Lew Sayre Schwartz

Bewährungsproben für Alfred

Alfred wird gefeuert: Batman #68 von 1951. (DC Comics)

Titel: The Secret Life of Batman’s Butler/The Secret of Batman’s Butler

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz, Sheldon Moldoff

Erschienen: 1951/1957 (Batman #68/110)


Ein Butler muss loyal und diskret sein. Gerade Alfred muss das wissen, denn er trägt das größte Geheimnis überhaupt herum: dass seine Herren, Bruce Wayne und Dick Grayson, in Wahrheit Batman und Robin sind. Aber damit stellt Alfred auch eine Schwachstelle dar. Wer an ihn rankommt, könnte auch den beiden Helden gefährlich werden. Von Alfred wird also einiges abverlangt, das geht mit einigen Opfern einher, wie sich in zwei Storys der 50er zeigt.

Im Jahr 1951 wird Alfred gefeuert. Einfach so. Von jetzt auf gleich. Einen Grund bekommt er von Sir und „Mawster“ nicht, nur eine magere Abfindung, gerade mal ein Monatsgehalt im Voraus und dann – war’s das. Alfred ist am Boden zerstört. Er mietet sich eine Absteige und fragt sich, was er falsch gemacht haben mag. Doch da ist nichts. Im Gegenteil: In der Vergangenheit war er nicht nur ein treuer und ergebener Butler für Bruce und Dick, er hat sich sogar als Sidekick für Batman und Robin verdient gemacht. Immer wieder hat er ihnen aus der Patsche geholfen.

Alfred betätigt sich Flugzeugingenieur und baut den Sky Sled. (DC Comics)

Einmal, erfahren wir, hat er sogar ein neuartiges Flugzeug für Batman konstruiert: den Sky Sled, eine Art kleines Batplane. Batman glaubte zwar nicht dran und tat das Ding ab, aber dann klemmte Alfred seine Erfindung einmal ans Batplane und konnte Batman im Einsatz eines Besseren belehren. Batman übernahm den Luftschlitten daraufhin selbst. Und dann war da noch der Fall, als ein Gauner Alfred für eine Nacht entführen ließ, weil gutes Personal bekanntlich so schwierig zu kriegen ist. Aber Alfred wollte nicht einmal für eine Nacht Diener zweier Herren sein und befreite sich, indem er Speiseöl in Brand steckte und seinen Entführer mit Salat attackierte. (Kein Witz.)

Stunde der Wahrheit: Alfred am Lügendetektor. (DC Comics)

Zurück in die Gegenwart: Alfred sucht Trost bei seinem Freund Willis. Alfred hat Freunde? Ja, allerdings. Die haben einen Lügendetektor bei sich rumstehen und testen reihum, wer die Wahrheit auf unbequeme Fragen sagt. Als Alfred dran ist, fällt die Frage: Bist du der Butler von Batman und Robin? Alfred gerät ins Schwitzen und sagt: Nein. Die Nadel schlägt nicht aus, der Detektor irrt nie, Willis ist überzeugt. In dem Moment trifft aber das Dynamische Duo ein und schlägt die Gauner zusammen.

Jetzt wird auch der Kündigungsgrund klar: Die beiden Helden wussten, was die Bande vorhatte und konnte kein Risiko eingehen. Sie hätten sie auch nicht vorher hochnehmen können, denn die Gauner mussten sich selbst vom Gegenteil ihrer Vermutung überzeugen. Alfred bekommt seinen Job zurück. Aber das Bittere ist: Alfred hat tatsächlich keine anderen Freunde. Er geht ganz und gar in seiner Rolle als Butler auf.

Eine neue Geschichte für Alfred

Herr der Lage: Alfred verschafft Bruce Wayne ein Alibi. (DC Comics)

Sechs Jahre später, 1957, kündigt Alfred jedoch selbst – weil er angeblich Bruce Waynes Geheimidentität verraten hat, wie er ihm in seinem Abschiedsbrief gesteht. Dann erzählt er, wie es dazu kam. Was wir sehen, ist zunächst eine ganz andere Entstehungsgeschichte. Anders als bei seinem ersten Auftritt im Jahr 1943 kommt er nicht einfach aus dem Nichts reingeplatzt, um die Nachfolge seines Vaters anzutreten, sondern er bewirbt sich bei Bruce um die Position als Butler. Alfred ist auch anders als in der alten Fassung von Anfang an schlank.

Alfreds neuer Origin: Bewerbungsgespräch und -probe. (DC Comics)

In seinen Probetagen kommt ein Mann namens Noyes auf Alfred zu, der behauptet, sich selbst um die Stelle beworben zu haben. Er fragt ihn nach Wayne aus, aber Alfred hält dicht. Dann versucht Noyes, ihn zu bestechen. Alfred weist ihn zurück.

Alfred erfährt das Geheimnis seines Herren: Bruce Wayne ist Batman. (DC Comics)

Später erfährt Alfred Bruces Geheimidentität nicht, weil er die Bathöhle entdeckt, sondern weil Dick ihn zur Hilfe ruft, nachdem die beiden von einem Einsatz zurückkommen und Batman am Kopf verletzt ist. Alfred schafft es, Bruces Geheimnis zu bewahren, auch wenn die Lage mal brenzlig wird, zum Beispiel mit der ewig neugierigen Reporterin Vicky Vale. Er macht sich sogar als Erfinder nützlich, indem er aufblasbare Kostüme näht, die Batman und Robin vor dem Ertrinken bewahren sollen.

Alfred versucht Bruce Wayne zu decken, indem er selbst zu Batman wird. (DC Comics)

Am Ende sieht Alfred aber Noyes in der Bathöhle und schließt daraus, dass Batman aufgeflogen ist. Der Butler versucht aber noch einmal, das Geheimnis zu retten, indem er sich selbst das Batman-Kostüm anzieht. (Nicht zum ersten Mal, siehe „The Duped Domestics“, Batman #22, 1944.) Da stellt sich heraus: Noyes ist in Wahrheit Bruce, der sich verkleidet hat, um Alfred zu testen.

Alfred hat seine Bewährungsprobe erneut bestanden. Er erweist sich als „the greatest gentleman’s gentleman in the world“, wie Batman sagt und er fragt sich: „How did Robin and I ever get along before we had you for a butler?“ Tatsächlich erweist sich Alfred hier als wahres Factotum, ein Mädchen für alles. Ein Butler, der innovative Funktionskostüme näht und Flugzeuge baut – so ein Personal ist wirklich schwer zu kriegen.

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Joker lässt Batman Gags schreiben

Batman #67 (1951): Joker

DC Comics

Titel: The Man Who Wrote the Joker’s Jokes

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1951 (Batman #67), Paperback 2019 (The Joker: His Greatest Jokes)


Der Joker steckt in einer Schaffenskrise. Ihm sind die Ideen für seine Gaunereien ausgegangen. Nur noch eine bleibt: Sich bei anderen zu bedienen. Wenn auch die Comedians im Showgeschäft professionelle Gagschreiber engagieren, warum sollte der Joker darauf verzichten? Damals war der Joker noch nicht der eitle Künstler mit Berufsethos – er war ein Geschäftsmann. Trotzdem war er auch Idealist genug, dass es stets auch darum ging, Batman zu blamieren. Geld allein reichte nicht.

Der Joker veranstaltet ein Casting und wählt am Ende drei Favoriten aus. Erster Streich: Ein überdimensionaler Kartoffelsack bei einer Parade. Man kann sich nichts Schöneres vorstellen, was man bei einer Parade in Übergröße präsentiert. Der Joker entkommt, aber einer seiner Komplizen ist zu langsam, wird geschnappt – und mit ihm die Beute.

Zweiter Streich: Joker raubt einen Kamera-Laden aus, setzt den Laden in Flammen, als Batman und Robin sich darin befinden. Der Schurke wirft ihnen Eselkostüme aus Asbest hin, um den Flammen zu entkommen. Sie ziehen sie an, überleben – aber landen als Esel („jackasses“) in der Zeitung. Trotzdem: Wieder keine Beute für den Joker.

Der dritte Streich ist viel ausgeklügelter: Joker lockt Robin in einem Liebestunnel (!) eines Freizeitparks in die Falle, entführt ihn und erpresst Batman, sich einen witzigen Raubzug zu überlegen. Er hat 24 Stunden Zeit. Batman führt den Joker in eine Kaugummi-Fabrik und verspricht ihm, sich von ihm festkleben zu lassen. Nachdem der Schurke mit seiner Bande den Tresor geplündert hat, kippt Batman den Kaugummitank über ihnen aus.

Merke: Gags kann man ruhig andere schreiben lassen. Aber Pläne sollte man lieber selbst schmieden. Sonst geht der Witz auf eigene Kosten.

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Jokers größte Reinfälle

Batman #66 (Joker)

DC Comics

Titel: The Joker’s Comedy of Errors

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1951 (Batman #66), Paperback 2008 (The Joker: The Greatest Stories Ever Told)


Der Joker bricht in einem Elektrizitätswerk ein. Vorher lässt er den Strom abschalten. So weit, so genial. Nur dass er den Fluchtweg über den Aufzug geplant hat, erweist sich als keine so gute Idee – denn der braucht ja Strom … Als Joker und seine Bande die Treppe nehmen, treffen sie auf Batman und Robin. Nur mit Not können sie entkommen. Die Beute bleibt zurück.

Die Blamage ist groß, als die Geschichte am Tag darauf auf der Titelseite der Zeitung steht. Aber der Joker lässt sich nicht entmutigen, sondern will aus der Not eine Tugend machen. Er will sich die größten Fehlschläge der Geschichte zum Vorbild für seinen nächsten Raubfeldzug machen. Es beginnen die „Boner-Crimes“. (Hier ganz unschuldig ohne die obszöne Bedeutung, auch wenn das Cover dadurch eine interessane Zweideutigkeit bekommt …)

Zunächst raubt er einen Ozeandampfer aus, der auf Grund läuft, dann macht er sich über ein Schloss her, indem er einen Turm schräg stellt wie den schiefen Turm von Pisa. Spätestens hier fragt man sich, ob mal wieder nicht der Aufwand den Nutzen übersteigt … Der Joker lässt einen Komplizen aus dem Knast ausbüchsen, indem er eine Holz-Pistole einschmuggelt und einen Wärter damit narrt. Dann guckt sich der Joker den ältesten Trick der Welt ab, indem er sich in einem Trojanischen Pferd versteckt.

Aber der große Triumph ist erst vollzogen, wenn sein Erzfeind blamiert ist. Also verwirrt der Joker die Navigation des Batplanes und lässt Batman und Robin nach England fliegen statt nach Kalifornien. Die Geschichte macht die Runde, der Joker freut sich, dass Batmans Ruf dahin ist. Doch dann ist alles ganz anders als gedacht: Batman hat alles längst durchschaut – vor allem, wo Jokers Versteck ist. Tja, das war dann wohl ein Reinfall. Nicht der erste. Und auch nicht der letzte.

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Batman und sein Wingman

Batman 65 1951

DC Comics

Titel: A Partner For Batman!

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1951 (Batman #65), Paperback 2009 (The Black Casebook)


Bei einem Einsatz bricht sich Robin das Bein. Für sechs Wochen kann er nicht mehr das Verbrechen bekämpfen. Doch Commissioner Gordon weiß Rat: Zusammen mit Batman castet er einen Stellvertreter aus Europa: Wingman heißt die rot-gelb kostümierte Gestalt. Ein Typ mit Flügeln und ohne Eigenschaften.

Robin sorgt sich, dass dieser Wingman ihn dauerhaft ersetzen könnte. Danach sieht es zunächst nicht aus, denn während seiner Ausbildung mit Batman erweist er sich Robin gegenüber als unterlegen. Doch als es dann gegen das Verbrechen geht, zeigt Wingman sein Talent – und schon ist die Rede davon, dass Robin überflüssig sein könnte.

Am Ende stellt sich alles nur als großes Missverständnis heraus. Eines, das Batman sogar selbst befördert hat, indem er mit Wingman die Kostüme getauscht hat. Davon hat sich selbst Robin täuschen lassen. Moral: Hätte er mal lieber Batman vertraut! Wer Wingman wirklich ist, bleibt allerdings offen. Ist auch egal. Am Ende diente das ganze Abenteuer nur dazu, dass sich Robin seiner Freundschaft zu Batman versichert.

>> Batman 1950-1959

Die Bathöhle lernt fliegen

detective comics 186

DC Comics

Titel: The Flying Bat-Cave

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1952 (Detective Comics #186), Paperback 2007 (Secrets of the Batcave)


Eine Bande Gangster nimmt Robin gefangen und erpresst Batman: Sie lassen Robin nur frei, wenn Batman eine Woche lang Gotham nicht betritt. Der Held lässt sich darauf ein und erhält Robin zurück. Aber warum sollte sich Batman jetzt noch daran halten? Weil Batman nun mal sein Versprechen hält – auch wenn es gegenüber Gangstern ist. Aber natürlich hat Batman einen Plan B.

Fliegende Bathöhle

Fliegende Bathöhle

Denn er weiß, was kommt: Die Bande plant, in dieser Woche Sturmfrei mächtig Reibach zu machen. Da Batman die Stadt nicht betreten darf, baut er sich schnell eine fliegende Bathöhle zusammen. Von dort aus kann er die Verbrecher verfolgen, ohne einen Fuß in die Stadt zu setzen. Mit einem Magneten beraubt er die Gauner ihrer Waffen und liefert sie so der Polizei von Gotham aus (ja, dafür scheint sie noch gut zu sein).

Entwaffnend: Batmans Riesenmagnet

Entwaffnend: Batmans Riesenmagnet

Batman hat in seiner fliegenden Bathöhle sogar den Riesenpenny eingepackt – aus reiner Sentimentalität, um sich ein wenig heimischer zu fühlen. (Die mindestens eine Tonne Gewicht scheint die Flugfähigkeit nicht zu beeinträchtigen.) Und die Münze erweist sich sogar als ziemlich nützlich, als Batman per TV-Schalte vor Gericht gegen einen Verbrecher aussagen soll und die Komplizen das Signal blockieren, hält der Riesenpenny die Störung vom Gerichtssaal fern.

Batmans Riesenpenny

Batmans Riesenpenny

Zum Schluss haben die Gauner die Schnauze voll und beschießen Batmans Flugzentrale von einem Postgebäude aus. Batman und Robin stürzen sich auf sie. Aber brechen sie damit nicht das Versprechen? Nein, denn die Post ist Bundesgelände! Tja, Bildung zahlt sich eben immer aus. Jedenfalls bei Batman.

Riesenpenny als Schild

Riesenpenny als Schild

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