Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Batman und Aquaman retten Gotham

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DC Comics

Titel: Batman & Aquaman: Last Jet To Gotham

Autor/Zeichner: Bob Haney/Jim Aparo

Erschienen: 1974 (The Brave and the Bold #114)


Batman und Gordon erwarten am Flughafen das Eintreffen eines bestimmten Flugzeugs. An Bord ist der flüchtige Mafioso Joe Angel. Seine Leute wollen verhindern, dass die Polizei ihn kriegt, damit er nicht gegen sie aussagen kann. Doch dann stürzt das Flugzeug ins Meer. Batman fliegt hinaus zur Absturzstelle und fragt seinen Kumpel Aquaman, ob der was weiß. Klar, sagt der, ich hab den Absturz selbst verursacht. – Keine weitere Erklärung.

Batman taucht ab, findet das Flugzeug intakt, die Passagiere an Bord atmen in einer großen Luftblase. Da greifen ihn zwei Taucher mit Messern an. Ein Orca hilft ihm. Batman will schon den Mafioso retten, da erscheint Aquaman, hält ihn davon ab und nimmt ihm auch noch das Atemgerät weg. Was zur Hölle ist denn mit dem los?

Drogenbarone mit Wasserstoffbombe

An Bord von Aquamans U-Boot erklärt Arthur: Das Flugzeug hat eine Wasserstoffbombe dabei, die hochgeht, sobald es in Gotham landet, also wenn ein bestimmter Luftdruck herrscht. Die Drogenbarone von Karatolia wollen den USA einen Denkzettel verpassen, damit die sich nicht mehr in ihre Angelegenheiten einmischen. Merke: 1971 hat Nixon den „war on drugs“ erklärt. Das nimmt man hier wohl wörtlich. Aber die Maßnahme erscheint doch etwas drastisch, da man sich immerhin einen großen Markt ruinieren dürfte (ganz abgesehen von der unvorstellbaren Vergeltung).

Wie dem auch sei: Die Navy holt das Flugzeug aus dem Wasser und zieht es Richtung Gotham – Batman und Aquaman versuchen zu verhindern, dass es sein Ziel erreicht, und gleichzeitig dafür sorgen, dass der Mafioso ankommt, denn der wird von seinen Leuten gejagt.

Na ja, was soll ich noch sagen? Am Ende gibt’s wieder einen Riesenkraken. Und einen Pottwal. Und alles geht gut. Auch wenn die Kiste mit der Bombe ständigem Wellengang ausgesetzt ist und eigentlich irgendwann hochgehen müsste. Tut sie aber nicht. Klugscheißermodus aus. Doch warum hat sich Aquaman so seltsam benommen? Egal. Batman ist am Ende voll des Lobes für seinen Fischfreund: „He’s … beautiful!“

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Doppelter Ärger für Batman und Green Arrow

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DC Comics

Titel: Batman & Green Arrow: The Senator’s Been Shot

Autor/Zeichner: Bob Haney/Neal Adams

Erschienen: 1969 (The Brave and the Bold #85), enthalten in: Batman by Neal Adams Book OneBatman in The Brave & the Bold: The Bronze Age Vol. 1


Wenn man über Comics spricht, geht es meistens um den Inhalt, die Story, selten um das Wie. Meist ist nur von Zeichenstilen die Rede, aber nicht davon, was Comics vor allem ausmacht, nämlich wie mit Bildern erzählt wird. Nun haben Comics – insbesondere Superheldencomics – bis in die 70er oder 80er nicht gerade den Ruf, formal bemerkenswert zu sein. Aber es gibt immer wieder Ausnahmen. Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

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„The Senator’s Been Shot“: Neal Adams zelebriert Comickunst auf drei Seiten. (DC Comics)

Auf den ersten zwei Seiten wird von einem Attentat auf einen Politiker erzählt. Wir wissen nicht, auf wen, wir kennen nicht die Umstände, sondern werden direkt in die Handlung geworfen. Fünf kleine Panels erzählen alles, was wir wissen müssen: Ein roter Lautsprecherwagen mit der Aufschrift VOTE fährt durch die Straße. Zwei gefaltete Hände eines Mannes im Anzug erheben sich zwischen Konfetti und Luftschlangen. Wir sehen die Lautsprecher aus der Nähe, dann die Mikrofone des Rednerpults, an die der Mann tritt, aber ohne sein Gesicht erkennen zu können, nur die Krawatte ist zu sehen. Dann ragt ein Gewehrlauf aus dem Wagen und schießt. Schließlich das große Panel: Bruce Wayne hält den angeschossenen Mann fest, der in die Knie sinkt und ruft „The senator’s been shot!“ – die Buchstaben sind rot und so riesig, dass sie nicht in die Sprechblase passen, denn sie bilden auch den Titel der Geschichte.

Das ist ein sehr dramatischer und auch ungewöhnlicher Beginn. Atemlos geht es auf Seite zwei weiter: Bruce Wayne stürzt die Treppen hinauf und zieht sein Jackett aus, das trapezförmige Panel zeichnet die nach oben verlaufende Schräge nach. Die vier darunterliegenden Panels sind alle verschieden polygon geformt – und zwar jeweils so, wie es für das Bild gerade nötig ist: Batman springt von oben in die Tiefe, unten sieht man den Lastwagen fahren. Batman schwingt sich drauf. Batman reißt die Lautsprecher vom Dach, dann wird er von einer Brücke oder einem Dach aufgehalten. Über den Lautsprecher hört er die Stimme des Senators, der verspricht, seine letzten Lebensjahre dem Kampf gegen das Verbrechen zu widmen. „What kind of vermin would shoot a man like that …“, fragt sich Batman. Doch die Antwort dürfte klar sein.

Zeichner Neal Adams liefert hier ein kleines Kunstwerk ab. Natürlich kann man sich fragen, warum Batman zunächst die Treppen eines Hochhauses erstürmt, statt sich in einer Gasse umzuziehen und von der Straße aus dem Wagen zu folgen. Doch visuell macht das alles Sinn: Damit er sich mit bauschendem Cape hinunterstürzen kann. Der Weg geht von unten nach oben, von oben nach unten und schließlich liegt Batman ganz am Boden – analog zu dem Senator im Krankenhausbett im nächsten Panel. Das ist ziemlich grandios gemacht.

Doppeltes Dilemma

Nach diesem furiosen Start ist die Geschichte dahinter fast schon egal. Aber auch die legt gut vor mit einem doppelten Dilemma: Bruce Wayne wird gebeten, Senator zu werden. Doch er lehnt ab, weil er denkt, als Batman nützlicher zu sein. Parallel will Oliver Queen als Green Arrow aufhören, um mit seinem Geld Gutes zu tun, hier etwa ein Bauprojekt zu realisieren – und zwar bevor ihm ein Gauner namens Miklos Minotaur zuvorkommt.

Doch kaum steigt er ins Green-Arrow-Kostüm, wirft ihm jemand eine Handgranate ins Büro. In dieser Sekunde schießt der Held den Granaten-wieder-zurückschieß-Pfeil ab und befördert das Ding wieder nach draußen – und wieder eine grandiose Seite mit kühnen Perspektiven, zersplitterten Panels und einer wahnsinnigen Dynamik. Wir schauen von oben, wie der Pfeil zum Fenster rausfliegt, wir sehen den Attentäter auf der Hebebühne nach unten fahren. Dann die Explosion in einem sich nach unten verjüngendem Panel – es wird eng für den Attentäter. Schließlich schaut Green Arrow ihm beim Weglaufen zu, ohne hinterherzurennen oder noch einen Gimmickpfeil zu verschießen. Aber die Hand in Nahaufnahme sieht einfach cool aus.

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Green Arrow in Action. (DC Comics)

Okay, genug der Tiefenanalyse. Danach wird es ohnehin vergleichsweise gewöhnlich. Bruce und Oliver verraten dem Sohn des Senators, Edmond, ihre Geheimidentitäten. Edmond wird entführt. Bruce lässt sich als Senator vereidigen, während Oliver als Green Arrow der Spur nach Europa folgt. (Jeder schlüpft also in die jeweils ungeliebte Rolle.) Dann: Kampf gegen wilde Tiere in einer Höhle, eine Fledermaus wird als Echolot missbraucht. Green Arrow verschießt einen Pfeil, der mehrfach abprallt wie eine Billardkugel und wir erfahren: „It goes with the costume!“ Und er hat natürlich Recht. Wir glauben diesen Unsinn und erwarten ihn sogar, weil sich das in Geschichten, in denen Helden sich wie Fledermäuse und Robin Hood verkleiden, so gehört.

Genauso wie brenzlige Situationen und Lösungen in letzter Sekunde. Batman düst nach Washington zur Abstimmung des wichtigen Gesetzes, um das sich alles dreht, zieht sich im Senat um gibt seine entscheidene Stimme als Bruce Wayne ab. – Habt ihr’s gemerkt? Wie die Verwandlung vom Anfang, nur umgekehrt. Damit schließt sich der Kreis.

Gut gemacht. Richtig gut.

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Das Lange Halloween geht in die Verlängerung

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DC Comics

Titel: Batman: The Long Halloween Special („Nightmares“)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 2021 (One-shot)


Lange Zeit gehörte Calendar Man (Julian Day) zu den schrägsten Schurken in Batmans Kuriositätenkabinett. Im Laufe der Zeit nahm er verschiedene Formen an, je nach seinem Schema: Jahreszeiten, Wochentage, Feiertage. Als im Klassiker The Long Halloween von Jeph Loeb und Tim Sale der Holiday-Killer ebenfalls an Feiertagen mordet, ist der Calendar Man unschuldig, da er in Arkham einsitzt.

Batman und Gordon suchen ihn auf, um ihnen bei dem Fall zu helfen – ähnlich wie bei Hannibal Lecter. Ähnlich gruselig ist seine neue Erscheinung: ein dicker, kahler Mann in einem langen weißen Kittel, der Boden seiner gläsernen Zelle voller Kalenderblätter. Seine Antworten fallen ähnlich kryptisch aus: Mal spricht er von einer Sie, mal von einem Er als Mörder. Dann zählt er eine Reihe von Feiertagen auf – in Vorausahnung, was noch kommen mag. In der Fortsetzung Dark Victory rächt er sich an Alberto Falcone aus Eitelkeit: „The Calendar Man is being forgotten. And that is unacceptable.“ Dabei wird er dann selbst fast umgebracht.

Calendar Man rekrutiert Two-Face

25 Jahre nach dem Beginn von The Long Halloween haben Loeb und Sale eine weitere Fortsetzung gemacht – und diesmal steht der Calendar Man im Vordergrund. Er hat eine Bande von Jüngern nach seinem Bilde geschaffen, die Einbrüche für ihn begehen. Jeder hat einen anderen Monat auf den Kopf geschrieben. Sie versammeln sich in einer Kirche, wo sie den Kalender verehren. Und sie stehlen Edelsteine – denn jeder steht für einen Monat.

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Kalender-Kult: Calendar Man in seiner Kirche (DC Comics)

Dann entführt der Calendar Man Gilda Dent, Ehefrau von Harvey Dent alias Two-Face. Er will, dass sich Two-Face ihm anschließt und die Doppelrolle von Mai und Juni übernimmt (zwei Handlanger, die er vorher erschossen hat). Tatsächlich ist der Schurke immer noch sauer, dass ihm jemand seine Masche gestohlen hat. Two-Face bittet dann Batman um Hilfe.

Die traurige Geschichte des Julian Day

Nach wenigen Seiten ist dieser Spaß vorbei. Ist das alles unsere Aufmerksamkeit (und unser Geld) wert? Ja und Nein. Fans der Vorgeschichten werden sich am bloßen Wiedererkennungswert erfreuen: Tim Sale erzählt das Ganze in bester Noir-Atmosphäre, als wären nicht zwei Jahrzehnte vergangen. Er ist immer noch ein bildgewaltiger Meister. Als Schauwert sehen wir ein halb zerschlagenes Bat-Signal, das entgegen jeder Physik nur auf einer Seite leuchtet (überpinseln wäre besser gewesen) und als Highlight: Robin und Batgirl gehen zum Trick-or-Treat an Halloween (obwohl es da noch kein Batgirl gibt, aber egal).

Darüber hinaus enttäuscht das allzu schnell und einfach erledigte Finale. Nach der langen Einführung hätte man sich dafür mehr Zeit lassen können. Immerhin bekommt Julian Day ein wenig Hintergrundgeschichte: Er war ein Waisenkind, das ohne Geburtstage oder Feiertage aufwachsen musste – daher der Nachholbedarf. „There were times I didn’t even know what day it was. Until I found crime. Then every day could be a holiday.“

Batmans empathische Antwort darauf: Prügel. Viele Prügel. So viele, dass die Handschuhe vor Blut nur so triefen. Moral: Eine schlimme Kindheit gibt einem nicht das Recht zu morden. Aber gibt es ihm das Recht, einen Mörder so schwer zu misshandeln? Diese Frage stellt leider niemand. Am Ende interessiert sich Batman mehr für die Dents. Er kennt jetzt ihr verstörendes Geheimnis.

Mehr von Jeph Loeb und Tim Sale:


 

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Batman bringt Aquaman zur Vernunft

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DC Comics

Titel: Batman & Aquaman: The Sleepwalker From the Sea

Autor/Zeichner: Bob Haney/Neal Adams

Erschienen: 1969 (The Brave and the Bold #82), enthalten in: Batman by Neal Adams Book OneBatman in The Brave & the Bold: The Bronze Age Vol. 1


Als Batman gerade einen Raubmord am Hafen verhindern will, kommt ihm Aquaman in die Quere. Batman wird angeschossen, landet im Wasser, Fische retten ihm das Leben. Batman vermutet, dass Marius Enterprises hinter all dem steckt, und ermittelt als Bruce Wayne. Dann entdeckt er bei einem Date: Seine neue Flamme Ailsa steckt da mit drin. Als er sie zur Rede stellen will, wirft sie ihn von der Dachterrasse. Zum Glück ist er Batman.

Der langen Vorrede kurzer Sinn: Hinter all dem verbirgt sich der Erzschurke Ocean Master, Orm Marius – Aquamans böser Halbbruder. Er will eine „New Marine City“ erbauen (oder hat es offenbar schon getan?), aber die dient nur als Vorwand für einen Raubzug. Außerdem hat er einen Weg gefunden, Aquaman zu kontrollieren. Zuerst hat er ihn glauben gemacht, Aquaman sei ein Mörder. Nun ist der Held ein willenloser Zombie.

Batman und Commissioner Gordon bringen ihn wieder zur Vernunft, indem sie ihm die Erscheinung seiner Frau Mera und seines Mordopfers vortäuschen. Dann überzeugen sie ihn davon, er habe niemanden umgebracht. Gemeinsam ziehen die Helden dann los, um Ocean Master aufzuhalten – und landen sofort im Haifisch- und Riesenkrakenbecken. Aquaman hält die Viecher davon ab, Batman zu fressen, dann zerschießt die Polizei das Aquarium und der Schurke macht sich in seinem U-Boot von dannen. Aquaman springt hinterher ins Wasser.

Gordon ist sauer, weil er den Schurken nicht gekriegt hat. Aber Aquaman hat darauf bestanden, seinem Bruder nichts anzutun. Nun soll Orm von seinen eigenen Leuten gerichtet werden. Ach ja, dafür will Komplizin Ailsa lieber in den Knast, als einen Deal einzugehen. Batman haut wütend ab. Schon wieder eine Liebe geplatzt.

>> Batman in The Brave and the Bold


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Indianer-Crashkurs mit Batman und Green Arrow

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DC Comics

Titel: Batman and the Green Arrow: Wrath of the Thunderbird

Autor/Zeichner: Bob Haney/George Papp

Erschienen: 1967 (The Brave and the Bold #71)


Das erste Treffen von Batman und Green Arrow in der Serie The Brave and the Bold ist deshalb bemerkenswert, weil die beiden nicht zusammenkommen, um gegen einen gemeinsamen Schurken kämpfen, sondern um jemandem zu helfen: Der Native American („Indianer“) John Whitebird soll sich mit Tom Tallwolf um den Posten als Stammeshäuptling in einem Wettkampf messen. Doch Whitebird ist eigentlich Unternehmer in Gotham und hat von Reiten und Bogenschießen keine Ahnung. Und Tallwolf den Posten zu überlassen, ist keine Option, denn der (ebenfalls Unternehmer) ist skrupellos. Also helfen ihm Batman und Green Arrow (die wieder mal nichts besseres zu tun zu haben scheinen) beim Training.

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Batman trainiert mit Whitebird. (DC Comics)

Das klingt nach einer harmlosen Geschichte. War sie damals auch. Aber aus heutiger Sicht hat sie ein Geschmäckle, nicht nur weil Wörter wie „redskin“ (Rothaut) fallen, sondern weil hier zwei „Weiße“ einem offenbar gut in die Mehrheitsgesellschaft integrierten Native American zeigen, wie man sich als waschechter „Indianer“ benimmt – samt allen Klischees, die man aus Western kennt.

Der Wettkampf findet in einer Arena mit vielen Zuschauern statt. Viele, auch die Bewerber, tragen Federn am Kopf. Doch der Kampf ist manipuliert. Tallwolf hat mit dem namenlosen (weißen) „Promoter“ einen Deal gemacht, um sicherzugehen, dass er gewinnt. Also wird Whitebird beim Reiten geblendet und später beim Bogenschießen um seinen Sieg gebracht, was Batman und Green Arrow herausfinden.

Der Promoter will als Lohn die Macht über den Thunderbird, einen riesigen, geierartigen Vogel, der einst den Vorfahren der Natives gedient haben soll. Tallwolf beschwört den Vogel herauf und der greift sie an. Green Arrow hilft mit Fallschirmpfeilen, Rauchpfeilen, Bolapfeilen, Elektropfeilen – so rettet er Batman aus den Klauen des Vogels.

Moral? „You can’t trust pale-faces!“, sagt Tallwolf. Whitebird korrigiert ihn: Batman und Green Arrow seien zwei Bleichgesichter, denen jeder trauen könne. Dabei ist Tallwolf selbst nicht ohne gewesen.

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Machtübergabe im Tipidorf: Tallwolf und Whitebird. (DC Comics)

Am Ende überlässt der geläuterte Tallwolf seinem Konkurrenten Whitebird den Stammesvorsitz. Die Szene findet – äußerst realitätsfremd – in einem Tipidorf statt. „Follow his wise counsel to a new and better life — in the new world that awaits us!“, sagt Tallwolf, als er Whitebird seine Federkrone aufsetzt. Was er mit „neuer Welt“ meint, bleibt offen. Eine „Neue Welt“ ist Amerika höchstens für die Weißen (gewesen). Immerhin deutet sich in der Aussicht auf ein besseres Leben an, dass das Leben der Natives derzeit nicht sehr rosig ist.

Die Story findet sich nicht im ersten Omnibus-Band von The Brave and the Bold (wie auch die ersten sechs Batman-Team-ups davor), der versammelt erst die darauffolgenden, was viele Fans ärgert (auch mich), weil dadurch eine Lücke in der Sammlung klafft. DC rechtfertigt das damit, dass erst mit Ausgabe #74 das Bronze Age begann (eine zweifelhafte und willkürliche Festlegung). Ein Grund könnte auch sein, dass man sich die Peinlichkeit ersparen wollte, diese unzeitgemäße Geschichte neu abzudrucken.

Ähnlich war es bereits, als man Detective Comics #1 in der 80-Jahre-Anthologie aussparte (mutmaßlich wegen rassistischer Darstellung von Asiaten). Dabei steht in all den Golden-Age-Omnibussen der Hinweis, dass es sich um historisches Material handelt.

Im Vergleich zu den „Indianer“-Batman-Storys der 50er ist diese hier immerhin gut gemeint. Nur wenige Jahre später wird sich Green Arrow zusammen mit Green Lantern davon überzeugen, welche Probleme Native Americans wirklich haben.

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Green Arrow: Eine hochkarätige Besetzung

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DC Comics

Titel: Doom of the Star Diamond

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Mike Sekowsky

Erschienen: 1961 (Justice League of America #4)


20 Jahre nach Green Arrows Debüt wurde er in die Justice League of America aufgenommen, als erstes Mitglied nach der klassischen Stammbesetzung. Doch bevor es dazu kommt, gibt es erst mal vier Seiten Prolog – und bevor der neue Held auftaucht insgesamt 20 Seiten Handlung.

Daran zeigt sich auch der Grund, weshalb ich früh aufgegeben habe, die ersten Abenteuer der JLA zu lesen: zu viel Gedöns. Ich versuche, es mal knapp zusammenzufassen: Der außerirdische Rebell Carthan wird vom bösen Diktator Xandor auf die Erde verbannt, um ihn von einer Rebellion abzuhalten. (Töten ist keine Option, da Carthan unverwundbar ist.) Damit dieser nicht abhaut, bringt Xandor drei goldene Kisten auf die Erde, die den Helden erblinden lassen, wenn er die Flucht ergreift. Wenn er aber doch flieht und vorher die Metalldecken von den Kisten nimmt, zerstören sie alles Leben auf der Erde.

Nur noch kurz die Welt retten

Ok, da war jetzt doch etwas viel Exposition nötig. Erinnert euch das an etwas? Drei Kisten, die die Welt bedrohen? Ja, genau: In Zack Snyders Justice League ist es ähnlich. Aber zurück zur Handlung. Carthan überlegt sich folgenden genialen Plan: Er lässt es drauf ankommen, enthüllt die Kisten und tut so, als würde er ein Schurke sein. Dann soll die JLA die Dinger für ihn ausschalten. Einfach mal nett fragen ist anscheinend keine Option.

Aber die JLA hat ohnehin nichts Besseres zu tun, denn sie ist gerade damit beschäftigt, neue Mitglieder zu akquirieren. Adam Strange? Hawkman? Green Arrow? Da fliegt ein weißer Pfeil herein mit der Botschaft: Carthan hält Green Arrow gefangen. Die JLA muss die drei Bomben entschärfen, bevor sie Unheil anrichten. Also teilt sich das Team auf und rettet die Welt vor Rieseninsekten, Riesenvögeln, Riesenkatzen und anderen Riesenmonstern. Australien wird vor dem Untergang bewahrt.

Befreiung per Diamantpfeil

Derweil suchen Batman und Superman das Raumschiff des Schurken und finden darin Green Arrow, befreien ihn aus einem Gefängnis aus tödlichen Strahlen. Als die anderen hinzukommen, nimmt Carthan sie in einem großen Diamanten gefangen. Warum? Um Zeit zu gewinnen und sich zu erkären. Leider geht das in die Hose: Die Maschine geht kaputt und die JLA ist gefangen. Niemand kann den Diamanten zerstören, außer Green Arrow, der zufällig einen Pfeil mit Diamantspitze dabei hat. (Und wie gut, dass er so reich ist, sich einen solchen leisten zu können.) Carthan zeigt ihm sogar, wo der wunde Punkt liegt.

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Zwei Panels später ist der Schütze Mitglied, obwohl er nichts gemacht hat, außer einen Pfeil abzuschießen. Warum wurde Green Arrow überhaupt entführt? Egal. Und was Carthan angeht: Alle zeigen hinterher Verständnis für seinen bescheuerten Plan, der Milliarden von Menschenleben gefährdet hat. Man will ihm sogar gegen Xandor helfen. Doch er lehnt ab und kümmert sich lieber selbst.

>> Justice-League-Comics


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80 Jahre Green Arrow und Aquaman

DC Comics

Im Jahr 1941 kam nicht nur Wonder Woman in die Welt, sondern auch zwei weitere DC-Helden: Green Arrow und Aquaman – und zwar zeitgleich in More Fun Comics #73 (November 1941). Die Serie startete bereits 1935 als New Fun Comics – und war damit die erste, die der Verlag herausbrachte. Es handelte sich um eine Anthologieserie, die mehrere Geschichten verschiedener Figuren enthielt. Damit orientierte sie sich an Famous Funnies von 1934, dem ersten echten Comicheft, mit dem Unterschied, dass New Fun als erstes Comicheft ausschließlich Originalmaterial enthielt.

Mit Ausgabe 7 wurde More Fun daraus, mit Ausgabe 9 More Fun Comics. In der Serie debütierten Figuren wie Doctor Occult, The Spectre (beide von Superman-Schöpfer Jerry Siegel) und Doctor Fate. Schließlich erfand Redakteur Mort Weisinger Green Arrow und Aquaman. Auf dem Cover ist allerdings von beiden nicht die Rede, das gehört nur der etablierten Figur Doctor Fate.

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Green Arrows erster Auftritt in More Fun Comics #73 (DC Comics)

Green Arrow ist von Anfang an als Batman-Kopie angelegt: Oliver Queen ist ein Millionär, der in einem Apartment mit einem Jungen zusammenlebt (Roy Harper). Gemeinsam erleben sie Abenteuer als Green Arrow und Speedy. Die Ähnlichkeit zu Robin Hood ist offensichtlich, was besonders interessant ist, da Batmans Robin auch bereits an die Figur angelehnt ist und ebenfalls die Farben grün, gelb und rot im Kostüm vereint.

Die beiden fahren im Arrowplane, einem unfassbar klobigem gelben Auto und arbeiten mit Gadgets, die in ihren Pfeilen stecken. Anfangs sind es noch normale Pfeile, aber damit machen sie so ziemlich alles: ein Seil über einem Abgrund spannen, einen Gegner an einer Wand festnageln und eine Trittleiter bilden.

In ihrem ersten Abenteuer sind die beiden Helden bereits fest etabliert, wie sie entstanden sind, erfährt man noch nicht. Green Arrow und Speedy jagen einen Serienmörder, der mit seinem breiten Hut, seinem lila Cape und seiner Maske an The Shadow erinnert. Er tötet Mitglieder eines Herrenclubs wie die Berühmtheiten, deren Namen sie tragen: Ein Lincoln wird erschossen, ein Caesar erstochen etc.

Gleich zu Beginn, wenn Green Arrow am Herrenclub ankommt, benutzt er nicht etwa die Treppe, sondern lässt sich per Schleudersitz nach oben befördern und springt durch die Fensterscheibe – ebenfalls eine Anleihe bei Batman, allerdings völlig sinnloser Vandalismus. Später zertrümmert er eine weitere Scheibe mit seinem Schuh, um sich und Speedy vor einer Gasvergiftung zu retten. Außerdem verkleidet er sich, um sich undercover in der Bande des Mörders einzuschleusen – das geht allerdings gründlich schief.

Wie es sich für einen Superhelden gehört, tötet Green Arrow mit seinen Pfeilen nicht. Jedenfalls nicht direkt. Zum Schluss schießt er nur auf einen Fluchtwagen und lässt den Fahrer dann in den Tod stürzen. Reue? Null. Stattdessen legt er sich eine Trophäe in den Schrank – was ebenfalls von Batman inspiriert ist. Nach acht Seiten ist das Debüt beendet.

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Aquamans erster Auftritt in More Fun Comics #73 (DC Comics)

Aquaman hingegen bekommt zwar einen Origin, aber der umfasst gerade einmal vier Panels und weist etliche Lücken auf. Aquamans Vater war ein berühmter Unterwasserforscher. Sein Name würde uns bestimmt was sagen, wenn Aquaman ihn ausspräche – macht er aber nicht. Die Mutter ist früh gestorben. Der Vater entdeckte die Ruinen von Atlantis, quartierte sich in der Tiefsee ein, lernte die Geheimnisse der untergegangenen Zivilisation kennen und brachte seinem Sohn bei, wie er ohne Tauchausrüstung dort überlebt. Warum der Vater davon selbst keinen Gebrauch macht, bleibt ein Rätsel.

In dem ersten Abenteuer („The Submarine Strikes“) legt sich Aquaman mit einem U-Boot voller Nazis an, die auf Zivilisten schießen. Der Held rettet die Opfer mit einer Herde Delfine, versenkt das U-Boot und schaltet die Nazis aus. Will heißen: Er jagt sie mit ihrer eigenen Granate in die Luft. Und zwar buchstäblich: Einen der Nazis sieht man wegfliegen. Spätestens den Sturz dürfte er kaum überlebt haben – doch wer will schon so genau hinsehen. Immerhin ist er ein Nazi und hat den Tod verdient.

In den 40ern teilten sich Green Arrow und Aquaman das Heft More Fun Comics, ab 1946 Adventure Comics, wobei nur Green Arrow es auf die Cover schaffte. Später trafen sie in der Justice League zusammen – zusammen mit Superman, Batman, Wonder Woman, Flash, Green Lantern und Martian Manhunter.

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Comics zum 80-jährigen Jubiläum von Aquaman und Green Arrow (DC Comics)

Beide Helden überdauerten das Golden Age, jedoch nur in Begleitgeschichten (Back-up-Storys). Erst spät bekamen sie ihre eignen Serien: Aquaman 1962, Green Arrow erst 1983 (Miniserie) bzw. 1988 (fortlaufend). Der Grüne blieb aber mit 139 Ausgaben der erfolgreichere, während Aquaman immer wieder neu begonnen und wieder eingestellt wurde. Gerade in den letzten Jahrzehnten bekam der Schütze immer wieder interessante Storys von fähigen Autoren und Zeichnern.

Doch das Verhältnis könnte sich ändern: Nach dem Aus der Arrow-TV-Serie (2020) steht Aquaman dank des Erfolg des Kinofilms hoch im Kurs. Derzeit gibt es nur eine Aquaman-Comic-Serie auf dem Markt, aber keine Green-Arrow-Serie. Dafür ist aber im Oktober eine siebenteilige Miniserie mit beiden Helden gestartet: Aquaman/Green Arrow – Deep Target. Angesichts der Ursprünge ist das nur konsequent.

Übrigens: Eine Originalausgabe von More Fun Comics #73 wurde im Frühling für 111.000 US-Dollar versteigert – mehr als je zuvor für eine Ausgabe dieses Heftes.

Mehr über Green Arrow:


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Batman im Reich der Untoten

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Gotham County Line #1-3 (DC Comics)

Titel: Batman: Gotham County Line

Autor/Zeichner: Steve Niles/Scott Hampton

Erschienen: 2005 (Miniserie #1-3)


„Dead is dead. Isn’t it?“ (Batman)

Nach einem Kampf mit dem Joker fragt sich Batman, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Eine faktenbasierte Recherche bringt ihn nicht weiter, doch dann bekommt er einen Fall, in dem er praktische Erfahrung sammeln kann. James Gordon schickt Batman nach Gotham County. Normalerweise meidet Batman die Vorstadt (wahrscheinlich weil es dort keine Hochhäuser und Wasserspeier gibt), aber der Fall lässt ihn eine Ausnahme machen.

Ein Serienmörder tötet Familien und schneidet den Opfern die Augen heraus. Kaum hat Batman mit seiner Detektivarbeit begonnen, bekommt er es mit dem Mörder zu tun, wird im Nahkampf ausgeknockt und später sogar angeschossen. Er findet heraus, dass es ein Polizist namens Radmuller ist. Doch als er ihn fassen will, hat der Mörder seinen Selbstmord so inszeniert, dass Batman für den Tod mitverantwortlich ist. Und dann wird es noch wilder: Radmuller steht von den Toten auf – und er ist nicht der einzige.

Was folgt, ist eine Reise in eine seltsame Welt, nicht Jenseits, nicht Traum, aber irgendeine andere Form von Realität, in der Batman auf Scharen von Untoten trifft – eine Art Fluch, verursacht vom Mörder. Zwischendurch erklärt noch Deadman die Handlung und Phantom Stranger darf bei so einer Horror-Story ebenso wenig fehlen wie ein toter Robin und die Eltern von Bruce Wayne.

Steve Niles (Gotham After Midnight) erzählt eine sehr düstere Horrorstory mit einigen Schockmomenten und seitenlangen Prügeleien gegen Zombies und am Ende steht die tröstende Erkenntnis, dass es irgendeine Form von Dasein nach dem Tod gibt und man auch auf eine Art von Gerechtigkeit für Mordopfer hoffen kann. Zeichner Scott Hampton (Night Cries) hat einen etwas sperrigen Stil, der mit starken Schatten und unruhigen Strichen eine beklemmende Atmosphäre schafft – zumindest wenn man Batman nicht mit Jetpack durch die Luft düsen sieht, das nimmt dem Dunklen Ritter, der bekannt dafür ist, aus dem Nichts aufzutauchen und darin zu verschwinden, seine mystische Aura.

>> Batman 2000-2011


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Catwoman grillt Batman

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Catwoman (Julie Newmar) mit Katzenbetäubungspistolen.

Titel: Hot Off the Griddle/The Cat and the Fiddle (dt. Frisch vom Grill)

Drehbuch: Stanley Ralph Ross

Erschienen: 1966 (Batman S02E03-04)


Ein Katalog wird gestohlen. Dann ein Modell eines Katamarans. Schließlich drei Fäustlinge. Catalog, catamaran und „mittens from three kittens“ – dahinter kann nur eine stecken: Catwoman! Denn das einzige Gesetz, an das sich Gesetzlose in Gotham halten, ist, dass jedes Verbrechen zum Thema ihres Kostüms passen muss. Doch der ganze Aufwand ist nur die Vorstufe zu einem weitaus größeren Plan.

Wie der aussieht? Batman und Robin haben keine Ahnung. Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Sie locken Catwoman in eine Falle. Oder versuchen es wenigstens. Sie lassen einen Klatschreporter eine falsche Fährte in seiner nächten Kolumne einbauen und vertrauen darauf, dass Catwoman diese auch liest. Aber das muss sie gar nicht, denn der Reporter (der in der Telefonzelle einer Drogerie arbeitet) warnt Catwoman über sein „gossip phone“, sodass sie vorbereitet zum Tatort im Museum eintrifft. Batman und Robin werden mit Gift betäubt und aus dem Fenster geworfen. Zum Glück ist aber unten ein Netz gespannt.

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Tante Harriet tanzt den „Catuzzi“.

Auf die nächste Spur bringt die beiden planlosen Helden Tante Harriet. Die alte Dame tanzt nämlich den Catuzzi, den neuesten Modetanz, der zu einer Art Katzenmusik gespielt wird. Der Batusi hat offenbar ausgedient. Jetzt heißt es, Krallen zeigen. Tante Harriet weiß auch, dass der Trend aus dem Lokal „The Pink Sandbox“ stammt. Kein Wunder, dass die beiden Spießer noch nie was davon gehört haben. Wer würde schon freiwillig in einen Laden gehen, der sich Katzenklo nennt?

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Tanzen im Katzenklo: The Pink Sandbox.

Dort sind alle passend gekleidet, von der Go-Go-Tänzerin bis hin zur Kellnerin. Auf der Speisekarte stehen: „Catburgers with catsup, Chicken Cat-atore, and various cuts of meat from choice Kansas City cattle.“ Hier wurde offenbar wieder mal das Wörterbuch geplündert.

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Die Qual der Wahl: Batman und Robin mit Katzenmenü.

Batman und Robin landen dann selbst in der Pfanne – und zwar buchstäblich. Zuerst werden sie in einen Raum gesperrt, dessen Boden so heiß wird, dass man Spiegeleier drauf braten kann (was Catwoman auch demonstriert). Dann landen sie auf zwei Grillrosten auf dem Dach, wo riesige Brenngläser über ihnen angebracht werden. Wozu der Aufwand? Um diesen literarischen Witz zu machen: „bat on a hot tin roof“.

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Auf der Speisekarte: Fledermaus auf dem heißen Blechdach.

Findet Batman gar nicht lustig. Aber für Humor war er ohnehin noch nie bekannt, wie Catwoman ernüchtert feststellt. Fragt sich nur, was sie dann an dem Langweiler findet. Wie dem auch sei: Zum Glück findet just in dem Moment eine Sonnenfinsternis statt, die den beiden Helden Zeit verschafft, sich zu befreien.

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Volle Kraft voraus: Batjets schießen Batman in die Höhe.

Beim Finale in einem Hochhaus kommt eine Rakete zum Einsatz, mit der Batman einen defekten Fahrstuhl wieder in Betrieb nehmen kann. Dort oben hat Catwoman eine Rakete für die Flucht bereit, die aber nicht starten will, während sich die anderen prügeln. Am Ende rettet Batman ihr das Leben mit dem Bat-Seil und stürzt dabei selbst fast ab. Doch dann kann Robin sie gemeinsam wieder hochziehen. Kräfte wie Superman muss dieser schmächtige Wunderknabe haben.

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Catwomans Fluchtrakete.

Apropos: Tatsächlich findet sich in dieser Folge eine Anspielung auf den Mann aus Stahl. Als die Polizei von der Straße aus Catwomans Bande auf dem Hochhaus sieht, fragt Chief O’Hara: „Are they birds?“Und Gordon fragt: „Are they planes?“ – „No“, sagt Batman. „They’re cat burglars!“ Schade, dass Superman es nie persönlich in die Serie geschafft hat.

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Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, nur Einbrecher.

Außerdem lernen wir zweierlei. Erstens: Nie direkt in die Sonne schauen. Und zweitens erfahren wir etwas über englische Grammatik: „You can’t get away from Batman that easy!“, sagt Robin. – „Easily“, korrigiert Batman. „Good grammar is essential.“

Wunderbar.

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Wonder Woman beendet das Patriarchat

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DC Comics

Titel: Wonder Woman Earth One Vol. 1-3 (dt. Erde Eins)

Autor/Zeichner: Grant Morrion/Yanick Paquette

Erschienen: 2016/2018/2021 , dt. Panini 2016-2021


Hippolyta, die Königin der Amazonen, kniet gefesselt in Dreck, mitten unter Schweinen, über ihr lacht der Mannn im Löwenmantel: „To heel, bitch of Hercules!“ Die anderen Amazonen sind gefangen, versklavt von seinen Männern. Doch dann nimmt Hippolyta den Zaubergürtel wieder an sich, erdrosselt Herkules und befreit sich und ihre Schwestern von der Knechtschaft durch die Männer.

So beginnt die Geschichte von Wonder Woman auf Earth One von Grant Morrison. In ähnlicher Form ist sie seit 80 Jahren bekannt (siehe All-Star Comics #8, 1941), aber so wurde sie noch nie erzählt: drastisch, aber auch ausdrucksstark  und eingebettet in Bruchstücke antiker Malerei: Zeichner Yanick Paquette legt sich mächtig ins Zeug und ihm gelingt ein wahrer Hingucker auf jeder Seite. Nach dem Prolog ist Paradise Island 3000 Jahre später eine Pracht, idyllisch gelegen, klassizistisch bebaut und hochtechnisiert mit Fluggleitern und Heilungsstrahlen.

Zurück zu den Ursprüngen

Hier wird Prinzessin Diana in Ketten vorgeführt und angeklagt, weil sie sich mit der Welt der Männer eingelassen hat. Sie brachte den abgestürzten Piloten Steve Trevor zurück in seine Heimat und offenbarte so die Existenz der Amazonen. Anders als in der Urfassung der Geschichte von William Moulton Marston nimmt Diana nicht am Wettkampf teil, um auszulosen, wer Trevor nach Hause bringen soll. Dennoch tritt sie als Rebellin auf, die nach eigenem Kopf und Gewissen handelt. Sie hinterfragt ihr Erbe als Prinzessin. Anspielend auf ihre Entstehung aus Lehm sieht sie sich als Dreck, der sich nur einbildet, am Leben zu sein. Sie provoziert, indem sie sich für den Wettkampf den Löwenkopf des Herkules aufsetzt – die Maske des Unterdrückers. Zum Schluss stellt sich heraus, dass sie die Tochter des Herkules ist, eine Waffe Hippolytas gegen die Welt der Männer.

Wonder Woman: Earth One erzählt damit die altbekannte Geschichte in einer verblüffend frischen Variation, ohne die vertrauten Elemente und Figuren aufzugeben, betont aber vor allem die Ursprünge der Figur wie die Fesselspiele und die dazugehörige Unterwerfung unter eine liebende Autorität („submission in loving authority“). Im Unterschied zu ihrer klassischen Corsage trägt Diana hier ein Korsett sowie geschnürte Stiefel. Steve Trevor legt sie ein Hundehalsband um.

Ende des Patriarchats

Das zentrale Thema ist hier der Feminismus, der sich von einer unterdrückenden Welt der Männer abgrenzt. Von Anfang an wird Wonder Woman angefeindet und vom Milität für eine Bedrohung gehalten. Diana will die Welt vor dem Übel bewahren, indem sie sie den Amazonen unterwirft. „Then all be well. Trust me.“ Am Ende wird sie freigesprochen und setzt sich durch: Sie präsentiert sich der Welt, um sie zu einem besseren Ort zu machen – vor allem für Frauen. Das bedeutet ein radikales, aber friedliches Ende des Patriarchats.

Im zweiten Teil stellt sich Wonder Woman kritischen Fragen zu ihrer „unrealistischen“ Figur, der Inklusion von Trans-Frauen und inwiefern ihre Mission anmaßend ist. Wie anpassungsfähig sie selbst ist, zeigt eine Sequenz, in der sie Frauen im Nahen Osten von Terroristen befreit und dabei in einem Niqab auftritt.

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Undercover, aber nicht gerade unauffällig: Wonder Woman im Niqab. (DC Comics)

Nach einem Kampf gegen die Nazifrau Paula von Gunther („Uberfraulein“) und Dr. Psycho kommt es im dritten Teil zum Finale mit Maxwell Lord, der sich als Kriegsgott Ares entpuppt, der eine Reihe von Killer-Robotern auf die Insel schickt. Diese Schlacht wird etwas zu mühelos geschlagen, als dass hier Spannung aufkommen könnte.

Interessant ist aber das Resultat: Die Welt wird zum weiblichen Utopia, in dem die Männer den Frauen als Haustiere dienen. Aufständische werden mit Liebe besiegt. All you need is love? Fast zu schön, um wahr zu sein. Für die Machos dieser Welt, die ihre Vormachtstellung schwinden und sich dadurch diskrimiert sehen, eine Horrorvorstellung, die sicher als Provokation dient. Aber eine, über die es sich nachzudenken lohnt.

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