Zod

Superman for the Birds

Titel: Superman For Tomorrow (dt. Die Rückkehr)

Autor/Zeichner: Brian Azzarello/Jim Lee

Erschienen: 2004-2005 (Superman #204-215), Paperback 2005 (2 Bde.), 2013 (1 Bd.) ; dt. Panini 2006 (2 Paperbacks)


Während Superman unterwegs im All ist, verschwinden plötzlich eine Million Menschen von der Erde. Spurlos. Darunter auch Lois Lane. Keiner weiß, was los ist. Nicht mal Superman. Er wendet sich an einen Priester und beichtet ihm, was eigentlich nicht seine Schuld ist. Superman befriedet ein Land, das sich im Krieg befindet. Dann entdeckt er in einem Nachbarland einen Warlord, der über ein ominöses Gerät verfügt, das das Verschwinden verursacht hat. Superman nimmt sie ihm ab und hat damit etwas vor. Die Hilfe der Justice League lehnt er ab.

Das ist nur der Anfang. In Superman For Tomorrow ist allerhand los. Und lange versteht man nicht, was eigentlich Sache ist. Brian Azzarello (Luthor, Joker) zäumt das Pferd von hinten auf, indem er mit Supermans Beichte beginnt, er wirft hier nur etliche Versatzstücke hin, aber auf Erklärungen muss man lange warten. Und als sie dann kommen, ist man auch nicht viel schlauer.

Der „Superman für Morgen“ ist ein Selbstzweifler, Friedensstifter und Eigenbrötler. Er hat in der Phantomzone eine Idealwelt – „Metropia“ – geschaffen, um die Erdenbewohner dorthin zu retten, falls sie einmal das Schicksal von Krypton ereilen sollte. Dann hat er es aus seinem Gedächtnis gelöscht, was absolut keinen Sinn ergibt (außer um das Rätsel des globalen Verschwindens länger aufrecht zu erhalten). Doch dort hat sich Zod die Maschine zu eigen gemacht und um Superman herzubringen, auch ein ein paar Menschen mehr. So ungefähr jededenfalls, denn ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das alles richtig verstanden habe.

Es kommt zum Kampf mit vielen Monstern, mit Wonder Woman, am Ende mit General Zod. In einer Sequenz meint Superman, Batman eine unnötige Predigt halten zu müssen. Und als ob das nicht schon genug wäre, gibt es noch Nebenfiguren wie den Priester, den Söldner Mr. Orr und die Magierin (?) Halcyon, die … ja, was will die denn eigentlich? Und überhaupt: Worauf will die ganze Geschichte hinaus? Die vielen Stücke ergeben nicht wirklich eine stimmige Story. Es kommt keine Spannung auf, Azzarello strapaziert die Geduld seiner Leser sehr, verwirrt sie, da können auch die wie immer perfekten Zeichnungen von Jim Lee (Superman Unchained, Hush) nicht drüber hinwegretten.

Am Ende läuft alles doch nur auf eine große Prügelei und Rückkehr zum Status Quo hinaus, wie das bei Superman so üblich ist. Trotz ihrer Überambitioniertheit bleibt die Story banal, beliebig und ohne klare Haltung, dafür mit dem üblichen Superman-Pathos. Worum es geht, ist im Grunde egal. Denn worum es eigentlich geht, ist das, worum es schon seit den 70ern geht: Einen modernen, zeitgemäßen Superman zu schaffen. Dieser Kampf um Relevanz und Supermans Grübeln über die Selbstrechtfertigung ist schon längst zum Topos des Vaters aller Superhelden geworden. Und die Antwort fällt darauf meist verschämt vage aus. Es wäre ehrlicher und einfacher zu sagen: Superman ist da, weil er zu lange da ist, um auf ihn verzichten zu können. Allerdings braucht es dazu nicht solche Comics wie „For Tomorrow“. Da ist es schon ratsamer, einen gelungenen Comic-Essay wie It’s A Bird zu lesen.

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Noch ein letzter Kryptonier

DC Comics

Titel: Last Son (of Krypton) (dt. Kryptons letzter Sohn)

Autor/Zeichner: Geoff Johns, Richard Donner/Adam Kubert

Erschienen: 2006-2008 (Action Comics #844-846, #851, Action Comics Annual #11), Paperback 2013; dt. Panini 2013


„You’ve taught humanity to rely on you and not fight for themselves.“ (Lex Luthor)

Superman gilt als der letzte Kryptonier. Eine traurige Figur. Doch das blieb nicht lange so: Da gab es Cousine Supergirl, General Zod und seine Mitstreiter und es gab die ganze Stadt Kandor. Der letzte Kryptonier ist also keineswegs allein mit sich.

In Last Son geht es genau darum: Es kommt ein Kind zur Erde, das offenbar von Krypton stammt. Das Militär nimmt ihn in Obhut, Superman befreit es, dann will sich Lex Luthor den Jungen holen und bringt Bizarro ins Spiel. Letzten Endes ist der Junge nur die Vorhut von Zod, dem Vater des Kindes, der mit den anderen Gefangenen aus der Phantomzone die Weltherrschaft übernimmt. Selbst die Justice League kommt dagegen nicht an.

Superman landet selbst in der Phantomzone, er verbündet sich mit Lex Luthor und anderen klassischen Schurken. Hier beginnt der wahre Spaß. Geoff Johns und Richard Donner (Regisseur der ersten beiden Superman-Filme) entwerfen eine typische All-Star-Story, die alles bietet, was Superman-Fans kennen und lieben: die größten Schurken, Krypton-Backstory, eine vernichtende Alien-Invasion – und das alles dargestellt in vielen großen, atemberaubenden Splash Pages. (Allerdings bin ich kein großer Fan von Adam Kubert, die Zeichnungen seines Bruders Andy sprechen mich persönlich eher an.)

Dabei wird das Rad leider nicht gerade neu erfunden: Lex Luthor geht wieder in seiner Rolle als xenophobes Genie auf, das sich in seinem Kryptonier-Hass bestätigt sieht und Superman die Schuld dafür gibt, nicht den Krebs besiegt zu haben. Superman, so Luthor, sei auch verantwortlich dafür, dass die Menschen sich zu sehr auf ihn verlassen, statt selbst nach Höherem zu streben. Das alles hat man schon oft gelesen.

Leider bleibt die Story auch hinter der Erwartung zurück, dem kryptonischen Jungen, der später Christopher Kent getauft wird, so etwas wie einen Charakter zu geben. Dafür aber bekommt Zod eine ungeahnte Tiefe, als er sich als Mann mit einst noblen Motiven entlarvt.

Anmerkung: Die 2013er Ausgabe enthält auch die Storyline Brainiac von Geoff Johns und Gary Frank.

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