Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Jim Lee
Erschienen: 2025-2026 (Batman #158-163), Hardcover 2026
Der Joker kippt einen Laster voller grinsender Pyranhas in Gothams Trinkwasserreservoir. „Why repeat the old jokes?“, fragt sich Batman. Wenn’s beim ersten Mal nicht klappt, versuch’s nochmal!, erwidert der Joker, schlägt ihn mit einem Brecheisen, Batman landet im Wasser und rettet sich mittels Stromschlag vor den Fischen. Dann taucht ein unbekannter Riese auf, der den Joker entführt.
Dahinter steckt Hush alias Thomas „Tommy“ Elliot, Bruces alter Jugendfreund und Batmans Widersacher. Er verletzt den Joker mit Skalpellen, bis dieser zu verbluten droht. Talia al Ghul erscheint aus dem Nichts und rettet Batman aus dem Wasser. Dieser untersucht dann allen Ernstes Jokers Schuh und schließt von dem Dreck an der Sohle (die Mutter aller Batman-Klischees!) auf dessen Auftenthaltsort, den man sich auch so denken kann: einen verlassenen Vergnügungspark. (Schon bei The Killing Joke ein Klischee.)
Nachdem Batman einige Todesfallen überwunden hat, findet er den Joker und rettet ihm das Leben, indem er ihn zuerst zu Leslie Thompinks und später in die Batcave bringt. Damit geht der Ärger los, denn die Bat-Family nimmt ihm das sehr übel. Es geht wieder um die uralte Frage, warum Batman niemanden tötet, auch nicht den Joker – obwohl er damit viel Leid verhindern könnte …
Und so beginnt ein Streit in der Familie: Zunächst taucht Red Hood (Jason Todd) auf und will den Joker erledigen, als Rache dafür, einmal von ihm getötet worden zu sein (A Death in the Family). Es kommt zum Kampf, Batman greift dabei sogar zur Pistole und schießt auf seinen einstigen Schützling. Jason gewinnt und entführt den Joker, statt ihn zu töten. Hush scheint gemeinsame Sache mit ihm zu machen. Später kämpfen Red Hood gegen Nightwing, Batgirl gegen Batman, Batman gegen Catwoman, Batman gegen Damian, Batman gegen Riddler – kurz: Batman gegen alle.
Abgedroschen, bemüht und lächerlich
Alte Bekannte wie Bane tauchen aus dem Nichts auf, dazu neue Handlanger wie der Schreihals Silence und eine Frau mit dem sprechenden Namen Armori Damascus und Implantaten aus flüssigem Metall. Zum Schluss bilden alle klassischen Batman-Schurken eine Allianz gegen Hush und Talia hilft Batman wieder aus der Patsche. Aber das ist noch längst nicht das Ende – H2SH soll einen zweiten Teil bekommen „Hush 2 hoch 2“ – im Quadrat sozusagen, was eigentlich vier ist …
Wann, das bleibt offen, aber es dürfte sich lange hinziehen. Denn bereits die sechs Batman-Ausgaben von Hush 2 bzw. „H2SH“ brauchten insgesamt 14 Monate. Immer wieder wurden die Erscheinungstermine verschoben, anscheinend weil Jim Lee bei den vielen Verpflichtungen (und Variants) mit dem Zeichnen nicht hinterherkommt. Das Warten hat sich leider nicht gelohnt. Trotz der vielen Wendungen und Kämpfe ist es eine ermüdende Story geworden, die voller Klischees und Plattitüden steckt. Die Handlung wirkt bemüht und voller lächerlicher Szenen. Mache scheint es nur für reine Effekthascherei zu geben, ohne gut motiviert zu sein. Die Dialoge sind melodramatisch und abgedroschen („This is going to hurt you a lot more than –„).
Aus Mangel an neuen Ideen werden totzitierte Sequenzen aus Batmans Vergangenheit mit dem Joker (von The Laughing Fish bis The Killing Joke) erneut rekapituliert, dazu noch Batmans Entstehungsgeschichte – für wen auch immer, denn heute kennt die wirklich jedes Kind. Hush wirft wie ein One-Trick-Pony ständig mit Skalpellen aus Damaststahl um sich, sowie auch mit Zitaten und Phrasen, und behauptet, mit Batman und den anderen Figuren eine Art großangelegtes Schach zu spielen – aber allzu intelligent scheint das bisher Spiel nicht zu sein.
Fortsetzung ohne Grund
Auch wenn wir erst die Hälfte der Storyline kennen, zeigt sich jetzt schon, dass es Hush 2 nicht gibt, weil Autor Jeph Loeb eine gute Idee hatte, sondern weil man schlicht Kapital aus der Fortsetzung einer klassischen Story schlagen will. Da Jim Lee immer noch wie ein Gott zeichnet, sieht das Ganze auch gut genug aus, um selbst die abgeneigtesten Leser bei der Stange zu halten. Allerdings hat auch er schon bessere Tage gesehen. Manche banalen Panels sind viel zu groß, andere wichtige dafür zu klein geraten. Aus irgendeinem Grund muss es auf der ersten Doppelseite stets dasselbe Layout aus vier großen Panels geben, deren Gutter ein großes „H“ bilden – für „HUSH“, damit wir nicht vergessen, um wen es hier geht. Hier wird viel Seitenschinderei betrieben.
Dass man nichts verpasst, wenn man diese Farce hier abbricht, zeigt sich auch daran, dass DC seine Batman-Serie mit Matt Fraction längst neu gestartet und Hush 2 anscheinend kaum Auswirkung auf die weiteren Ereignisse hat.
Satz mit x: War wohl nix!

