Titel: The Last Batgirl Story
Autor/Zeichner: Cary Burkett, Barbara Kesel (Randall)/Don Newton, Barry Kitson
Erschienen: 1980/1988 (Detective Comics #491-492/Batgirl Special #1), Hardcover 2011/2017 (Tales of the Batman: Don Newton/Batgirl: A Celebration of 50 Years)
Nur einige Tage vor The Killing Joke erschien das Batgirl Special, das die „letzte“ Batgirl-Story sein sollte. Natürlich sind solche Ankündigungen mit Vorsicht zu genießen. In potenziell ewig fortlaufenden Geschichten ist naturgemäß selten etwas final. Interessanterweise weist darin einiges – absichtlich oder nicht – bereits auf die Zukunft von Barbara Gordon voraus.
Die eigentliche Story beginnt bereits 1980, in Detective Comics #491-492. Da heuert ein gewisser General Carr den Auftragskiller Cormorant an, um Batgirl zu ermorden. Der Anschlag missglückt, Batgirl kann sich retten. Doch im Special erfahren wir, dass Barbara seitdem traumatisiert ist. Er habe einen Teil von ihr getötet, ihre Welt auf Schmerz und Selbstschutz reduziert.
Nun, vier Jahre später, findet Barbara eine Leiche in der Bibliothek, wo sie arbeitet. Ein Mann, von hinten erstochen, neben ihm liegt ein Hut, wie in Cormorant getragen hat. Barbara wittert, dass ihre alte Nemesis ihr ein Zeichen schicken will. Doch dann findet sie dank ihrer Computer- bzw. Hackerkenntnisse heraus, dass es sich bei dem Toten um David Joseph Scarano handelt – den Sohn von General Scarr und ein mehrfach vorbestrafter Sexualstraftäter. (Ein Zettel, den Barabara bei der Leiche findet, wird seltsamerweise nie mehr erwähnt.)
Doch dann taucht eine weitere Leiche auf mit einem Bekenntnis auf: Eine Killerin rächt sich für Verbrechen an Frauen. Solange man solche Männer frei rumlaufen lässt, will sie Selbstjustiz üben. „I am the hand that delivers womankind from fear with a single slash.“ – Von da an nennen sie die Medien „Slash„. Als Batgirl den nächsten Mord verhindern will, sticht ihr Slash einen Dolch in den Rücken. Mit letzter Kraft taumelt Barbara zu ihrer Freundin Marcy und verkündet ihr: „I quit.“ Aber vorher will sie noch den Fall erledigen.
Batgirl verhindert Mord am Mörder
Nachdem die kostümierte und maskierte Rächerin einen weiteren Mann auf der Straße absticht, beauftragt General Carr Cormorant, sie zu beseitigen. Dann wendet sich seine Frau an Slash, da sie selbst von ihrem Mann misshandelt wird. Es kommt zur Konfrontation der drei Figuren: Zuerst sucht Batgirl Cormorant auf und wird fast von ihm erschossen, doch dann wirft ihm Slash einen Dolch in den Rücken. Als sie ihn umbringen will, verhindert es Barbara, indem sie Slash einen Dolch in die Brust wirft. Um einen Mord zu verhindern, wird sie also selbst fast zur Mörderin. Cormorant dankt es ihr, indem er sich trotzdem erneut auf sie stürzt. Doch dann wird er von Slash erschossen. Cormorants Frau reicht ihr die Waffe. Slash überlebt, ohne dass wir etwas über ihre wahre Identität oder Hintergrundgeschichte erfahren.
Barbara gibt daraufhin ihre Rolle als Batgirl auf. Es ist ihr zu gefährlich, andere könnten besser Verbrechen bekämpfen als sie. Vielleicht helfe sie nur noch im Hintergrund. Damit deutet sich der Rollenwechsel an, den sie später zu Oracle vollziehen wird. Bereits hier beweist sie Hackerqualitäten. Leider folgt diese Entscheidung aus der Einsicht eigener Schwäche – einer Schwäche, die ihr und Batwoman bereits in den Anfangsjahren stets nachgesagt wurde: Verbrechensbekämpfung sei nichts für Frauen.
Einiges in dieser Story kündigt gewissermaßen The Killing Joke an: das fast tödliche Attentat, das daraus entstehende Trauma, das Ende eines Lebensabschnittes und auch ein Stück Frauenverachtung, wenn der Joker Fotos von der nackten Barbara macht und dem Vater James Gordon zeigt. Auch bildliche Bezüge gibt es: Cormorant trägt wie der Joker einen breitkrempigen Hut, er schießt auf sie und verletzt sie fast an der Hüfte, zuvor wird sie am Rücken verletzt. Ob Absicht oder nicht und auch wenn die Continuity hier (mal wieder) nicht ganz aufgeht, kommt man nicht umhin, diese Story vor dem Hintergrund des Kommenden zu lesen.



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