Huntress

Robin allein gegen den Joker

DC Comics

Titel: Robin Vol. 2: Triumphant

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Tom Lyle, Bob Smith

Erschienen: 1991-1993 (Batman #465, 467-469, Robin II: The Joker is Wild #1-4, Robin III: Cry of the Huntress #1-6), Paperback 2016


Tim Drakes Bewährungsprobe geht weiter. Diesmal darf er Batman dabei helfen, einen Bandenkrieg aufzuhalten. Oder vielmehr: Er darf nicht. Denn nachdem ein Junge, der als Robin kostümiert wurde, tot aufgefunden wird, will Batman Tim raushalten, um ihn nicht zu gefährden. Dass er ihn auch dann jedes Mal gefährdet, wenn er mit ihm Verbrecher zusammenschlägt, scheint ihn sonst wenig zu kümmern. Egal. Hinter der Rachedrohung steckt der Schurke King Snake (Sir Edmund Dorrance), der in der ersten Robin-Miniserie (siehe Robin Vol. 1) in Hong Kong die Pest ausbrechen lassen wollte, aber von Robin und Shiva aufgehalten wurde. Eigentlich ist der Mann mit dem Schlanentattoo gestorben, hat sich aber von dieser kleinen Misslichkeit schnell wieder erholt. Jetzt führt er in Gotham die Ghost Dragons an.

Es wird mit großen Waffen geschossen. Am Ende ist auch Batman im Kreuzfeuer. Robin rettet ihn, weil er sich – ganz in der Tradition – dem Hausarrest wiedersetzt. Trotzdem gibt es Schelte. Batmans Leben retten hin oder her: Befehl ist Befehl.

Tim Drake trifft den Joker

Im zweiten Teil des Bandes, der zweiten Robin-Miniserie, tritt Tim gegen den Joker an – und zwar allein, weil Batman sich irgendwo auf der Südhalbkugel herumtreibt. Na ja, nicht ganz allein: Zum Glück hat er noch Alfred und Gordon. Der Joker büchst mal wieder aus Arkham aus, als er Besuch von seiner „Mutter“ bekommt und keiner der schwerbewaffneten Polizisten und Sicherheitsleute auf die Idee kommt, die Frau gründlich zu überprüfen oder wenigstens nachzuschauen, ob es sich um eine Frau handelt.

Dann entführt der Joker einen Computer-Spezialisten und lässt ihn mit einem Virus Chaos in Gotham verbreiten: Strom fällt aus, Beamte bekommen keinen Lohn. Seine Forderung: eine Milliarde Dollar, überbracht von Batman persönlich. Aber der ist bekanntlich nicht verfügbar, also muss sich Robin etwas einfallen lassen.

Eine vierteilige Joker-Story hört sich schon dem Namen nach wie das Herzstück dieses Bandes an, aber warum eigentlich? Doch nur wegen des Promi-Faktors. Der Joker ist hier der typische Chaosstifter, der schlechte Witze reißt. Sein Erstaunen darüber, dass Robin immer noch oder wieder lebt, nachdem er ihn umgebracht hat (Death in the Family), bleibt leider folgenlos. Und dann gibt es noch die üblichen Löcher im Plot, wenn der Joker etwa mit einem Schneepflug abhaut und Robin nicht einmal daran denkt, ihn zu verfolgen oder wenigstens von der Polizei verfolgen zu lassen – man müsste doch nur der Schneespur folgen.

Robin trifft Huntress

In der längsten Geschichte des Bandes, Robin III: Cry of the Huntress, trifft Robin auf – ihr ahnt es – Huntress. Gemeinsam kämpften sie gegen KGBeast und (schon wieder) King Snake. KGBeast arbeitet für eine Art russische Mafia, die Falschgeld drucken will – „Eurodollar“, was aber anscheinend nicht echte Eurodollars meint, sondern eher etwas wie den Euro – die Währung der Zukunft, angeblich die stabilste der Welt.

Das muss uns auch gar nicht sehr kümmern, denn das Wichtigste ist der emotionale Kern: Tim Drake wird auf das alles aufmerksam, als eine hübsche junge Frau in die Fänge der Bande gerät, ihr Vater getötet wird und dann auch (augenscheinlich) sie. Robin ist also dank der Liebe hochmotiviert, den Fall zu lösen. Ohne Batman. Dafür mit Huntress. Was Batman gar nicht gut fände, aber zum Glück hält Alfred dicht.

Und dann hat Robin noch Ärger in der Schule. Nicht nur, dass die ganzen Nachtschichten aufs Gemüt drücken, auch die Verletzungen geben Anlass zur Sorge. Eine Vertrauenslehrerin verdächtigt Bruce Wayne, Tim zu misshandeln. Vater Drake, der sich in seiner Rolle zurückgesetzt fühlt, will Tim wieder zurück auf ein Internat schicken – in Metropolis.

Huntress hat dagegen mit Sexismus zu kämpfen. Jedenfalls macht sie ständig feministische Bemerkungen, was unfreiwillig komisch wirkt, weil sie selbst in einem tief ausgeschnittenen Badeanzug herumläuft. Der praktische Nutzen der nackten Haut bleibt fraglich – besonders in der Kälte, die hier offenbar herrscht. Erst recht fragt man sich, wie sie es hinbekommt, dass ihr Umhang so weit von ihrem Schultern absteht – und wozu.

Und so bleibt auch der zweite Robin-Band zu Tim Drake ein solides Stück 90er-Jahre Nostalgie auf einem mittelmäßigem Niveau von leichter Unterhaltung.

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Batman bricht den Rekord

Batman and Robin Adventures Vol. 3

DC Comics

Titel: Batman and Robin Adventures Vol. 3

Autor/Zeichner: Ty Templeton, Hilary J. Bader, Kelley Puckett/Bo Hampton, Brandon Kruse, Joe Staton

Erschienen: 1997 (Batman and Robin Adventures #19-25, Annual #2), Paperback 2018


Wie viele Verbrecher schaffen Batman und Robin in einer Nacht? Bei der Polizei von Gotham schließt man Wetten ab. Bullock kommt zu spät, ihm bleibt nichts anderes mehr übrig, als auf 20 zu setzen. 20 böse Buben in einer Nacht? Unmöglich! Oder? – Solche pfiffigen Ideen machen nicht nur Batman: The Animated Series interessant, sondern auch die besten Ausgaben der Adventures-Comics. Mit dieser Story sind die Comics zur Abwechslung mal der Serie voraus.

Im letzten Band der Batman and Robin Adventures kommt auch Batgirl zum Zug. Allein darf sie mehrere Rätsel des Riddlers lösen und dabei ihren Vater befreien. Eine intelligente Story, die der sympathischen Heldin zu ihrem Recht verhilft. (Die Geschichte erschien auch auf deutsch in Batman & Superman Adventures #4, Dino Verlag.) Auch Huntress wird in diesem Band eingeführt, allerdings nicht so, dass man sie unbedingt wiedersehen will – die Figur bleibt ihrem Vorbild aus dem regulären Comics verhaftet.

Das dritte Highlight ist das Annual #2, in dem Batman mit Zatanna sich gegen einen Hypnotiseur helfen muss. Der lässt in Wayne Manor ein Amulett stehlen, das seine Kräfte verstärkt. Parallel dazu sehen wir in Rückblenden, wie Bruce als junger Mann dem Hypnotiseur begegnet ist, als er bei Zatara in die Lehre ging. Zwar erfindet die Geschichte das Rad nicht neu, aber allein die epische Breite, die hier eingeräumt wird, ist eine willkommene Abwechslung in dieser Sammlung von Kurzgeschichten.

Ansonsten bricht Two-Face wieder mal aus dem Knast aus, Killer Croc spielt Die Schöne und das Biest mit Summer Gleason und Poison Ivy hilft einem Jungen, der ein tödliches Gift absondert. Das ist mal mehr, mal weniger gelungen, und wenn man sich die Cover dazu ansieht, wünscht man sich, dass Ty Templeton die Geschichten selbst gezeichnet hätte.

Zum Schluss sinkt das Niveau leider enorm. 1997 kam der Film Men in Black in die Kinos und es jährte sich der angebliche „Roswell-UFO-Absturz“ zum 50. Mal. Da dachte man sich bei DC: Springen wir doch auf den Zug auf. Und so kam es auch – in der dämlichsten Form, die man sich vorstellen kann. Alle Klischees werden bedient und ins Absurde getrieben: Ra’s al Ghul wird von Aliens entführt, er übernimmt das UFO, entführt Batman, wirft ihn hinaus und will die Polkappen schmelzen. Batman überlebt und bekommt Besuch von zwei „Men in Black“. Es läse sich wie eine Parodie, wenn es denn wirklich lustig wäre. Aber das ist einfach nur Murks.

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Ballern auf Batman

DC Comics

Titel: Outlaws (dt. Hetzjagd)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Paul Gulacy

Erschienen: 2000 (Mini-Serie #1-3); dt. Panini 2002, Eaglemoss 2017 (DC Graphic Novel Collection)


„Er hat so viel Gutes getan. Aber hat Batman wirklich das Recht, wie ein Cop zu handeln?“ (Montoya)

Ein Politiker wird auf der Straße erschossen, Batman schnappt sich den Attentäter, aber schon bald ist klar, dass der Verdächtige nur ein Sündenbock ist. Gleichzeitig wird Batmans Medienpräsenz dazu genutzt, Stimmung gegen ihn zu machen. Eine Sondereinheit wird beauftragt, in Gotham auf Vigilantenjagd zu gehen. Und schon bald fliegen lautlos Hubschrauber durch die Skyline, die ohne Rücksicht auf Verluste wild herumballern. Nicht nur Batman ist gefährdet, auch Nightwing, Robin, Huntress und Batgirl. Commissioner Gordon hilft den Jägern nur widerwillig, denn er merkt, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht.

Als Outlaws herauskam, war Doug Moench schon seit 17 Jahren Batman-Autor. Er hatte unzählige Serienhefte, Elseworlds und andere Comics geschrieben, eigentlich war er schon kein regulärer Autor mehr. An dieser Mini-Serie merkt man, dass der Routinier Batman auserzählt hatte. Die Idee ist nicht neu, um nicht zu sagen ein alter Hut (vgl. Year One) und es leuchtet nicht ein, warum Batman plötzlich als Vigilant in Frage gestellt wird. Es gibt keinen ernstzunehmenden Anlass. Und auch keine erhellenden Antworten darauf. Obwohl hier die ganze Batman-Familie involviert ist, mutet die Story geschichtsvergessen an, als hätte Batman nicht bereits eintausendmal Gotham vor irgendwelchen Irren gerettet. Batman erscheint hier wie ein Mythos, der erst jetzt von den Medien entdeckt wird.

Story ist nicht alles, aber der Comic hat auch sonst nichts zu bieten außer Standard-Situationen, lahme Dialoge und die Zeichnungen von Paul Gulacy, bei denen mal Anatomie, mal Physiognomie steif und entgleist wirken. Ein Werk, das man lesen, aber sich ebenso gut sparen kann.

Im Dezember kommt das DC Rebirth Holiday Special

DC Comics

DC Comics

DC Comics hat für den 14. Dezember ein Weihnachtscomic angekündigt: das DC Rebirth Holiday Special. Auf 96 Seiten gibt es unter anderem eine Chanukkah-Krise für Huntress, eine Familienweihnachtsfeier mit Flash und Wonder Woman trifft auf Constantine. Paul Dini trägt eine Harley Quinn-Story bei, mit der alle Einzelgeschichten verknüpft werden sollen („in the weirdest way possible“). Die anderen Geschichten stammen von James Tynion IV, Steve Orlando, Vita Ayala, Cullen Bunn, Tim Seeley , James Asmus, Heath Corson, Gustavo Duarte, Dustin Nguyen und anderen.

Was der One-shot kosten soll, ist bislang nicht bekannt.

Helden aus der zweiten Reihe

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman/Superman: Game Over (dt. Monguls Todesspiel/Erstkontakt)

Autor/Zeichner: Greg Pak, Paul Levitz/Brett Booth, Jae Lee

Erschienen: 2014 (Batman/Superman #5-9, Annual #1, World’s Finest #20-21) (dt. 2014, Batman/Superman #2-3)


„… eine plausible Geschichte macht die Action doch viel interessanter.“

Offenbar reicht es nicht, einfach nur eine Batman-Superman-Geschichte zu erzählen. Jedenfalls trauen die Jungs von DC ihren Charakteren nicht mehr zu, zu zweit eine Geschichte zu tragen. Oder es fehlt den Autoren einfach an Fantasie. Liest man den zweiten Band von Batman/Superman an, macht das leider den Eindruck. Geboten werden – je nach Standpunkt – zwei bis drei Geschichten. Und in jeder müssen sich mehr Helden tummeln, als der Story gut tut. Das heißt: Eigentlich müssen sie die dünne Story kompensieren.

In der ersten werden die Helden zu Spielfiguren in einem realitätsübergreifenden Computer-Game. Der gelbhäutige Sterneneroberer Mongul hat erkannt, dass in der Spielernatur des Menschen auch das Potenzial von Strategen und Gewalttätern lauert. Also macht er sich diese zunutze und missbraucht die Gamer dieser Welt, um Batman gegen Superman antreten zu lassen. Das geht natürlich nur, weil der von irgendwelchen Nano-Bots gesteuert wird. So sehen wir die meiste Zeit einen rotäugigen Batman Superman verkloppen. (Unterhaltsamer ist es da schon Injustice auf der Playstation zu zocken.) Nervig wird die Geschichte, weil ständig irgendwelche Spieletester umherschwirren und blöde Kommentare zum Geschehen abgehen. Unglaubwürdig wird die Geschichte, wenn Batman mal fremd gesteuert wird und mal Herr über sich ist.

Das Querformat ist die beste Idee

Dabei fängt der Quatsch eigentlich vielversprechend an: mit einem Wortgefecht zwischen Batman und Superman. Beide sind Freunde und Verbündete obwohl sie grundverschieden sind und einander nicht mögen. Superman ist ein Hitzkopf, der erst handelt bevor er überlegt, Batman der grübelnde Miesepeter. In diesem Aufeinandertreffen zweier Welten liegt das eigentliche Potenzial der World’s Finest-Stories, aber die Autoren sind so unkreativ, dass sie ihre Geschichten lieber mit Firlefanz aufblasen. Dass die erste im Querformat angelegt ist, ist schon die beste aller Ideen.

Hanebüchen geht es weiter im Annual, wo die Geschichte fortgesetzt wird. Monguls Sohn bittet Superman und Batman, an einem Wettkampf teilzunehmen – sonst wird die Erde vernichtet. Dafür müssen die Helden mit jeweils zwei Tributen antreten. Batman holt Red Hood und Batgirl, Superman bringt Supergirl, Steel und den Superhund Krypto mit (warum hat diese Farce von einem Haustier den Reboot überlebt?). Also gut, wieder wilde Klopperei, um die Welt zu retten. Dass Red Hood und Batgirl dabei eigentlich nichts verloren haben, weil sie im Kampf gegen die Aliens zermalmt werden müssten, sei dahingestellt. Am Ende müssen die Helden gegeneinander antreten, also sich gegenseitig umbringen. Kommt uns das bekannt vor? Ja, genau: Die Tribute von Panem. Eine billige Anbiederung an den Zeitgeist …

Zickenfaktor

Die zweite große Geschichte ist ein Crossover zwischen Batman und Superman sowie Huntress und Power Girl, die übrigens den World’s Finest-Titel für ihre eigene Serie beanspruchen. Da die beiden von einer Parallelwelt, Erde 2, stammen, gibt es mal wieder eine Cross-World-Story. Huntress ist Batmans Tochter, Power Girl (die Frau mit der Kraft von Doppel-D) ist zu Hause eigentlich Supergirl, sodass eine gewisse Verwandtschaft zu den A-Helden besteht. Dennoch ist es unnötig, dass Huntress Batman ständig „Nicht-Dad“ nennt und sich Power Girl ständig von ihrem Mentor emanzipieren muss. Ebenso dürftig sind die häufigen inneren Monologe, die selten etwas Substanzielles zur Handlung beizutragen haben.

Kurz: Die weiblichen Leser wird das ausgewogene Verhältnis zwischen Männern und Frauen freuen, aber Heldinnen aus der zweiten Reihe machen eine lahme Geschichte nicht reicher – außer vielleicht um einen Zickenfaktor. Auf den können Batman und Superman aber gut verzichten. Es wäre zu wünschen, dass das Dream Team auch mal wieder ein Problem alleine lösen darf.

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