Greg Rucka

Licht aus fürs Bat-Signal

Batman & Gotham Police

DC Comics

Titel: Gotham Central Vol 3: On the Freak Beat (dt. Auf Freak-Patrouille)

Autor/Zeichner: Greg Rucka, Ed Brubaker/Michael Lark, Stefano Gaudiano, Jason Alexander

Erschienen: 2004-2005 (Gotham Central #23-31), Paperback 2010; dt. Panini 2017


Commissioner Michael Akins hat genug. Nachdem Batman das Vertrauen der Polizei verloren hat (siehe War Games), will Akins das Bat-Signal nicht mehr auf dem Dach haben – er lässt es abmontieren. Dabei geht es zu Bruch. Renee Montoya ist dagegen, der Bürgermeister auch, aber das ändert nichts an dem symbolträchtigen Entschluss. Batman muss allein weitermachen, ohne die Unterstützung der Polizei.

Die kommt weitgehend allein zurecht: Detective Crispus Allen erschießt Black Spider bei einem Einsatz, nachdem seine Partnerin Montoya angeschossen wird. Daraufhin suchen sie ein Beweismittel, das der korrupte CSI Jim Corrigan bei einer Onlineauktion verhökert. Wir sehen, dass die Korruption bei der Polizei noch lange nicht bekämpft ist. Montoya beweist Schlagkraft gegen den eigenen Kollegen.

Catwoman gerät (mal wieder) zu Unrecht unter Verdacht, nachdem ein TV-Prediger ermordet und am Tatort eine Halskette gefunden wird. Detective Josephine Macdonald muss den wahren Täter finden und versucht dabei, ihre Superkräfte zu verbergen.

Hannibal Lecter lässt grüßen

In der längsten Geschichte (dem Vierteiler Keystone Kops) treffen Montoya und Allen auf den Flash-Schurken Doctor Alchemy. Nachdem ein Polizist von einer unbekannten Chemikalie am ganzen Körper verbrannt wurde und nun zu einem unförmigen Metawesen mutiert, suchen sie die Hilfe des Mannes, der das Zeug zusammengebraut hat. Doch der brillante Alchemy spielt Spielchen á la Hannibal Lecter – und zwar so wortgetreu, dass man nicht mehr von einer Hommage an Das Schweigen der Lämmer, sondern von einem dreisten Plagiat sprechen muss.

Und wie immer gilt: Wenn es eng wird, taucht Batman aus dem Nichts auf und rettet den Tag. Er ist das Backup der Polizei. Denn gegen Freaks hilft nur ein Freak. Das ist die Pointe von Gotham Central. Der dritte Band der Polizeiserie setzt das bewährte Rezept würdig fort: Hier steht nicht so sehr die Handlung im Vordergrund, sondern die Charaktere mit ihren Sorgen und Nöten. Ganz besonders Montoya, die mit ihrem Outing als Lesbe zu kämpfen hat und dabei versucht, wieder den Kontakt mit ihren Vater zu knüpfen, der sie verstoßen hat.

Einfühlsam erzählt und stimmungsvoll dreckig-noiresk gezeichnet wird auch On the Freak Beat Fans auf ihre Kosten kommen lassen, die gerne mehr über die Menschen in Gotham erfahren wollen, ohne dass Batman und Co. alles dominieren.

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Joker auf Beamtenjagd

DC Comics

Titel: Jokers and Madmen (dt. Im Fadenkreuz des Jokers)

Autor/Zeichner: Ed Brubaker, Greg Rucka/Michael Lark

Erschienen: 2003-2004 (Gotham Central #11-22, Soft Targets: #12-15), Paperback 2009; dt. Panini 2016


Kurz vor Weihnachten wird der Bügermeister von Gotham in seinem Büro erschossen – von einem Scharfschützen. Kurz darauf ist ein Schulleiter dran. Dann folgen noch weitere Polizisten, selbst auf dem Dach des Präsidiums. In den jeweiligen Nestern des Schützen findet die Polizei einen eindeutigen Hinweis: Der Joker erlaubt sich einen kranken Spaß. Als eine Person entführt wird, beginnt die Suche nach ihr. Da stellt sich der Joker überraschend und lässt sich festnehmen.

Gotham Central ist so etwas wie The Wire in Comicform: Eine Comicserie über die Polizei von Gotham, angelegt als Ensemblestück mit lauter Menschen statt Helden. Realistisch in der Figurenzeichnung, visuell nah am Film Noir. Batman taucht wenn, dann nur am Rande auf, die Schurken spielen auch nur eine untergeordnete Rolle.

Das Besondere hier: Der Joker ist lange nicht zu sehen. Das deutet sich auch in dem ersten Cover an: Man sieht bloß den Gewehrlauf, der aus einem Fenster herausragt. Diese Anonymität und Willkür der Morde schafft eine paranoide Atmosphäre. Es kann jederzeit jeden treffen. Aber am stärksten ist die Geschichte im Zusammenspiel der Polizisten, die ganz normale Sorgen plagen.

Auch Gesellschaftskritik steckt darin: Zuerst will der Bürgermeister die Überstunden für die Polizei kürzen, weil sie die Stadt zu viel kosten. Das bedeutet, dass die Beamten mitten in der Ermittlung nach Hause geschickt werden – obwohl Zeit dabei ein kritischer Faktor ist. Der Bürgermeister sieht nur Missbrauch und Kosten und muss in gewisser Weise dafür mit dem Leben bezahlen. Ironischerweise trifft Joker aus der Sicht der Polizei „den Richtigen“.

In gewisser Weise nimmt die Geschichte den Film The Dark Knight vorweg. Am Ende muss dann doch Batman helfen, wieder als Deus ex machina. Das ist einerseits schade, weil es den Polizisten etwas von ihrer Unabhängigkeit nimmt, andererseits muss die Serie rechtfertigen, warum sie in Gotham und nicht sonstwo spielt. In dem Fall hätte der Joker genügt. Aber irgendwie muss DC ja auch seine Polizei-Comics verkaufen – und das geht am besten eben mit der Fledermaus.

Interessant im zweiten Band von Gotham Central ist auch „Unresolved“, eine Story über den Mad Hatter, in der auch Harvey Bullock eine tragende Rolle spielt und einige Grenzen überschreitet.

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Auf einen Kaffee mit Mad Hatter

DC Comics

Titel: New Gotham Vol. 2

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Shawn Martinbrough, Rick Burchett

Erschienen: 2001-2002 (Detective Comics #755-765, Superman #168), Paperback 2018


Polizisten in Gotham begehen Raubüberfälle, darunter auch Renee Montoya. Beeinflusst werden sie durch den Mad Hatter, der verkleidet als Verkäufer mit Drogen versetzten Kaffee an die Polizei verteilt. Aber er stellt keine Forderungen. Er will bloß Chaos stiften. Und auch sonst hat der Schurke nichts Sinnvolles zu sagen.

Batman vereitelt den Plan mit Hilfe von Sasha Bordeaux, seinem neuen Sidekick. Im ersten Band von New Gotham wurde sie als Bruce Waynes Bodyguard eingeführt, im zweiten kommt sie hinter sein Geheimnis und Batman spannt sie gleich mit ein. Mehr noch: Innerhalb eines Monats trainiert er sie zur Vigilantin. Sie bekommt sogar ein Kostüm.

Darin besteht die eigentliche Handlung von New Gotham. Aber sie überzeugt nicht. Schon als Bodyguard nervte Sasha, auch später wird sie weder interessanter noch sympathischer. Dass Batman sie einspannt und dass sie das mitmacht, wirkt unglaubwürdig. Batman behandelt sie (wie immer) wie Dreck, aber sie lässt alles über sich ergehen. Außerdem wird sie noch eifersüchtig, als Bruce wieder mit Vesper Fairchild anbandelt.

In einer zweiteiligen Story bricht Batman mit Lois Lane ins Weiße Haus ein, um von Luthors Kryptonitring zu stehlen, und Superman interveniert. Das ist auch schon das einzige Highlight des Bandes. Der Rest besteht bloß aus Kurzgeschichten über den Alltag in Gotham: Batman kämpft gegen Kleinganoven, James Gordon geht (nach einem Attentat auf ihn) in Ruhestand, die Polizei bekommt einen neuen Commissioner, es wird intern wegen Mordverdacht ermittelt, Bullock hört auf, Sawyer kommt, und Sidekick Sasha trifft auf Huntress.

Das sind Geschichten, die man als Hinführung auf die Storyline Bruce Wayne: Murderer? lesen kann, aber nicht muss. Freunde von Gotham Central könnten ihre Freude daran haben. Allerdings ist der Band (wie schon in Teil 1) meist sperrig gezeichnet und zweifarbig koloriert, was bei Superman sehr bemüht wirkt, allein die Seiten von Rick Burchett (Batman Adventures) bilden eine angenehme Ausnahme.

>> Liste der Mad Hatter-Comics

Neues Gotham, alte Probleme

DC Comics

Titel: New Gotham (frühere Ausgabe: Evolution)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Shawn Martinbrough (u.a.)

Erschienen: 2000 (Detective Comics #742-753), Paperback 2001 (Evolution, bis Detective Comics #750), Neuausgabe 2017 (New Gotham)


„Gotham is still Batman’s city.“

Das No Man’s Land ist überstanden, Gotham wird wiederaufgebaut. Aber auch das Verbrechen kehrt wieder zurück. Fünf Organisationen kämpfen um die Vorherrschaft in Gothams Unterwelt. Da mischt sich Ra’s al Ghul ein, indem er zwei Profikiller losschickt, die den Kampf zu einem Krieg eskalieren lassen. Sein Ziel: eine neue Droge auf den Markt zu bringen, die den Menschen ewige Jugend verspricht, aber den Nebeneffekt hat, sie in halbe Tiere zu verwandeln. Batman verfolgt Ra’s bis nach Europa und trifft dabei auf Talia …

Doch diese Geschichte macht nur den kleinsten Teil der Handlung aus. Anders als andere Batman-Storylines dreht sich nicht alles um das Prinzip Held gegen Schurke. Den roten Faden bildet der Wiederaufbau und wie die Menschen mit den Folgen der zerstörten und abgeschotteten Stadt zurechtkommen. Viele haben alles verloren und sind weggegangen, andere sind geblieben – jetzt bilden die Dagebliebenen und Zurückgekehrten verfeindete Lager. Commissioner James Gordon trauert um seine Frau Sarah, die der Joker erschossen hat (siehe Niemandsland). Wir sehen, wie Detective Montoya ihren Geburtstag feiert. Bruce Wayne bekommt einen Bodyguard: Sascha Bordeaux, die in der Storyline Murderer/Fugitive eine Rolle spielen wird. Und zum Schluss wird gezeigt, wie Poison Ivy aus ihrem Revier im Robinson Park geholt wird, aber das ist ziemlich fade.

New Gotham (das zuerst als Evolution als Paperback erschienen ist) erzählt nichts von Substanz und ist erst recht kein Meisterwerk, aber es wäre wesentlich lesbarer, wenn die Zeichnungen besser wären. Zwar versucht man hier mit einer reduzierten Farbpalette etwas Neues (meistens gibt es nur ein bis zwei Farben neben Schwarz und Weiß), aber die Figuren von Shawn Martinbrough wirken so unbeholfen und leblos, das es keinen Spaß macht, mit dem Blick auf den Seiten zu verharren. Einzig die Cover von Dave Johnson bilden Oasen in dieser großen grafischen Wüste.

Die neue Paperback-Ausgabe dieser Comics schließt eine Lücke in der Sammlung. Aber wer wissen will, wie es nach dem No Man’s Land in Gotham weitergeht, sollte lieber gleich die nächsten Storylines wie Officer Down und Murderer/Fugitive lesen.

Wonder Womans Reifeprüfung

DC Comics

Titel: Wonder Woman – The Hiketeia (dt. Wonder Woman – Batman: Hiketeia)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/J.G. Jones

Erschienen: 2002 (One-shot), Paperback 2016 (Wonder Woman by Greg Rucka Vol. 1); dt. Panini 2003/2017


„Hiketeia ist nie eine Prüfung des Bittstellers, Diana, sondern immer des Beschützers.“ (Die Erynnien)

Was für ein Cover: Batman mit verzerrtem Gesicht am Boden, ein rot-weißer Stiefel ruht auf seinem Kopf – Wonder Womans Stiefel. Der Rest ist schlichter weißer Hintergrund. Mehr muss nicht sein, es ist alles gesagt: der Triumph der Amazone über den Dunklen Ritter. Die Dominanz des Weiblichen als SM-Fantasie. Ein Klassiker.

Die Story dahinter steht dem in nichts nach: Eine junge Frau wird wegen mehrfachen Mordes von Batman gesucht. Sie entkommt ihm und sucht Zuflucht bei Diana, der Botschafterin von Themyscira. Dort bittet sie um etwas, das sich Hiketeia nennt, ein Ritual der alten Griechen, bei dem sich jemand verpflichtet, einem anderen Schutz zu gewähren – ganz unabhängig davon, wie schwer das Vergehen ist, dem man dem Schützling zur Last legt.

Die Hiketeia hat eigene Regeln. Batman passt das gar nicht – er fordert von Wonder Woman, ihm die Frau auszuliefern. Aber die denkt nicht dran. Es kommt zum Kampf, Batman zieht den Kürzeren. Doch da kommt er auf eine List: er bittet selbst um Hiketeia …

Man muss Wonder Woman nicht kennen, um sich in dieser Geschichte zurechtzufinden, man muss sie auch nicht mögen, um sich hier wohlzufühlen. Greg Rucka erzählt diese kleine, bescheidene Geschichte mit der nötigen Sensibilität, bei der alle drei Charaktere, vor allem die weiblichen, genug Tiefe bekommen. J.G. Jones (bekannt für Final Crisis und Wanted) inszeniert die Panels mit einer wunderbaren Dynamik und Dramatik.

Das Besondere ist, dass es keine klassische Superheldengeschichte ist, es fehlen die Schurken. Die Erynnien spielen eine eher untergeordnete Rolle, die Bösen sind hier bloß Menschen (Männer) in einer Rückblende, allein Batman ist der Antagonist, aber aus nachvollziehbaren ethischen Grundsätzen heraus. Der Konflikt, der hier ausgetragen wird, ist einer der unvereinbaren Prinzipien. Diese Ausnahme-Erscheinung macht dieses Comic so interessant.

Ra’s al Ghul muss sterben

Titel: Death and the Maidens (dt. Der Tod und die Mädchen)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Klaus Janson

Erschienen: 2003-2004 (Mini-Serie #1-9, Detective Comics 783; Paperback 2004, Deluxe Edition 2017), dt. Panini 2005 (2 Sonderbände)


„… it’s always for the greater good …“

Ra’s al Ghul ist dem Ende nah: da Batman ihn von seinen Kurbädern in Lazarusgruben abhält, droht dem Erzfeind der baldige Tod. Er bietet dem Detective einen Deal an: wenn Batman ihm verrät, wo er eine Lazarusgrube findet, bekommt er einen Trank, dank dem er mit seinen toten Eltern sprechen kann. Doch da ist noch Nyssa, eine Tochter des Dämons, die ihren eigenen Plan verfolgt: Rache zu nehmen an dem, was ihr Vater ihr über Jahrhunderte angetan hat. Auch Talia wird Teil des Plans.

Anfangs habe ich mich etwas schwer damit getan, weil mich Klaus Jansons sperrige Zeichnungen abgeschreckt haben. Aber die Story hat mich dann doch sehr schnell eingenommen, dass das Buch zum regelrechten Pageturner wurde. Denn Death and the Maidens ist eine sehr persönliche Geschichte, die viel Wert legt auf innere Konflikte und Charaktere. Insofern gibt es hier kaum Batman zu sehen, im Vordergrund steht Bruce Wayne und sein Verhältnis zu seinen Eltern. Er muss sich die Frage stellen: Handelt er überhaupt in ihrem Sinne, wenn er sich als Batman verkleidet? Und spielt das überhaupt eine Rolle, ob er damit ihren Willen erfüllt?

Die Frage verliert sich gegen Ende, wenn es um den Familienkonflikt der al Ghuls geht. Aber der hat es in sich. Ra’s bekommt eine neue Tiefe: wir erfahren nämlich, dass er schon mit den Nazis gemeinsame Sache gemacht hat, auch wenn er ihre Motive nicht teilte, hieß er dennoch ihren Genozid gut. Noch dramatischer wird es, dass er selbst seine Tochter Nyssa nicht vor dem Konzentrationslager bewahren wollte – alles „für das größere Wohl“, die Welt von allem Bösen, also den Menschen, zu befreien.

Die Story funktioniert auf mehreren Ebenen hervorragend. Und dann kann man auch darüber hinwegsehen, wenn die Zeichnungen nicht den persönlichen Geschmack treffen. Death and the Maidens ist einer der besten Batman-Comics des neuen Jahrtausends. Es wurde höchste Zeit, dass er wieder neu aufgelegt wurde – in einer gebundenen Deluxe-Edition.

Die Geschichte um Ra’s al Ghul und seine Familie wird fortgesetzt in:

Außerdem empfohlen als Vorgeschichte: Son of the Demon.

Ein Hohelied auf Batwoman

DC Comics

DC Comics

Titel: Batwoman – Elegy (dt. Das Klagelied der Fledermaus)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/J.H. Williams III

Erschienen: 2009 (Detective Comics #854-860, Paperback 2010), dt. Panini 2010 (100% DC 26)


„Didn’t anyone give you the memo? Gotham already has one Carroll-inspired freak.“ (Batwoman)

Alice im Wunderland ist eine unerschöpfliche Quelle für Batman-Storys. Es gibt den Mad Hatter, Tweedledum und Tweedledee sowie den Rest der Wonderland Gang, es gibt die Schurkin White Rabbit (die eher nach Playboy-Bunny aussieht), einmal durfte Batman sogar durch ein Wunderland-Szenario wandeln (siehe Through the Looking Glass). Was fehlt noch in der Reihe? Alice. Eine Verrückte, die sich dafür hält, ist die Widersacherin von Batwoman in ihrem ersten Solo-Abenteuer in Detective Comics.

Was bisher geschah: Batman ist bekanntlich tot oder verschollen (Final Crisis), es gibt einen Kampf um die Nachfolge, Nightwing tritt sie schließlich an (Long Shadows). Batwoman ist bereits aufgetaucht, als Batman ein Jahr lang weg war (siehe 52). Damals kämpfte sie gegen die Religion of Crime. Jetzt geht es gegen die neue Anführerin, besagte Alice. Die Schurkin will nämlich Gothams Bevölkerung mit chemischen Waffen auslöschen. – Was das mit dem Wunderland zu tun hat, wird allerdings nicht klar. Immerhin gibt es ein psychedelisches Erlebnis …

Doch bevor jetzt alles „Laaangweilig!“ ruft und das Lesen abbricht, dem sei die Lektüre empfohlen. Denn auch wenn die Story verbraucht erscheint, ist sie doch zu interessant gemacht, als dass man sie verschmähen sollte. Greg Rucka beweist Talent, Batwoman (Kate Kane) zu einem interessanten Charakter auszubauen, und J.H. Williams III fordert mit seiner kühnen Seitenarchitektur das Auge heraus: gezackte, gesplitterte, verschnörkelte Panels, komplexe Verschränkungen von Zeit und Raum, und dazu beeindruckend lebendige Zeichnungen und variationsreiche Kolorierungsstile machen jede Seite zu einer Freude.

Im zweiten Teil des Bandes, der Story Go, wird Batwomans Entstehungsgeschichte nachgereicht: Kate Kane ist die Tochter eines Soldaten, die in ihrer Kindheit entführt wurde und zusehen musste, wie ihre Mutter und Schwester getötet wurden (Trauma!). Kane wird Soldatin, fliegt aber von der Akademie, als herauskommt, dass sie eine Lesbe ist. Obwohl sie sich mit einer Lüge retten könnte, bleibt sie standhaft und steht zu ihrer Homosexualität. Später fängt sie etwas mit der Polizistin Montoya an. Schließlich wird sie mit Hilfe ihres Vaters (Training, Technik, Kostüm) zu Batwoman. (Feministische Anmerkung: Die High Heels trägt sie übrigens nur, weil es keine anderen roten Stiefel gab.) Für sie ist das Vigilantentum eine Nische, wie sie doch ihre selbst auferlegten Pflicht erfüllen kann: „I finally found a way to serve“, sagt sie am Ende.

Im Sinne der Unterhaltung leistet sie besten Dienst am Leser. Insofern kann von einem Klagelied (so die deutsche Übersetzung von Elegy) keine Rede sein. Auf Batwoman kann man bloß Hohelieder singen.

(Batwomans Origin wurde jüngst in dem Animationsfilm Batman: Bad Blood adaptiert.)

Mehr zum Thema:

Batman ex machina

DC Comics

DC Comics

Titel: Gotham Central – Book One: In the Line of Duty (dt. In Erfüllung der Pflicht)

Autor/Zeichner: Ed Brubaker, Greg Rucka/Michael Lark

Erschienen: 2003 (Gotham Central #1-10, Paperback 2008), dt. Panini Sonderband 2015 (Gotham Central #1-5)


„Could we leave the bat out of this for now?“ (Detective Driver)

Welchen Sinn ergibt eine Batman-Story ohne Batman? Die Frage dürfte sich spätestens nach dem (mir schleierhaften) Erfolg der TV-Serie Gotham erübrigt haben. Doch die Idee ist nicht neu: Bereits in den 90ern gab es Mini-Serien über Comissioner James Gordon und die Polizei von Gotham (Gordon of Gotham), in den Nullerjahren wurde ihr sogar eine fortlaufende Comicserie gewidmet: Gotham Central. Nun ist der erste Teil auf deutsch erschienen. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie ist es, ein Polizist im Schatten der Fledermaus zu sein? Die Antwort: Die Vollzugsbeamten haben ein Ego-Problem. Um sich nicht überflüssig zu fühlen, haben die Ermittler der Major Crimes Unit (MCU) den Ansporn, allein klarzukommen.

Allein heißt in diesem Fall: auch ohne James Gordon. Der ist mittlerweile im (temporären) Ruhestand. Die Handlung der Serie ist nicht fortlaufend, sondern erstreckt sich jeweils über zwei bis fünf Hefte. Aufgeteilt sind die jeweiligen Charaktere in Tag- und Nachtschicht. Doch so ganz ohne Batman und seine Welt geht es eben nicht – sonst könnte es ja auch eine x-beliebige Polizeiserie sein. Gleich zu Beginn bekommen es zwei Detectives mit Mr. Freeze zu tun, am Ende muss Batman sich doch um ihn kümmern, aber das wird bloß am Rand gezeigt. Im Vordergrund steht die gute alte Polizeiarbeit: Beweise sichern, Fragen stellen, kombinieren. Schon im zweiten Fall geht es um einen Mord an einem Mädchen – gerahmt vom Auftauchen eines zündelnden Superschurken.

Während die deutsche Ausgabe hier endet, ist in der US-Ausgabe auch die fünfteilige Story „Half a Life“ enthalten. Im Mittelpunkt steht Renee Montoya: Ein Mann, den sie wegen Vergewaltigung festgenommen hat, der aber freigelassen wurde, rächt sich an ihr, indem er Fotos von ihr verbreitet, durch die sie als Lesbe geoutet wird – ihre streng katholischen Eltern sehen das gar nicht gern. Kurz darauf wird der Täter ermordet, Montoya wird deswegen angeklagt und dann auch noch von Two-Face entführt. Das Motiv muss bei einem Wahnsinnigen nicht unbedingt einleuchten.

Es ist nur allzu vorhersehbar, dass am Ende wieder Batman als Deus ex machina herhalten muss. Montoya ist nicht erfreut; wieder ein gekränktes Ego. Aber wäre die Polizei so gut wie Batman, bräuchte es ihn nicht – und das darf in Gotham nicht sein. Welchen Mehrwert hat also das Konzept von Gotham Central? Keinen großen. Die Serie behandelt lediglich einen Randaspekt des Batman-Universums, sie tut es zwar einfühlsam und stimmungsvoll, bemüht um Charaktertiefe und Realismus, aber letztendlich muss das einen Batman-Leser nicht besonders interessieren. Denn ein Fan will einen Vigilanten im Fledermauskostüm Abenteuer erleben sehen und nicht den Alltag der Polizei. Batman ist eben nicht The Wire.

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Der Tod des Bruce Wayne

Titel: Bruce Wayne: Murderer?/Fugitive (dt. Bruce Wayne – Mörder/Auf der Flucht)

Autor/Zeichner: Ed Brubaker, Chuck Dixon, Devin Grayson, Kelley Puckett, Greg Rucka/Rick Burchett, Scott McDaniel u.a.

Erschienen: 2002 (alle Serien), Paperbacks 2014 (New Edition), dt. Panini 2003-2004 (2 Bände „Mörder“, 3 Bände „Auf der Flucht“)


„I know he’s a bit of a lady killer …“

„… killer’s don’t go free.“ (Batman)

„… I know that I’m not an easy person to know.“ (Bruce Wayne)

Irgendwann beim Comiclesen kam mir eine Idee: Wäre es nicht cool, wenn Batman mal selbst unter Mordverdacht stehen würde? Wenn er als Bruce Wayne unschuldig hinter Gitter käme, fliehen würde und dann – ganz nach Dr. Richard Kimble-Manier – versuchen würde, den wahren Täter auf der Flucht zu fassen? Doch bevor ich meine Fantasie ausleben konnte, stellte ich nach kurzer Recherche fest: die Idee hatten andere schon vor mir – und DC hat ihr eine ganze Storyline gewidmet, die über 1000 Seiten umfasst.

Sie liest sich so: Als Batman mit seinem Sidekick (und Bodyguard) Sasha Bordeaux von der Patrouille zurück nach Wayne Manor komm, findet er seine alte Freundin Vesper Fairchild tot auf – ermordet. Kurz darauf trifft die Polizei ein und nimmt Bruce Wayne und Sasha wegen Mordverdacht fest. Während Wayne im Knast sitzt und die Aussage verweigert, versucht der Rest der Bat-Familie herauszufinden, wer Bruce den Mord angehängt hat. Nachdem sie herausfinden, dass Vesper Batmans Geheimidentität gelüftet hat, kommen Zweifel auf, ob der Held, der niemals tötet, erstmals eine Ausnahme gemacht haben könnte. Doch kaum haben die Mühlen der Justiz angefangen zu mahlen, bricht Wayne aus dem Knast aus, fingiert für Wayne eine Flucht ins Ausland und erklärt seine zivile Identität für tot. Das macht vor allem Nightwing stinksauer, der Batman seine Meinung mit den Fäusten sagt.

Batmans Lethargie

Aber Batman bleibt stur, geht seinen Weg alleine, erklärt Bruce Wayne für tot, ist nur noch als Batman unterwegs – und tut so, als wäre nichts gewesen. Und das ist der schwer nachvollziehbare Aspekt an Bruce Wayne – Murderer?: Nicht nur, dass Batman sich erneut von seinen Mitstreitern isoliert, er bleibt auch eigenartig lethargisch, wie schon zuvor bei seinem „Urlaub“ nachdem Gotham zum Niemandsland erklärt wurde und nach dem Attentat auf James Gordon. Statt, wie es für den größten Detektiv der Welt üblich wäre, Vespers Mörder zu suchen, übernehmen Nightwing, Robin, Batgirl und Orakel diese Aufgabe und Batman kümmert sich lieber um Nachrangiges wie einen Feuerteufel und Bombenleger, um Drogendealer und einen Pseudo-Engel sowie einen Frankenstein-Typ, der Zombies erschafft. Das alles lenkt zu sehr von der Hauptgeschichte ab, ebenso wie die vielen anderen Binnenhandlungen um Robin, Nightwing, Batgirl, Spoiler, Black Canary und sogar Blue Beetle. Dadurch wird das Epos auf sein Überformat gestreckt und verliert an Stringenz. Dafür hätte man gerne den Ausbruch von Bruce Wayne gesehen. Aber diese Szene wird – völlig unverständlicherweise – ausgespart und bloß in ein paar Sätzen nacherzählt.

In der Fortsetzung (die Fugitive heißt, obwohl Wayne schon länger auf der Flucht ist) fängt sich Batman wieder, indem er sich auf seine Anfänge zurückbesinnt, auf die im ersten Jahr als Vigilant und auch auf seine Begegnung mit Detective Sloan, der dem Jungen Bruce versprochen hat, den Mörder der Eltern zu fassen – aber es nie geschafft hat. Schließlich findet er zu seiner Identität als Bruce Wayne zurück. Doch von seiner Hauptaufgabe wird er zunächst von einem Subplot um Drogen und der Organisation Checkmate sowie einem Intermezzo mit der alten Reizbacke Azrael abgelenkt. In der Zwischenzeit versuchen Nightwing, Robin und Batgirl, das Verbrechen an Vesper zu rekonstruieren. Aber sie hätten sich die Mühe auch sparen können, denn auf den Mörder und seinen Auftraggeber kommt Batman schließlich ganz schnell von selbst. Unnötigerweise bleibt aber auch viel zu lange die Frage bestehen, ob nicht doch Batman selbst den Mord verübt haben könnte. Erst viel zu spät spricht Nightwing aber das Naheliegendste aus, nämlich dass Batman es bestimmt besser angestellt hätte, als seine zweite Identität damit zu gefährden. Auch hier leidet die Geschichte an zu viel unnötigem Beiwerk.

Keine üblichen Verdächtigen

Die Lösung des Falls befriedigt nur leidlich. Die Motivation des Urhebers ist schwer nachzuvollziehen und wird nur oberflächlich erklärt. Auch bleibt unverständlich, warum Batman ihn nicht verfolgt oder wenigstens zur Rede stellt. Wie sonst auch bleibt der Held desinteressiert. Stattdessen gibt es nur einen Epilog darum, dass Batman den reumütigen Auftragskiller vor dem Attentäter Deadshot zu bewahren versucht, und dass Sasha auf Umwegen aus dem Knast kommt. Warum Bruce Wayne nach seiner Flucht ohne Konsequenzen zu seinem zivilen Leben zurückkehren kann – und das auch noch ohne dass die Polizei fragt, wie er das gemacht hat – bleibt wohl das größte Rätsel der Geschichte.

Auch visuell befriedigen Murderer und Fugitive nicht. Die Zeichnungen variieren in Stil und Qualität, bleiben aber meist auf durchschnittlichem Niveau, einige Male sogar darunter. Die Stümperei fällt vor allem im Vergleich mit den meisterhaften Covern von Brian Bolland auf (The Killing Joke). Trotzdem gibt es einige stimmungsvoll gelungene Panels. Und auch die meisten Kapitel sind (zumindest in der ersten Hälfte) einnehmend erzählt, etwa in den Momenten des Zweifels, wenn Alfred in der Bathöhle darüber räsonniert, was Mord mit einem macht und mit Nightwing darüber spricht, ob Bruce nicht doch dazu fähig wäre, oder wenn Leslie Thompkins Bruce im Gefängnis besucht und nur von ihm angeschwiegen wird. Selbst wie Bruce und Sasha sich im Gefängnis fühlen, wird sehr eindringlich vermittelt. Interessant ist an dieser Geschichte ist, dass sie auch (bis auf Deadshot und Catwoman) ohne die klassischen Schurken auskommt und auch keinen neuen einführt. Zur Abwechslung tut es gut, die üblichen Verdächtigen ruhen zu lassen.

Damit ist die Story trotz der vielen Durchhänger und Schwächen zwar meistens unterhaltsam zu lesen, gäbe es nur die Hälfte der über 1000 Seiten, hätte das der Handlung besser getan.

(Ich denke, meine Version wäre gelungener gewesen.)

>> Batman 2000-2011

Die Grenzen der Strafverfolgung

DC Comics

DC Comics

Titel: Officer Down

Autor/Zeichner: Ed Brubaker, Chuck Dixon, Greg Rucka u.a./diverse

Erschienen: 2001 (Batman #587, Robin #86, Birds of Prey #27, Catwoman #90, Nightwing #53, Detective Comics #754, Batman: Gotham Knights #13; Paperback 2001)


„… you are not James Gordon’s only friend.“ (Alfred)

Commissioner James Gordon geht gerade von einer Geburtstagsfeier heim, da sieht er in einer Gasse Catwoman, er will sie stellen, schießt auf sie, da erwischen ihn selbst drei Kugeln in den Rücken. Niemand weiß, wer’s war, aber alle suchen erst mal nach Catwoman. Und während die ganze Batman-Familie versucht, die Katze einzufangen, steht das Familienoberhaupt am Krankenbett seines Freundes und macht sich selbst Vorwürfe. Nachdem Catwoman alle überzeugt hat, nichts mit der Sache zu tun zu haben und den Verdacht auf einen Polizisten lenkt, wendet sich die Story der Polizei zu. Die Ermittler stoßen beim Verhör schnell an ihre Grenzen – und müssen feststellen, dass ihre Eitelkeit, Batman nicht zu Hilfe zu rufen, ein Fehler ist. Am Ende geht Gordon in Ruhestand. Und seine Leute üben Selbstjustiz.

Die Story hat einige logische Schwächen. Die größte: Warum geht Catwoman, wenn sie unschuldig ist, nicht gleich zu Batman, übergibt ihm die Tatwaffe und erzählt ihm die Wahrheit? Antwort: Damit die Bat-Familie was zu tun kriegt. Seltsam ist auch, dass Batman so nutzlos ist. Selbst am Ende kann seine Verhörtaktik, ein Geständnis aus jemandem rauszuprügeln, nicht fruchten. Am Ende schmollt er auch noch, weil Gordon seine Entscheidung aufzuhören ohne ihn trifft.

Officer Down wäre eine interessantere, weil ungewöhnliche Geschichte, wenn sie besser gezeichnet wäre. Die meisten Künstler liefern entweder entstellte, starre oder zu stark überzeichnete Figuren ab. Kaum etwas davon trägt dazu bei, das Comic gerne zu lesen. Ein zwiespältiges Vergnügen.

>> Batman 2000-2011