Batman (Comic-Serie)

Die erste Comic-Serie, die allein Batman gewidmet ist, erscheint seit 1940.

Batman und Joker tauschen Körper

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman – Clown of Crime

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1954 (Batman #85), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„Batman (…) you’re the new Joker of Gotham City!“

Das Batmobil ist nicht nur ein Auto, es ist eines von Batmans Erkennungszeichen. Wenn es kommt, wissen alle Bescheid. Dass der Joker ein Jokermobil hat, erweist sich allerdings nicht gerade als beste Idee – vor allem, wenn man damit gerade vor einem Tatort parkt. Es gleicht geradezu einer Einladung, erwischt zu werden. So geschieht es, nachdem der Joker – mal wieder – aus dem Knast entlassen wurde. (Das Thema hatten wir beim letzten Mal.) Der Schurke will Radium aus einem Labor stehlen, vermutet das dicke Geld. Als Batman angerannt kommt, ist der Clown erfreut: „Nothing gives me as much fun as playing cat-and-mouse with Batman!“ Die ewige Jagd ist ein Spiel, das um seiner selbst betrieben wird.

Doch dann werden die beiden Kontrahenden von irgendwelchen Strahlen getroffen – und ihre Identitäten sind vertauscht. Der dauerlachende Batman haut ab und treibt Schabernack, indem er Chaos stiftet: er lässt einen Swimmingpool zufrieren, schießt mit einem mannsgroßen Füllfederhalter und bietet für eine Million Dollar an, Batmans Geheimidentität zu lüften. Bei dem ganzen Spaß vergisst der Joker allerdings, selbst unter die Maske zu spähen. Oder aber schon damals interessierte ihn das Geheimnis nicht wirklich (vgl. Death of the Family).

Das Finale findet auf einem Dach eines Lupenherstellers statt. Denn der hat, wie bei Lupenherstellern offenbar üblich, eine gigantische Lupe auf dem Dach stehen. Damit will der Joker ganz Gotham Batmans wahres Gesicht zeigen. Wie löst man so ein Problem? Auf die Lösung wäre wohl niemand gekommen außer Batman in Gestalt des Jokers: mit einer Milchflasche. Nicht nur, dass dadurch die Linse unbrauchbar wird, die Idee beeindruckt Joker-Batman so sehr, dass er vor lauter Überraschung umfällt.

Der Rest ist einfach: Handschellen, Strahlentherapie und – zackfeddich – Status quo.

Mehr zum Thema:

 

Warum Robin nicht aufs College will

DC Comics

DC Comics

Titel: Rackety-Rax Racket!

Autor/Zeichner: Don Cameron/Dick Sprang

Erschienen: 1945 (Batman #32), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„One thing I’d enjoy more than killing the Batman – and that’s to make you both look ridiculous!“ (Joker)

Es gibt wahrscheinlich nichts Bescheuerteres als Initiationsriten bei Studentenverbindungen. Aber keine Masche ist zu bescheuert für den Clown Prince of Crime: Der Joker beschließt, seinen nächsten Juewelenraub als studentischen Jux zu tarnen. Doch als er von Batman (der wie immer zufällig danebensteht) erwischt wird, haut der Joker ihm einen Stuhl über den Kopf und entführt ihn.

Um Batman zu retten, muss Robin drei Aufgaben erfüllen, die ihn der Lächerlichkeit preisgeben: Schuhe putzen, Pelze im Sommer verkaufen, eine Puppe im Spielzeugladen kaufen. Für den Joker ist das nicht nur Spaß: es sind Maschen, mit denen er Raube begehen kann. Robin wird unfreiwillig zu seinem Handlanger. Dabei geht am Ende das Spielzeuggeschäft in Flammen auf, Kinder kommen in Gefahr – und der Joker erscheint als falscher Feuerwehrmann … Lange Rede, kurzer Sinn: Batman befreit sich selbst und revanchiert sich beim Joker mit roher Gewalt.

Der Joker hat sich gewandelt: Aus dem ruchlosen Killer ist ein harmloser Spaßmacher geworden, der es bloß auf Juwelen abgesehen hat. Nicht, dass er sie nötig hätte: Am Anfang sehen wir, dass der Joker in einem Haus mit einem riesigen Tresorraum lebt, der – wie bei Dagobert Duck – mit Geld, Gold und Juwelen gefüllt ist. Der Diebstahl ist für ihn bloß ein Hobby. Allerdings eines, das er mit Freiheitsentzug teuer bezahlt.

Ach so: Warum Robin nicht aufs College will? Das erklärt sich nach diesem Abenteuer wohl von selbst …

Mehr zum Thema:

Zwei komische Vögel

DC Comics

DC Comics

Titel: Knights of Knavery

Autor/Zeichner: Don Cameron/Jack Burnley

Erschienen: 1944 (Batman #25), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„This town isn’t big enough for both of us to operate in!“ (Joker)

Nach einem gescheiterten Juwelendiebstahl wird der Pinguin mal wieder eingebuchtet. Doch diesmal wird er zusammen mit dem Joker in eine Zelle gesteckt. Die beiden stellen fest, dass die Stadt nicht groß genug für sie ist – deshalb vereinbaren sie einen Wettbewerb: Wer einen bestimmten Smaragd stiehlt, darf bleiben. Es braucht nicht mehr als einen Besen, um ausbrechen zu können (es waren so simple Zeiten) und schon schreiten sie zur Tat.

Nur ein Blick in die Zeitung und Batman ahnt sofort, wo die beiden als nächstes zuschlagen werden. Zusammen mit Robin versteckt er sich in zwei riesigen Vasen und wartet auf die Schurken. Denn wenn wir etwas von Batman gelernt haben dann das: ein Überraschungseffekt ist nicht zu unterschätzen. Pinguin und Joker treffen ein, kommen sich in die Quere und können nur knapp dem Dynamischen Duo entkommen.

Joker und Pinguin machen gemeinsame Sache

Man beschließt, fortan gemeinsame Sache zu machen. Versuch zwei sieht so aus: Der Pinguin schnappt sich eine Tasche voll Geld und entfliegt mit einem Bündel Ballons. Als Batman und Robin ihn zufällig am Fenster vorbeischweben sehen, hängen sie sich dran und landen beim Joker. Der wiederum ist so fürsorglich und spannt ein Netz für die drei auf, bevor er sie vom Himmel schießt.

Ohne erfindlichen Grund lassen Batman und Robin sich gefangen nehmen. Im Geheimversteck der Gauner prangt bereits ein Wappen mit einem eigens designten Joker-Pinguin-Logo. Da die Helden ohnehin um ihr Leben bangen, lassen sie sich zwei kleine Vasen vom Kopf schießen (schon wieder Vasen!). Aber dahinter steckt ein ausgeklügelter Plan: denn mit den Scherben können sie ihre Fesseln durchschneiden. Zum Schluss, als sie sich auf Pinguin und Joker stürzen, überkommt sie der Dichterdrang: sie fangen an, in Reimen zu sprechen:

„I’m free! But you won’t be!“, sagt Robin zum Pinguin. „My bonds are loose! Here’s where I cook your goose!“, ruft Batman zum Joker. „I hate to upset you, but I promised to get you!“ Und weil Robin dann kein vierter Reim mehr einfällt, haut er diesen Spruch raus: „I’m starting a victory garden … do you mind if I plant my fist?“ Ja, so sind sie, unsere Helden: schlagfertig in jeder Beziehung.

>> Mehr Joker-Comics

Blüten des Zorns

DC Comics

DC Comics

Titel: Bloom (Batman Vol. 9)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Yanick Paquette

Erschienen: 2016 (Batman #46-50, Detective Comics #27; Hardcover 2016), dt. Panini 2016 (Batman #50-52)


„For Batman to live, Bruce Wayne always has to die!“ (Bruce Wayne)

Was bisher geschah: Nach einem Kampf mit dem Joker (Endgame/Todesspiel) ist Batman tot – aber Bruce Wayne lebt. Batman ist aus Bruces Gedächtnis gelöscht. Bruce arbeitet in einem Jugendzentrum und hat eine Freundin. James Gordon übernimmt die Batman-Rolle, indem er in einen Panzeranzug steigt. Seine Herausforderung: Ein neuer Schurke namens Mr. Bloom, der Gaunern Superkräfte verleiht und sie daraufhin tötet (siehe Superheavy/Superschwer).

Was hier geschieht: Bloom startet seine Offensive gegen Gotham. Gordon gerät als Batman an seine Grenzen. Bruce Wayne wird bewusst, dass er Batman war – und als die Stadt in größter Not ist, unterzieht sich Bruce einer qualvollen wie gefährlichen Prozedur, um sich wieder geistig zu Batman zu machen. Unterstützt wird er dabei von Duke Thomas, einem Jungen, den er schon aus dem Zero Year/Jahr Null kennt, und der hier zu Robin wird.

Höhepunkt: Ein Treffen zwischen Bruce Wayne und dem Joker auf einer Parkbank. Das heißt: Die Szene lässt offen, ob es sich wirklich um den Joker handelt, der wie Batman körperlich erneuert und geistig auf Null zurückversetzt wurde, aber es spricht vieles dafür. Der Unbekannte will sich selbst erschießen, dann verschwindet er im Nichts. Hier wird klar, dass Scott Snyder mit seinem Dionesium, das wie eine Lazarus-Grube wirkt, einen Weg gefunden hat, nach dem ultimativen Endkampf, einen Neuanfang für Batman und Joker zu finden. Beide waren tot, beide entstehen wieder neu. (Der Joker sogar in drei Gestalten?)

Zweiter Höhepunkt: Eine andere starke Sequenz ist ein wilder Trip durch eine Reihe von Elseworlds-Szenarien, als Batman wieder zu sich kommt.

Was gefällt: Dass Scott Snyder und Greg Capullo erzählen können, haben sie schon oft bewiesen. Auch Bloom ist ein Comic auf höchstem Niveau. Sensibel werden Charaktere ausgebaut, Konflikte vertieft und auch für ein wenig Humor ist Platz. Capullo zeichnet ein paar herausragende Seiten mit tollen Inszenierungen, unterstützt wird er dabei zum Teil von Yanick Paquette, dessen Figuren dagegen leider zu steif wirken.

Was nicht gefällt: Im dritten Akt verliert sich die Story zu sehr im Radau des Endkampfes. Wieder wird die halbe Stadt zerstört, wieder dreht halb Gotham durch, wieder müssen Schurken und Roboter riesengroß werden und alles in einem großen Knall enden lassen. Das ermüdet. Es wäre mal wieder an der Zeit, eine Batman-Story zu erzählen, ohne dass dabei fast die Welt untergeht. Gegen Ende wird Snyder auch etwas geschwätzig, wenn er Gordon über Batman schwadronieren lässt. (Und sich dabei für seinen Gordon-Batman-Plot rechtfertigt.) Und dass Batman noch die Nerven hat, sich im Notfall noch ein neues Kostüm zu designen – das hätte man sich auch sparen können. (Warum muss sich ständig das Kostüm ändern? Warum ist die Fledermaus gelb umrandet?)

Bonus: DC hat in den Sammelband noch eine Story aus Detective Comics #27 dazugepackt. Eigentlich unnötig, weil sie schon in Detective Comics Vol. 5: Gothtopia veröffentlicht wurde. Aber sie gehört thematisch zur Story, weil hier Bruce Waynes Batman-Maschine erstmals eingeführt wird. Der Rest des Bandes ist gefüllt mit einer Reihe „Batman v Superman“-Variant-Cover, darunter auch einige Perlen.

Bilanz: Es ist seltsam: Obwohl ich die Snyder-Capullo-Storys am meisten mag, gehe ich mit ihnen sehr kritisch um. Keine Frage: sie sind (innerhalb von The New 52) das Beste der vergangenen fünf Jahre. Wer’s mag, wird auch das hier mögen. Vielleicht sind die Geschichten aber so gut, dass ich deswegen umso enttäuschter bin, dass sie nicht perfekt sind.

>> Batman 2011-2019


Unterstütze das Batman-Projekt

Das beste Batman-Blog der Welt gibt es leider nicht kostenlos. Damit ich weitermachen kann, brauche ich deine Hilfe. Jeder Euro zählt. Vielen Dank.

€1,00

Kartenspiel mit Joker

DC Comics

DC Comics

Titel: The Riddle of the Missing Card

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Batman #5), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„All life is a gamble.“ (Batman)

Der Joker kehrt mal wieder von den Totgeglaubten zurück. Rastlos, wie er nun mal ist, stürzt er sich sofort ins nächste Verbrechen: Drei Gauner holen ihn buchstäblich ins Boot, um ihr nächstes Ding zu planen. Da kommt dem Criminal Mastermind auch schon gleich eine Idee: Als ihm auffällt, dass die Namen der Komplizen sich auf Spielkarten übertragen lassen (wie auch seiner), will er einen Haufen Bonzen am Kartentisch abziehen – und dabei herausbekommen, welche Juwelen sie zu Hause bunkern, um auch die zu stehlen.

Als Batman den Schurken auf die Schliche kommt, nimmt der Joker Robin gefangen und lockt Batman in eine Falle: dort muss Batman gegen die Bande an einem Kartenspiel teilnehmen, um Robins Leben zu retten. Das Spiel dauert nicht lange, der Joker gewinnt – mit einer Joker-Karte. Aber das ist Batman egal: er wirft dem Joker die Karten ins Gesicht, wirft den Tisch um und befreit Robin. Fragt sich nur, warum er sich überhaupt auf das Spiel eingelassen hat. Klar: sonst gäbe es diese absurde Szene nicht. Aber Batman erklärt es damit, dass das Leben ohnehin ein Glücksspiel sei. No risk, no fun.

Interessant ist dabei ein Nebenaspekt: eine Frau, die zu den Gaunern gehört, deckt Batmans Geheimidentität auf. Sie erkennt ihn an einer Schnittwunde am Kinn von Batman. (Da zeigt sich, wie gefährlich so eine Maske sein kann, die nur das halbe Gesicht verdeckt.) Aber statt ihn zu verpfeifen, weckt gerade diese Erkenntnis ihre Sympathie und sie hilft Batman. Dass dabei plötzlich aus dem Nichts Waffen auftauchen und wieder spurlos verschwinden, ist eine dieser vermeintlichen Macken, die den Geschichten aus dem Golden Age ihren trashigen Charme verleihen.

Übrigens endet die Sache nach einer wilden Verfolgungsjagd wieder damit, dass der Joker im Wasser landet – und offen bleibt, ob er überlebt hat … Diese Cliffhanger-Masche war schon damals ein alter Hut – aber als Tradition des Genres wird sie bis heute gepflegt (z.B. in Death of the Family).

Mehr zum Thema:

Tote leben länger

Batman: Eye of the Beholder

DC Comics

Titel: Eye of the Beholder

Autor/Zeichner: Tony S. Daniel/Tony S. Daniel, Steve Scott

Erschienen: 2011 (Batman #704-707, 710-712), Paperback 2011


„Doesn’t anyone stay dead these days?“ (Batman)

Einmal noch. Nur noch einmal müssen wir durch eine Story von Tony Daniel durch. Wer schon länger dieses Blog verfolgt, weiß, dass ich bisher nie überzeugt davon war, dass in diesem Autor-Zeichner ein Doppeltalent steckt. Zeichnen ja, schreiben nein. Allein sein Battle for the Cowl war okay, Life After Death taugte aber nichts – und erst recht nicht seine beiden späteren Detective Comics-Bände Faces of Death und Scare Tactics. Okay, eine Chance geben wir ihm noch: Eye of the Beholder.

Erzählt werden zwei Geschichten: In der ersten muss Batman (Dick Grayson) gegen den Schurken Sensei antreten, der eine chinesische Maske des Bösen in Gotham sucht. Sensei, der Vater von Ra’s al Ghul, müsste eigentlich tot sein (siehe The Resurrection of Ra’s al Ghul), aber … naja … die Familie hat’s nicht so damit, Endgültigkeiten zu akzeptieren. Batman verbündet sich mit der chinesischen Heldin Peacock, die aussieht, als könnte sie beim brasilianischen Karneval auftreten, und dem blinden Kämpfer I-Ching. Außerdem schauen noch die Schurken Riddler und Reaper vorbei, ohne allerdings für Höhepunkte zu sorgen.

Two-Face sucht seine Münze

In der zweiten Story geht es um Two-Face. Der hat seine Münze verloren und geht bei der Suche danach über Leichen. Dahinter steckt ein Plot des Gangsters Mario Falcone und Harvey Dents Frau Gilda (siehe The Long Halloween), der aber weder besonders ausgeklügelt noch interessant ausgeführt ist. Und wieder hat der Riddler etwas damit zu tun, allerdings kommt dieser Schurke nicht zur Entfaltung, da sein Kostüm zwar übersät ist mit Fragezeichen, er aber keine Rätsel stellt.

Noch überflüssiger ist die Erscheinung von zwei Sidekicks: „Riddlers Tochter“ Enigma und Catwomans Zögling Catgirl. Es wird mal wieder zu viel Personal reingepackt, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und Batman stellt sich mal wieder nicht besonders klug an. Gleich dreimal geht er fast drauf: einmal stürzt er in die Tiefe, dann wird er beinahe ertränkt, schließlich bekommt er eine Kugel in den Kopf. Aber auch Dick Grayson ist so hart im Nehmen wie sein Mentor, der sich übrigens lieber anderswo rumtreibt, statt sich um seine Stadt zu kümmern.

Lange Rede, kurzer Sinn: Eye of the Beholder könnt ihr euch sparen. Es sei denn, die Zeichnungen sind euch wichtiger als eine packende Story.

>> Batman 2000-2011

Gefangen in der Zeitschleife

DC Comics

DC Comics

Titel: Time and the Batman (dt. Batman und die Zeit)

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Andy Kubert, Frank Quitely, David Finch, Tony Daniel, Scott Kolins

Erschienen: 2010 (Batman #700-703), Paperback 2011; dt. Panini 2012


„Ich hoffe, ich ergebe noch Sinn.“ (Bruce Wayne)

„Alles ergibt eines Tages Sinn.“ (Dick Grayson)

Zugegeben: Als ich Batman und die Zeit zum ersten Mal gelesen habe, konnte ich nichts damit anfangen. Damals kannte ich die Vorgeschichten nicht, hatte keine Ahnung von Grant Morrisons Batman RIP und Final Crisis, also habe ich auch nicht verstanden, was dieser Nachfolgeband sollte. Jetzt bin ich zwar klüger. Aber nach dem zweiten Lesen von Time and the Batman habe ich immer noch meine Schwierigkeiten.

Das Buch erzählt drei Geschichten: Die Titelstory feiert das Jubiläum der 700. Ausgabe der Batman-Serie. Die zweite Geschichte erzählt das „fehlende Kapitel“ (missing chapter) von Batman RIP. Die dritte ist eine einfache Story, in der Batman und Robin den harmlosen Schurken Getaway Genius jagen.

Die erste, Time and the Batman, ist die größte Herausforderung. Denn hier zieht Grant Morrison mal wieder alle Register. Auf engstem Raum vereint der Autor einen Fall auf drei Zeitebenen mit drei Batmen: Bruce Wayne in der Vergangenheit, Dick Grayson in der Gegenwart und Damian Wayne in der Zukunft. Ein Wissenschaftler, der eine „Was-wäre-wenn-Maschine“ erfunden hat, wird tot aufgefunden, möglicherweise ermordet. Batman Grayson kennt ihn noch von einem früheren Fall als Robin, als er mit Bruce Gefangener einiger Schurken war. Die Auflösung des Falls habe ich nicht verstanden (irgendwas mit Zeitschleife) – aber das ist hier nebensächlich. Denn er dient nur als Aufhänger für einen Reigen an Reminiszenzen an den Batman-Mythos. Wir sehen, wie Dick einen Kranz für die Waynes in der Park Row niederlegt, wir sehen ihn Kaffee trinken und mit Robin Mutanten verhauen. Damian darf gegen eine interessante Variation von Two-Face antreten. Zum Schluss taucht sogar Batman Beyond auf – und dann noch ein paar Varianten von Zukunfts-Batmen, einfach so, weil’s so schön ist. Diese Story ist nichts als eine Hommage, die nur eine Aussage hat, dass es immer einen Batman geben wird. Die Legende lebt etc.

Diesen Gedanken setzt das „Missing Chapter“ von Batman RIP fort: Batman als Überlebenskünstler. Die zweiteilige Story erzählt im Grunde nicht viel Neues, sondern schmückt nur Bekanntes aus. Es ist sozusagen ein Bindeglied zwischen RIP und Final Crisis, mit denen es einige Überschneidungen gibt. Der Mehrwert dieses nachgereichten „fehlenden Kapitel“ besteht darin, zu erklären, was bei Darkseids Angriff mit Batman wirklich passiert ist. Batman ist nämlich, wie wir längst wissen, nur augenscheinlich gestorben. Seine Strafe besteht darin, in der Zeit umher zu irren. Damit wird die Mini-Serie The Return of Bruce Wayne (dt. Die Rückkehr von Bruce Wayne) vorbereitet.

Auch in Story drei, The Great Escape, geht es um Zeitschleifen (wenn auch nur in Form von Rückblenden): Erneut wird der Unterschied zwischen Batman Grayson und Robin Damian herausgestellt, nur dass diesmal Dick sich an seine eigene Jugend erinnert fühlt, in der er ebenso ungeduldig und aufbrausend war wie Damian es jetzt ist. Ansonsten gibt auch dieser Lückenbüßer nichts Neues her. Aber um Neues geht es in dem Band ohnehin nicht: Es ist eine einzige Schwelgerei in der Vergangenheit. Aber diese Nostalgie, gepaart mit Legendenverehrung, wird langsam öde.

Auf visueller Ebene dürfte für jeden Comicfan etwas dabei sein: Mit Andy Kubert, Frank Quietly, Tony Daniel, David Finch und Scott Kolins sind einige der besten Künstler am Werk – mit einigen beeindruckenden Seiten. Aber lesen muss man diesen Band trotzdem nicht unbedingt, außer natürlich man will kein Stück der großen Morrison-Story verpassen.

>> Batman 2000-2011

Stets bemüht

Titel: Life after Death (dt. Das Leben nach dem Tode)

Autor/Zeichner: Tony S. Daniel

Erschienen: 2009-2010 (Batman #692-699, Paperback 2010), dt. Panini 2012 (Paperback)


„I acted as the Dark Knight. To the best of my abilities – I became him. And I succeeded.“ (Dick Grayson)

Nein, Dick Grayson ist nicht Bruce Wayne. Aber er tut sein Bestes, die Rolle von Batman auszufüllen. Das ist besonders schwierig, denn wie immer gibt es in Gotham sehr viel zu tun. Black Mask beherrscht immer noch die Stadt, er verbündet sich mit Hugo Strange und Doctor Death und führt eine Armee von gehirngewaschenen Gasmaskenträgern an. Es beginnt ein Bandenkrieg mit Mario Falcone, dem letzten Sohn des Paten Carmine „The Roman“ Falcone. Der Reaper kehrt in neuer Form zurück: als Holocaust-Überlebender, der sich für sein Trauma rächt (an wem auch immer, jedenfalls nicht an Nazis). Eine Forschungseinrichtung, die Geisteskranke heilen will, wird attackiert. Batman versucht, Black Masks Versteck aufzuspüren. Dabei helfen ihm Catwoman und ein Mädchen namens Kitrina, das ebenfalls eine Vorliebe für Katzenkostüme hat …

Das alles hört sich nicht nur nach ziemlich viel für gerade einmal sechs Hefte an. Das ist es auch. Das Problem daran: Es ergibt keine stimmige Geschichte. Zu viel ist bloß angerissen verläuft sich im Nichts. Es fehlt der Spannungsbogen, es fehlt ein Charakter als roter Faden. Dick Grayson taugt nicht besonders dazu. Überhaupt stellt er sich nicht gerade schlau an. Wie ein blutiger Anfänger tappt er in die offensichtlichste Falle und lässt sich als Handlanger für die Bösen instrumentalisieren – wie gut, dass Sie ihm nur eine Gasmaske anlegen, statt ihm seine Maske auszuziehen. Es wirkt, als hätte Dick seine Lehrjahre als Robin und seine Wanderjahre als Nightwing vergessen.

Tony S. Daniel (Battle for the Cowl) ist zwar ein herausragender Zeichner, aber kein besonders fähiger Erzähler (das haben wir schon bei seinen Detective Comics festgestellt). Das gilt auch für die Zweistory im Paperback, in der Batman einen Serienmörder sucht und dabei mit dem Riddler zu tun bekommt. Am Ende gibt es mehr Fragen als Antworten, ohne dass man besonders gespannt ist auf des Rätsels Lösung.

>> Batman 2000-2011

Auferstehung im Hasenkostüm

DC Comics

DC Comics

Titel: Superheavy (Batman Vol. 8) (dt. Superschwer)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2015 (DC Sneak Peek #1/Divergence #1, Batman #41-45, Paperback 2016), dt. Panini 2016 (Batman 46ff.)


„… this is the dumbest idea in the history of Gotham City.“ (James Gordon)

„In the beginning, there was nothing … and then, there was Batman. And this was good.“ (Geri Powers)

Nach dem Endgame (dt. Todesspiel) mit dem Joker gilt Batman als verschollen, bzw. tot. Aber weil es schon immer einen Batman zu geben scheint (nach gerade einmal sechs Jahren im Dienst) und man sich ein Gotham ohne nicht mehr vorstellen kann, bringt das Unternehmen Powers International (vgl. Batman Beyond), das kürzlich Wayne Enterprises übernommen hat, einen neuen Batman ins Spiel: einen Kampfanzug. Bedienen soll ihn ein Polizist – und das ist niemand geringerer als Commissioner James Gordon. Ja, genau: Gordon wird der neue Batman. Am Anfang hat auch er Bedenken, um nicht zu sagen, er hält das für Schwachsinn. Der Anzug, so sagt er, sehe nicht einmal Batman ähnlich, eher einem Kaninchen. Zugegeben, das Ding hat sehr lange Antennen, die wie Ohren aussehen, aber der Hase müsste schon auf Steroiden zu sein, um ihn mit dem Panzerkostüm zu verwechseln …

Egal, es sieht cool aus. Vielleicht ist Gordon deshalb schnell überredet und fast ebenso schnell in Form gebracht (mit Training, Implantaten und Rasur) und nach einigen Startschwierigkeiten tritt er gegen seinen ersten Superschurken an: Mr. Bloom, ein dürrer Mensch mit Blumenmaske, der Straßengangs mit kleinen „Samen“ zu Superschurken macht – oder sie tötet. Aber über die Story kann man noch nichts Abschließendes sagen, weil in diesem Band bloß der erste Teil erzählt wird. Da wir über den Schurken kaum etwas erfahren, bleibt er oberflächlich und nur mäßig interessant.

Bruce Waynes Gehirn gelöscht

Aber was ist mit dem echten Batman, was ist mit Bruce Wayne? Den gibt es noch, aber er ist nicht mehr der alte. Überlebt hat er dank des Wundermittelchens, das auch Joker immer wieder regenerieren ließ (siehe Endgame). Doch damit wurde auch Waynes Gehirn gelöscht – und ohne Erinnerungen und Trauma kann er nicht mehr Batman sein. Stattdessen lässt er sich einen Vollbart wachsen und arbeitet in einem Jugendzentrum, wo er eigentlich nicht viel macht, außer mit Julie Madison herumzuturteln.

Fassen wir zusammen: Gordon rasiert sich und steigt in ein Hasenkostüm, um Batmans Erbe anzutreten, und Wayne setzt sich zur Ruhe und hütet Kinder? Ja, er baut ihnen sogar einen Spielgarten aus den alten Trophäen der Bathöhle, die Joker entstellt hat. Überzeugt das? Mäßig. Auch wenn Autor Scott Snyder und Zeichner Greg Capullo ihr Bestes geben, um ihre Geschichte mit der betonenen Sensibilität für ihre Charaktere zu erzählen, liefern sie mit Band 8 ihrer Batman-Serie den bisher schwächsten ab. Und das liegt nicht nur daran, dass es mehr Gerede als Handlung gibt. Die meiste Zeit über wirkt Superheavy wie ein Urlaub, wie eine Auszeit nach dem aufreibenden Endgame, als müsste sich gerade Bruce Wayne davon erholen. (Auch die Rückblende im Intermezzo, von Brian Azzarello und Jock, wirkt etwas müde.)

Wieder bei Null anfangen

Gordons Wandlung zu Batman ist zu überstürzt. Dafür, dass er am Anfang vehement dagegen ist, lässt er sich doch leicht überreden, und das nur durch das Argument, dass er die Stadt am besten kennt. Er hingegen hält die Idee für reizvoll, dass Batman innerhalb des Systems arbeit. So wird aus dem Vigilanten ein legitimierter Ordnungshüter. Das ist keine neue Idee, das ist eine Rückkehr in Batmans erste 30 Jahre, und da das Wesen des modernen Batman darin besteht, außerhalb des Gesetzes zu operieren, wirkt das wie ein großer Rückschritt.

Die Grundidee der Story besteht darin, Batman wieder auf Null zu bringen, neu anzufangen. Und so wird der erfahrene Polizist James Gordon wieder zum Anfänger. Immerhin ist das nett anzusehen, wie er seinen Kampfanzug und seine Fähigkeiten im Batarang-Werfen austestet. (Bermerkung im Kluscheißermodus: Dass er allerdings einen 1000-Grad-heißen Ofen überlebt, ist dann doch unwahrscheinlich. Zwar mag sein Kostüm ihn schützen, aber wenigsten die untere Hälfte des Gesichts müsste verdampfen. Aber das geht bekanntlich nicht, solange die Story nicht zu Ende ist.) Daher gedulden wir uns noch auf die Fortsetzung, die als Hardcover im September erscheinen soll, und hoffen, dass in der zweiten Hälfte wieder mehr Schwung in die Story kommt.

>> Batman 2011-2019


Unterstütze das Batman-Projekt

Gefällt dir dieser Beitrag? Was ist er dir wert? Lass es mich wissen und hilf mir, die Kosten für diese Seite zu decken (8 Euro im Monat, 96 Euro pro Jahr). Vielen Dank.

€1,00

Im Schatten der Fledermaus

DC Comics

DC Comics

Titel: Long Shadows

Autor/Zeichner: Judd Winick/Ed Benes, Mark Bagley

Erschienen: 2009 (Batman #687-691, Paperback 2010)


„Everything I am is because of him. I’m just not sure I can be him. Or that I want to.“ (Dick Grayson)

„You really believe everything that he was is a suit? A car? Body armor? A cowl? No. Batman’s dead. So what does that make you?!“

Nachdem Dick Grayson den Kampf um Batmans Nachfolge für sich entschieden hat, hadert er immer noch damit, das Kostüm anzulegen. Lieber versucht er als Nightwing (im Batmobil) für Recht und Ordnung zu sorgen. Als er sich endlich dazu durchringt, als Batman aufzutreten, fällt der Öffentlichkeit ein neuer Stil auf: Batman kämpft anders, scheut keine Kameras – und er lächelt während er Gangster aufmischt. Vor allem Two-Face hat seine Zweifel, dass sein Erzfeind doch noch leben könnte. Also plant er, dem Neuen zu Hause einen Besuch abzustatten und den Hochstapler zu überführen. Doch Dick Grayson geht in seiner neuen Rolle so sehr auf, dass er sehr überzeugend sein kann …

Man kann Long Shadows nach Battle for the Cowl als eine weitere Übergangs-Story abtun, die einen Generationswechsel einleiten soll. Aber damit wäre ihr Unrecht getan. Es ist eine ungewöhnliche Erzählung, die nicht vom Plot oder der Action lebt, sondern von einem Konflikt: Dick Grayson, der erste Robin, der sich als Nightwing von Batman emanzipiert hat, kämpft mit dem Mythos, den sein Mentor ihm hinterlassen hat. Dick ist klar, dass sich das Original nicht einfach ersetzen lässt, aber ein neuer Batman nötig ist. Nach langem Zögern und Zweifeln wird er das, was er nur werden kann: ein neuer Batman, keine Kopie des Alten.

Gerade die Zeit, die sich Judd Winick mit der Entwicklung des Hauptcharakters lässt, ist die große Stärke des Bandes. Zudem sehen wir einen Alfred, der um seinen verlorenen Sohn trauert, sowie Superman und Wonder Woman, die in einem der bewegendsten Momente Batmans Maske und Umhang in die Bathöhle überführen. Am Ende überzeugt die Einsicht, die Batman seinem alten Widersacher vermittelt: dass er sich verändern kann. Eben das ist das Geheimnis seines Erfolges.

>> Batman 2000-2011