Two-Face und die Maske des Pharao

Titel: Free Faces/Binary Brains/Double Crosses/About Faces

Autor/Zeichner: Doug Moench/Tom Mandrake, Gene Colan

Erschienen: 1986 (Detective Comics #563-564, Batman #397-398), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two-Face)


„Fate has cursed me with duality — and I decided long ago that it is my ugly evil side which dominates! Similarly, Batman’s fate-given destiny is to oppose evil and ugliness.“ (Two-Face)

Harvey Dent hat in Arkham ein neues Hobby: Bildhauerei. Am liebsten Form er Batman-Büsten, die er zur Vollendung gerne halbseitig entstellt. Mittels dieses neu entwickelten Talents bricht Two-Face aus, stiehlt zwei identische Supercomputer und lässt sich ausrechnen, wo er als nächstes zuschlagen soll. Ein Münzwurf entscheidet. Seine Ziele tragen stets ein „two“ oder „double“ oder „twin“ im Namen. Aber braucht es wirklich einen Computer, um herauszufinden, dass Gotham eine Twin Towers Bank hat? Eigentlich ist Two-Face dank seines immer gleichen (wenn auch nicht bewährten) Modus Operandi der alte Gauner geblieben – und damit auch berechenbar. So spannend der Charakter wegen seiner Spaltung ist, so langweilig ist er auch in seinem Handeln. Einen großen Plan hat Two-Face nicht.

Batman hingegen schon. Er holt sich Hilfe von Circe, einer Maskierten, deren Gesicht von Black Mask entstellt worden ist. Zusammen versuchen sie, Harvey Dent in eine Falle zu locken. Ihm wird die Aussicht auf eine wundersame Heilung durch Magie aus dem Alten Ägypten verheißen. Doch als sich Two-Face die Totenmaske eines Pharao aufsetzt und Circe ihn zu hypnotisieren versucht, geht die Sache nach hinten los …

Harvey Dent erscheint mit einem wieder heilen Gesicht, doch dann reißt er sich das Make-up herunter und es offenbart sich ein total entstelltes – er hat sich eine doppelte Maske geformt. (Wozu der Aufwand?) 

Two-Face hat sich für das Böse entschieden. Er kann, so sagt er, seine Münze so oft werfen, bis er ein Resultat bekommt, das ihm gefällt. Das ist eine neue Entwicklung: Harvey ist nicht mehr Sklave seiner Münze. Seine böse Seite herrscht über ihn.

Armer Harvey!

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Bewährungsprobe für Two-Face

Titel: Half A Hero …/Is Better Than None!

Autor/Zeichner: Gerry Conway/Don Newton

Erschienen: 1982 (Batman #346/Detective Comics #513), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two Face)


„–there are two sides to every story!“

Weil Two-Face keine Bewährung bekommt, bricht er aus dem Knast aus. Er schafft das, indem er die Wärter mit seinem Münzwurf hypnotisiert. Wie er den Rest mit den Gittern, Schlössern und Mauern geschafft hat, bleibt ein Rätsel. Aber halten wir uns nicht an Details auf: Er nistet sich in einem Halfway House ein, einem sogenannten Übergangshaus für Ex-Knackis auf dem Weg zur Besserung. Aber der tragische Harvey pflegt dort bloß seine alten, schlechten Angewohnheiten: Er teilt das Haus in eine luxuriöse, saubere sowie eine schäbige Seite und beheimatet dort zwei Gangs, von denen eine sauber und eine schäbig herumläuft.

Batman hat zunächst keine Ahnung, wo er suchen soll, aber dank einer zündenden Idee, kommt er doch darauf, sich das Übergangshaus anzusehen – was anscheinend niemandem sonst eingefallen ist. (Wo sind die alten Bewohner hin? Wo die Angestellten? Was ist eigentlich los mit dem Justizvollzug in Gotham? Noch so ein ungelöstes Rätsel…) Für Batman wird das Haus zur Todesfalle. Er wird mit einem Gas bewusstlos gemacht und eingesperrt und auch fast abgeknallt, aber jedes Mal, wenn Harvey ihn erschießen will, fällt seine Münze auf die unversehrte Seite.

Als das Glück ihn verlässt, entkommt der machtlose Held durch einen Trick: Er formt sich aus einem Stück Plastik eine Gesichtshälfte, mit der er Two-Face in gewisser Weise den Spiegel vorhält. Two-Face wird an sein eigenes Trauma erinnert, bekommt Mitleid, öffnet die Tür – und wird zum Dank ausgeknockt. Wieder reicht nur ein Hieb. Ins Gesicht. Immer auf die Schwachstelle … Armer Harvey!

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Jeder darf mal

DC Comics

DC Comics

Titel: Injustice League

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Ivan Reis, Doug Mahnke, Jason Fabok

Erschienen: 2014 (Justice League #30-39), Paperback 2015; dt. Panini 2016 (Paperback)


„You’re no different from those in Arkham, Luthor. You don’t have a colorful costume or carry a deck of cards. You don’t wear your psychosis on your sleeve like they do… But that’s what makes you more dangerous. You can hide among us.“ (Batman)

Lex Luthor hat die Welt gerettet. Jetzt will er der Justice League beitreten. Seine Begründung: Da kommt noch mehr auf die Erde zu. Aber Superman und Co. trauen Luthor nicht. Die Erfahrung mit ihm als Schurke lässt sich nicht wegdenken. Daraufhin versucht Luthor es bei Batman. Er kommt unangemeldet zu Bruce Wayne nach Hause, sagt ihm, dass er dessen Geheimnis kenne. Bruce stellt sich dumm. Und auch das Ziehen einer Handfeuerwaffe überzeugt Bruce nicht von Luthors edlen Motiven. (Warum wohl?)

Und dann gibt es noch das Vermächtnis von Power Ring, dem bösen Green Lantern von Erde 3. Dessen Ring hat sich ein neues Opfer gesucht: Jessica Cruz. Sie wird zum Träger wider Willen und lässt in Portland, Oregon, eine Flut an grünen Monstern und Flammen los. Die Doom Patrol greift ein, die Justice League folgt sogleich, es kommt zu einem kleinen, unmotivierten und auch nur halbherzigen Kampf.

Cyborg versucht in den Ring einzudringen. Lex Luthor versucht mit Drohungen an den Ring heranzukommen. Am Ende kann Batman durch gutes Zureden Jessica Mut machen, die Kontrolle zu übernehmen. Schließlich wird nicht nur sie in die Liga aufgenommen, obwohl sie weder sich noch den Ring im Griff hat, sondern auch Lex und nebenbei der infantile Shazam – offenbar nimmt man heutzutage jeden. Für Lex lautet der Grund: Man will ihn so besser beobachten …

In der zweiten Story, The Amazo-Virus, bereut die JL ihre Entscheidung. Bei einem gescheiterten Attentat auf Luthor wird aus seinem Labor ein Virus freigesetzt, das Menschen zunächst Superkräfte verleiht und sie kurz darauf sterben lässt. Auch die meisten Liga-Mitglieder werden infiziert. Man sucht nach Patient Null, doch als man ihn findet, trägt er nichts zur Lösung bei. Schließlich muss Superman Blut spenden, um die Sache zu lösen. Im Finale kommt es zum Kampf zwischen den infizierten und den verschont gebliebenen Mitgliedern.

Die Story ist ziemlich spannungsarm erzählt, die meiste Zeit wird bloß geredet, wobei wir am meisten nur selbstverliebte Monologe von Lex Luthor lesen. Dabei wird das Ausmaß der Seuche nie richtig greifbar und auch die Tatsache, dass die halbe Liga besessen vom Virus ist, wirkt nie richtig bedrohlich. Der Umstand, dass Menschen Superkräfte bekommen, spielt eigenartigerweise keine große Rolle, was den Sinn hinter der Idee fraglich macht. Jeder kriegt mit den Kräften seine 15 Minuten Ruhm – das könnte auch für die Rekrutierungsstrategie der Justice League stehen. Kurz: Ein weiteres Routine-Abenteuer.

Am Ende aber gibt es einen neuen Amazo und Green Lantern Hal Jordan kehrt zurück. Wo war der eigentlich hin? Man verliert sehr leicht den Überblick, wenn man nicht gut aufpasst und dranbleibt …

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Swiss Army Robot

DC Comics

Titel: The Case of the Stolen Super-Powers

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Mike Sekowsky

Erschienen: 1960 (The Brave and the Bold #30), Paperback 2016 (Justice League of America: The Silver Age Vol. 1)


Das Besondere an der JLA ist die Vielseitigkeit: Jeder Held hat andere Kräfte, die er nützlich fürs ganze Team einsetzen kann. Jeder kommt zum Einsatz. Außer Batman und Superman – die spielen, obwohl sie die prominentesten Mitglieder sind, kaum eine Rolle in den ersten Abenteuern. Sie erscheinen meist nur kurz im Bild, Superman darf höchstens der Deus ex machina am Ende sein. Offenbar ist er zu mächtig und würde damit die anderen in den Schatten stellen. Was aber wäre, wenn ein Gegner alle Kräfte der Liga vereinen würde? Er wäre unbesiegbar …

Darum geht es im dritten Abenteuer: Die Mitglieder der JLA verlieren ihre Kräfte. Zumindest für einen Moment. Gleichzeitig stiehlt der Android Amazo mit genau diesen Kräften Tiere, die lange leben. Die JLA sieht da einen Zusammenhang und macht sich auf, die ältesten Tiere (und auch einen Menschen) der Welt zu beschützen. Interessante Aufteilung: Während Flash und J’onn J’onzz sich zusammen um eine Eule kümmern, nimmt sich Batman einen Elefanten vor – allerdings hat das keine Relevanz für den Rest der Geschichte, weil Batman über keine Superkräfte verfügt. (Seltsam allerdings, dass sich niemand für Supermans Kräfte interessiert.)

Die JLA kämpft weltweit gegen Amazo, am Ende landen alle in Gefangenschaft von Professor Ivo, des Wissenschaftlers, der Amazo geschaffen hat. Der Superroboter, der alles kann, ist aber nur ein Umweg: Ivo will bloß ewiges Leben, daher braucht er die Tiere. Ein ganz schön großer Umweg! Denn in all den Jahren, die er gebraucht hat, um Amazo zu konstruieren, hätte er auch einfach die Tiere einsammeln können. Am Ende geht das mit dem Zusammenbrauen des lebensverlängernden Tranks auch superfix. Warum verschwendet einer, der so sehr auf ein langes Leben bedacht ist, seine Lebenszeit mit Amazo?

Weil es sonst keine Story mit der Justice League gäbe. Die werden am Ende nämlich völlig ihrer Kräfte beraubt und ihrer Erinnerung daran, dass sie Superhelden waren. Nur Green Lantern kann sie retten, indem er seine Gelbschwäche zu seinem Vorteil ausnutzt. Ivo landet für 500 Jahre im Knast, damit es lebenslänglich wird. Moment mal: 500 Jahre? Für was? Diebstahl? Entführung? Gestohlene Superkräfte? Selbst nach US-Recht dürfte die Strafe milder ausfallen. Immerhin ist niemand gestorben.

Aber in Superheldencomics muss ja nicht immer alles Sinn ergeben. Wer Realität will, sollte lieber aus dem Fenster schauen.

Amazo kommt natürlich zurück und wird im Laufe der Zeit zu einem der größten Feinde der JLA. Unter anderem taucht er auch bei Batman auf, in der Storyline Under the (Red) Hood.

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Zum Scheitern verurteilt

DC Comics

Titel: Challenge of the Weapons Master

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Mike Sekowsky

Erschienen: 1960 (The Brave and the Bold #29), Paperback 2016 (Justice League of America: The Silver Age Vol. 1)


„Xotar is the most dangerous enemy the JLA ever faced!“ (Batman)

Schurken wollen nur das Eine: Reichtum, Weltherrschaft oder Rache. Doch es gibt Ausnahmen. Manche Schurken legen es nur drauf an, von den Superhelden Aufmerksamkeit zu bekommen. Damit haben sie zwar meist Erfolg und nerven die Helden, aber scheitern natürlich umso kläglicher. Beim „Weapons Master“ Xotar, dem zweiten Gegner der noch jungen Justice League, ist das besonders interessant. Er scheint es aufs Scheitern geradezu anzulegen. Anders ist sein idiotisches Handeln nicht zu erklären.

Dieser Berufsverbrecher macht sich die Mühe, aus einer 10.000 Jahre entfernten Zukunft mit einem gelben Kampfroboter ins 20. Jahrhundert zu reisen, nur um vier Waffen an der Justice League zu testen. Damit will er die Polizei besiegen, die hinter ihm her ist. Ein altes Buch, das Wonder Woman geschrieben hat, lässt ihn darauf schließen, dass eine seiner Waffen unbesiegbar sein muss – auch wenn die fragliche Passage halb unleserlich ist. Trotzdem: Er ergreift Besitz von Snapper Carr (dem nervigen Jungen, der seit Starro Ehrenmitglied der JL ist), hält die Helden mit einem Strahl fest und testet seine Waffen nacheinander an anderen Helden.

Zuerst ist Flash dran – gegen einen Schrumpfstrahl. Dann Aquaman und J’onn J’onzz – gegen einen Strahl, der aus Mehrzellern Einzeller macht. Schließlich Batman, Wonder Woman und Green Lantern gegen gelbe Blasen. Damit die Sache spannender wird, macht Xotar einen auf Riddler, indem er den Ort der Duelle nur in Rätseln verrät. Das bringt den armen Flash dazu, erstmal einen Umweg über die Bücherei zu nehmen … Jedes Mal kann die JLA die vermeintlichen Superwaffen ganz einfach ausschalten.

Warum aber kommt keiner der jeweils befreiten Helden auf die Idee, den Strahl, der die anderen gefangen hält, zu zerstören? Und wo ist Superman? Der antwortet nicht. So kommt es zum letzten Kampf, dafür werden alle Helden auf einmal befreit. Die letzte Waffe gaukelt ihnen vor, gegen dinosaurierartige Monster zu kämpfen, während sie sich in Wirklichkeit gegenseitig bekriegen. Da hilft am Ende Superman, der wie Kai aus der Kiste gesprungen kommt und die Farce mit bloßen Händen beendet. Er schickt Xotar zurück in die Zukunft, wo ihn schon die Polizei aufgreift.

Xotar wirkt wie ein Paradebeispiel dafür, dass Menschen ihre Fähigkeiten nicht auf andere Felder übertragen können. Geniale Wissenschaftler sind nicht unbedingt geniale Strategen. Vielleicht ist er aber auch nur dämlich: Wer vor der Polizei flieht, sollte sich nicht unbedingt mit der JLA duellieren. Es sei denn er ist masochistisch veranlagt. Vielleicht steckt aber auch mehr dahinter: Das Schuldbewusstsein, das ihn am Ende zurück in die Arme der Exekutive treibt. Im Grunde sehen wir dabei zu, wie Xotar sich über einen Umweg selbst seiner Strafe ausliefert …

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Harvey Dent wird rückfällig

Batman #81 (DC Comics)

Titel: Two-Face Strikes Again

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Dick Sprang

Erschienen: 1954 (Batman #81), Paperback 2008 (Batman vs. Two-Face), Hardcover 2017 (Two-Face: A Celebration of 75 Years)


„This proves I was meant to be a criminal! Fate has decreed it!“ (Harvey Dent)

Armer Harvey Dent! Als hätte er nicht schon genug als Two-Face gelitten, musste er gleich dreimal erleben, wie andere sich in den Schurken verwandelt haben. Mal war es sein eigener Butler, mal ein korrupter Theatermanager, der Dent mit der Masche für ihre eigenen Verbrechen verantwortlich machen wollte, mal war es ein Schauspieler, der Dent spielen sollte und dabei selbst verunstaltet wurde.

Jetzt aber holt ihn das Schicksal wieder ein – und zwar endgültig. Als Harvey Dent Einbrecher auf frischer Tat ertappen will, wird er von einer Explosion wieder entstellt. Harvey meint, es müsse Schicksal sein. Zur Sicherheit wirft er noch mal eine Münze, der zerkratzte Kopf landet oben – also geht wieder alles von vorne los.

Two-Face sucht Leute auf, die von Berufs wegen zwei Gesichter haben: einen Clown, einen Taucher, einen Lincoln-Schauspieler und einen Poker-Spieler. Es gibt zwei spektakuläre Szenen mit einem riesigen Billardtisch und auf einer hohen Statue, schließlich kommt es zu einem dramatischen Finale: Two-Face bindet Batman und Robin auf eine Riesenmünze und wirft sie mit einem Katapult auf Stacheln. Eigentlich unfair, weil den Gesetzen der Physik zufolge die schwere Seite unten landen müsste, aber daran zeigt sich bereits, dass Two-Face bei aller 50:50-Besessenheit und Schicksalsgläubigkeit doch eher zur bösen Seite tendiert.

Wie dem auch sei: Unsere Helden landen natürlich oben. Die Erklärung dafür hat mit Physik nichts zu tun (Radios in den Gurten, die als Elektromagnete dienen), also lassen wir das mal unkommentiert. Die Story endet mit einer pseudowissenschaftlichen Erklärung, bei der sich Batman und Robin mal wieder selbst auf die Schulter klopfen. Aber niemand verschwendet auch nur ein Wort über Harvey Dent, diese tragische Figur, die vom Pech verfolgt wird und dadurch wieder ihre zweite Chance verpfuscht hat.

Armer Harvey! Jetzt erwarten ihn erstmal 17 Jahre Knast, bis er wieder zurückkehren darf …

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Das Two-Face-Trauma

DC Comics

Titel: The Double Crimes of Two-Face

Autor/Zeichner: Don Cameron/Dick Sprang

Erschienen: 1952 (Detective Comics #187), Paperback 2008 (Batman vs. Two-Face)


„… for the sake of realism!“

Merke: Wenn man ein schweres Trauma erlebt und dabei eine Gesichtshälfte verloren hat, danach zu einem wahnsinnigen Verbrecher geworden ist, aber dank plastischer Chirurgie wieder ein normales Leben lebt, dann sollte man besser nicht dafür sorgen, dass alte Wunden wieder aufreißen. Zum Beispiel, indem man an einer öffentlichen Aufführung teilnimmt, bei der man sich wieder zu einem entstellten und irren Kriminellen machen lässt.

In diese Verlegenheit kommt Harvey Dent. Batman und Robin zeigen ihre Trophäen in einer Ausstellung, darunter auch die Utensilien, die an Two-Face erinnern. Dent maskiert sich für eine kleine Aufführung vor Publikum als Two-Face – obwohl er dabei ein ungutes Gefühl hat. Warum also tut er sich das an? Es wirkt schon fast zwanghaft. Aber niemand scheint darin ein Problem zu sehen.

Kaum hat der maskierte Two-Face seine Münze geworfen und sieht ihre zerkratzte Seite, wird er wieder rückfällig und haut ab. Bald darauf verübt er die üblichen Schandtaten: Zunächst raubt er ein Doppeldeckerbus-Unternehmen aus, dann einen Optiker. Dabei setzt er einen neuen Trick ein: Ein Gas, mit dem er Batman und Robin doppelt sehen lässt. Two-Face erscheint ihnen zweimal, so dass sie nicht wissen, wen sie verfolgen sollen.

Verfolgungsjagd mal anders.

Es wird noch absurder: Two-Face haut in einer zweirädrigen Karre ab, mit der er bergab rollt, das Dynamische Duo verfolgt ihn auf eine Tandem, Two-Face versteckt sich auf einem Dampfer, auf dem ein Zwillingstreffen stattfindet, tarnt sich mit einer Maske und tut so, als hätte er einen Zwillingsbruder, indem er einen kopfförmigen Luftballon schweben lässt. Batman lässt sich davon so leicht für dumm verkaufen, dass es ihm selbst peinlich ist.

Der beste Detektiv der Welt kann ein Gesicht nicht von einem Luftballon unterscheiden.

Kann man das noch steigern? Man kann: Bei der Verfolgung werden Batman und Robin im Theater von Two-Face zwischen zwei große Schaumkissen geklemmt. Bevor er sie tötet, wirft er fairerweise eine Münze, es geht wieder gut für die beiden aus. Statt sie sich selbst zu überlassen überreicht Two-Face ihnen ein Schwert, mit dem sie sich befreien können. Bei der Flucht stürzt er jedoch unglücklich und wird bewusstlos. Und haut dann doch wieder ab, weil alles nur gespielt war.

Kreative Schurkenfalle.

Der Showdown dieser atemlosen Hetzjagd ist der bisher spektakulärste in der Geschichte des Schurken: Batman und Two-Face liefern sich ein Duell auf einer riesigen Turmuhr. Beide fallen beinahe in den Tod und die Entscheidung fällt um genau zwei Uhr …

Am Ende stellt sich heraus: Two-Face war nicht Harvey Dent, es war George Blake, der Theater-Manager, der Versicherungsbetrug begehen und Dent reinreiten wollte. Armer Harvey, wieder Glück gehabt. Zum letzten Mal …

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Die besten Justice League-Comics

 

Wem der Justice League-Film Lust auf mehr Geschichten dieser Art gemacht hat, sollte zu den Comics greifen. Aber wo soll man bloß anfangen? Für Einsteiger hat DC ein kleines Video gemacht, in dem zehn der besten Kämpfe der Justice League (JLA) versammelt werden. Doch keine Bestenliste ohne Widerspruch. Andere Comic-Websites haben eigene Rankings erstellt.

Nerdist.com hat eine Liste von elf Storylines zusammengestellt, die einige Gemeinsamkeiten mit der von DC hat:

Comicbook.com führt in seiner Liste der fünf besten „Starting Points“ außerdem noch The New Frontier und Earth 2 an.

IGN.com ergänzt Kingdom Come, Justice League Vol. 1: Origin und Earth 2 Vol. 1: The Gathering.

>> Mehr Justice League-Comics

 

Götter als Alltagshelden

Titel: The World’s Greatest Super-Heroes (dt. DC Helden)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Alex Ross

Erschienen: 1999-2004 (One-shots: Superman: Peace on Earth, Batman: War on Crime, Captain Marvel: Power of Hope, Wonder Woman: Spirit of Truth, JLA: Secret Origins, JLA: Liberty and Justice) Paperback 2005, Hardcover 2017 (Absolute Justice League); dt. Panini 2007 (DC Premium 50)


„I now see that taking on this responsibility was too ambitious for one man, even a Superman.“

Alex Ross ist der Michelangelo unter den Superhelden-Malern. In den 90ern hat er zuerst mit Marvels die Marvel-Helden zu Göttern gemacht, dann – mit Kingdom Come – die DC-Helden, wenn auch in einem Elseworlds-Szenario. Ende der 90er begann er zusammen mit Autor Paul Dini damit, den größten Charakteren einzelne Denkmäler zu setzen: Superman, Batman, Captain Marvel, Wonder Woman und der Justice League. Entstanden sind sechs Bände, in denen einerseits die Helden mit bildgewaltigen Auftritten zu Göttern stilisiert, anderersits ihre menschlichen Seiten gezeigt werden.

Die Helden kämpfen nicht gegen Superschurken, sondern gegen die realen Probleme der Welt: Superman versucht, den Welthunger zu besiegen – und scheitert an der Gier und der Borniertheit der Menschen. Batman (der sich fragt, wie sein Leben ohne Reichtum verlaufen wäre) versucht, das Verbrechen an der Wurzel anzugehen, um Menschen in Gotham ein besseres Leben zu ermöglichen, und erzielt immerhin Teilerfolge. Es ist interessant in der Gegenüberstellung, wie der Übermensch versagt und der Mensch gewinnt, aber in ihrer Grundhaltung sind beide Geschichten positiv.

So auch Captain Marvel (Shazam) und Wonder Woman: Während der eine behinderten Kindern Hoffnung gibt, indem er Zeit mit ihnen verbringt, beschützt die andere Unschuldige (Frauen) weltweit vor ihren Unterdrückern. Captain Marvel kann zwar auch den Vater eines Jungen davon abhalten, seinen Sohn zu misshandeln, aber Wonder Woman scheitert mit ihrer Naivität, als sie sich halbnackt in ihrem Kostüm unter vollverschleierte Muslima begibt – dafür fliegen Steine.

Jeweils über zwei Seiten werden die jeweiligen Entstehungsgeschichten der Helden nacherzählt, so auch die von Flash, Green Lantern, Aquaman, Martian Manhunter und anderen. Die umfangreichste Story ist der Justice League gewidmet. Das Team muss einen außerirdischen Virus in Zentralafrika bekämpfen, der zur Bedrohung für die Welt wird. Während die Helden versuchen, das Schlimmste zu verhindern, bricht weltweit Panik aus, die Helden müssen intervenieren und machen sich damit unbeliebt. Das Vertrauen wird erschüttert – und muss anschließend mühsam wieder aufgebaut werden.

Trotz der allzu weltlichen Probleme ist der Blick stets nach innen gekehrt, der Ton der Geschichten nachdenklich. Sprechblasen gibt es nicht (außer bei der JLA), die Captions sind aufgelöst in reine Textfelder, um der Kunst mehr Raum zu geben. Wichtiger als die äußere Handlung sind die inneren Vorgänge und Motivationen der Helden. So bekommen die Charaktere eine größere Tiefe als in den meisten Comics. Und manches Unerhörte offenbart neue Abgründe, wie z.B. dieser Gedanke von Batman:

„In my darkest moments, I’m taunted by the suspicion that my parent’s murder was the best thing that ever happened to me. Cynically, I tell myself it has given my life a destiny and the means to fulfill it.“

Die Superhelden zweifeln an sich, weil sie mit ihren scheinbar unendlichen Kräften an die Grenzen des Machbaren stoßen. Ganz alltägliche Probleme scheinen unüberwindbarer als eine Alien-Invasion. Man sieht, warum auch Superhelden nicht alles können – es sei denn, sie werden zu Tyrannen, was sie natürlich nicht wollen. Ihren größten Nutzen haben die Übermenschen, wenn sie sich bemühen, einfach nur gute Menschen zu sein. So besteht auch ihr Zweck für die reale Welt darin, anderen Menschen Hoffnung zu verleihen.

Alex Ross inszeniert die Protagonisten nicht nur überaus realistisch, sondern auch feinfühlig, mit einem treffenden Gespür für Ausdrücke und Nuancen schafft er es, jeden noch so geringen Statisten mit Leben zu füllen. Mit ungewöhnlichen Perspektiven und einer Vielzahl an romantisierenden Lichtstimmungen versetzt er auf jeder Seite seine Leser in Staunen. The World’s Greatest Super-Heroes wird seinem Titel mehr als gerecht, es ist ein Meisterwerk.

Jahrelang war das Buch vergriffen, jetzt hat DC es in einer prächtigen Absolute-Edition herausgebracht (UVP: 75 US-Dollar). Für jeden DC- und Alex Ross-Fan dürfte es das perfekte Weihnachtsgeschenk sein.

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Die JLA von Grant Morrison – ein Liebesbekenntnis

Heute möchte ich persönlich werden. Und auch ein bisschen sentimental. Deshalb ist dieser Text keine der üblichen Kritiken, sondern eine Hommage. Die JLA-Serie von Grant Morrison und Howard Porter, die sich von 1997 bis 2000 über 41 Ausgaben erstreckte, gehört für mich zu den prägendsten Lektüre-Erfahrungen meiner Jugend.

Ich entdeckte sie im Jahr 1998, kurz nachdem ich begonnen hatte, Superheldencomics zu lesen. Mein erstes Heft war Batman & Superman Adventures #1 (Dino-Verlag) gewesen. Darin gab es eine Geschichte über die Justice League. Ich war sofort fasziniert von der Idee, dass die größten Helden in einem Team kämpften. Auch rein optisch schien es perfekt: jede Farbe war vertreten. Ich kannte nur Superman und Batman, ich lernte Wonder Woman, Flash, Green Lantern, Aquaman und Martian Manhunter kennen. Doch leider wurde die im ersten Heft angerissene Geschichte vom Dino-Verlag nie fortgesetzt. (Teil 2 habe ich mir dann später als US-Heft besorgt.) Und überhaupt wurde die Serie nach nur acht Ausgaben eingestellt. Aber ich war angefixt. Ich wollte mehr. Und ich sah, dass die Batman & Superman Adventures nur was für Kinder waren. Ich aber war reif für etwas Erwachseneres.

So kam ich zur echten JLA. Ich weiß nicht mehr, was ich zuerst las. Vielleicht war es der JLA Sonderband 1. Mark Waid und Fabian Nicieza erzählen in der dreiteilige Miniserie A Midsummer’s Nightmare die Entstehungsgeschichte der neuen Justice League. Denn bis dahin bestand die JLA nur aus zweit- und drittklassigen Charakteren. Die neuen alten Helden wurden in der Story augenscheinlich ihrer Superkräfte beraubt und kennen nur noch ihre zivilen Identitäten, während normale Menschen Superkräfte entwickeln. Nach und nach erwachen die Helden aus der Illusion und entdecken ihre Kräfte wieder … Die Story steht am Anfang eines größeren Ganzen, das erst noch kommen sollte. Die Stimmung darin ist bedrückend, wie in einem Albtraum, aber einnehmend, besonders für einen neuen Leser wie mich, der diese Welt noch kaum kannte.

Mit JLA #1 ging die Grant Morrison-Saga los. Schon allein die detailreichen und realistischen Zeichnungen von Howard Porter hatten es mir angetan, dazu die knalligen, aufwendigen Farben, die sich so sehr von anderen Superheldenserien wie Superman und Batman unterschieden. In der ersten Geschichte wird alte JLA von B- und C-Helden von der A-Liga abgelöst, während sie zugleich Konkurrenz von außerirdischen Superwesen bekommt. Die Neuen scheinen die Welt ökologisch und sozial zu einem besseren Ort zu machen, sie gehen rigoros gegen Schurken vor – und schließlich auch gegen die alten Superhelden. Es ist Batman, der schlau genug ist herauszufinden, dass die Bösen weiße Marsianer sind und damit anfällig gegen Feuer. Und so besiegt Batman, der Mensch ohne Superkräfte, die Aliens fast im Alleingang. Eine tolle Story.

Spätestens dann war ich süchtig. JLA wurde nicht nur meine Lieblingsserie, jedes Heft wurde zu einem Ereignis. Ich sparte mir die 4,90 D-Mark pro Heft von meinem kleinen Taschengeld ab, kaufte es immer am Erscheinungstag im Comicladen und zelebrierte die Lektüre zu Hause wie eine Heilige Messe. Jedes Heft behandelte ich behutsam, verwahrte jedes in einer Plastikhülle, las es mindestens zweimal kurz hintereinander und wenn die Wartezeit bis zum nächsten Monat mir zu lang wurde, auch ein drittes Mal. 4,90 DM waren damals viel Geld für mich, aber da kein anderes Heft so viele Helden auf einmal bot, war das gut angelegtes Geld, obwohl die andere Hälfte des Heftes (Teen Titans) Mist war. Denn die JLA war immer für eine Überraschung gut. Man wusste nie, was einen erwartete, außer erstklassige Unterhaltung.

In JLA sah ich zum ersten Mal den blau-weißen Elektro-Superman und den Engel Zauriel. Ich fieberte mit, wie Schurken wie Key und Prometheus die JLA auf einmal ausknockten. Ich las mindestens ein Dutzend Mal in JLA Sonderband 4 die geheime Entstehungsgeschichte der JLA und ihre erste Begegnung mit dem unheimlichen Starro. Dann kam Der Stein der Weisen (Rock of Ages, JLA #10-15), eine Story, die ich sofort liebte. Da war einfach alles drin: Die größten Helden und die größten Schurken. Lex Luthor, Joker und viele andere, eine Story voller Twists und unbekannter Welten, ein postapokalyptisches Szenario, in dem der Oberschurke Darkseid die Welt unterjocht und zerstört, Superhelden tötet und eine Schreckensherrschaft ausübt. Wieder ist es Batman, der schlau genug ist, sich durchzuschlagen und – zusammen mit den verbliebenen Helden – das Böse zu besiegen. Lange blieb Der Stein der Weisen das Nonplusultra für mich.

Bis One Million. Das war eine noch viel epischere Odyssee zwischen fernster Zukunft und Gegenwart. Bis heute ist es für mich das Gelungenste und Einfallsreichste Crossover von DC. Und schließlich endete Grant Morrisons Über-Story mit World War III, dem Dritten Weltkrieg, was nicht nur eine Fortsetzung von Stein der Weisen war, sondern auch den Bogen zum ersten Sonderband zurückschlug. Es war nicht nur ein Fest, es war auch eine Belohnung für die treuesten und aufmerksamsten Leser der ersten Stunde, für die jetzt endlich alles (mehr oder weniger) einen übergeordneten Sinn ergab.

Der Dino-Verlag gab die letzte Story als Sonderband heraus, weil er JLA eingestellt hatte – wie bald darauf auch alle anderen Serien. Ich war mittlerweile auch zum Batman- und Superman-Sammler geworden, aber mit JLA konnte sich nichts messen. Und mit dem Ende der Serie (Sommer 2000) ging auch mein Interesse an Superheldencomics verloren. Ich wandte mich anderen Lektüren zu. An die Stelle der Comics traten für mich Superheldenfilme: X-Men, Spider-Man, Batman Begins etc.

Erst zehn Jahre später entdeckte ich das Medium wieder und begann auch wieder, Superhelden zu lesen. Als ich die alten JLA-Hefte von damals hervorkramte, las ich mich mit einer ähnlichen Begeisterung durch die Hefte. Natürlich war der Reiz des Neuen verflogen, dafür war es wie Nachhausekommen. Ich war überrascht, wie gut ich noch alles in Erinnerung hatte – und wie unterhaltsam die Geschichten immer noch waren. Und ich erkannte: Der größte Held für mich war nicht Superman oder Batman, sondern der geniale Grant Morrison gewesen, mit seinem schier unermesslichen Erfindungsreichtum, allerdings fand ich den Zeichner Howard Porter nicht mehr ganz so genial wie früher – nach ihm gab es deutlich versiertere Künstler.

Und trotzdem: Die Hefte der JLA bleiben für mich das Ideal der Superhelden-Team-Comics. Es würde mich freuen, einmal diesen Geist auf der großen Leinwand zu sehen.

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