss nicht jedes Mal um Bruce Waynes innere Dämonen gehen, aber für eine Serie, die Batman im Titel trägt, geht es zu wenig um die Hauptfigur. Er bleibt ein generischer Held, der sich aus allem rausboxt, wie ein Roboter spricht, jedes Mal nach gewohnter Unmanier im Nichts verschwindet und seine Gesprächspartner mitten im Satz stehen lässt. Man vermisst ihn nicht. Aber Carrie als erste Robin-Figur – das würde man sehr gerne sehen.

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