Alfred

Trauer um Alfred

DC Comics

Titel: Batman: Pennyworth R.I.P.

Autor/Zeichner: James Tynion IV, Peter J. Tomasi/Eddy Barrows u.a.

Erschienen: 2020 (One-shot)


Lange habe ich versucht, diese Wendung (anders als DC) nicht zu spoilern, aber jetzt muss es leider raus: Alfred Pennyworth stirbt in City of Bane – der Schurke dreht ihm den Hals um. Aber Alfred bringt das Opfer auch zum Teil freiwillig, um die Stadt zu retten. Ein harter Schlag für alle. Die Bat-Family verliert nicht ihren Butler, sondern ihr eigentliches Herz.

Darum geht es in Pennyworth R.I.P. Nachdem Batman ein Krankenhaus zu Ehren von Alfred errichtet hat, kommt die Familie in einer Bar zusammen, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Jeder darf mal erzählen, wie er ihnen aus der Patsche geholfen hat. Dabei erweist sich Alfred mal wieder als Alleskönner, der auch selbst in die Rolle von Batman schlüpft. Um Damian abzuholen, zieht er sich das Kostüm an, um Red Hood zu retten, steigt er selbst in Batmans Panzer, um Red Robins verlorene Waffen wiederzubeschaffen, wird er zum Katzendieb – ein wenig übertrieben, aber der Mann ist einfach zu gut für diese Welt gewesen.

Mit Batgirl geht er sogar Bergsteigen und Nightwing erwischt ihn dabei, wie er Blumen in Crime Alley für Thomas und Martha Wayne niederlegt. Seine Botschaft an Batman: Auch wenn er einen hohen Preis zahlen musste, hat der Tod der Waynes durch die Entstehung von Batman viele Menschenleben gerettet.

Batmans Mitschuld am Tod

Bruce Wayne muss sich harte Vorwürfe von Barbara gefallen lassen. In Krisen sei es immer Alfred gewesen, der die Familie zusammengehalten habe, während Batman stets schmollte und den einsamen Wolf spielte. Ihr größter Vorwurf: Als Bane Gotham übernahm und Alfred starb, hat Bruce mit Selina Strandurlaub gemacht. Bruce hat zu seiner Rechtfertigung nichts zu sagen. Er bleibt stumm.

Pennyworth R.I.P. ist ein nachdenkliches und melancholisches Comic, das auf 41 sensibel gezeichneten Seiten die Bedeutung von Alfred herausstreicht und ihn angemessen würdigt. Dass Batman selbst dabei so schlecht wegkommt, ist durchaus angemessen. In City of Bane hat er sich wirklich nicht mit Ruhm bekleckert. Es bleibt nur zu wünschen, dass er sich durch diesen Verlust weiterentwickeln wird. Zuweilen wirkte der Held zu irrational in seinem Verhalten.

Nun ist es so, dass in Superheldencomics zwar jeder mal sterben muss (Alfred stirbt sogar schon zum zweiten Mal, das erste Mal war in Detective Comics #328, 1964), aber jeder kehrt auch irgendwann wieder zurück. Beim ersten Mal wurde das äußerst bemüht gelöst, aber das waren auch ganz andere Zeiten. Jetzt bin ich sehr gespannt, was sich die Autoren diesmal einfallen lassen. Hoffentlich kommt die Rückkehr nicht zu früh, denn so wichtig Alfred auch ist – es muss auch mal eine lange Zeit lang ohne ihn gehen, sonst verkommt diese Katastrophe schnell zur Anekdote in der Batman-Geschichte.

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Alfred als Spion im Auftrag Ihrer Majestät

Alfred stellt sich den Waynes vor. (DC Comics)

Titel: Regnum Defende

Autor/Zeichner: Scott Beatty/Jeff Parker

Erschienen: 2005 (Detective Comics #806-807), Paperback 2020 (Batman Allies: Alfred Pennyworth)


Alfreds Vorgeschichte wurde im Laufe der Jahre immer weiter ausgebaut und verändert. Anfangs war er nur ein aufdringlicher und trampelhafter Butler, der Detektiv werden wollte. Dann wurde er zu einem Kriegshelden, der den französischen Widerstand gegen die Nazis unterstützte (und nebenbei eine Tochter zeugte). In The Untold Legend of the Batman #2 (1980) half er Flüchtlingen aus Deutschland, dem Nazi-Regime zu entkommen.

Seine wahre Leidenschaft war aber die Bühne. Doch Alfred musste seine Karriere als Schauspieler beenden, nachdem sein Vater ihm das Versprechen abrang, die Familientradition als Butler aufrecht zu erhalten. Noch später, in Waiting in the Wings (Batman Annual #13, 1989), will er nach Bruces Wanderjahren zurück auf die Bühne, überlegt es sich aber anders, als er sieht, wie Bruce sich selbst in Theatralik versucht …

Alfred gegen Nazis und Kommunisten

25 Jahre später, in Regnum Defende, läuft die Geschichte wieder ganz anders: Alfred ist Schauspiellehrer für den britischen Geheimdienst (MI-5), unterrichtet etwa, wie man in einer Menschenmenge verschwindet. Allerdings hat er keine Erfahrung im Außendienst. Da bekommt den Auftrag, in Polen ein paar Superschurken auszuspionieren, darunter Parsifal, einen alten Nazi, der Superkräfte ausschalten kann.

Es herrscht der Kalte Krieg, auch Sowjet-Schurken wie Red Scare und Iron Curtain sind da, aber auch Blitzkrieg und die Walküre Gudra. Ich habe nicht ganz verstanden, wie diese bunten Gestalten, die konkurrierenden Ideologien dienen, zusammenpassen und was sie zusammen machen. Jedenfalls darf Alfred sie als Butler bei einem Empfang bedienen. Als er sieht, dass ein anderer Spion Parsifal vergiften will, rettet er ihm das Leben. Dann wird Red Scare erschossen und Alfred outet sich als Spion …

Als er nach dieser Aktion untertauchen muss, wird er zum Butler für die Waynes. Alfred heißt damals noch Beagle. Und dank eines besonderen Pennys, der ihm das Leben rettet, nennt er sich Pennyworth. So werden alle Stränge der Tradition miteinander vereint. (Und zugleich der Grundstein für die spätere TV-Serie Pennyworth gelegt.) Außer der des tollpatschigen Möchtegern-Ermittlers – der ist endgültig in der Mottenkiste gelandet. Aber wer weiß, im Comic darf man bekanntlich niemals nie sagen …

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Alfred: Immer Herr der Lage

DC Comics

Titel: Captive Audience

Autor/Zeichner: Scott Peterson/Craig Rousseau

Erschienen: 1999 (Gotham Adventures #16), Paperback 2020 (Batman Allies: Alfred Pennyworth)


Alfred ist bekanntlich mehr als nur ein Butler. Der Weg dahin war lang: Zunächst wollte er mehr sein, indem er sich als Möchtegern-Detektiv versuchte. Später wurde er zur Allzweckwaffe: Ein Mann mit Kampferfahrung im Krieg, ein Schauspieler und ein Unfallchirurg – nützliche Fähigkeiten für jede Situation.

In Captive Audience wird er entführt, seine Kidnapper verlangen Lösegeld von Bruce Wayne. Batman schickt Nightwing, Robin und Batgirl los, um ihn zu befreien, aber Alfred hilft sich selbst. Die Entführer sind nicht die hellsten: Zur Sicherheit haben sie nämlich auch drei andere Butler mitgenommen, die gerade zugegen waren.

Während die drei Helden sich durch einen Haufen von Ganoven prügeln, trickst Alfred die Bande aus: Zunächst verspricht er dem Anführer, ihm ein Geheimnis über Bruce Wayne zu verraten. Dafür muss er aber die anderen Opfer wegbringen. In der Zwischenzeit hypnotisiert er die beiden Helfer, die auf ihn aufpassen sollen und lässt sie in Tiefschlaf fallen. Schließlich knockt er den anderen aus. Als Nightwing und Co. eintreffen, ist alles erledigt und Alfred  erscheint völlig abgebrüht als Herr der Lage.

Wir erfahren: Derlei ist bereits öfter passiert. 27 Mal um genau zu sein, deshalb hat Alfred für solche Fälle auch einen Tracker bei sich. Wer sich jetzt über Spoiler aufregt, dem geht es so wie mir: Denn bereits das Cover verrät leider alles. Amüsant zu lesen ist es trotzdem.

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Wiedersehen mit Retro-Alfred

DC Comics

Titel: The Battling Butler!

Autor/Zeichner: Alan Grant/Bret Blevins

Erschienen: 1994 (Batman: Shadow of the Bat #31), Paperback 2017, (Batman: Zero Hour), 2018 (Batman: Shadow of the Bat Vol. 3), 2020 (Batman Allies: Alfred Pennyworth)


Während des Knightfall-Events hat es Bruce Wayne übertrieben, deshalb hat Alfred seinen Dienst quittiert und musste dann später von Nightwing zurückgeholt werden. Aber zwischendrin passiert noch die Zero Hour, ein Event, bei dem die Zeit durcheinander gerät. Und plötzlich taucht der alte Alfred Beagle aus den 40ern wieder auf: dick, tollpatschig und voller Eifer, ein Detektiv zu werden.

Der stürzt sich auch gleich auf Tim Drake, den er für einen Robin-Hochstapler hält, sobald der zusammen mit Batman die Bathöhle betritt. Später zerbricht er ein Bild seines Nachfolgers und schüttet Kaffee über den Batcomputer. Dafür gibt’s Hausarrest – dem Dynamischen Duo darf er nicht bei seinem neuesten Fall helfen. Alfred widersetzt sich natürlich und das ist auch gut so, denn als Batman und Robin von den Schurken mit einem Halluzinogen benebelt werden, rettet er ihnen mit seiner Tollpatschigkeit das Leben.

Kaum hat Alfred seinen Zweck erfüllt, löst er sich auch schon in Luft auf. Allerdings verkündet er vorher noch seinen Beschluss, nicht mehr Detektiv werden zu wollen, sondern nur noch Butler zu sein – und zwar ein treuer, der seinen „Mawster“ nicht im Stich lässt. Dem haben Batman und Robin nichts mehr hinzuzufügen. Sie dürften einfach nur froh sein, dass dieses Wiedersehen zu Ende ist.

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Alfred bekommt eine Tochter

DC Comics

Titel: The Man Who Killed Mlle. Marie/Who Shot Mlle. Marie?

Autor/Zeichner: Gerry Conway/Don Newton

Erschienen: 1981 (Detective Comics #501-502), Hardcover 2017 (Tales of the Batman: Gerry Conway Vol. 1), Paperback 2020 (Batman Allies: Alfred Pennyworth)


Alfred Pennyworth und Lucius Fox bekommen jeweils ein Telegramm aus Paris und brechen plötzlich dorthin auf. Bruce Wayne ist skeptisch und reist hinterher. Dort erklärt ihm der Geheimdienst, dass die beiden einst im Zweiten Weltkrieg den französischen Widerstand unterstützt haben, Alfred für den britischen, Lucius für den amerikanischen Geheimdienst. Unabhängig voneinander haben sie mit der berühmten Widerstandskämpferin Mademoiselle Marie gekämpft. Aber die wurde eines Tages von einem Unbekannten ermordet. Alfred und Lucius werden nach Frankreich geholt, um den Mord aufzuklären. Doch als Batman die beiden aufsucht, werden sie von einigen Resistance-Kämpfern überfallen, angeführt von einer gewissen Julia Remarque, der Tochter von Mlle. Marie. Batman will sie beschützen, aber da schlägt ihn Alfred von hinten nieder, um Julia zu schützen. Daraufhin beschuldigt sie Alfred des Mordes an ihrer Mutter.

Während Batman in einer Scheune gefesselt wird, hält Julia mit den anderen ein Tribunal ab, bei dem der Schuldige bereits feststeht. Doch Alfred schweigt zu den Vorwürfen. Batman befreit sich und versucht, innerhalb eines Tages Alfreds Unschuld zu beweisen und den wahren Mörder zu finden. Das gelingt ihm auch so schnell, dass man sich fragt, warum nicht Julia von selbst darauf gekommen ist. Aber es ist nicht die einzige Frage, die offen bleibt. Denn während der Ermittlung stellt sich heraus, dass Julia Alfreds Tochter ist. Alfred wusste es von Anfang an, hat sie finanziell unterstützt, aber offenbart sich ihr gegenüber bis zum Schluss nicht als Vater. Angeblich um sie nicht zu verstören. Aber ist sie mit ihrer Rachsucht nicht schon verstört genug? Warum sollte er nach dem ganzen Drama nicht die Wahrheit sagen?

Damit endet dieser Zweiteiler seltsam unbefriedigend. Alfreds wahre Verwandtschaft wird zwar erweitert (nach seinem Bruder und seiner Nichte), aber es bleibt alles ohne Folgen. Alle kehren zurück zum Status quo, sodass Alfred weiter nur Ersatzvater für Bruce und Ersatzgroßvater für Dick Grayson spielen muss.

Ach ja: Und was hat am Ende Lucius Fox mit all dem zu tun? Warum wurde auch er nach Paris gebracht? Keine Ahnung.

(Julia Pennyworth bekommt viel später, in Batman Eternal, eine größere Rolle in Alfreds Leben.)

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Alfred als Gastgeber für Ganoven

Unverhoffter Besuch: Alfred mit Gaunern. (DC Comics)

Titel: Alfred: The Hospitable Hostage

Autor/Zeichner: Bob Rozakis/George Tuska

Erschienen: 1979 (Detective Comics #486)


Als Alfred Pennyworth eines Tages das Hochhaus der Wayne Foundation betritt (in den 70ern hatte Batman Wayne Manor und Bathöhle verlassen), wird er von drei Gaunern in den Fahrstuhl gestoßen. Sie wollen Bruce Waynes Wohnung leerräumen und er soll ihnen dabei helfen. Bruce ist nicht da, doch das größte Problem ist, wenn er als Batman zurückkehren sollte – dann fliegt er nämlich auf.

Damit die Gauner auf der Suche nach Beute nicht zufällig die Bathöhle finden, zeigt Alfred ihnen den Safe und serviert ihnen Kaffee, denn ein guter Butler bleibt auch gegenüber ungebetenen Gästen, die sich lieber selbst bedienen, stets ein guter Gastgeber. Alfred öffnet ihnen sogar den Safe, bevor sie noch größeren Schaden anrichten. Viel Geld ist da zwar nicht drin, wertvoller sind die Aktien, aber die sind nur wertvoll, wenn Bruce Wayne sie unterschreibt. Also warten die drei Ganoven auf die Rückkehr des Hausherren.

Um die Begegnung zu verhindern bietet Alfred ihnen seine Briefmarkensammlung als Ersatz an. Die nehmen sie ihm auch gerne ab, bleiben aber trotzdem, bis Bruce kommt. Aber wo bleibt er denn?, fragen sie, als es langweilig wird. Wahrscheinlich bei James Gordon, sagt Alfred. Mit Polizei wollen die drei aber nichts zu tun haben, also hauen sie wieder ab. Alfred blockiert per Konsole den Aufzug und als Bruce zurückkehrt, kann er sich in aller Ruhe darum kümmern, für seine Gäste eine Mitfahrgelegenheit zu rufen – im Streifenwagen.

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Alfred wird Pennyworth und bekommt Verwandtschaft

DC Comics

Titel: Angel — Or Devil?

Autor/Zeichner: Frank Robbins/Irv Novick

Erschienen: 1969 (Batman #216)


Vor dem Gotham Theater bedrohen zwei Männer eine junge Frau. Sie soll etwas tun, das sie nicht tun will. Batman rettet sie, wird ausgeknockt wie ein Amateur, die junge Frau braucht aber keine Rettung: Sie willigt ein und rennt davon. Als Batman wieder zu sich kommt und am Theater herumfragt, wird er mit einer Ritterrüstung und einem Speer beworfen, aber die Übeltäter können entkommen, indem sie sich Kostüme anziehen. Batman gibt auf. Vorerst.

In Wayne Manor stellt Alfred derweil bei der Zeitungslektüre fest, dass sein Bruder Wilfred Pennyworth in der Stadt ist – ein Schauspieler. Moment mal, Pennyworth? Alfred hieß bis dahin noch Beagle mit Nachnamen. Pennyworth stammt aus der TV-Serie. Damit dürfte das letzte Überbleibsel des alten Alfred still und heimlich begraben sein.

Batman gabelt auf dem Heimweg die junge Frau auf und fragt, ob er sie mitnehmen könne. Ja, sagt sie, nach Wayne Manor. Dort will sie zu ihrem Onkel Alfred. Und tatsächlich: Daphne Pennyworth ist seine Nichte. Alfred bekommt hier erstmals eine Verwandtschaft. Dick Grayson vergisst bei ihrem Anblick, dass er krank im Bett liegen müsste, und ist so nett, ihr Bruces wertvollstes Stück zu zeigen: Unter der Shakespeare-Büste liegt das Original-Manuskript zu „Romeo und Julia“ im Safe. Wie Bruce zu diesem unbezahlbaren Kulturgut kam, wird nicht erklärt.

Mord am eigenen Onkel

Offenbar gibt er auch nicht gut darauf acht, denn kurz darauf schleicht sich Daphne nachts an und stiehlt es aus dem Safe. Alfred erwischt sie auf frischer Tat. Sie holt eine Pistole heraus und bedroht ihn damit, er versucht es abzuwenden, doch da geht ein Schuss los – zum Glück nur mit Platzpatronen. Daphne denkt aber, ihren Onkel erschossen zu haben, eilt zurück zum Theater und übergibt den Schurken das Manuskript. Die beiden haben Daphne und ihren Vater erpresst.

Es kommt zum großen Showdown vor und hinter den Kulissen, denn natürlich passiert alles während einer Vorstellung von „Romeo und Julia“, in der Daphne die weibliche Hauptrolle spielt und die Schurken haben ihr einen echten Dolch gegeben, damit sie sich im letzten Akt unwissentlich selbst tötet, aber da springt ihr Vater auf die Bühne und verhindert das Schlimmste. Auch Alfred darf sich hinter den Kulissen nützlich machen, während Batman sich mit Fäusten behilt. Und am Ende scheint völlig vergessen zu sein, dass ihn seine Nichte gerade noch umbringen wollte.

Alfred ist einfach zu gut für diese Welt.

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Der große Batman-Ausverkauf

DC Comics

Titel: The Day Batman Sold Out/Alfred’s Mystery Menu

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1967 (Batman #191)


„Bat-Auction! Everything Must Go!“ – Was ist das? Batman versteigert seinen ganzen Kram? Alles muss raus? Ist das ein Witz? Nein, denn sonst würden Dick und Alfred nicht bittere Tränen darüber vergießen. Es passiert wirklich. Und das kommt so:

Batman hält den glatzköpfigen Gauner Ira Radon auf, der mit radioaktiven Isotopen Raubzüge begeht. Wie genau das abgeht, fragt mich bitte nicht, es wird auch nicht erklärt und es ist auch egal. Dem Gauner ist es aber nicht egal. Er findet es unfair, dass seine Karriere als größter radioaktiver Verbrecher der Welt so schnell vereitelt wird. Ja, das Leben ist halt nicht fair … Als der Mann Batman angreift, wirft ihn Batman dank seiner „Kata Guruma Judo“-Technik in eine Reaktorkammer. Angeblich unabsichtlich, aber da ist der Schaden schon angerichtet.

Radon wird verstrahlt, überlebt aber gerade so. Er darf nur nicht mehr stehlen. Denn die Aufregung würde eine Reaktion in seinem Körper verursachen, die ihn sterben ließe. Kurz gesagt: Er ist allergisch gegen Diebstahl. Also schwört er Rache. Das scheint offenbar besser für die Nerven zu sein.

Ein paar Monate später ist es soweit: Batman verkündet plötzlich das Ende seiner Karriere (nicht zum ersten Mal) und verhökert Batarang, Batrope und Kostüme an die Meistbietenden. Alte Erzfeinde wie Pinguin und Joker ärgern sich, dass sie selbst nicht mehr zum Zuge kommen, Batman umzulegen.

Die Erklärung für diese rätselhafte Aktion: Ira Radon hat Batmans Arbeitsmittel verstrahlt und wenn er sie noch einmal benutzt, stirbt er, weil sein Körper bereits genug indirekter Strahlung ausgesetzt ist. (Was natürlich physikalisch gesehen hochgradiger Blödsinn ist.)

Ton schützt vor Radioaktivität: Batman als Clayface.

Doch Batman ist ein schlauer Fuchs: Er hat natürlich alles selbst über die Wayne Foundation kaufen lassen, nur der Batarang wurde von einem Fremden ersteigert. Ira Radon schöpft keinen Verdacht, aber er will den Fremden kennenlernen. Doch dann trifft er auf eine Clayface-artige Gestalt – die sich als Batman im Schutzanzug herausstellt. Wieder kommt der Judo-Trick zum Einsatz, wieder gerät Radon selbst in seine eigene Strahlung. Nur diesmal nimmt es ein böses Ende mit ihm.

Alfred wird entführt

In der zweiten Story wird Alfred mal wieder entführt. Ein Gangsterboss veranstaltet nämlich ein Festessen für seinen Millionaire Mobster Club und braucht einen guten Koch. Fachkräftemangel war offenbar schon immer ein Problem, andernfalls kann ich mir nicht erklären, warum er ausgerechnet einen Butler zum Kochen heranschafft. Wem die Geschichte bekannt vorkommt, der irrt nicht: Die Idee stammt aus The Secret Life of Batman’s Butler (Batman #68, 1951). Doch diesmal bekommt die Story einen neuen Dreh: Um seinen Herren mitteilen zu können, wo er gefangen gehalten wird, schickt Alfred eine Geheimbotschaft per Rezept.

Er lässt sich Zutaten für ein bestimmtes Dreigänge-Menü besorgen und weil er weiß, dass die Gangster alles stehlen, kann er auch davon ausgehen, dass Batman und Robin ein paar von denen dabei erwischen werden. Da fragt man sich natürlich, wozu ihr Boss seine Million hat, wenn er seine Leute Lebensmittel klauen lässt. Aber sei’s drum – sonst könnte die Story nicht funktionieren.

Wenn Batman und Robin zum Essen kommen, wird Diät verordnet.

Bruce und Dick gehen Alfreds Rezepte durch und leisten knallharte Detektivarbeit, die nahe an Gedankenlesekunst grenzt. Sie finden Alfred und mischen die Missetäter ordentlich auf. Jetzt wäre es natürlich sehr cool, wenn Batman sagen würde: „Gentlemen, you have eaten well …“ (Preisfrage: Woher stammt das Zitat?) Doch Robin hat einen noch viel besseren Spruch auf Lager: „The feast is over–it’s time now for the famine!“ Die Diät wird mit Fäusten in die Magengrube verordet …

Beim ersten Mal hat sich Alfred noch selbst mit Speiseöl befreit, aber diese Variante der Geschichte ist dann, obwohl noch weiter hergeholt, doch viel cooler …

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Bewährungsproben für Alfred

Alfred wird gefeuert: Batman #68 von 1951. (DC Comics)

Titel: The Secret Life of Batman’s Butler/The Secret of Batman’s Butler

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz, Sheldon Moldoff

Erschienen: 1951/1957 (Batman #68/110)


Ein Butler muss loyal und diskret sein. Gerade Alfred muss das wissen, denn er trägt das größte Geheimnis überhaupt herum: dass seine Herren, Bruce Wayne und Dick Grayson, in Wahrheit Batman und Robin sind. Aber damit stellt Alfred auch eine Schwachstelle dar. Wer an ihn rankommt, könnte auch den beiden Helden gefährlich werden. Von Alfred wird also einiges abverlangt, das geht mit einigen Opfern einher, wie sich in zwei Storys der 50er zeigt.

Im Jahr 1951 wird Alfred gefeuert. Einfach so. Von jetzt auf gleich. Einen Grund bekommt er von Sir und „Mawster“ nicht, nur eine magere Abfindung, gerade mal ein Monatsgehalt im Voraus und dann – war’s das. Alfred ist am Boden zerstört. Er mietet sich eine Absteige und fragt sich, was er falsch gemacht haben mag. Doch da ist nichts. Im Gegenteil: In der Vergangenheit war er nicht nur ein treuer und ergebener Butler für Bruce und Dick, er hat sich sogar als Sidekick für Batman und Robin verdient gemacht. Immer wieder hat er ihnen aus der Patsche geholfen.

Alfred betätigt sich Flugzeugingenieur und baut den Sky Sled. (DC Comics)

Einmal, erfahren wir, hat er sogar ein neuartiges Flugzeug für Batman konstruiert: den Sky Sled, eine Art kleines Batplane. Batman glaubte zwar nicht dran und tat das Ding ab, aber dann klemmte Alfred seine Erfindung einmal ans Batplane und konnte Batman im Einsatz eines Besseren belehren. Batman übernahm den Luftschlitten daraufhin selbst. Und dann war da noch der Fall, als ein Gauner Alfred für eine Nacht entführen ließ, weil gutes Personal bekanntlich so schwierig zu kriegen ist. Aber Alfred wollte nicht einmal für eine Nacht Diener zweier Herren sein und befreite sich, indem er Speiseöl in Brand steckte und seinen Entführer mit Salat attackierte. (Kein Witz.)

Stunde der Wahrheit: Alfred am Lügendetektor. (DC Comics)

Zurück in die Gegenwart: Alfred sucht Trost bei seinem Freund Willis. Alfred hat Freunde? Ja, allerdings. Die haben einen Lügendetektor bei sich rumstehen und testen reihum, wer die Wahrheit auf unbequeme Fragen sagt. Als Alfred dran ist, fällt die Frage: Bist du der Butler von Batman und Robin? Alfred gerät ins Schwitzen und sagt: Nein. Die Nadel schlägt nicht aus, der Detektor irrt nie, Willis ist überzeugt. In dem Moment trifft aber das Dynamische Duo ein und schlägt die Gauner zusammen.

Jetzt wird auch der Kündigungsgrund klar: Die beiden Helden wussten, was die Bande vorhatte und konnte kein Risiko eingehen. Sie hätten sie auch nicht vorher hochnehmen können, denn die Gauner mussten sich selbst vom Gegenteil ihrer Vermutung überzeugen. Alfred bekommt seinen Job zurück. Aber das Bittere ist: Alfred hat tatsächlich keine anderen Freunde. Er geht ganz und gar in seiner Rolle als Butler auf.

Eine neue Geschichte für Alfred

Herr der Lage: Alfred verschafft Bruce Wayne ein Alibi. (DC Comics)

Sechs Jahre später, 1957, kündigt Alfred jedoch selbst – weil er angeblich Bruce Waynes Geheimidentität verraten hat, wie er ihm in seinem Abschiedsbrief gesteht. Dann erzählt er, wie es dazu kam. Was wir sehen, ist zunächst eine ganz andere Entstehungsgeschichte. Anders als bei seinem ersten Auftritt im Jahr 1943 kommt er nicht einfach aus dem Nichts reingeplatzt, um die Nachfolge seines Vaters anzutreten, sondern er bewirbt sich bei Bruce um die Position als Butler. Alfred ist auch anders als in der alten Fassung von Anfang an schlank.

Alfreds neuer Origin: Bewerbungsgespräch und -probe. (DC Comics)

In seinen Probetagen kommt ein Mann namens Noyes auf Alfred zu, der behauptet, sich selbst um die Stelle beworben zu haben. Er fragt ihn nach Wayne aus, aber Alfred hält dicht. Dann versucht Noyes, ihn zu bestechen. Alfred weist ihn zurück.

Alfred erfährt das Geheimnis seines Herren: Bruce Wayne ist Batman. (DC Comics)

Später erfährt Alfred Bruces Geheimidentität nicht, weil er die Bathöhle entdeckt, sondern weil Dick ihn zur Hilfe ruft, nachdem die beiden von einem Einsatz zurückkommen und Batman am Kopf verletzt ist. Alfred schafft es, Bruces Geheimnis zu bewahren, auch wenn die Lage mal brenzlig wird, zum Beispiel mit der ewig neugierigen Reporterin Vicky Vale. Er macht sich sogar als Erfinder nützlich, indem er aufblasbare Kostüme näht, die Batman und Robin vor dem Ertrinken bewahren sollen.

Alfred versucht Bruce Wayne zu decken, indem er selbst zu Batman wird. (DC Comics)

Am Ende sieht Alfred aber Noyes in der Bathöhle und schließt daraus, dass Batman aufgeflogen ist. Der Butler versucht aber noch einmal, das Geheimnis zu retten, indem er sich selbst das Batman-Kostüm anzieht. (Nicht zum ersten Mal, siehe „The Duped Domestics“, Batman #22, 1944.) Da stellt sich heraus: Noyes ist in Wahrheit Bruce, der sich verkleidet hat, um Alfred zu testen.

Alfred hat seine Bewährungsprobe erneut bestanden. Er erweist sich als „the greatest gentleman’s gentleman in the world“, wie Batman sagt und er fragt sich: „How did Robin and I ever get along before we had you for a butler?“ Tatsächlich erweist sich Alfred hier als wahres Factotum, ein Mädchen für alles. Ein Butler, der innovative Funktionskostüme näht und Flugzeuge baut – so ein Personal ist wirklich schwer zu kriegen.

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Alfred mausert sich zum Detektiv

Alfred: Vom dicken Butler zum mageren Detektiv. (DC Comics)

„The ideal detective is athletic, light and swift in movement, graceful as a swan and utterly self-possessed in all circumstances!“

Alfred war nicht immer der, den man heute kennt. Es brauchte lange, bis er sich vom Butler zur Vaterfigur und zum Mädchen für alles mauserte. Nach ihrem ersten Auftritt wurde die Figur in den 40er-Jahren immer weiter entwickelt, allerdings noch als Comic Relief.

Anfangs hatte Alfred nicht einmal einen Nachnamen. Er war nur ein dicker, trampeliger Butler, der aber lieber Detektiv wäre. Als er einmal auf der Straße das Gespräch zweier zwielichtiger Gestalten belauscht, glaubt er, dass es sich um einen Erpressungsversuch handelt („Alfred Gets His Man“, World’s Finest #12, 1943). Er ergreift die Initiative und kommt zur Geldübergabe – natürlich undercover. Total unauffällig verkleidet mit Sherlock-Holmes-Mütze, Pfeife und Sonnenbrille …

Cover zu World’s Finest #12, Detective Comics #83 und 96 (DC Comics)

Leider stellt er sich dabei auch sonst nicht sehr geschickt an: Er bittet den Verdächtigen, mit ihm zur nächsten Polizeiwache zu kommen und das Geld mitzubringen. Der verpasst ihm einen Schlag auf den Kopf und entführt ihn mit dem anderen auf ein Schiff. Es wird klar: Die beiden sind Schmuggler. Sie wollen Alfred umbringen, aber stellen sich dabei kreativ an: Sie stellen einen Eimer mit gefrorenem CO2 auf und lassen ihn mit den aufsteigenden Dämpfen langsam ersticken.

Alfred befreit sich, ritzt ein Batsymbol in ein bemaltes Bullauge. Weil er auch noch zufällig ein Funkgerät mitgebracht hat, hören ihn Bruce und Dick, die gerade zufällig beim Tiefseefischen sind. Beim Versuch ihn zu befreien werden sie selbst gefangen genommen. Alfred hilft ihnen, sich zu befreien und sie werden zum Dynamischen Trio. Alfred will aber hinterher keinen Ruhm einheimsen. Er bleibt lieber anonym.

Alfred nimmt ab

Beim nächsten Mal („Accidentally on Purpose“, Detective Comics #83, 1944) erleben die beiden Alfred von einer ganz anderen Seite: beim Fitnesstraining. Er hat nämlich beschlossen, dass ein Detektiv auch körperlich gut in Form sein muss. Er fährt weg und macht eine Schlankheitskur. Bruce und Dick sind froh, mal das Haus für sich zu haben. Trotz seiner scheinbaren Untergebenheit kommandiert er die beiden nämlich mehr herum als sie ihn: „He’s a tyrant in his own way – and he’s clumsy as an elephant — but we’ll miss him“, sagt Bruce.

Alfred bringt sich in Form – beim Fitnesstraining. (DC Comics)

Beim nächsten Fall hilft ihnen Alfred wieder aus der Patsche, indem er sich tollkühn von hinten auf drei Gangster wirft. Allerdings erkennen ihn Batman und Robin zunächst nicht. Nicht nur weil er schlanker ist, auch weil er einen Schnurrbart trägt. Aber am Ende stolpert er wieder, als er das Essen serviert und dabei in seinem Detektiv-Ratgeber liest. Insofern bleibt er dann doch ganz der alte Trampel.

Alfred als Privatdetektiv

Alfred lässt aber nicht locker. Als Möchtegern-Detektiv erlebt er sogar eine Reihe von kurzen Solo-Abenteuern, die von 1944 bis 1946 in der Serie Batman erscheinen. Dabei löst der Tollpatsch seine Fälle stets mit mehr Glück als Verstand. Einmal trifft er im Batman-Kostüm auf Catwoman, macht ihr den Hof und verhaut sie am Ende, aber das ist eine andere Geschichte … („The Duped Domestics“, Batman #22, 1944).

Um seine Fähigkeiten zu erweitern, belegt er sogar einen Fernkurs in Kriminologie. Aber Batman und Robin lassen ihn trotzdem nicht bei sich mitmachen. „Sorry, Alfred – one doesn’t learn all there is to know about crooks by mail!“ – „Nor from books, either, Alfred.“ Auch dass er ihnen schon viele Male aus der Patsche geholfen hat, beeindruckt sie nicht.

Der frustrierte Butler nimmt also mal wieder einen Monat Urlaub und macht in der Stadt Middleton eine Privatdetektei auf („Alfred, Private Detective“, Detective Comics #96, 1945). Batman und Robin ziehen los gegen den Gangster Stoney Peters. Batman wird angeschossen. Peters haut ab – zufällig nach Middleton. Dort heuert er Alfred als Detektiv an, um einen Mann auszuspionieren, den er ausrauben will. Der naive Alfred lässt sich darauf ein und erkennt zu spät, dass seine Dienste für ein Verbrechen missbraucht worden sind. Nachdem er sich der Polizei erklärt, wird er eingesperrt.

Batman und Robin folgen Peters nach Middleton und finden Alfred im Gefängnis. Alfred will ihnen helfen und bricht aus, auch wenn er dabei beschossen wird. Ihm ist keine Gefahr zu groß im Dienste der guten Sache. Dann werden alle drei von den Gangstern wieder gefangen genommen und helfen sich wieder gegenseitig aus der Patsche. Am Ende ist Alfred der strahlende Held. Und: Endlich bekommt er in dieser Ausgabe einen Nachnamen. Er lautet noch Beagle. Pennyworth kommt erst viel später – in den 60ern.

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