Die Bathöhle fliegt wieder

Detective Comics #317 (1963)

DC Comics

Titel: The Secrets of the Flying Bat-Cave

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1963 (Detective Comics #317)


Batman und Robin sind zur Police Convention in Center City eingeladen. Da sie dabei ihre Ausrüstung zeigen wollen, aber nicht die Bathöhle mitnehmen können, fliegen sie mit der Flying Bat-Cave hin. Obwohl sie sie kaum benutzen, haben sie ihr ein Upgrade verpasst.

Kaum sind sie in der Luft, sehen sie, wie zwei Mitglieder der Condor Gang eine Bank ausrauben – unverkennbar an den Vogelmasken, die sie tragen. Mit einem Magneten sind schnell ihre Waffen gefasst.

Auf der Convention zeigen Batman und Robin ihre Höhle, in der auch Miniaturen ihrer Trophäen gelagert sind, wie der Riesenpenny und die Joker-Maske, aber auch ein Mini-Batmobil, der Bat-Racer.

Die Condor-Gang fordert das Dynamische Duo heraus, aus der Stadt zu verschwinden. Das denkt nicht dran. Verhüllt als Wolke nähert sich die Flying Bat-Cave dem Geheimversteck der Bande, Batman und Robin gleiten mit Wingsuits zum Kampf. Doch die Bande entkommt.

Später wollen sie die Gauner in einem Stadion die Polizei um ihre gesammelten Spenden erleichtern, jagen sie die Flying Bat-Cave in die Luft – aber nur scheinbar, denn Batman hat nur eine aufblasbare Version des Gefährts vorgeschickt. Als die echte Flyig Batcave herannaht, fährt ein Greifarm aus, mit dem auch die letzten Mitglieder der Condor-Gang geschnappt werden können. Spätestens hier fällt auf: Was soll eigentlich eine Bande, die sich nach einem Vogel benennt, aber nichts mit Fliegen zu tun hat? Wäre die Geschichte nicht viel aufregender, wenn sich auch die Gegner durch die Luft bewegten? Hier hat es sich Bill Finger etwas zu leicht gemacht.

>> Batman 1960-1969

Gotham wird zum Schlachthaus

Batman: Crimson Mist

DC Comics

Titel: Crimson Mist (dt. Blutroter Nebel)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1998 (One-Shot), Paperback 2007 (Tales of the Multiverse: Batman Vampire), 2016 (Batman Elseworlds Vol. 2); dt. Panini 2002


„I’ve become worse than Two-Face, perhaps worse than Dracula himself.“ (Batman)

Nachdem Batman den Joker getötet hat und er sich von Alfred hat einen Pflock ins Herz rammen lassen (siehe Bloodstorm), liegt Batman als Skelett in seiner Gruft, sein Bewusstsein hängt zwischen Leben und Tod fest. In Gotham treiben neue Verbrecher ihr Unwesen: Two-Face, Scarecrow, Poison Ivy, Pinguin, Black Mask und in der Kanalisation frisst Killer Croc Prostituierte. Die Polizei ist verzweifelt, Gordon stattet Alfred einen Besuch ab. Daraufhin zieht Alfred Batmans Überresten den Pflock aus dem Brustkorb und Vampir-Batman kehrt wieder zurück, um in Gotham aufzuräumen.

Das bedeutet: Batman schlachtet einen Schurken nach dem anderen ab. Sogar in Arkham tötet er alle Mörder. Unterwegs ist er wahlweise als Riesenfledermaus oder als roter Nebel. Dann verbünden sich Gordon und Alfred mit Two-Face und Killer Croc, um dem Vampir Einhalt zu gebieten. Ihm selbst treibt ein Todeswunsch um …

Der dritte Teil der Vampir-Saga bietet einen starken Abschluss. Es wird anfangs zwar etwas zu viel gemetzelt, aber in der zweiten Hälfte wird das Finale in der Bathöhle spannend. Da Kelley Jones immer wieder beeindruckend den Horror darstellt, lässt sich die Brutalität ertragen. Gerade Batman erscheint alle paar Seiten noch schrecklicher als zuvor.

Interessant ist der innere Konflikt der drei Hauptfiguren: Alfred und Gordon wollen Batman nur widerwillig ausschalten, auch Batman will nicht töten, muss aber, um zu überleben. Verbrecher zu opfern ist das kleinere Übel. Er sieht seine Erlösung darin, dass am Ende alle Menschen zu Vampiren werden und dadurch schließlich verhungern, bzw. verdursten.

Zwischen den Zeilen scheint eine leise Zivilisationskritik durch: Die Vampire werden zur Allegorie für die Menschheit, die die Erde ausbeutet. Der Parasit kann nur endgültig sterben, wenn es nichts mehr zu holen gibt. Zum Glück geht diese Batman-Geschichte anders aus. Ein Ende im Frieden für alle Beteiligten. Und zum Schluss scheint sogar die Sonne.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Batman-Splitter #13: Bat-Signal

Das Bat-Signal in Tim Burtons „Batman“ von 1989 (Warner Bros.)

Wenn die Polizei Hilfe braucht, ruft sie Batman mit einem Scheinwerfer, dessen Licht die Form einer Fledermaus hat. Damit das klappt, muss es Nacht sein und der Himmel bewölkt. Aber in Gotham City ist ja meistens schlechtes oder zumindest trübes Wetter. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass dieses Signal – wie so vieles – die Naturgesetze überwindet.

Das Bat-Signal kam, wie so vieles, erst später zur Ikonografie hinzu. In der Joker-Story „The Case of the Costume-Clad Killers“ (Detective Comics #60, 1942) wird es zum ersten Mal eingesetzt. Die Bande des Jokers verkleidet sich als Soldaten, Polizisten und Feuerwehrleute, um Raubzüge zu begehen und zu morden. Kurz darauf leuchtet ein großer Lichtkegel in den Nachthimmel. Auf dem Hintergrund einer schwarzen Wolke, wie es heißt, erscheint die Silhouette einer riesigen Fledermaus.

Das erste Bat-Signal in Detective Comics #60 (1942)

Das erste Bat-Signal. (DC Comics)

Die Leute kommentieren: Das kommt vom Dach des Polizeihauptquartiers, sie rufen Batman. Bruce Wayne und Dick Grayson wissen, was zu tun ist. Unbedingt nötig ist das Signal nicht, weil die beiden – die gerade aus dem Kurzurlaub kommen – die Zeitungen gelesen haben.

Als sie bei Commissioner Gordon eintreffen, verlieren sie kein Wort über das Bat-Signal. Entweder weil es bereits etabliert ist oder weil es sich von selbst versteht. Wer auf die Idee kam, ist jedenfalls unklar. Wichtig ist nur, dass auch der Joker sein Zeichen hinterlassen hat: eine Joker-Karte, die bereits das nächste Verbrechen ankündigt. Er prahlt: Nicht mal das Wetter könne ihn aufhalten. Gemeint ist der Wahlspruch der Post.

Bemerkenswert ist, dass die Leser an das neue Signal herangeführt werden: Auf der dritten Seite sieht man zunächst die Scheinwerfer des Streifenwagens der falschen Polizisten leuchten, dann die Scheinwerfer des Feuerwehrautos. Aus beiden schießen die Ganoven nach hinten auf ihre Verfolger. Wenn in der dritten Bildzeile das Bat-Signal erscheint, wirkt es wie ein positiver Gegenentwurf zum Licht der Bösen.

Das erste Bat-Signal in Batman Begins.

Gordon mit Bat-Signal in The Dark Knight.

Tatsächlich dient das Bat-Signal auch der Abschreckung. Wenn es zum Beispiel im Film The Dark Knight (2008) erscheint, ziehen sich die Ganoven aus Angst oder Aberglaube zurück. Zuvor hatte Commissioner Gordon selbst die Idee zu dem Signal, nachdem Batman einmal (in Batman Begins) den Gangsterboss Carmine Falcone auf einem Scheinwerfer drapiert hat, wodurch er zufällig einen fledermausartigen Schatten warf. In The Dark Knight rechtfertigt Gordon das Signal gegenüber Harvey Dent als eine Funktionsstörung – so die offizielle Version, um sich vor dem Vorwurf zu schützen, die Polizei arbeite mit einem Vigilanten zusammen. Am Ende des Films zerstört Gordon den Scheinwerfer, um den scheinbaren Bruch mit Batman zu vollziehen.

In der Comic-Serie Gotham Central wird erklärt, dass die Polizei einen Trick anwendet, um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Dort ist die Rezeptionistin Stacy, die nicht einmal eine offizielle Angestellte ist, als einzige Person berechtigt, das Bat-Signal einzuschalten. Damit ist die Polizei fein raus und kann ihre Hände in Unschuld waschen.

Das Bat-Signal ist aber auch wichtig für Batman. Es beeinflusste das gelbe Logo, das seit 1964 auf Batmans Brust prangte und spätestens mit Adam West und noch später mit Tim Burtons Batman-Film von 1989 zum Markenzeichen wurde.

Aber dieses Zeichen bekam mit der Zeit Risse. In Cataclysm (dt. Das Beben) fällt beim Zusammensturz des Polizei-Hauptquartiers das Bat-Signal auf James Gordon. In der Batman: The New Adventures-Episode „Over the Edge“ (dt. Todesvisionen) wirft Bane das Signal nach Batman und Gordon, wodurch sie vom Dach stürzen.

Ein Nachteil des Bat-Signals ist natürlich, dass die Schurken wissen, wo sich Batman aufhält und das auch für ihre Zwecke missbrauchen können. Mehrere Schurken locken damit Batman an, wie etwa von Scarecrow (Haunted Knight) vom Riddler (Dark Victory) und vom Joker (Lovers and Madmen). Der heute vergessene Signalman schafft es sogar, Batman im Bat-Signal gefangen zu nehmen (Detective Comics #466, 1976).

Batman vs. Signalman in Detective Comics #466 (1976)

Batman vs. Signalman in Detective Comics #466 (1976) (DC Comics)

Diese Demütigung wurde vor einigen Jahren noch übertroffen: Die Comic-Serie Batman Eternal beginnt mit einem besiegten Batman, der ohne Maske, dafür mit einem in die Brust geritzten Fledermaus-Symbol an das zerstörte Bat-Signal gekettet ist. Wer dafür verantwortlich ist, erfährt man erst viel später – und soll hier nicht verraten werden.

Im Film Batman v Superman: Dawn of Justice ist es Batman, der mit dem Signal Superman anlockt. Frank Miller und John Romita Jr. spiegeln diese Szene drei Jahre später in Superman: Year One.

In der Batman-TV-Serie der 60er-Jahre gibt es das Bat-Signal zwar auch, aber da die Serie meistens am Tag spielt, nutzt die Polizei eine Direktleitung zu Wayne Manor – eine Hotline mit je einem roten Telefon am anderen Ende. Ein Vorteil ist natürlich auch, dass sich Batman auf der Fahrt zum Polizeipräsidium auf seinen nächsten Gegner einstimmen kann, während er beim Bat-Signal immer aufs Geratewohl hinfahren muss.

Wer diese streng geheime Leitung installiert hat, wird nie erklärt, aber im Kalten Krieg, als zwischen dem Weißen Haus und dem Kreml eine ähnliche Krisenleitung („Heißer Draht„) bestanden hat, dürfte das die Zuschauer nicht gewundert haben (auch wenn es in Wirklichkeit nie ein rotes Telefon war). Commissioner Gordon bewahrt seins unter einer Käseglocke auf. Das schützt vor Staub und auch davor, dass zufällig jemand aus Versehen den Hörer abnehmen könnte. In Wayne Manor wundert sich Tante Harriet wiederum nie über das rote Telefon auf Bruce Waynes Schreibtisch. (Vielleicht, weil sie dort keinen Zugang hat.)

In jedem Fall bedeutet das Bat-Signal für die Polizei auch ein Dilemma, denn sie gesteht jedes Mal damit öffentlich ihre eigene Unzulänglichkeit, Schwäche oder gar Verzweiflung ein. Bei Adam West wirken die Polizisten völlig inkompetent. In den ernsteren Geschichten ist Batman der Mann für die besonders harten Fälle, wie einst Sherlock Holmes. Das Signal zeigt Batman: Er wird nicht nur gebraucht, er ist bitter nötig. Er ist der einzige, der noch helfen kann. Damit wird das Bat-Signal zum Symbol der Hoffnung in der kaputten Stadt Gotham City.

Am 21. September 2019, zu Batmans 80. Geburtstag wurde das Bat-Signal Wirklichkeit und erstrahlte in 15 Städten auf der ganzen Welt. Damals wurde es aber auf Gebäude projiziert, denn das mit den Wolken – das haut in der Realität einfach nicht hin.

Scarecrow wird zum Dichter

The Return of the Scarecrow

DC Comics

Titel: The Return of the Scarecrow

Autor/Zeichner: Don Cameron/Bob Kane

Erschienen: 1943 (Detective Comics #73), Hardcover 2016 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 2), Paperback 2016 (Batman Arkham: Scarecrow), 2018 (Batman: The Golden Age Vol. 4)


Scarecrow ist wieder da! Aus dem Knast ausgebrochen geht er diesmal mit einer Gang auf Raubzüge. Diesmal ohne Mord (wie bei seinem ersten Auftritt in World’s Finest #3, 1941), dafür mit Ansage. Jonathan Crane schreibt „HAT“ auf eine Tafel und stiehlt ein paar wertvolle Hüte. Zufällig ist Bruce Wayne gerade da. Um sich nicht als Batman zu outen, stellt er sich tollpatschig an und tut so, als würde er unabsichtlich in die Gauner hineinstolpern. Da Scarecrow sich nicht sicher ist, ob es Absicht war, knockt er Bruce daraufhin nur aus.

Am Tatort lässt die Vogelscheuche ihre Tafel zurück. Darauf steht unter „HAT“ das Wort „MAT“. Bruce kombiniert, hat eine Vermutung und zieht daraufhin als Batman mit Robin zum Wrestling, wo man eben auf der Matte landet. In Gotham findet gerade ein Wohltätigkeitskampf statt, um für Kriegsanleihen zu werben. Hier zeigt sich Scarecrow nicht nur als gewissenloser Schurke, sondern auch als unpatriotisch – was für Amerikaner das größte Sakrileg sein dürfte. Doch auch im Ring kann die Vogelscheuche triumphieren. Am Ende landet eine große Lampe auf dem Dynamischen Duo.

Dann finden sie wieder eine Tafel: „VAT“ lautet der nächste Hinweis. Zusammen mit einem Flugblatt für eine Reinigungsfirma ist klar, wohin die Reise geht. Batman und Robin landen gefesselt in einem Wassertank. Batman schimpft: „You rat!“ Scarecrow offenbart: Eigentlich müsste es auf der Tafel „BAT“ heißen, Robin sein ein „BRAT“ (eine Göre). Er haut ab, lässt aber auf der Tafel zur Sicherheit den nächsten Hinweis („YAT“) zurück.

Trotzdem ist er überrascht, als er bei der nächsten Station (im Jade-Laden „Yat Sing“) Batman und Robin wiedersieht. Die beiden zeigen sich diesmal nicht nur schlagfertig mit Fäusten, sondern auch mit Worten. Batman wird dabei aus dem Stegreif zum Dichter. So klappt es am Ende immer: Man muss nur die Waffen des Gegners gegen ihn selbst richten.

Mehr zum Thema:

Viel zu tun, nichts zu befürchten

Titel: Superman – Year One

Autor/Zeichner: Frank Miller, John Romita Jr./John Romita Jr.

Erschienen: 2019 (Mini-Serie #1-3), Hardcover 2019 (DC Black Label)


Schon wieder Supermans Entstehungsgeschichte? Wurde die in 80 Jahren nicht schon etwa 1000 Mal erzählt? Davon die meisten Male in den letzten 20 Jahren? Doch. Aber eben noch nicht von Frank Miller. Der hat einmal mit Batman: Year One Comic-Geschichte geschrieben. Und jetzt versucht er das noch einmal mit Superman.

Bei Miller hat der Mann aus Stahl schon einiges mitmachen müssen. In The Dark Knight Returns wurde er von Batman verprügelt, in The Dark Knight Strikes Again noch einmal, in Dark Knight III hatte er sich selbst aufgegeben und dem Eis überlassen. Und in All-Star Batman & Robin, the Boy-Wonder wurde er als Vollidiot inszeniert.

Jetzt also alles von vorn. Superman mit rot-schwarzem Logo auf der Brust, wie in den frühesten Cartoons aus den 40ern. Aber nein, Miller und Romita Jr. fangen noch vor dem „Year One“ an, ganz von vorn. Wieder sehen wir Krypton untergehen, aber diesmal aus der Perspektive von Kal-El, der alles schon bewusst wahrnimmt, aber noch nicht begreift. Die Apokalypse um ihn herum könnte genauso gut eine Feier sein. Es gelingt den Autoren tatsächlich, eine neue Perspektvie zu finden, das Altbekannte neu zu erzählen.

Als Kind entdeckt Clark nach und nach seine Kräfte, nimmt übersensibel seine Umwelt wahr. In der Schule wehrt er sich gegen ein paar üble Mitschüler und bewahrt noch später sogar Lana Lang davor, vergewaltigt zu werden. So ungewohnt drastisch das Szenario erscheint, so ruhig und besonnen bleibt Clark. Trotz Pubertät ist er kein Teenager, der seine Gefühle nicht unter Kontrolle hat, sondern einer, der immer darauf achtet, seinen Gegner nicht zu großen Schaden zuzufügen.

Superman bei der Marine

Nach der Schule meldet er sich freiwillig zur Navy. Er will Gutes tun und die Meere erforschen. Bei der Marine gelingt ihm alles spielend, dann taucht er in den Pazifik, entdeckt Atlantis und lernt Meerjungfrau Lori Lemaris kennen, in die er sich verliebt. Nachdem er seinen ersten Einsatz gegen Piraten hat, merkt er, dass Töten nichts für ihn ist und er kehrt ins Meer zurück. Dort macht er Lori den Hof und stellt sich dabei Vater Poseidon vor – dazu trägt er erstmals das Superman-Kostüm, das seine Mutter für ihn aus kryptonischem Stoff genäht hat. Doch Poseidon gibt sich hartleibig und schickt alle Monstrositäten auf Superman los.

In diesem Teil lässt die Qualität der Erzählung deutlich nach. Wir sehen bloß Superman ein Seeungeheuer nach dem anderen bekämpfen, weil Poseidon in seiner Sturheit nicht einsehen will, dass sein Gegner unbesiegbar ist. Auch wird nicht klar, was das Problem ist, denn Superman hat es nie auf den Thron abgesehen.

Superman gegen Luthor und Batman

Im dritten und letzten Teil kommt Superman nach Metropolis. Zuerst rettet er Lois Lane das Leben, die aus einem unerfindlichen Grund mit einem Tauchboot allein in der Tiefsee unterwegs ist. Er verliebt sich, Lori scheint vergessen und er macht sich davon, um Journalist zu werden. In Metropolis macht er sich einen Namen, indem er viele Menschen rettet, aber Superman hat leichtes Spiel. Hier wird dient die Geschichte wieder nur einem Zweck, Supermans Allmacht zu demonstrieren. Da er die schon in der Tiefsee unter Beweis gestellt hat, erschöpft sich das schnell.

Interessant wird es erst, als es zur ersten Begegnung mit Lex Luthor kommt. Obwohl Superman sich weigert, ihm zu gehorchen, lässt er sich doch sofort einspannen, um ein offizieller Gesetzeshüter zu werden – eine Anspielung auf den Superman aus The Dark Knight Returns, der für den US-Präsidenten arbeitet. Superman soll Batman in Gotham City ausschalten. Doch Luthor kooperiert mit dem Joker, um eine neue Droge herzustellen. Luthor will die Helden gegeneinander aufhetzen, damit sie einander ausschalten.

Und das gelingt ihm auch. Batman lockt Superman mit dem Bat-Signal an und versucht, ihn auszuschalten. Dabei geht er so rabiat und großmäulig wie ein Straßenschläger vor. Es ist mehr der Dunkle Ritter aus All-Star Batman, gewürzt mit dem aus The Dark Knight Strikes Again („striking terror – best part of the job“). Superman hält allem, was Batman gegen ihn auffährt (alles außer Kryptonit), ungerührt stand. Selbst den Beleidigungen. Und als er sich revanchieren will, taucht aus dem Nichts Wonder Woman auf …

Das Ganze erinnert wahrscheinlich nicht zufällig an den Film Batman v Superman. Es wirkt wie ein Kommentar dazu, als würden Miller und Romita damit eine Version nachreichen, wie sie den Film gemacht hätten. Doch dazu taugt Superman: Year One leider nicht, weil hier alles schon vorbei ist, noch bevor es richtig losgeht. Zog sich die Geschichte vorher durch die Fülle an Supermans Bewährungsproben, handelt sie zum Schluss zu viel auf zu wenigen Seiten ab.

Damit bleibt ein zwiespältiger Gesamteindruck zurück: Es gibt Stellen, da erlebt man Miller wieder als Autor in Bestform mit wunderbaren Beobachtungen und witzigen Formulierungen. Aber es gibt leider auch viel zu viele Redundanzen, in denen er sich unnötig wiederholt – leider eine schlechte Eigenschaft, die er sich nach 2000 angewöhnt hat. So stark der Auftakt auch war, so planlos wirken die letzten zwei Drittel, die zwar prächtig von John Romita Jr. inszeniert sind, aber leider ohne Spannungsbogen auskommen, weil Superman nie eine Herausforderung erlebt. Er bleibt immer Herr der Lage. Und wenn er schon gelangweilt ist – warum sollten sich seine Leser für ihn interessieren?

(Abgesehen davon ist Year One auch eine Mogelpackung: Anders als bei Batman wird hier weit mehr als nur ein Jahr erzählt.)

>> Liste der Superman-Comics

Batman-Splitter #12: Gotham City

Batman und Gotham: Posterausschnitt aus The Dark Knight. (Warner Bros.)

Batman und Gotham: Posterausschnitt aus The Dark Knight. (Warner Bros.)

Wo liegt eigentlich Gotham City? Dieser Frage geht ein kurzes Video von Arte nach. Darin wird auch erklärt, woher dieses Gotham seinen Ursprung und seinen Namen hat.

Batman war anfangs in New York City unterwegs – der US-Metropole schlechthin, aber auch Heimat des Verlags National Allied Publications, der Batman und Superman herausgab (später umbenannt in DC Comics). In den Ausgaben Detective Comics #31-32 (1939) ist explizit von New York die Rede, in #33 von Manhattan. Das änderte sich erst 1941 in Batman #4: In der Story „The Case of the Joker’s Crime Circus“ liest Bruce die Zeitung „Gotham City Gazette“ und in „Victory for the Dynamic Duo“ heißt es in der Caption explizit, dass Batman und Robin in Gotham City untwergs seien. Trotzdem steht in einer anderen Story derselben Ausgabe („Public Enemy #1“) noch immer New York City auf den Zeitungen.

Warum Gotham? Autor und Batman-Mitschöpfer Bill Finger hat den Namen in einem Telefonbuch gefunden: Gotham City Jewelers. Gotham ist im Volksmund einer der vielen Rufnamen New Yorks. Zum ersten Mal tauchte er in der Satire-Zeitschrift Salmagundi auf, die Washington Irving herausgab. Darin macht sich der Autor über New York lustig, indem er ihr den Namen des Dorfes Gotham in England gibt, dieses „Goat Home“ oder „Goat’s Town“ galt als Stadt der Verrückten.

Gotham steht fortan für die dunkle Seite von New York, es ist die Stadt des Verbrechens, die man meistens nur schmutzig, verkommen und bei Nacht sieht. Im Laufe der Zeit, besonders im Silver Age, wird dieses Image zwar kindgerecht weichgespült. Doch mit seiner Schurkenriege von geisteskranken Schwerverbrechern, die seit 1974 in Arkham Asylum einsitzen, wird die Stadt schon immer ihrer Etymologie gerecht.

Batman Damned #2

Gotham City in Batman Damned (DC Comics)

In den Comics und Filmen sieht die Stadt jedes Mal anders aus. In der Batman-TV-Serie der 60er Jahre ist Gotham eine saubere und immer sonnige Stadt an der Ostküste – von Skyline keine Spur. Für die Ästhetik in Tim Burtons Batman (1989) ließ sich Designer Anton Furst von Giovanni Battista Piranesi, Hugh Ferris, die Art-Deco-Kunst der 20er und 30er Jahre und Fritz Langs „Metropolis“ inspirieren. In Christopher Nolans Dark-Knight-Trilogie dient Chicago als realer Schauplatz, der Film „Joker“ wurde in New York City gedreht, wo seitdem eine bestimmte Treppe in der Bronx zu einer Sehenswürdigkeit für Touristen geworden ist, was die Anwohner ziemlich nervt.

Erst 1977 (in Amazing World of DC Comics #14) wurde die Frage beantwortet, wo Gotham eigentlich liegt: in einer Bucht von New Jersey, gleich gegenüber von Metropolis. In der Storyline No Man’s Land (dt. Niemandsland) bekam Gotham – interessanterweise erst nach seiner Zerstörung durch ein Erdbeben – erstmals einen offiziellen Stadtplan, der sich an den den typischen Grundrissen amerikanischer Großstädte orientierte.

Alan Moore war es, der 1986 in Swamp Thing #53 Gotham eine Vorgeschichte gab. Gegründet wurde die Stadt im Jahr 1635 von dem norwegischen Söldner Captain Jon Logerquist. Diese Geschichte orientierte sich an New York. Aber auch schon in der Batman-TV-Serie der 60er Jahre erfuhr man, dass Gotham – wie Manhattan – für einen lächerlichen Preis von Indianern abgekauft wurde (An Egg Grows in Gotham/The Yegg Foes in Gotham). Comic-Autor Scott Snyder hat in Gates of Gotham und Court of Owls die Geschichte weiter ausgebaut. Natürlich waren die Waynes von Anfang an dabei.

Gotham

Gotham bekam immer mehr ein Eigenleben: In City of Crime (dt. Stadt der Sünde) reichen die Wurzeln dieser verkommenen Stadt bis in die Hölle, noch deutlicher wird das in der Elseworlds-Story Haunted Gotham. In Gotham Central bekommen die Bürger der Stadt anhand des Mikrokosmos Polizei ein Gesicht und schließlich inspirierte diese Comic-Serie die TV-Serie Gotham, bei der schon der Name ausdrückt, dass die Stadt selbst längst zu einer eigenen Marke geworden ist.

Die Rache des Schnitters

The Reaper

DC Comics

Titel: Night of the Reaper

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil, Bernie Wrightson, Harlan Ellison/Neal Adams

Erschienen: 1971 (Batman #237), Paperback 1999 (Batman in the Seventies), Hardcover 2013/2020 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 3/Batman by Neal Adams: Book Three)


Dick Grayson ist an Halloween mit seinen Kumpels auf einer Superhelden-Parade, da wird die Gruppe von drei Fremden angefallen. Als Robin verkleidet findet Dick später einen Toten im Batman-Kostüm, dann geht plötzlich einer im Sensenmann-Kostüm auf ihn los. Robin fällt nach hinten in eine kleine Senke, Batman holt ihn später raus und bringt ins Haus eines Mannes namens Tom Fagan, der gerade eine Halloween-Party schmeißt. Dort wird Robin von Doctor Gruener behandelt, einem Holocaust-Überlebenden.

Gruener erzählt, er sei in einem Konzentrationslager inhaftiert gewesen, das von dem Nazi Colonel Kurt Schloss geführt worden sei, einem Sadisten und Mörder. Gruener hat herausgefunden, dass Schloss ebenfalls in den USA lebt. Die Männer, die Dick angegriffen haben, sollen Nazis sein, die hinter Schloss her sind, weil er sich mit ihrem Gold aus dem Staub gemacht hat (was immer noch nicht erklärt, warum sie auf die Gruppe losgegangen sind).

Ein weiterer Mann wird vom „Reaper“ (Sensenmann/Schnitter) getötet. Schloss wird von den Nazis in seinem Auto hochgejagt. Am Ende stellt sich heraus, dass Gruener selbst der Reaper ist. Der will sich an seinen ehemaligen Folterknechten rächen. Aber Batman kann keinen Mord durchgehen lassen. Am Ende bringt Gruener eine Kette mit Davidstern-Anhänger zur Vernunft. Er sieht ein, dass er selbst geworden ist, was er hasst – und fällt in sein Verderben.

Superhero-Parade in Batman #237 (1971)

DC trifft Marvel bei der Superhelden-Parade zu Halloween. (DC Comics)

Bei aller ernsten Geschichtsaufarbeitung gibt es in der Story auch einen netten kleinen Gag: Bei der Parade ist auch Captain America zu sehen, auf der Halloween-Party tummeln sich auch Gesichter aus dem Marvel-Universum. Wir sehen einen „Thor“ mit Zimmermannshammer und einen Spider-Man, der sich „Webslinger Lad“ nennt.

>> Batman 1970-1979

Der unheilige Batman

Tales from the DC Dark Multiverse: Knightfall

DC Comics

Titel: Tales from the DC Dark Multiverse – Knightfall

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Kyle Higgins/Javi Fernandez

Erschienen: 2019 (One-shot)


„Some wounds don’t heal. What’s broken cannot always be fixed.“

Was wäre wenn … Jean-Paul Valley Bruce Wayne nach dem Knightfall besiegt hätte? Dieses Szenario spielt der One-shot Tales from the DC Dark Multiverse: Knightfall durch. Die Antwort: Jean-Paul übernimmt als Saint Batman eine Schreckensherrschaft in Gotham, schart eine Bande von St.-Dumas-Anhängern um sich, die Schurken wie den Pinguin auf offener Straße exekutieren. Bruce Wayne lebt nur noch in Gefangenschaft weiter, als Kopf und Torso – Saint Batman hat ihm seine Gliedmaßen amputiert.

Da gehen plötzlich in der Stadt mehrere Bomben hoch und es erscheint ein neuer Held: Tourne, der Sohn von Bane. Venom fließt durch seinen Körper. Er befreit Bruce, macht ihn zu einem noch mächtigeren Batman, der mittels Nano-Fledermäusen fliegen und alles zerfetzen kann, das sich ihm in den Weg stellt und zusammen mit Lady Shiva (die Bruce einst trainiert hat) stellen sie sich Saint Batman …

Diese Kurzgeschichte im Elseworlds-Stil setzt auch die Tradition fort, dass ein interessanter Ansatz viel zu schnell abgehandelt wird. Zu dieser Tradition gehört es, dass am Ende auch der alte Status quo wieder hergestellt wird, aber hier bekommt die Geschichte eine unerwartete, tragische Wendung. Ausdrucksstark und präzise gezeichnet bietet diese alternative Batman-Story eine gelungene Variation eines bekannten Themas, nach dem zwar niemand gefragt hat, aber den Wunsch nach mehr zurücklässt.

Die Rahmenhandlung deutet an, dass das kommen könnte – ein Reisender durchs Multiversum mit dem bescheuerten Namen Tempus Fuginaut (vgl. Temple Fugate) weist auf eine kommende Krise hin, die noch größer ist, als alle Krisen zuvor … Wie oft wir das schon gelesen haben …

Nachricht ohne Spoiler

Batman: Pennyworth R.I.P.

DC Comics

Wer DC auf Twitter abonniert, will über neueste Comics auf dem Laufenden bleiben. Das klappt meistens ganz gut. Aber heute bin ich über eine Nachricht gestolpert, die zu viel des Guten berichtet. Darin steht, dass in Batman #77 das Undenkbare geschehen sei. Was das ist, das will ich hier nicht verraten, denn ich will es nicht für die Leser spoilern, die es selbst noch lesen wollen. Jedenfalls erscheint zu diesem unerhörten Ereignis am 12. Februar 2020 ein Comic, das davon erzählt, was nach diesem Ereignis passiert. Der Dunkle Ritter steht mal wieder am Scheideweg.

Dieser One-shot umfasst 48 Seiten und wird im Prestige-Format gedruckt sein. Geschrieben wird er von James Tynion IV (Detective Comics) und Peter J. Tomasi (Detective Comics, Batman and Robin) und gezeichnet von Eddy Barrows und Eber Ferreira.

Ich kann euch nicht mal verraten, wie dieses Comic heißt, weil damit schon zu viel gespoilert wäre. Wer Batman #77 gelesen hat oder wem Spoiler egal sind, der kann das alles bei DC Comics nachlesen. Auf eigene Gefahr.

Flash stellt Batman seine Faust vor

Batman/Flash: Der Preis

DC Comics

Titel: Heroes in Crisis – The Price and other Stories (dt. Der Preis)

Autor/Zeichner: Joshua Wiliamson/Guillem March u.a.

Erschienen: 2019 (Batman #64-65, The Flash #64-65, Green Arrow #45 and #48-50, The Flash Annual #2), Hardcover 2019; dt. Panini 2019 (nur „The Price“)


„The price of wearing these costumes is just too much!“ (Flash)

Nach den Ereignissen von Heroes in Crisis trauert Flash (Barry Allen) um Wally West. Da greift jemand das Flash Museum in Central City an – nämlich Gotham Girl. Jene unglückselige Möchtegern-Superheldin, die mit ihrem Bruder „Gotham“ einst Batman ablösen sollten, aber wegen unglücklicher Umstände ihre Kräfte nicht einsetzen können, ohne zu sterben. Jetzt dreht das Mädchen durch und Batman und Flash müssen sie davon abhalten, noch mehr Schaden anzurichten.

Batman und Flash sind ein ungleiches Team, das zuletzt in Flashpoint und The Button sehr gut funktioniert hat. In „The Price“ stimmt wieder die Chemie zwischen ihnen, sie bilden ein starkes Team. Batman fragt sich, wer wohl der bessere Detektiv von beiden ist, während Flash ihm den Rang zugesteht. Aber die Story will einfach nicht fesseln, weil Gotham Girl keine interessante Gegnerin darstellt. Auch als sie ihren toten Bruder von den Toten zurückzuholen scheint, wird nicht mehr als eine beliebige Actionsequenz daraus. Beide Probleme lösen sich von selbst, weil die Gegner an ihrer gemeinsamen Schwäche scheitern.

Erst am Ende wird es aufregend, wenn ein Streit zwischen Flash und Batman über Wallys Tod ausbricht. Während Barry Allen findet, der Preis für ihr Heldentum sei zu hoch, ist Bruce der Ansicht, dass er ein notwendiges Übel ist, damit ihre Nächsten den Preis nicht zahlen müssen. Flash ist kurz davor, Batman zu verprügeln … Dann ist die Story leider zu Ende und weist wieder zurück aufs große Ganze.

Flash vs. Batman

Flash rückt Batman zu Leibe.

Die zweite Hälfte des Bandes ist Green Arrow gewidmet. Er trauert um Roy Harper (Arsenal), der ebenfalls in Sanctuary getötet wurde. Dann muss er mit Black Canary gegen Count Vertigo kämpfen, der aus dem Gefängnis ausgebrochen ist, um sich an Roy zu rächen. Es sind viele Seiten schwindelerregender Stadtverschiebungen nötig, um dem Schurken die Wahrheit zu stecken. Schließlich wird Black Canary darauf angesetzt, Green Arrow auszuschalten – davon handelt dann das letzte Kapitel.

Das alles ist stark erzählt, aber nötig ist es nicht unbedingt, das alles zu wissen, wenn man sich nicht besonders für Green Arrow interessiert. Vor allem das letzte Kapitel hätte man sich sparen können, weil damit eine neue Geschichte beginnt, die auch kaum etwas mit Heroes in Crisis zu tun hat. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass hier neue Leser für Green Arrow (und Flash) gewonnen werden sollen. Wer kein Sammler ist, der alles haben muss, der kann auf diesen Band sogar noch mehr verzichten als auf das Hauptevent Heroes in Crisis.