Mark Millar

Bruce Waynes letztes Weihnachtsgeschenk

DC Comics

Titel: Favorite Things

Autor/Zeichner: Mark Millar/Steve Yeowell

Erschienen: 1996 (Legends of the Dark Knight #79, 1996), Paperback 2005 (The Greatet Batman Stories Ever Told)


„Yes, Alfred. Time for bed.“ (Bruce Wayne)

Bei einer Weihnachtsparty in Wayne Manor wird eingebrochen. Trotz aller möglichen Sicherheitsvorkehrungen stehlen Unbekannte etwas von Bruce Wayne. Während bei ihm weitergefeiert wird, jagt er als Batman durch Gotham, um es wiederzukriegen. Auch in anderen Villen wurde eingebrochen. Dahinter steckt eine neue Bande, die Chessmen.

Doch Batman und die Polizei werden abgelenkt: Ein Museum wird angezündet, davor brennt eine Batman-Puppe. Eine Gang von Joker-Nachahmer namens Joy Boys treibt ihr Unwesen. Batman muss sich zuerst um sie kümmern. Als er bei den Chessmen eintrifft, haben die bereits Geiseln genommen und ein Polizist ist erschossen.

Interessant ist, dass Batman hier sein Ultraschallgerät einsetzt, mit dem er einen Schwarm Fledermäuse auf die Bösen hetzt. Diesen Trick wird er später auch im Film Batman Begins verwenden.

Der Rest ist Routine. Trotzdem gibt es zum Schluss zwei Überraschungen. (Achtung: Spoiler!) Der Mann, der die Beute aufbewahren sollte, hat alles wieder zu seinen Besitzern zurückgebracht. Und was ist es nun, was Bruce Wayne so wichtig war? Am Ende sehen wir ihn in seinem alten Kinderzimmer auf dem Boden sitzen und spielen – mit einer (teils vergoldeten?) Modell-Eisenbahn. Es ist das letzte Geschenk seiner Eltern. Das ist also Bruce Waynes Rosebud.

>> Batman zu Weihnachten

Big Brother Superman

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman: Red Son (dt. Genosse Superman)

Autor/Zeichner: Mark Millar/Dave Johnson, Kilian Plunkett

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-3), dt. Panini 2014


„I offered them utopia, but they fought for the right to live in hell.“ (Superman)

Was wäre wenn Supermans Rakete in der Sowjetunion gelandet wäre? Dann stünde er nicht für jedenfalls nicht mehr für den American Way. Autor Mark Millar hat die wohl kühnste Vision von Superman geschaffen: der ur-amerikanischte Held (neben Captain America) als Kommunist. Der Blaue als Roter. Eine Provokation. Aber nicht bloß eine weitere Dystopie, die irgendwann hätte geschrieben werden müssen, sondern auch eine Story, die wunderbar funktioniert.

Millar hat nicht nur eine Elseworlds-Geschichte geschrieben, sondern auch eine alternative Geschichte. Superman dient zunächst Josef Stalin und übernimmt nach dessen Tod die Führung der Sowjetunion. Obwohl der Bauernsohn sich zunächst gegen Politik sträubt, wird er zum totalitären Despoten. Die Welt wird nach und nach kommunistisch, die USA sind gegen Superman machtlos, bleiben isoliert, spalten sich, leiden unter Armut und Bürgerkrieg. 1963 wird Präsident Richard Nixon erschossen, John F. Kennedy wird sein Nachfolger und treibt das Land weiter in den Ruin, weil er sich mehr für seine Liebschaft zu Norma Jean interessiert.

Der einzige, der den Durchblick hat, ist Lex Luthor. Der geniale Wissenschaftler, der gleichzeitig mehrere Schachturniere spielt und Urdu lernt, um sein Gehirn bei Laune zu halten, hasst Superman auch in dieser alternativen Welt und arbeitet sich jahrzehntelang daran ab, den Diktator auszuschalten – aber gegen die Übermacht ist er erfolglos. Schließlich verbündet er sich mit Wonder Woman und Green Lantern. Parallel regt sich Widerstand in Russland: Batman bekämpft das System als Guerilla mit Pelzmütze und tritt schließlich auch direkt gegen Superman an.

Batman mit Pelzmütze vermöbelt Superman. (DC Comics)

Batman mit Pelzmütze vermöbelt Superman. (DC Comics)

Big Brother Superman ist alles andere als böse. Auch wenn er für eine andere Ideologie eintritt, bleibt er doch seinen Idealen treu, eine bessere Welt zu schaffen. Allerdings mit zweifelhaften Mitteln, wie etwa totaler Überwachung und der Verwandlung von Aufsässigen in gehorsame Halbroboter. Der Wohlstand der Welt scheint ihm recht zu geben, aber mit den Jahren zweifelt er immer mehr daran, ob seine Herrschaft moralisch tragbar ist. Dieser Konflikt gibt ihm die nötige Komplexität und hält das Interesse an der Figur bis zum Schluss aufrecht.

Red Son ist ein Comic, das alles aufbietet, was man sich wünschen kann: Starke Charaktere, viel Fantasie und Zitate der Superman-Mythologie. Obwohl die Zeichner gängige Motive der Superman-Ikonografie bedienen (z. B. die üblichen Cover von Action Comics #1 und Superman #1), werden die Zeichnungen dem hohen Niveau der Story leider nicht ganz gerecht.

Dafür ist das Ende der Story so grandios, dass man diesem runden Meisterwerk nur applaudieren kann.

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