Sauberer Bulle, dreckige Stadt

Gotham

Gotham ist eine Batman-Serie ohne Batman. Im Mittelpunkt steht die Anfangszeit des Polizisten James Gordon, der versucht, den Mord an der Familie Wayne aufzuklären. Nebenbei erfährt man die Entstehungsgeschichten von Batmans Schurken. Das ist reißerisch, unterhaltsam, aber nicht zwingend sehenswert.

Die Vorgeschichte ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen ist es hilfreich, eine zu erzählen, wenn man den Charakteren Tiefe verleihen will. Doch während man die Motive erklärt, läuft man Gefahr, in küchenpsychologische Klischees zu verfallen: schlimme Kindheit – böse Taten etc. Zum anderen erlaubt das Erzählen von Vorgeschichten, die Abenteuer beliebter Figuren fortzusetzen, aber dabei läuft man Gefahr, sich auf den Vorläufern auszuruhen und nichts anderes zu bieten, als das, was man erwartet. Und jeder weiß, dass es interessanter ist, zu erzählen „Darth Vader ist Anakin Skywalker“ als „Anakin Skywalker wird Darth Vader“.

Es gibt gute Beispiele dafür, wie es klappen kann: Der Reboot des Star Trek Franchises ist vielleicht die beste aus der jüngsten Zeit. Aber Wolverine – Wie alles begann war nicht mehr als ein Abarbeiten bekannter Attribute wie Lederjacke, Motorrad und Adamantiumkrallen. Auch in Serien ist dieses Prinzip beliebt. Bates Motel erklärt, wie Norman Bates zum Psycho wurde. Nun versucht man mit Batman etwas ähnliches. In der Serie Gotham geht es zwar um Batmans Stadt, aber Batman kommt darin nicht vor. Sie beginnt mit dem Mord an Bruce Waynes Eltern und stellt den Polizisten in den Mittelpunkt, der den Fall aufklären soll: James Gordon. Nebenbei werden die üblichen Verdächtigen aus Batmans Rogues Gallery eingeführt: Oswald Cobblepot alias Pinguin, Edward Nygma alias Riddler, Catwoman, Poison Ivy. Die letzten beiden sind noch Kinder.

Füllen der Batman-Lücke

Diese künftigen Schurken sorgen für den Wiedererkennungswert, sie sollen die Lücke füllen, die durch Batmans Abwesenheit entsteht. Ob sie es können, ist nach der ersten Folge noch nicht abzusehen. Dafür liefert aber Gordon (wie auch sein Darsteller Ben McKenzie) eine ordentliche Vorstellung ab, wie man sie von ihm kenn: Als ehrlicher Bulle in einer korrupten Stadt, als Mann der Tat, der sich für nichts zu schade ist, als ein Mann, der Wort hält. In diesem Fall das Versprechen, den Wayne-Mörder zu fassen.

Die Serie kommt in einem edlen Gewand daher: Ein düsteres Stadtbild wechselt sich mit satten Farben ab, die Actionszenen sind vom feinsten – und davon gibt es ordentlich was zu sehen. Ebenso wie die übertriebene, zum Teil sinnlose Gewalt: Gordon landet mit seinem Vorgesetzten Harvey Bullock in einem Schlachthaus der Unterwelt, der Pinguin metzelt einen harmlosen Fischer ab. Wohlwollend könnte man die Serie kurzweilig nennen, aber leider trifft auch oberflächlich und reißerisch zu.

Wie sinnvoll ist eine Batman-Serie ohne Batman?

Das allein wird reichen, um eine erfolgreiche Serie zu produzieren. Es ist Skepsis angebracht, wie gut das Konzept für das Batman-Franchise funktioniert. Man muss sich ernsthaft fragen, welchen Sinn es ergibt, ein Superheldensetting ohne Superhelden aufzuziehen und andererseits doch von dem Interesse für den (nicht vorhandenen) Helden zu profitieren. Auch wenn Gordon ein interessanter Charakter ist und Potenzial hat, eine Geschichte zu tragen (Batman: Year One ist nur ein Beispiel dafür), wird die Serie doch unter der Mangelerscheinung Batman leiden. Nur mit ihm ist es sinnvoll, Schurken einzuführen und ihre Vorgeschichte aufzutischen. Denn sie sind es, die sich an dem Helden abarbeiten.

Wie dem auch sei: Für alle Fanboys, die auf den Kinofilm Batman v Superman warten, der im März 2015 in die Kinos kommen soll, kann Gotham über die Zeit hinwegtrösten.

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