Schamloser Cowboy

Showdown mit Shame

Titel: Come Back, Shame/It’s How You Play the Game (High Noon in Gotham City)

Drehbuch: Stanley Ralph Ross

Erschienen: 1966 (Batman S02E25-26)


„Shame on you, Shame!“

Ein Ganove klaut einen Rennwagen und noch zwei weitere Autos. Als Gordon bei Batman anruft, ist der Held verwundert: Damit müsste selbst die Polizei vom Gotham fertig werden können. Doch der Dieb ist nicht irgendwer, sondern Shame, ein bekannter Ganove, der sich wie ein Cowboy anzieht. Offenbar reicht das schon, um die besondere Expertise von Batman und Robin zu bemühen. Dafür müssen Bruce und Dick leider ihr Spiel mit der Autorennbahn unterbrechen. (Bruce ist übrigens auch darin seinem Mündel überlegen.)

 

Shame klaut die Autos, um aus den Teilen einen eigenen Motor für sein Fluchtfahrzeug zu bauen. Damit will er vier wertvolle Stiere stehlen und das Batmobil abhängen. Mal wieder so ein sehr umständlicher Plan, der nicht wirklich Sinn ergibt. Aber was will man auch von einem solchen Typen erwarten? Shame entspricht dem Klischee des Westernhelden, sein Geheimversteck liegt auf einem verlassenen Studiogelände für Westernfilme.

Schamloses Kostüm

Warum der Schurke Shame heißt, erschließt sich nicht, denn wenn der Cowboy eins nicht hat, dann ist es Schamgefühl für sein mangelndes Stilbewusstsein: Seine rote Weste, sein geblümtes Hemd und seine lila Krawatte mit weißen Punkten wollen so gar nicht zu der Lederkluft passen, die er trägt. Das ist aber auch schon das Bunteste an seinem Charakter. Dieser Möchtegern-John Wayne (dargestellt von Uncle Ben-Darsteller Cliff Robertson) hat den Charme eines Spucknapfs und ist so humorlos und fade, dass man sich nach King Tut und Egghead sehnt. (Auch seine Komplizen machen es nicht besser und schon gar nicht der Junge, der redet wie ein Zombie und Shame hinterher rennt, um von ihm sein Radio wiederzukriegen.)

 

Trotzdem gibt die Folge einige Höhepunkte her: Bruce und Dick kaufen Unterwäsche für Tante Harriet, Bruce versucht eine Kuh von der Straße zu ziehen und als Bruce sein Auto von Shame stehlen lässt, kommt das Batcycle per Fernsteuerung angefahren, Bruce überreicht Alfred ein zusammenfaltbares Fahrrad und auf diesem „Alf-Cycle“ fährt er davon. Bruce und Dick steigen in zivil auf das Batcycle, ohne sich darum zu sorgen, dass jemand sie sehen könnte. Hier fällt der Unterschied zwischen den Rollen auf: Wenn Bruce das Kostüm nicht trägt, redet er ganz ruhig und ohne Pathos, ja man könnte ihn fast schon cool nennen. Ein Jammer, dass Adam West nie James Bond gespielt hat.

Bat-Ballistik

Eine Saloon-Prügelei später liegt das Dynamische Duo besiegt am Boden. Jetzt könnte Shame sie einfach erschießen. Warum er es nicht tut? Weil es unsportlich wäre, sagt er. Offenbar denkt Shame, es wäre viel sportlicher, die beiden zu fesseln, mit Holzpflöcken am Boden zu befestigen und sie von einer Viehherde zertrampeln zu lassen.

 

Batman rettet sich mal wieder sehr kreativ: Er befreit seine Hände, nimmt seinen Umhang ab und wedelt damit rum wie ein Stierkämpfer, ruft „Toro! Toro!“ und lenkt so die Herde von sich und Robin ab. Reagieren Stiere nicht eigentlich auf rote Tücher? Nein, sagt Batman, das sei ein Irrtum, denn Stiere seien farbenblind und reagierten nur auf die Bewegung. „Holy toreador!“, ruft Robin, doch Batman korrigiert: Nein, es heiße „Matador“. Toreador sage man nur umgangssprachlich, in Anlehnung an Bizets Oper Carmen. Wieder was gelernt.

Shame haut ab, die Helden folgen ihm dank Essensspuren auf dem Lenkrad zu einem Imbiss („Holy guacamole!“), aber finden ihn dort nicht mehr. Nur wo könnte er sich verstecken? Robin meint, er könnte nicht zurück zu dem alten Studio-Set zurückkehren, weil sie das bereits kennen. Aber Batman ist schlauer: Was ist, wenn Shame genau das denkt, dass sie das denken und deshalb denkt, dass er sich wieder dort verstecken könnte? „Holy Bat-logic!“, ruft Robin und tatsächlich treffen sie Shame dort wieder.

Doch sie geraten in einen Hinterhalt. Als Robin an der Ferse angeschossen wird, sieht man weder Blut noch Wunden. Stattdessen holt Batman die Kugel ohne größere Schmerzen aus dem Fuß, bringt ihn in die Bathöhle und heilt ihn mit Decken (?), heißem Wasser (?) und Baticillin-Pillen. Eine Wunderkur: Kurz darauf springt Robin wieder munter durch die Bathöhle.

Shame raubt in der Zwischenzeit seine begehrten Stiere. Und wieder stellt sich die Frage: Wo könnte er sich (und die Stiere) verstecken? Wieder kommt die Bat-Logik zum Einsatz: Doch ganz bestimmt nicht auf einem Viehhof, denn in einer Menge, denn da könnten sie ja leicht gefunden werden. Stattdessen eher auf einem verlassenen Ort, wo niemand nachschauen würde. Also geht es wieder zurück auf das alte Studiogelände. Die Bat-Logik verlangt nach einer würdigen Kulisse für das Finale.

Shame beim Showdown

Beim typischen Western-Showdown treten Batman und Robin ihrem Gegner ohne Waffen gegenüber. Natürlich zu High Noon. Und um auch das letzte Klischee zu erfüllen, fällt der Satz „This town ain’t big enough for both of us.“ Batman ist sich sicher: Shame würde nie auf einen Unbewaffneten schießen, das verstieße gegen den Western-Code. Dass sie bereits aus vollen Rohren beschossen worden sind und Robin bereits eine Kugel abgekriegt hat, scheint vergessen. Man hilft sich mit einer Rauchbombe, die Bösen schießen die Magazine leer und man kann die Sache mit Fäusten lösen. Auch dabei kommt es zu absurden Szenen, wie Robin, der auf einem Schurken Rodeo reitet …

 

Zum Schluss erteilt uns Batman noch eine Lektion zum Umgang mit Schusswaffen: „Great care must be taken in the use of firearms. They can be quite dangerous if used improperly.“ Von Batman können die Amerikaner noch heute viel lernen. Oder, wie es Cliff Robertson später als Uncle Ben sagt: „Aus großer Macht folgt große Verantwortung.“

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