Vom Pfadfinder zum Al Capone

James Gordon (Teil 1)

DC Comics

DC Comics

Titel: Gordon of Gotham (Gordon’s Law/GCPD/Gordon of Gotham)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Dennis O’Neil/Klaus Janson, Jim Aparo, Bill Sienkiewicz, Dick Giordano

Erschienen: 2014 (Paperback), Mini-Serien: 1996, 1997, 1998


„I don’t need a knight. I need a street cop.“ (James Gordon)

„You are the police commissioner, James. You’re not supposed to be carrying a gun, let alone working cases.“ (Sarah Essen)

„I wonder sometimes if there are any good cops left. At least enough good ones to make a difference.“ (James Gordon)

James Gordon ist ein guter Polizist in einer schlechten Stadt. Insofern wirkt es widersprüchlich, dass er gemeinsame Sache mit einem Vigilanten wie Batman macht. Wie man in Year One erfährt, ist diese Beziehung nicht immer von Freundschaft geprägt gewesen – und auch später wurde sie immer wieder auf die Probe gestellt. Gordon ist für Batman so etwas wie sein erster Sidekick. Aber einer auf Augenhöhe. Man hilft sich gegenseitig, weil man das Gleiche will. Doch die Methoden sind andere. Und sie ergänzen sich. Batman und Gordon sind auf einander angewiesen: Während Batman einen Fürsprecher in der Welt des Gesetzes braucht, braucht Gordon einen, der die Regeln für ihn bricht. So kriegen beide, was sie wollen.

Doch Gordon kann auch ohne Batman – was aber nicht heißt, dass sich der Polizist immer an die Regeln hält. Deutlich wird das im Band Gordon of Gotham. Darin werden drei Mini-Serien aus den 90ern versammelt, die den Kampf gegen das Verbrechen in Gotham von der Seite der Polizei her zeigen (später wurde das mit der Serie Gotham Central wiederholt). Zwei der Storys konzentrieren sich auf die Titelfigur, während eine von den Nebenfiguren wie Harvey Bullock und Renee Montoya handelt. Der dunkle Ritter tritt hier bloß als Randfigur auf. Eine Batman-Story so ganz ohne Batman geht nicht.

Die erste Story, Gordon’s Law, beginnt mit einem Desaster: Eine Geiselnahme endet mit vielen Toten, darunter auch Polizisten, am Ende kommen die Täter davon – zusammen mit dem Geld. Gordon nimmt den Fall auf, doch obwohl sich die Ermittlungen schwierig gestalten, verzichtet er auf Batmans Hilfe, droht ihm sogar mit der Verhaftung. Bald bekommt Gordon einen Tipp, dass es Cops sind, die hinter dem Raub stecken. Gordon bittet Harvey Bullock um Unterstützung, aber weil der sich weigert, muss der Commish auf Kollegen von außerhalb zurückgreifen. Schon bald ist Gordon verstrickt in einen Fall, in dem es schwierig ist, Freund von Feind zu unterscheiden. Schließlich beschließt er, nach eigenem Gesetz handeln zu müssen: „I’m so damned tired … too tired to play by the rules anymore.“ Die klassische Crime-Story wäre durchaus gelungen zu nennen, wenn nicht die sperrigen Zeichnungen von Klaus Janson wären, die weder eine Augenweide sind, noch immer leicht erkennbar machen, was gerade passiert. Aber wie ich schon festgestellt habe, bin ich kein Fan dieses Künstlers.

In der zweiten Story, GCPD (Gotham City Police Department), ist Gordon die Nebenfigur. Es sind seine Mitarbeiter, die sich um mehrere Fälle parallel kümmern müssen: Während Bullock einem Serienmörder nachgeht, der Teddybären zurücklässt, spielt Montoya den Köder, um Terroristen zu fangen, die eine Diplomatenfrau entführen wollen. Und dann ist da noch ein Diebstahl von Edelsteinen, in den ein Anwalt verwickelt ist. Nebenbei muss sich Bullock vor der Innenrevision wegen Polizeibrutalität verantworten und bekommt einen neuen Partner zur Seite gestellt, der sich von ihm rassistische Kommentare gefallen lassen muss. Aber so lange der gute alte Bullock am Ende den Fall löst, steht er als beinahe strahlender Held dar – auch hier wieder ohne Batmans Hilfe, allerdings mit einem Gastauftritt von Matches Malone … Eine abgefuckte Stadt braucht nun mal einen abgefuckten Helden, egal ob im Kostüm oder zerknittertem Trenchcoat.

Der Erzählstil ist hier sehr sprunghaft und deshalb gewöhnungsbedürftig. Die kantigen Zeichnungen von Jim Aparo und Bill Sienkiewicz wirken nur marginal sympathischer als die des Kollegen Janson. Aber dafür schafft es die Story, für den ambigen Charakter Bullock Interesse zu wecken.

Die dritte Geschichte, Gordon of Gotham, wird ihrem Titel nicht gerecht: Erzählt wird nämlich Gordons Vorgeschichte bei der Polizei von Chicago, die dazu führt, dass er nach Gotham versetzt wird (was wiederum direkt an Year One anschließt). Trotzdem ist sie die gelungenste Story des Bandes, weil sie den Charakter am stärksten beleuchtet: Gordon ist noch ein junger Polizist, aber schon so idealistisch, dass er sich früh bei seinen korrupten Kollegen unbeliebt macht. Weil er einen Cop reinreitet, wird ihm nach dem Leben getrachtet. Gordon muss erkennen: „The system wasn’t working. That meant my life wasn’t working. I’d have to go outside the law.“ Und so wird er, wie er selbst sagt, vom Boy Scout zu Al Capone. Doch im Grunde bleibt er der Unbestechliche. Am Ende, das im Gotham der Gegenwart spielt, bittet er zwar Batman um Hilfe, aber der lehnt dieses Mal ab, um Gordon die Chance zu lassen, eine offene Schuld zu begleichen.

Gordon erzählt seine Geschichte selbst, zehn Jahre später, als er mit Batman auf dem Dach des Polizeigebäudes steht. Und das verleiht ihr den typischen selbstzweiflerischen Charme, der in der Year One-Tradition steht. Schon hier zeichnen sich die Eheprobleme mit Barbara ab, weil sie daran scheitern, ein Kind zu bekommen. (In Year One ist Barbara bereits schwanger und bekommt das Kind.) Dick Giordanos Zeichenstil unterscheidet von den anderen durch Klarheit, was die Geschichte leichter zugänglich macht – ein visuelles Meisterwerk ist Gordon of Gotham trotzdem nicht, das gilt für den ganzen Band. Die Bilder sind so bodenständig wie Handlung und Charaktere. Insgesamt erlaubt der Band einen Einblick von einer anderen Seite in die Welt von Gotham. Man muss ihn nicht kennen, aber wer sich für die Figur James Gordon interessiert, kommt auf seine Kosten. Wem er egal ist, könnte sich bei der Lektüre für ihn erwärmen.

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