Batman ist nicht genug

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Bad Blood

Drehbuch: J.M. DeMatteis

Erschienen: 2016 (Direct-to-Video)


„Dressing like a bat doesn’t make you a hero. It just makes you a target.“ (Batman)

Die Batman-Familie ist eine ambige Angelegenheit. Eigentlich ist Batman ein Einzelgänger. Ein Einzelkämpfer. Aber dann kam der bunte, lachende Robin. Und damit niemand auf die abstruse Idee einer Schwulen-WG kam, stellte man ihm Batwoman zur Seite, dann Batgirl, einen Hund, einen Kobold. Aus Nightwing wurde Robin, es kamen drei bis vier Nachfolger, starben und kamen in anderen Formen wieder, ebenso wie die Batgirls. Ganz zu schweigen von den anderen Batmen, die Filialen in der ganzen Welt betreiben.

Das Gute an dieser Familie ist, dass es eine Reihe von Stellvertretern gibt, wenn Batman mal fehlt. Die Tatsache, dass es immer mehrere Aspiranten auf das Amt gibt und sich die Nachfolger schwer damit tun, spricht für sich: es kann nur einen geben – und das ist Bruce Wayne. Alle anderen sind also bloßes Beiwerk und daher auch verzichtbar. Dass sie immer in Batmans Schatten stehen werden und den Kampf eines anderen kämpfen werden, darin besteht der gemeinsame Grundkonflikt all dieser Figuren. Nun gut, weil Batman allein auch mal langweilig wird und der Rest der Familie dank der langen Tradition nun mal da ist (einige von ihnen sind zugegebenermaßen sogar interessante Charaktere), gibt es eben auch Familiengeschichten, auch wenn es zuletzt Überhand nimmt (siehe Batman Eternal).

Auch im Universum der jüngsten Animationsfilme ist Batman nie genug. Aber selbst Nightwing und Robin reichen offenbar nicht. In Bad Blood nimmt sich auch Batwoman des Verbrechens an (zuletzt war sie in Mystery of the Batwoman im Film zu sehen). Sie schlägt sich auf eigene Faust durch, gehört aber (noch) nicht zur „Familie“, Batman ist nicht erfreut, aber hilft dennoch aus, als es darum geht, eine Bande von Schurken zu erledigen. Bei dem gemeinsamen Einsatz geht Batman verloren. Als sich die Sache herumspricht, entsteht ein Machtvakuum. Dick Grayson steigt ins Batman-Kostüm und nimmt es mit Black Mask auf. Während ein neuer Schurke namens The Heretic, ein Muskelberg mit Batman-Maske, zusammen mit anderen Technologie aus Waynes Firma raubt, wird Wayne von Talia al Ghul einer Gehirnwäsche unterzogen, bei der er sein Trauma als eine Reihe von Albträumen durchlebt. Schließlich wird auch Robin (Damian Wayne) gefangengenommen. Am Ende geht es darum, die Poltiker der Welt unter Kontrolle zu bringen. Es kommt zum Kampf zwischen Batman und Nightwing …

Im Laufe der Handlung schließt sich noch Luke Fox als Batwing der Bat-Familie an. Zusammen mit Batman sind es damit fünf. Die vielen Figuren sind der größte Schwachpunkt des Films, denn dadurch wirken die einzelnen Charaktere oberflächlich. Allen voran Nightwing, der – anders als in den Comics – kaum dazu kommt, mit der angenommenen Batman-Rolle zu hadern. Dafür ist in 70 Minuten Film kaum Zeit. Am meisten Raum bekommt Batwoman (Kate Kane), sie ist die eigentliche Heldin des Films – und das sogar eine sympathische. Die Rolle der Schurkin Talia schwankt von Film zu Film: mal sorgt sie sich um ihren Sohn Damian, dann wieder nicht, schließlich erweist sie sich als plumper Machtmensch im Sinne ihres Vaters Ra’s. Ihr Ziel ist so beliebig und vage, dass es einen kaltlässt. Darüber hinaus wäre es zu wünschen, wenn nicht wieder (zum dritten Mal) die Familie al Ghul der Gegner wäre. Es gibt noch so viele Schurken, die man einsetzen und ausbauen könnte. Hier aber hat der Mad Hatter bloß einen enttäuschenden Gastauftritt als Handlanger. Alle anderen bösen Buben im Film wie Black Mask, Firefly und Killer Moth sind nicht mehr als Kanonenfutter.

Bad Blood setzt auf starke Action-Szenen und markige Sprüche. Wer nicht mehr verlangt, kommt auf seine Kosten. Die Pointen sitzen wie die Schläge. Wie schon beim Vorgänger Batman vs. Robin ersetzt der Film aber kaum das Lesevergnügen der Comics, bei denen er sich bedient: Battle for the Cowl, Long Shadows, Batwoman: Elegy und Batman Incorporated. (Besprechungen für die ausstehenden folgen.)

(Achtung Spoiler!)

Zu allem Überfluss tritt am Ende noch Batgirl auf. Wenn man bedenkt, dass als nächstes die Verfilmung von The Killing Joke kommt, könnte das nur ein kurzer Auftritt werden. Ein kleiner Trost für alle, denen es in Bad Blood zu viel an Personal wurde. So viel zum Thema Kanonenfutter …

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