Dieser Film ist nichts für Zartbesaitete: Gleich in der ersten Szene von Knightfall metzelt Racheengel Azrael mit seinem Feuerschwert ein paar Menschenhändler brutal hin. Arme werden ausgerissen, Schädel gespalten. Batman taucht auf und verhindert das Schlimmste, es kommt zum Kampf. Am Ende bereut der Mann hinter der Maske, Jean-Paul Valley, seine Taten. Er kann nichts dafür: Er wurde indoktriniert und kämpft nun gegen seine Gehirnwäsche an. Das erfährt man allerdings erst später. Batman nimmt ihn zu sich in die Batcave, um ihm zu helfen. Doch Azrael verdient mehr als ein paar nachgeschobene Erklärungen – als Charakter bleibt er oberflächlich und als nichteingeweihter Zuschauer bleiben wohl viele Fragen offen.
Dafür bekommt Bane eine ausführliche Hintergrundstory (wie in Vengeance of Bane): Er wächst auf Santa Prisca im Gefängnis Pena Duro auf, um zusammen mit seiner Mutter für die Taten seines Vaters bestraft zu werden. Statt dass ihn – wie im Comic – Albträume von einer Fledermaus plagen, liest er in einem Magazin von den Taten Thomas Waynes, der für ihn zum Vorbild wird. Nach seiner Venom-Behandlung geht er nach Gotham, wo er sieht, wie die Stadt von Wayne verkommt. Gotham wird in seinen Augen von Schwächlingen bevölkert und er will ihr zu neuer Stärke nach eigenem Vorbild verhelfen. Denn Stärke ist für den abgehärteten wie abgestumpften Darwinisten Bane der einzige Wert. Deshalb will er Batman brechen, denn – so der Vorwurf – dieser habe Gotham schwach gemacht.
Daraufhin lässt Bane eine Bombe in Arkham explodieren, wodurch die Insassen fliehen. Batman verbringt schlaflose Tage und Nächte, um seine Erzschurken wieder einzufangen, darunter den Mad Hatter und einen mit Venom vollgepumpten Riddler. Batman gerät an die Grenzen seiner Kräfte und wird schließlich von Bane in der Batcave heimgesucht, zusammengeschlagen und gebrochen.
Der Schurke pumpt sich dafür unnötigerweise mit Venom voll und mutiert dabei zu einem Hulk-mäßigen Monster, ähnlich gigantisch wie bei Absolute Batman, aber vor allem ästhetisch näher dran an den Covern von Kelley Jones als an der menschlicheren Erscheinung in den Comics. Auch Batman sieht mit seinen langen spitzen Ohren und den Hörnern an den Schultern eher aus wie bei Jones als wie bei Jim Aparo. Bane ist im Film ein Einzeltäter. Seine Kumpels Zombie, Trogg und Bird werden ausgelassen – so wie sein Teddybär und viele andere Aspekte.
Und hier zeigt sich die Schwäche des Films. Obwohl das gesamte Knightfall-Epos, das in drei dicken Paperbacks oder in drei Omnibussen erscheint, auf drei Filme aufgeteilt ist, wirkt die Handlung oft abgehetzt und lässt zu wenig Raum für Entwicklungen. Hier zeigt sich, dass das Comicevent – trotz einiger Längen – tatsächlich wie ein großer Roman aufgebaut ist, sich Zeit lässt für Charakterisierungen und Nebenplots, die aber wichtig sind fürs Worldbuildung. Der Film konzentriert sich scheinbar aufs Wesentliche und lässt dabei das aus, was die Vorlage ausgemacht hat. Die größte Stärke besteht in den Schauwerten: Die Animation ist aufwendig, detailreich und ausdrucksstark, die Kampfszenen spektakulär inszeniert – auch mit Tendenz zum Reißerischen.
Bei solchen „werktreuen“ Verfilmungen stellt sich meist die Frage, für wen sie gemacht sind. Die Comickenner sind meist enttäuscht von den Kürzungen, die Nichtleser werden vielleicht motiviert, sich das Original vorzunehmen. Einen Mehrwert bietet diese Adaption jedenfalls nicht.
Die Fortsetzung Batman: Knightfall – Part 2: Knightquest soll noch in diesem Jahr folgen, Part 3: Knightsend im nächsten Jahr.

