Helden aus der zweiten Reihe

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman/Superman: Game Over (dt. Monguls Todesspiel/Erstkontakt)

Autor/Zeichner: Greg Pak, Paul Levitz/Brett Booth, Jae Lee

Erschienen: 2014 (Batman/Superman #5-9, Annual #1, World’s Finest #20-21) (dt. 2014, Batman/Superman #2-3)


„… eine plausible Geschichte macht die Action doch viel interessanter.“

Offenbar reicht es nicht, einfach nur eine Batman-Superman-Geschichte zu erzählen. Jedenfalls trauen die Jungs von DC ihren Charakteren nicht mehr zu, zu zweit eine Geschichte zu tragen. Oder es fehlt den Autoren einfach an Fantasie. Liest man den zweiten Band von Batman/Superman an, macht das leider den Eindruck. Geboten werden – je nach Standpunkt – zwei bis drei Geschichten. Und in jeder müssen sich mehr Helden tummeln, als der Story gut tut. Das heißt: Eigentlich müssen sie die dünne Story kompensieren.

In der ersten werden die Helden zu Spielfiguren in einem realitätsübergreifenden Computer-Game. Der gelbhäutige Sterneneroberer Mongul hat erkannt, dass in der Spielernatur des Menschen auch das Potenzial von Strategen und Gewalttätern lauert. Also macht er sich diese zunutze und missbraucht die Gamer dieser Welt, um Batman gegen Superman antreten zu lassen. Das geht natürlich nur, weil der von irgendwelchen Nano-Bots gesteuert wird. So sehen wir die meiste Zeit einen rotäugigen Batman Superman verkloppen. (Unterhaltsamer ist es da schon Injustice auf der Playstation zu zocken.) Nervig wird die Geschichte, weil ständig irgendwelche Spieletester umherschwirren und blöde Kommentare zum Geschehen abgehen. Unglaubwürdig wird die Geschichte, wenn Batman mal fremd gesteuert wird und mal Herr über sich ist.

Das Querformat ist die beste Idee

Dabei fängt der Quatsch eigentlich vielversprechend an: mit einem Wortgefecht zwischen Batman und Superman. Beide sind Freunde und Verbündete obwohl sie grundverschieden sind und einander nicht mögen. Superman ist ein Hitzkopf, der erst handelt bevor er überlegt, Batman der grübelnde Miesepeter. In diesem Aufeinandertreffen zweier Welten liegt das eigentliche Potenzial der World’s Finest-Stories, aber die Autoren sind so unkreativ, dass sie ihre Geschichten lieber mit Firlefanz aufblasen. Dass die erste im Querformat angelegt ist, ist schon die beste aller Ideen.

Hanebüchen geht es weiter im Annual, wo die Geschichte fortgesetzt wird. Monguls Sohn bittet Superman und Batman, an einem Wettkampf teilzunehmen – sonst wird die Erde vernichtet. Dafür müssen die Helden mit jeweils zwei Tributen antreten. Batman holt Red Hood und Batgirl, Superman bringt Supergirl, Steel und den Superhund Krypto mit (warum hat diese Farce von einem Haustier den Reboot überlebt?). Also gut, wieder wilde Klopperei, um die Welt zu retten. Dass Red Hood und Batgirl dabei eigentlich nichts verloren haben, weil sie im Kampf gegen die Aliens zermalmt werden müssten, sei dahingestellt. Am Ende müssen die Helden gegeneinander antreten, also sich gegenseitig umbringen. Kommt uns das bekannt vor? Ja, genau: Die Tribute von Panem. Eine billige Anbiederung an den Zeitgeist …

Zickenfaktor

Die zweite große Geschichte ist ein Crossover zwischen Batman und Superman sowie Huntress und Power Girl, die übrigens den World’s Finest-Titel für ihre eigene Serie beanspruchen. Da die beiden von einer Parallelwelt, Erde 2, stammen, gibt es mal wieder eine Cross-World-Story. Huntress ist Batmans Tochter, Power Girl (die Frau mit der Kraft von Doppel-D) ist zu Hause eigentlich Supergirl, sodass eine gewisse Verwandtschaft zu den A-Helden besteht. Dennoch ist es unnötig, dass Huntress Batman ständig „Nicht-Dad“ nennt und sich Power Girl ständig von ihrem Mentor emanzipieren muss. Ebenso dürftig sind die häufigen inneren Monologe, die selten etwas Substanzielles zur Handlung beizutragen haben.

Kurz: Die weiblichen Leser wird das ausgewogene Verhältnis zwischen Männern und Frauen freuen, aber Heldinnen aus der zweiten Reihe machen eine lahme Geschichte nicht reicher – außer vielleicht um einen Zickenfaktor. Auf den können Batman und Superman aber gut verzichten. Es wäre zu wünschen, dass das Dream Team auch mal wieder ein Problem alleine lösen darf.

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