Egghead übernimmt Gotham City

Vincent Price als Egghead

Titel: An Egg Grows in Gotham/The Yegg Foes in Gotham (dt. Ein dickes Ei für Gotham City)

Story/Drehbuch: Edwin Self/Stanley Ralph Ross

Erschienen: 1966 (Batman S02E13-14)


„I know it seems we call the Caped Crusaders pretty often, but there’s no other way to handle it.“ (Gordon)

Vor vielen Jahren wurde Gotham City von drei Familien gegründet: den Savages, den Tylers und den Waynes. Das ursprüngliche Land wurde von den Mohikanern gepachtet, zum Spottpreis von neun Waschbärfellen. Seitdem muss die Pacht alle fünf Jahre erneuert werden, zum gleichen Preis und von den Vertretern der vier Parteien – so will es Gothams Verfassung. Bruce Wayne und die Millionäre Pete Savage und Tim Tyler sollen die Felle dem letzten Mohikaner, Chief Screaming Chicken übergeben. Doch vor der Nacht der Zeremonie stiehlt ein Schurke die Urkunde.

Egghead mit Hauptquartier mit Handlangern

Der Schurke ist ein neuer für Batman: Egghead (gespielt von Vincent Price), ein glatzköpfiger Erfinder mit einer Vorliebe für Eier, Eiförmiges und Wortspiele. Er ernährt sich nur von weißen Eiern der Güteklasse A, seine kahlen Helfer heißen Benedict und Foo Yung (nach den Eierspeisen), seine Sekretärin Bacon.  „The smartest villain we ever faced“, gibt Batman zu. Und tatsächlich ist er der einzige Mensch in der Serie, dessen Gehirn schlau genug war, zu schließen, dass nur Bruce Wayne Batman sein könne. (Auch wenn diese Vermutung so schnell zerschlägt wie ein Ei.)

Doch was will Egghead mit der Urkunde? Robin hat eine Vermutung: Vielleicht will er einen Krieg zwischen den Bürgern von Gotham und den Indianern anzetteln! Batman bezweifelt das. Es ist nur noch ein Mohikaner übrig. Nein, Egghead will die Übergabe verhindern, selbst einen Deal mit dem Indianer aushandeln und Gotham City übernehmen.

Und so passiert es auch: Egghead nimmt alle drei Millionäre gefangen, sie verpassen den Termin und Egghead kriegt den Zuschlag für Gotham. Kurz darauf entlässt er den Bürgermeister und den Commissioner, er selbst wird Polizeichef und es bricht eine bizarre Anarchie aus: Während Kriminelle rauben dürfen, wie sie wollen, und Schießereien auf offener Straße zur Tagesordnung werden, kümmert sich die Polizei nur noch um Verkehrssünder und Ordnungswidrigkeiten. Egghead bedient sich bei den  Steuereinnahmen der Stadt.

Aber vom Alltag unterscheidet sich das erst, als Batman und Robin aus der Stadt geworfen werden. Nun kann (und will) sich niemand mehr gegen den Schurken wehren. Die Lösung steht im Kleingedruckten der Verfassung: Kriminelle dürfen nicht die Stadt regieren. Bruce und Dick müssen erst die Urkunde stehlen, um dahinterzukommen. Auf die Idee, dass die US-Verfassung die Eigentumsrechte schützt, kommt natürlich niemand. Aber so ergibt sich das schöne Finale, bei dem sehr viele Eier zu Bruch gehen.

Batman und Robin auf Lachgas

Egghead wirft vor allem gerne Bomben- und Rauch-Eier, eines sogar mit Lachgas, das Batman und Robin nur mit einer Traurigkeitspille bekämpfen können. Ansonsten wird wirklich keine Gelegenheit ausgelassen für Kalauer mit Ei-Bezügen: Von „eggcelent“ bis „eggcuisite“. Auch sonst ist es eine philologische Folge: Einmal gibt Batman sogar Robin Nachhilfe in englischer Sprachgeschichte, indem er anhand von Eggheads Tarnfirma „The Gothi Oeufs Caviar Company“ erklärt, dass Gothi Fisch bedeutet.

Kleine englische Sprachkunde

Die Autoren beweisen auch Traditionsbewusstsein in Sachen Pulp-Kultur: Batman sagt einmal den Satz „Who knows where evil lurks“, der von der berühmten Radio-Ansage seines Vorläufers The Shadow stammt, der Indianer benutzt einmal das Wort „Kemosabe“, ohne zu wissen, was es bedeutet. Er habe es einmal im Radio aufgeschnappt, sagt er, und tatsächlich stammt es aus dem Radio-Hörspiel The Lone Ranger (1949-1957).

Begrüßung des letzten Mohikaners: Batman und Screaming Chicken

Was die Darstellung des armen Indianers angeht, die ist leider genauso klischeebehaftet wie alles andere, nur dass es leider zu Lasten der unterdrückten Minderheit geht: Der Häuptling wird als armer Tropf gezeigt, der albernen Kopfschmuck trägt und in einem Tipi am Straßenrand Souvenirs, Decken und Pizza verkauft. Als wäre das nicht traurig genug, erscheint er als naiver Idiot, der schlechtes Englisch spricht, eine kurzes Gedächtnis hat und sich ständig übers Ohr hauen lässt.

Zwar denkt Screaming Chicken, der Preis für Gotham sei mit neun Pelzen zu gering angesetzt, aber er verlangt stattdessen nur zwölf. Batman ist unnachgiebig: So steht es im Vertrag. Der Philanthrop Bruce Wayne kennt plötzlich keine Almosen mehr. Und der Häuptling gibt sich geschlagen. Der Indianer (im Allgemeinen) sei eben kein guter Geschäftsmann, sagt er. Selbst Egghead bietet ihm später nur 100 Dollar im Monat an (plus so viele Eier er will) und er lässt sich auf den Ganoven ein, ohne seine Motive zu hinterfragen.

Der absolute Tiefpunkt: Am Ende sagt Screaming Chicken in einem Moment von Peinlichkeit: „My face is so red.“ Seltsam, dass man diese Stereotype bisher nicht zensiert hat … Allerdings gibt es eine wunderbar schräge Szene, in der Batman den Häuptling mit einem bizarren Ritual begrüßt. Die allein ist sehr witzig – hätte diese ganze Indianer-Sache nicht einen so bitteren Beigeschmack.

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