Kyle Higgins

Der unheilige Batman

Tales from the DC Dark Multiverse: Knightfall

DC Comics

Titel: Tales from the DC Dark Multiverse – Knightfall

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Kyle Higgins/Javi Fernandez

Erschienen: 2019 (One-shot)


„Some wounds don’t heal. What’s broken cannot always be fixed.“

Was wäre wenn … Jean-Paul Valley Bruce Wayne nach dem Knightfall besiegt hätte? Dieses Szenario spielt der One-shot Tales from the DC Dark Multiverse: Knightfall durch. Die Antwort: Jean-Paul übernimmt als Saint Batman eine Schreckensherrschaft in Gotham, schart eine Bande von St.-Dumas-Anhängern um sich, die Schurken wie den Pinguin auf offener Straße exekutieren. Bruce Wayne lebt nur noch in Gefangenschaft weiter, als Kopf und Torso – Saint Batman hat ihm seine Gliedmaßen amputiert.

Da gehen plötzlich in der Stadt mehrere Bomben hoch und es erscheint ein neuer Held: Tourne, der Sohn von Bane. Venom fließt durch seinen Körper. Er befreit Bruce, macht ihn zu einem noch mächtigeren Batman, der mittels Nano-Fledermäusen fliegen und alles zerfetzen kann, das sich ihm in den Weg stellt und zusammen mit Lady Shiva (die Bruce einst trainiert hat) stellen sie sich Saint Batman …

Diese Kurzgeschichte im Elseworlds-Stil setzt auch die Tradition fort, dass ein interessanter Ansatz viel zu schnell abgehandelt wird. Zu dieser Tradition gehört es, dass am Ende auch der alte Status quo wieder hergestellt wird, aber hier bekommt die Geschichte eine unerwartete, tragische Wendung. Ausdrucksstark und präzise gezeichnet bietet diese alternative Batman-Story eine gelungene Variation eines bekannten Themas, nach dem zwar niemand gefragt hat, aber den Wunsch nach mehr zurücklässt.

Die Rahmenhandlung deutet an, dass das kommen könnte – ein Reisender durchs Multiversum mit dem bescheuerten Namen Tempus Fuginaut (vgl. Temple Fugate) weist auf eine kommende Krise hin, die noch größer ist, als alle Krisen zuvor … Wie oft wir das schon gelesen haben …

Knightfall 2.0: Tales of the Dark Multiverse

Im Oktober startet DC eine neue Comic-Reihe: Tales of the Dark Multiverse wird klassische Storylines neu interpretieren. Das Konzept erinnert an DCs frühere Elseworlds-Reihe. Den Anfang machen Scott Snyder und Kyle Higgins, die zusammen mit Javier Fernandez Knightfall variieren werden. Die Geschichte spielt 30 Jahre nachdem ein gebrochener Bruce Wayne beim Versuch gescheitert ist, wieder Batman zu werden. Jean-Paul Valley hat als Saint Batman eine Schreckensherrschaft errichtet, in der Kriminelle ständig den Tod fürchten müssen. Doch es gibt Hoffnung: The Son of Bane.

Jeff Loveness, Brad Walker und Andrew Hennessy erzählen eine Variante von The Death of Superman. Darin wird Lois Lane zum Eradicator und nimmt Rache an allen, die Superman haben sterben lassen. Mit gottgleichen Kräften will sie die Herrschaft der Supermänner beenden, noch bevor sie beginnt.

Knightfall erscheint am 16. Oktober 2019, The Death of Superman am 30. Oktober. Jeder Band wird im Prestige-Format herauskommen, 48 Seiten umfassen und 5,99 US-Dollar kosten. Dazu werden Nachdrucke von Batman #497 und Superman #75 erscheinen, die für einen Dollar zu haben sind.

Weitere Tales of the Dark Multiverse werden unter anderem Infinite Crisis, Blackest Night und New Teen Titans: The Judas Contract sein.

 

Beschützen und beherrschen

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Beyond 2.0 – Justice Lords Beyond

Autor/Zeichner: Kyle Higgins, Christos Gage/Thony Silas, Dexter Soy, Mateo Guerrero

Erschienen: 2014 (Batman Beyond Universe #9-12), Paperback 2015


„There must never be a Batman.“ (Lord Superman)

Auf Superheldencomics ist Verlass, was Wiedersehen  angeht. Mit alten Bekannten. Und mit altbekannten Ideen. Wie etwa bösen Ebenbildern von Helden aus einem Paralleluniversum. In diesem Fall bilden die Justice Lords den tyrannischen Gegenpol zur Justice League der Zukunft. Lord Superman und seinesgleichen herrschen mit eiserner Hand über ihre Welt (vgl. Earth Two, Red Son & Injustice), jetzt greifen sie auch nach der Welt, die wir kennen (wie schon in der Folge „A Better World“ der Animationsserie Justice League S02E37-38 von 2003). Terry McGinnis wird ins Paralleluniversum geschickt, um Lord Batman zu finden, der im Gegensatz zum Rest einer von den Guten sein soll. Aber daraus wird nix, denn Batman ist tot. Terry trifft auf seinen Doppelgänger „T.“, der ein Mitglied der Jokers ist. Dann kommen die Justice Lords in die normale Welt und kloppen sich mit der Justice League. Höhepunkt dieser allzu ausschweifenden Prügelorgien ist, wenn Terry in ein cooles Kostüm von Lord Batman steigt, das später noch mit Kryptonit gepimpt ist und sich einen finalen Kampf mit dem bösen Superman liefert.

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So simpel die Story klingt, so aufwendig ist die Backstory. In vielen Rückblenden wird erklärt, was bisher geschah. Das ist zwar eine sehr dramatische Geschichte mit einer tragischen Liaison zwischen Wonder Woman und Superman, damit zwar gut zu wissen für Leser, die keine Ahnung haben, aber ermüdet in der Menge sehr. Dadurch ist Justice Lords Beyond keine echte Batman Beyond-, sondern eigentlich eine Justice League-Story. Erst recht zum Schluss wird das deutlich, wenn der Epilog kein Ende zu nehmen scheint und die letzten 15 Seiten einnimmt, damit auch der nebensächlichsten Figur Genüge getan wird. Man sollte sich zuvor die beiden Justice League-Folgen ansehen, wenn man sich hier nicht verlieren will. Aber insgesamt wirkt es so, als sei die Backstory die Geschichte, die man lieber ausführlicher erzählt gehabt hätte.

Batman als Monument der Abschreckung.

Batman als Monument der Abschreckung. (DC Comics)

Späte Rache

DC Comics

DC Comics

Titel: Gates of Gotham (dt. Die Pforten von Gotham)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Kyle Higgins/Trevor McCarthy, Ryan Parrott

Erschienen: 2011 (Mini-Serie #1-5, Paperback 2012), dt. Panini 2012 (DC Premium)


„How can you … ever hope to protect Gotham’s future … when you’re so naive of it’s past?“ (Hush)

Ein Unbekannter jagt drei Brücken in Gotham in die Luft. Dann drei Hochhäuser. In einer anonymen Botschaft verlautbart er, dass er sich an Familien rächen will. Es geht um die Familien der drei Gründungsväter: Wayne, Cobblepott und Elliott. Während Batman (Dick Grayson), Robin (Damian Wayne), Red Robin (Tim Drake) und Black Bat (Cassandra Cane, ehemals Batgirl) versuchen zu verhindern, dass auch der Rest von Gotham zertstört wird und den Täter aufspüren, erfährt der Leser eine Episode aus der frühesten Geschichte der Stadt. Darin geht es um zwei Architektenbrüder, die Ende des 19. Jahrhunderts für die drei Macher die wichtigsten Brücken und Hochhäuser entworfen haben und dabei hintergangen wurden. Ein Nachfahre, Zachary Gate, will offene Rechnungen begleichen …

Der Schurke „The Architect“ tritt in einem ziemlich coolen Taucheranzug im Steampunk-Stil auf, der in gewisser Weise den Anzug der Talons aus Rat der Eulen/Stadt der Eulen vorwegnimmt. Es gibt einen Gastauftritt von Hush. Am Ende wird auch eine überraschende Wendung aus dem Hut gezaubert. Und dennoch ist Gates of Gotham bloß eine solide Batman-Story, in der sich zu viele Charaktere tummeln, als dass man einem davon gerecht werden könnte, zu sehr Geschichtsstunde, als dass sie für die Gegenwart fesseln könnte, und zu cartoonhaft gezeichnet, als dass man sie ernst nehmen könnte.