Joker

Der erste Tod des Wunderknaben

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight Returns – The Last Crusade

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/John Romita Jr.

Erschienen: 2016 (One-shot)


„What kind of lifestyle is that to a child? And what’s that say about the man behind it?“

Prequels sind verdächtig. Eine nachgeschobene Vorgeschichte? Das ist ein Widerspruch in sich. Ein Prequel wirkt immer plump, verursacht Unstimmigkeiten und ist auch langweilig, weil man weiß, worauf es hinausläuft. Es ist nichts als Beiwerk, eine unnötige Zugabe, die so tut, als wäre sie die Ouvertüre. Gibt es auch nur ein Prequel, das wirklich nötig gewesen wäre? Abgesehen von Origins fällt mir keines ein. Man kann bei einem Prequel eigentlich nur froh sein, wenn es halbwegs glückt und nicht das Original ruiniert.

The Dark Knight Returns ist so ein Original, das nicht nur in der Batman-Geschichte wie ein Monolith dasteht, sondern auch einen Comic-Meilenstein bildet. Es gibt nichts daran auszusetzen, es ist ein unantastbarer Klassiker, der bis heute nachwirkt (wie etwa in Batman v Superman). 15 Jahre lang kam Frank Millers Batman ohne Fortsetzung aus, dann kam der unsägliche zweite Teil, The Dark Knight Strikes Again, der keine der Qualitäten seines Vorgängers hatte. Weitere fast 15 Jahre später begann man mit DK III, und es zeichnet sich schon nach der Hälfte ab, das man auch diesen Teil sich hätte sparen können.

Jason stirbt nochmal

Mitten hinein in das Erscheinen dieser Mini-Serie (nach vier Monaten Verspätung) bringen Frank Miller und Brian Azzarello The Last Crusade, ein Prequel, das zwei Fragen beantwortet, die eigentlich eine ist: Wie ist es dazu gekommen, dass Bruce Wayne aufgehört hat, Batman zu sein? Und: Wie ist Robin Jason Todd (zum ersten Mal) gestorben? Zwei Fragen, die man nicht unbedingt hätte beantworten müssen. The Dark Knight Returns war auch so klar genug. Aber gut, nun ist der Comic nun mal da – warum auch immer.

Das Problem daran ist: Die Comicleser sind bereits Zeuge von Jasons Tod geworden. Nicht lange nach Miller haben die Fans ihn in der regulären Continuity (A Death in the Family) sterben lassen, nachdem der Joker ihn mit einem Brecheisen verdroschen hat. Um nicht eine zu ähnliche Story zu erzählen, konzentrieren sich die Autoren in Last Crusade auf Introspektion als auf einen ausgeklügelten Plot, der auf das bekannte Ende aus ist.

Handlung ist Nebensache

Bruce Wayne wird allmählich zu alt für den Job als Batman, er macht Fehler und kann nicht mehr mithalten. Trost sucht er im Bett von Selina Kyle (Catwoman). Während seiner Einsätze sieht er dabei zu, wie Jason immer skrupelloser wird und sogar eine blutrünstige Freude versprüht. Kurz gesagt: Robin wird so brutal und zynisch wie der Joker. Der Schurke wird zu Beginn des Comics in Arkham eingeliefert und bricht nach einigen Grausamkeiten mithilfe der übrigen Insassen, die er gegen die Wärter aufwiegelt, wieder aus. Währenddessen geht Batman einem Fall nach, aber der ist irrelevant, die Figuren austauschbar. Nach zwei Prügeleien mit Killer Croc und einer Rauferei mit Poison Ivy ist Bruce am Ende zu fertig, um nach dem Joker zu suchen. Also bricht Jason heimlich alleine auf. Doch er kommt nicht weit: Noch bevor er den Joker erreicht, wird er von dessen Handlangern erschlagen. Zum Schluss wird angedeutet, dass der Joker ihm den Rest geben wird: „Oh, the fun we’re going to have, little boy … the fun.“

Dass es bei dieser Andeutung bleibt, ist sowohl der stärkste als auch der schwächste Aspekt an Last Crusade. Denn das, was erzählt werden soll, wird nicht erzählt. Einerseits unbefriedigend, andererseits hat man es schon ähnlich gesehen – und kann in diesem Fall auch auf die Details verzichten. In diesem unauflöslichen Widerspruch bleibt die Story stecken. Robins letzter Kreuzzug findet nicht statt. (Und Bruce hat noch einige vor sich.) Und damit beraubt sich dieser Comic seiner Daseinsberechtigung.

Robins als Kanonenfutter

Seltsam ist auch, dass Bruce zwar – wie so oft bei Miller – viel grübelt und sich bei Selina und Alfred ausspricht, aber nie Jason für seine zweifelhaften Aktionen kritisiert. Kritik kommt von außen: Allein im Fernsehen wird problematisiert, dass Batman fahrlässig handelt, indem er Robin an seiner Seite kämpfen lässt. Kindesgefährdung wird ihm vorgeworfen. Obwohl Bruce den Beitrag hört, hinterfragt er sein Handeln nicht. Seine einzige Sorge ist, dass Robin noch nicht so weit ist, sein Erbe als Batman anzutreten. Das macht Bruce umso zweifelhafter. Allein sein späterer Ruhestand entschuldigt sein Handeln in gewisser Weise – aber auch dann wiederholt er seinen Fehler mit Carrie Kelley. Bei aller Anteilnahme und Reue: Robins sind für ihn bloß Kanonenfutter („good soldier“).

John Romita Jr., der schon Frank Millers Daredevil: The Man Without Fear gezeichnet hat, orientiert sich optisch stark an seiner Vorlage, auch wenn er den Hintergründen mehr Details gönnt. Ebenso die Farben erinnern stark an The Dark Knight Returns, sind aber differenzierter, was den Panels mehr Tiefe verleiht. Ein besonderes Panel wird davon jedoch nicht in Erinnerung bleiben.

Braucht man also Last Crusade? Nein. Denn leider fügt dieses Comic dem Dark Knight-Epos nichts Nennenswertes hinzu. (Denn was ist einem Meisterwerk schon hinzuzufügen?) Aber es ist wie so oft mit der Kunst: Man braucht sie nicht, aber da sie schon mal da ist, kann man mal einen Blick drauf werfen. Es kann nicht schaden. Man verpasst aber auch nichts, wenn man’s lässt.

>>> Eine Vorschau auf das Heft und Variant Cover gibt es hier.

Dark Knight – Last Crusade: Vorschau auf die Vorgeschichte

Wie ist Robin Jason Todd gestorben und warum hat Batman den Dienst quittiert? Am 15. Juni erfahren wir es – in The Dark Knight Returns: The Last Crusade, einem 64-seitigen One-Shot. Frank Miller, Brian Azzarello und Zeichner John Romita Jr. erzählen darin die Vorgeschichte zum Klassiker The Dark Knight Returns. Neben dem Joker werden auch Poison Ivy und Selina Kyle (Catwoman) darin vorkommen. Mehrfach wurde der Erscheinungstermin verschoben, jetzt scheint der Comic endlich Wirklichkeit zu werden.

In einem Interview mit IGN erzählen Miller und Romita nun über die Hintergründe der Story, außerdem bekommt man eine Vorschau auf einige Seiten aus dem Heft. So viel sei verraten: Es geht drastisch zu. Oben kann man einige Variant Cover sehen, von Miller, Jim Lee, Lee Bermejo und Bill Sienkiewicz.

Am 29.6. soll der fünfte Teil der Fortsetzung, Dark Knight III, erscheinen. Was zuletzt geschah, kann man hier nachlesen.

Zombie-Batman greift an

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 2: Batman versus Robin

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Cameron Stewart, Andy Clarke

Erschienen: 2010 (Batman & Robin #7-12), Paperback 2010; dt. Panini 2011 (Paperback)


„Being Robin is the best thing I’ve ever done, mother.“ (Damian Wayne)

Batman-Stellvertreter Dick Grayson hat die letzte (die allerletzte?) Lazarusgrube in England aufgespürt und versucht, den Leichnam seines Mentors Bruce Wayne wiederzubeleben. Leider geht das schief. Weil Darkseid die Leiche gegen einen seiner missglückten Batman-Klone ausgetauscht hat, taucht ein ziemlich aggressiver Batman-Zombie aus der Grube auf, der aus irgendeinem Grund alles töten will, was ihm in den Weg kommt. Zum Glück ist Batman Grayson nicht allein: mit dabei hat er nicht nur Knight und Squire (Englands Batman und Robin-Abklatsch), sondern auch Batwoman, die zufällig aus einer explodierenden Kiste gesprungen kommt.

Und was ist mit Robin? Der bekommt nach seiner Querschnittslähmung, die ihm der Schurke Flamingo verpasst hat, eine neue, künstliche Wirbelsäule von Mutti Talia verpasst. Obwohl er sich danach schonen muss, kommt es zur Konfrontation mit dem Zombie-Batman, der über Wayne Manor hereinfällt. Mit Batman und Batwoman können sie das Schlimmste abwenden, aber am Ende bleibt die Gewissheit: der wahre Batman ist nicht tot, sondern bloß verschollen in der Zeit.

Fremdgesteuerter Zombie-Robin

Darum geht es im zweiten Teil des Bandes: Batman und Robin untersuchen Wayne Manor nach Hinweisen, die der alte Fuchs Bruce in der Vergangenheit hinterlassen haben könnte. Doch während Dick eine geheime Bathöhle inspiziert, dreht Damian durch und versucht ihn umzubringen. Hier wird klar, dass Talia über die künstliche Wirbelsäule ihren Sohn kontrolliert. Noch schlimmer wird es, als Deathstroke die Fernsteuerung übernimmt. Auf Zombie-Batman folgt also eine Art Zombie-Robin. Und dann kommt auch noch eine Verbrecherbande dazu, die ein Geheimnis in Wayne Manor sucht – im Auftrag des Schurken El Penitente. Ganz zu schweigen von Oberon Sexton, dem vermummten „Gravedigger“, ein mysteriöser Helfer, der sich am Ende als ein Schurke offenbart, mit dem man nicht gerechnet hat.

Mit dem zweiten Band beginnt Batman & Robin Spaß zu machen. Fans bekommen einen Kampf Batman gegen Batman und dann Batman gegen Robin geliefert, Archäologie-Mystery á la Indiana Jones, krachende Action mit Wow-Faktor, auch ein bisschen Familiendrama und noch vieles mehr, wonach man nie gefragt hat. Grant Morrison bleibt sich zwar treu, zu viele Ideen und Figuren in seine Storys zu packen und es seinen Lesern nicht leicht macht, den Überblick zu bewahren, aber wer noch den ersten Band zum Nachschlagen bereit hat, für den ergibt sich langsam das Gesamtbild. Denn obwohl zwei Geschichten erzählt werden, läuft die Rahmenhandlung im Hintergrund immer mit und tritt allmählich in den Vordergrund.

Talia al Ghuls Handeln ist immer noch so unlogisch, wie es Morrison gerade passt: Warum sie sich darüber beklagt, ihren Sohn an Batman verloren zu haben, obwohl sie ihn bei ihm ausgesetzt hat, muss man nicht verstehen. Erst recht nicht, warum sie sich so sehr um Damian bemüht, obwohl sie bereits einen Klon von ihm in der Mache hat. (Damian scheint das nicht zu stören.)

Zeichnerisch überzeugen weder Cameron Stewart noch Andy Clarke vollkommen. Beiden fehlt das gewisse Etwas, aber vor allem Clarkes sauberer Stil lässt bei den Figuren das Leben vermissen.

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Vom Red Hood zum Joker

Detective Comics #168 (1951) (DC Comics)

„That chemical vapor– it turned my hair green, my lips rouge-red, my skin chalk white! I look like an evil clown! What a joke on me!“

Wer ist der Joker? Ein Niemand, der aus dem Nichts kam. Das namenlose Böse. Das stimmt nur zum Teil. Denn der Joker ist lange mit der Tradition des Red Hood verbunden. Erst elf Jahre nach dem ersten Erscheinen des Jokers (in Batman #1, 1940) bekam der Schurke eine Vorgeschichte angedichtet: In „The Man Behind the Red Hood“ (Detective Comics #168, 1951) wird der Red Hood als ein ungelöster Fall für Batman eingeführt. Am Ende offenbart der Joker, dass er damals unter der Maske steckte. Er war ein Laborarbeiter bei der Monarch Playing Card Company und wollte sie um eine Million Doller bestehlen. Der rote Helm sollte den Zweck erfüllen, dass er durch einen Kanal für Chemie-Abwasser entkommen konnte. (Wie der Umhang dabei helfen sollte, ist allerdings unklar.) Schließlich stellte der Joker aber fest, dass die Chemikalien sein Gesicht dennoch berührt und weiß gefärbt haben. Er beschließt, aus der Not eine Tugend zu machen. Weil er aussieht wie ein Clown, lässt er sich von einer Spielkarte zu seiner neuen Identität inspirieren. (Übrigens könnte die übergroße Joker-Karte in der Bathöhle auch von dort stammen.)

In Alan Moores Neuerzählung The Killing Joke ist der Joker vor seiner Entstehung zunächst ein ehemaliger Arbeiter im ACE Chemiewerk bis er sich als Komiker versucht, um seine Familie zu ernähren. Weil das nicht klappt, lässt er sich von Gaunern dazu überreden, die Monarch Spielkartenfirma auszurauben. Sie stecken ihn in das Kostüm des Red Hood, ein Markenzeichen, das immer ein anderer trägt. (So wird der Red Hood zum Red Herring.) Damit soll er unerkannt durch das ACE Chemiewerk, in dem er einst gearbeitet hat, zur Spielkartenfirma kommen. Als Batman eingreift, springt Red Hood in das Abwasser und kommt gebleicht und verrückt wieder raus.

The Kinlling Joke (DC Comics)

The Killing Joke (DC Comics)

Im Zero Year ist der Red Hood der souveräne Anführer einer berüchtigten Verbrecherbande, in der alle eine rote Masken tragen. Allein der Anführer trägt den roten Zylinder. Bruce Wayne versucht es zunächst mit Geheimidentitäten, gegen die Bande vorzugehen. Schließlich hat er als Batman Erfolg. Red Hood fällt am Ende des Kampfes beim Einsturz einer Brücke in den Chemietank, wohlwissend, dass dies nicht sein Ende, sondern erst der Anfang seiner Karriere ist.

Batman #24 Variant (DC Comics)

Batman #24 Variant (DC Comics)

Allen drei Geschichten gemeinsam ist, dass der Joker vor seiner Entstehung keinen Namen hat. Das könnte sich mit DC Rebirth bald ändern. Im Auftakt dazu heißt es, es gebe drei Joker. Oder wenigstens drei Identitäten. Hängt das vielleicht mit den drei Red Hood-Versionen zusammen? Golden Age (Pre-Chrisis), Modern Age (Post-Crisis) und The New 52 (Post-Flashpoint)? Oder mit dem Einfluss der Watchmen (Stichwort: Comedian = Joker)? Der Joker bleibt vorläufig ein Multiple Choice-Rätsel.


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Flashpoint: Die Zeit ist kaputt

DC Comics

DC Comics

Titel: Flashpoint/Batman: Knight of Vengeance (dt. Batman – Ritter der Rache)

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Andy Kubert; Brian Azzarello/Eduardo Risso

Erschienen: 2011 (Miniserie #1-5; Mini-Serie #1-3), Paperbacks 2012 (Flashpoint/The World of Flashpoint Featuring Batman), dt. Panini 2013 (Paperback)


„Either we change this world, Flash, or we let it burn in hell.“ (Batman)

„All the blood on my hands … hasn’t changed a thin –“ (Batman)

Vor DC Rebirth war Flashpoint. Und danach kam The New 52. Und davor war Flash Rebirth. Alles klar? Nein? Dann noch mal von vorn:

Plötzlich hat Flash (Barry Allen) seine Kräfte verloren, dafür lebt aber seine Mutter wieder. Batman ist ein skrupelloser Killer. Superman gibt es nicht. Das Schlimmste aber: Wonder Woman und Aquaman befinden sich im Krieg – und das gefährdet die Welt; Europa ist bereits im Meer versunken. Der einzige, der sich an eine andere, bessere Welt erinnert, ist Barry. Er vermutet eine Intrige des Reverse Flash (Professor Zoom/Eobard Thawne), der bereits in die Vergangenheit gereits ist und Barrys Mutter ermordet hat. Barry sucht Batman auf und bittet ihn um Hilfe. Doch dann erfährt er, dass er es nicht mit Bruce, sondern mit Thomas Wayne zu tun hat, der nach dem Tod seines Sohnes zu Batman geworden ist. Zusammen mit Cyborg und ein paar anderen Superhelden verfolgen sie zwei Dinge: erstens, den Krieg zwischen Aquaman und Wonder Woman zu beenden, zweitens, die Zeitlinie zu ändern. Denn auch Batman will lieber nicht leben als in einer Welt zu existieren, in der sein Sohn tot ist.

Flashpoint ist ein wahres Ausnahme-Event. Keine Überschurken aus den Tiefen des Alls, keine 1000 Helden auf einem Haufen, die sich ins Schlachtgetümmel werfen, keine komplexen Geflechte aus Vorgeschichten und Ausläufern. Einfach nur eine fünfteilige Mini-Serie, die man gut ohne viele Vorkenntnisse verstehen – und vor allem genießen kann. Gerade die Überschaubarkeit des Personals, die Reduktion der Dramatik und die klaren Ziele machen Flashpoint zu einer aufregenden, kurzweiligen, aber nicht banalen Story. Auch das dystopische Elseworlds-Szenario weckt das Interesse, so dass man mehr über diese Welt erfahren will.

Flashpoint Batman (DC Comics)

Flashpoint Batman (DC Comics)

Empfehlenswert ist der Spin-off Batman: Knight of Vengeance, in dem Batmans Vorgeschichte erzählt wird. Sie ist eine kühne Variation des Altbekannten: Thomas Wayne betreibt ein Spielcasino, um dem Verbrechen näher zu sein, Martha Wayne ist nach dem Tod ihres Sohnes verrückt geworden – zum Joker. Brian Azzarello und Eduardo Risso (Broken City) erzählen in gewohnt noiresker Manier von einer kaputten Familie und einem kaputten Batman, der sein Blutvergießen als vergeblich betrachtet.

Batman Flashpoint Knight of Vengeance

DC Comics

Flashpoint ist etwa zu einem Drittel auch eine Batman-Story. Das andere Drittel wird bestimmt von Flash. Die wohl tollste Sequenz ist die, in der Batman versucht, Flash seine Kräfte wiederzugeben – mit einem elektrischen Stuhl. Die Story steckt voller solcher interessanter Ideen. Wohltuend ist auch, dass Superman hier nur eine marginale Rolle spielt. Seine Darstellung ist das genaue Gegenteil aller bisherigen Inkarnationen, aber ich will nicht alles verraten. Nur so viel noch: Am Ende überreicht Flash Bruce Wayne einen Brief seines Vaters – und der soll angeblich dafür verantwortlich sein, dass den DC Helden zehn Jahre gestohlen worden sind (siehe DC Universe Rebirth #1).

Um Flashpoint besser zu verstehen, empfiehlt es sich, vorher Flash Rebirth zu lesen. Denn die Ereignisse knüpfen direkt aneinander an. Aus Flashs Versuch, die Zeit zu verändern, um alles wieder rückgängig zu machen, entsteht eine neue Welt, das neue DC Universum „The New 52“, das von 2011 bis 2016 kanonisch war und von „DC Rebirth“ abgelöst, bzw. erneuert wird. Am Ende ist von drei verschiedenen Zeitlinien die Rede, die eine werden sollen: gemeint sind die Comic-Universen DC, Vertigo und Wildstorm.

Wer Flashpoint gelesen hat, ist bereit für Rebirth.

Hinweis: Im Jahr 2011 wurde die Story als Animationsfilm unter dem Titel Justice League: The Flashpoint Paradox adaptiert.

Mehr zum Thema:

DC Rebirth: Wiedergeburt eines Universums

DC Comics

DC Comics

Titel: DC Universe Rebirth #1

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Gary Frank, Ethan Van Sciver, Ivan Reis, Phil Jimenez

Erschienen: 2016 (One-shot)


„I love this world, but there’s something missing.“ (Flash/Wally West)

Es ist wohl das meisterwartete DC-Heft des Jahres: DC Universe Rebirth #1. Es soll der Anfang einer neuen Ära sein, kein Reboot, sondern ein sanfter Neustart, mit ein paar Änderungen des Status quo und einer neuen Heftzählung. Aber so ganz für sich allein steht der One-shot nicht, er setzt die letzten Ereignisse des The New 52-Universums voraus und ist bloß der Auftakt zu mehr. In einem Satz: Das DC-Universum verschmilzt mit dem der Watchmen.

Was muss man zuvor wissen? (Spoiler!)

Gleich auf der ersten Seite steht, dass man zuvor Justice League #50 und Superman #52 gelesen haben sollte. Aber das ist nur die Minimalanforderung, denn die beiden letzten Nummern der Serien enthalten bloß die Schlusskapitel der Storylines Darkseid War und The Final Days of Superman – und da ist einiges los. In Kürze: Darkseid stirbt im Kampf mit dem Antimonitor und wird wiedergeboren, Jessica Cruz wird zu Green Lantern, der New-52-Superman stirbt und wird durch den klassischen Superman ersetzt, der mit Lois Lane verheiratet ist. Und was die große Enthüllung von Jokers wahrer Identität angeht, kommen mehr Rätsel als Antworten auf: es gibt drei Joker! Aber was das bedeutet, weiß Batman selbst nicht. (Und offenbar hat er vergessen, den Möbius-Stuhl danach zu fragen.)

Justice League 50: Batman und die drei Joker (DC Comics)

Justice League 50: Batman und die drei Joker (DC Comics)

Was passiert in DC Universe Rebirth? (Mehr SPOILER!)

Flash Wally West, der in der Speed Force festhängt, versucht, verschiedenen Helden mitzuteilen, dass mit dem Universum, wie sie es kennen, etwas nicht stimmt. Offenbar sind während des Flashpoint-Events, bei dem Flash (Barry Allen) die Vergangenheit geändert hat, zehn Jahre verloren gegangen. Zunächst sucht Wally Batman auf und erklärt ihm, dass alles mit dem Brief angefangen habe, den sein Vater (Thomas Wayne) ihm geschrieben hat. Flash Barry Allen hat Batman diesen Brief am Ende von Flashpoint überreicht. Doch niemand erinnert sich an Wally, immer wieder verschwindet er in der Speed Force, bevor er etwas erreichen kann. Schließlich wird er von Barry Allen aus seiner Lage befreit. Barry erinnert sich wieder an seinen vergessenen Sidekick. Dann sagt Wally, dass jemand die Jahre aus dem Universum gestohlen habe, um die Helden zu schwächen, dass ein neuer Krieg mit dem oder den Unbekannten anstehe – und dass sie beobachtet würden. Am Ende sieht man endlich, um wen es sich handelt: Batman entdeckt in der Bathöhle den blutbefleckten Smiley-Anstecker des Comedian aus Watchmen.

Im Epilog sieht man, wie auf dem Mars die (am Anfang des Hefts erwähnte) kaputte Armbanduhr von Wally West wie durch Geisterhand repariert wird, dazu erscheint ein kurzer Dialog zwischen Dr. Manhattan und Adrian Veidt (Ozymandias), ohne dass man sie sieht: „I did the right thing, didn’t I? It all worked out in the end“, sagt Adrian. – „In the end?“, sagt Dr. Manhattan. „Nothing ends, Adrian. Nothing ever ends.“ Das letzte Bild zeigt eine gelbe, blutbefleckte Uhr, die auf viertel vor zwölf steht. Darunter der Satz: „The Clock is ticking across the DC Universe!“ Und damit endet Rebirth #1.

Was erfahren wir über die drei Joker?

Nichts. Batman ist gerade beim Herumrätseln, als er von Flash gestört wird. Auf dem Monitor des Batcomputers sieht man drei Joker: den aus dem Golden Age, den aus The Killing Joke und dem aus Endgame. Batman hat noch immer keine Ahnung. Allerdings könnte das Ende einen ersten Hinweis darauf geben: Eine gewisse Nähe zwischen den Namen Joker und Comedian ist nicht zu leugnen (auch wenn die Körper und Gesichter ganz anders aussehen.)

Rebirth 1: Drei Joker. (DC Comics)

Rebirth 1: Drei Joker. (DC Comics)

Was ist aus Rebirth zu schließen?

Offenbar spielt der allmächtige Dr. Manhattan eine große Rolle bei der Schöpfung des DC-Universums von The New 52. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Ebenso wie über die Joker-Frage. Oder man wartet einfach geduldig auf die Fortsetzungen. Eines wird aber ganz deutlich: das Dilemma von DC. Einerseits blickt stolz man auf eine lange Tradition zurück, andererseits blicken nur wenige völlig durch bei den ganzen Helden, Storys und Welten. Einerseits will man neue Leser gewinnen, andererseits will man die alten nicht verlieren. Einerseits will man sich immer wieder neu erfinden, die Leser überraschen und ihnen etwas bieten, was sie noch nicht kennen. Andererseits läuft man dabei Gefahr, sich zu weit weg vom Vertrauten zu entfernen. Ob der Untergang des Multiversums in Crisis oder seine Neu-Entstehung in Infinite Crisis, ob der Radikal-Reboot von The New 52 oder der sanfte von Rebirth – es wird immer bei diesem Dilemma bleiben. Und mit jeder Neu-Ordnung stiftet man eigentlich bloß mehr Verwirrung.

Was taugt Rebirth #1?

Geoff Johns erzählt mal wieder so eine typische nostalgische Flash-Geschichte, die sehr an sein Flash Rebirth erinnert und noch einmal die gesamte Flash-Geschichte aus Wally Wests Sicht rekapituliert. Das ist alles fein gemacht, sensibel ausgeführt, in gewohnter hoher Qualität gezeichnet. Das Uhrenmotiv leitet sauber zu dem Thema Watchmen über. Über dieses Heft kann man viel sagen, vor allem über die Bezüge zur Vor-Flashpoint-Ära und die Wiederkehr einiger Nebencharaktere, aber eigentlich auch nur sehr wenig, denn die Story ist nichts als ein Übergang zwischen The New 52, das implizit als Fehler benannt wird, und etwas Neuem, von dem wir noch nicht genau wissen, worauf es hinausläuft. Außer natürlich auf eine Konfrontation mit Alan Moores Watchmen.

Eine gute Idee? Nach der Lektüre von Before Watchmen: Dr. Manhattan dachte ich mir: Warum erzählt DC diese sinnlosen Prequels, die nichts anderes tun, als Altbekanntes breitzutreten, statt (wenn man die Kuh schon weiter melken muss) eine Fortsetzung zu machen? Und wäre es nicht cool, wenn man die Watchmen auf die DC-Helden treffen ließe? Genau das wird demnächst wohl passieren. Unabhängig von den Gründen für den Einfluss auf das Universum (die eigentlich willkürlich sind) könnte darin das Potenzial für eine interessante Geschichte stecken, wenn man die Themen der Watchmen auf Superman, Batman und Co. überträgt.

Eine Warnung: Rebirth #1 taugt nicht als Startpunkt für neue Leser. Es wird zu viel vorausgesetzt. Zwar wird viel erklärt (vor allem die Ereignisse aus Flashpoint), aber um alles zu durchdringen muss man nicht nur die beiden oben genannten letzten Superman- und Justice League-Storys lesen, sondern eigentlich auch alles, was dazu geführt hat. Also die gesamte New 52-Reihe. Und natürlich Watchmen. Wer diesen Klassiker noch nicht kennt (oder nur den Film), sollte das spätestens jetzt dringend nachholen. Watchmen ist nicht nur eine herausragend erzählte Geschichte, sie setzt (neben The Dark Knight Returns) auch Maßstäbe für alle künftigen Superhelden-Geschichten. Das gilt vor allem für Rebirth und seine Folgen.

Eine Ermunterung: Das Heft kostet nur drei Dollar und bietet 80 Seiten, davon 66 Seiten Story. Ein fairer Deal.

(UPDATE: Laut Panini Verlag soll DC Rebirth Anfang 2017 auf Deutsch erscheinen.)

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Düsterer Dämon gegen finstere Mächte

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Joker – The Wild

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1993 (One-shot), Paperback 2016 (Elseworlds: Batman Vol. 1)


„… a man of darkness can surely serve the cause of light!“

„Evil must be fought with light! Darkness cannot oppose darkness!“

Es war einmal im fernen Land Wild … ein böser Zauberer Namens Dark Joker, der gerne Menschen enthauptete und sich an ihren Gehirnen gütlich tat. So terrorisierte er das Land mit seinen dämonenhaften Schergen. Eine Zauberin, die dem wilden Treiben Einhalt gebieten wollte, suchte den wilden Bat-Man auf, ein blaues Wesen, halb Mensch, halb Fledermaus, das gerne Steinböcke fraß. Jener Bat-Man war ein Produkt von Zauberern, die der Dark Joker getötet hatte. Der kleine Bat-Man war von ihm aus dem Fenster geworfen worden, aber entkam dem Tod mithilfe seiner Schwingen. Die Zauberin, die seine Schwester ist, lehrte ihn das Sprechen, dann suchte er sich ein paar Menschen zur Hilfe und bekämpfte den Dark Joker bis zum Tod des Schurken. Ende der Geschichte.

Mal wieder so ein typisches Moench/Jones-Ding (Red Rain/Bloodstorm, Haunted Gotham): eine sehr düster und grotesk gezeichnete Story voller Pathos und Splatter. Aber im Gegensatz zu dem üblichen Gothic-Chic ist diese Elseworld ist eine klassische Fantasy-Welt im Mittelalter-Stil. Batman als Dämon verkörpert den typischen Konflikt, dass er als Inkarnation der Finsternis die Mächte der Dunkelheit bekämpfen soll. Der Joker mordet als Zauberer ebenso willkürlich wie auch als gewöhnlicher Clown Prince of Crime. Es nervt ein wenig, dass die Menschen, nachdem ihnen Batman immer wieder hilft, ihm trotzdem misstrauen. Das soll wohl die Spannung steigern, bremst aber bloß die Handlung aus. Ansonsten ist Dark Joker – The Wild als Variation des Altbekannten in Ordnung, wenn man sich für Geschichten in diesem Stil eines düsteren Märchens interessiert. Alle anderen können darauf verzichten, ohne dass ihnen viel entgeht.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Sightseeing mit Batman und Joker

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Europa

Autor/Zeichner: Matteo Casali, Brian Azzarello/Giuseppe Camuncoli, Jim Lee, Diego Latorre, Gerald Parel

Erschienen: 2015 (Mini-Serie #1-4), Hardcover 2016, dt. Panini 2016 (Batman Europa #1-2)


„If I have to die … I want it to be in a mystery.“ (Batman)

Warum spielt Batman in Gotham City (das eigentlich ein Synonym für New York ist)? Ganz einfach: Weil es dort viele Wolkenkratzer gibt, zwischen denen man herumschwingen kann. Deshalb ist Batman auch nur selten woanders zu sehen. Und wenn, dann wirkt er dort deplaziert. Etwa im Wald. In der Wüste. Oder in Städten ohne Skyline. Brian Azzarello und Matteo Casali haben ihn dennoch nach Europa geschickt – nach Berlin, Prag, Paris und Rom – und ihnen war der Kontinent so wichtig, dass sie ihn zum Titel gemacht haben. Aber beim Lesen wird schnell klar: die Wahl der Städte ist – reine Willkür. Doch auch mit dem wohl „stärksten Stilelement aller Zeiten“ (Rubber) kann man es übertreiben.

Was führt die Protagonisten nach Europa? Batman erkrankt an einem unheilbaren, geheimnisvollen Virus. Zugleich befällt auch den Batcomputer ein Virus, das Batman darüber aufklärt, dass seine Krankheit den Namen Colossus trägt und er eine Woche zu leben hat. Batman verfolgt den Computerangriff nach Berlin zurück, wo er auf den Joker trifft und feststellt, dass sein Erzfeind das gleiche Problem hat. Es folgt eine Schnitzeljagd nach Prag, Paris und Rom. Also einmal durch die wichtigsten Tourismus-Hochburgen Europas.

Die Reise wirkt auch wie eine einzige Sightseeing-Tour. Seitenweise werden die bekanntesten Bauwerke und Sehenswürdigkeiten präsentiert wie Postkartenmotive, dazu klären uns die Erzählstimmen von Batman und Joker über Fun Facts der jeweiligen Stadtgeschichte auf. Es sind lauter Klischees wie Checkpoint Charlie und der Eiffelturm. Einmal sehen wir Batman auf der Siegessäule hocken (Warum? Weil’s cool aussieht), eine Szene spielt auf Notre Dame, die der Szenerie dank der gotischen Architektur an die Heimat Gotham erinnert, das Finale spielt im Colosseum, wo einst Gladiatorenkämpfe auf Leben und Tod stattfanden. Und wenn man bedenkt, dass der Virus Colossus heißt, hätte man sich den Umweg über die anderen drei Städte sparen können.

Reine Willkür

Die Spurensuche in den Städten verläuft lächerlich unmotiviert. Batman und Joker laufen meist planlos durch Abwasserkanäle und suchen nach der Nadel im Heuhafen, die sie nur zufällig finden. In Prag kriegen sie es mit einer Armee hölzerner Roboter zu tun (reine Willkür), in Paris offenbart sich Joker als francophile Szenefigur (reine Willkür), auf Notre Dame treffen sie auf einen bösen Batman (reine Willkür) und nach Rom gelangen sie, weil ein Mord an Julius Cäsar erinnert. Garniert wird dieses Tour der Willkür mit platten Wortspielen des Jokers, der vergeblich versucht, diese dröge Story aufzulockern. (Dazu gehört auch, in Prag das Wort „kafkaesk“ zu sagen, während ganz viele Käfer zu sehen sind – oje …)

Kommen wir zum Spoiler-Teil – aber keine Sorge, euch entgeht euch keine große Überraschung, wenn ihr wisst, dass  im Colosseum der ‚Gladiator‘ Bane sich als Strippenzieher offenbart (reine Willkür). Der Grund für die Europa-Tour: Bane wollte Batman zeigen, dass Batman und Joker nicht ohne einander leben können. Hat Bane wirklich nichts besseres zu tun, als Zeit und Mühe für einen solchen Blödsinn zu verschwenden? Nein, es ist – ihr könnt es euch denken – reine Willkür. Zudem ist diese Erkenntnis (für uns Leser) wahrlich nicht neu. Von The Dark Knight Returns über Secrets bis Death of the Family und Endgame wurde sie so oft breitgetreten, dass sie hier so uninspiriert wirkt wie der Rest. Da hilft auch nichts, dass es buchstäblich darauf hinausläuft, dass die beiden jeweils die Medizin des anderen sind und sie beide Blut gegenseitig ihr Blut trinken müssen, um zu überleben. Batman hadert mit sich selbst, denn er gerät in Versuchung, Joker sterben zu lassen, um Menschenleben zu retten. Am Ende fällt er über ihn doch über ihn her, um ihn zu erledigen oder auch nur um ihn schwer zu misshandeln – wer weiß, wen juckt’s …

Rettung in der Kunst

Das einzige, was diesen Band interessant macht, ist sein Artwork. Vier Künstler – daruner Jim Lee – inszenieren die Episoden in vier sehr unterschiedlichen, meist expressionistischen Malstilen. Allein Diego Latorre meint es mit seiner Paris-Episode etwas zu gut mit dem künstlerischen Anspruch: seine zittrigen, verschwommenen Bilder, die wie ein Drogenrausch wirken, lassen oft nur schwer erkennen, was zu sehen sein soll. Das war zwar bei Dave McKeans Arkham Asylum ähnlich, aber hier ist es – für meinen Geschmack – zu dick aufgetragen. Letztendlich sind die aufwendigen und ausdrucksstarken Bilder (europäischer Künstler!) aber genauso bloß Dekoration wie die Wahrzeichen der europäischen Städte bloß Kulissen sind – und damit verschwendet an eine schwache, spannungsarme Story, für die es keine zwei Autoren gebraucht hätte.

>> Batman 2011-2019

Ein Trailer zu Batman: The Killing Joke

Die Film-Adaption von The Killing Joke feiert am 28. Juli in den USA Premiere und soll am 4. August in Deutschland auf Blu-ray erscheinen. Bei Amazon bekommt man eine Joker-Figur dazu. Hier schon mal ein Vorgeschmack mit dem ersten offiziellen Trailer. Eine Art Making-of gibt es hier.

Krieg um den Weltfrieden

Batman versus Superman, Teil 28: Injustice – Year One (2013)

DC Comics

DC Comics

Titel: Injustice – Gods Among Us: Year One (Vol. 1-2) (dt. Injustice – Götter unter uns)

Autor/Zeichner: Tom Taylor/Jheremy Raapack, Mike S. Miller u.a.

Erschienen: 2013 (Mini-Serie #1-12, Paperback 2013/2014/2016 Complete Edition), dt. Panini 2013-2014 (4 Bände)


„I am calling for an immediate world-wide ceasefire. All hostilities will stop immediately — or I will stop them. It’s over.“ (Superman)

Das Spiel Injustice ist der wahrgewordene feuchte Traum der Fanboys: Eine Kampfarena für Superhelden und -schurken. Story? Gibt’s zwar auch, muss aber nicht sein. Die Vorgeschichte dazu wird in einer Comic-Mini-Serie erzählt. Wer Comics zu Games verachtet, sollte diesem eine Chance geben: die Story lohnt sich.

Lois Lane ist schwanger von Superman. Der Joker entführt sie, klaut eine Atombombe, verkabelt Lois‘ Herz mit einem Zünder. Nachdem er Superman einem Angstgas aussetzt, sieht dieser in Lois Doomsday und tötet sie. Daraufhin wird Metropolis vernichtet, Millionen Menschen sterben. Superman dreht durch, ermordet den Joker und verkündet eine neue Weltordnung: mit Krieg ist Schluss. Schurken werden nicht geduldet. Der selbsternannte Wächter und seine Gefolgsleute erzwingen den Frieden – auch untereinander. Doch Batman ist dagegen und versammelt eine Allianz von Helden gegen die Diktatur von Superman. Dabei macht er sogar gemeinsame Sache mit dem US-Präsidenten. (In The Dark Knight Returns ist es andersrum, da pakiert Superman mit der Regierung.) Es kommt zu Verrat, Enttäuschung und einigen Tragödien. Vertrauen geht verloren, Freundschaften zerbrechen, Existenzen und Identitäten gehen zugrunde, Helden sterben.

Obwohl der Comic das alles sehr abgehetzt und in großen Bildern erzählt, bleibt die Geschichte nicht so oberflächlich, wie es zunächst scheint. Einzelne Kapitel legen den Fokus auf die Konflikte der einzelnen Protagonisten, wie etwa die ethische Grundsatzfrage, wie legitim es ist, Frieden zu forcieren. Es ist der Konflikt der Superhelden: einerseits sollen sie die Menschen retten, andererseits sollen sie sich auch nicht zu sehr einmischen. Sollen sie sich nur um Meta-Bedrohungen kümmern oder auch um Kriegstreiber, Menschenrechtsverletzer und Wirtschaftskriminelle? Und ist Mord gerechtfertigt, wenn man dadurch Massenmord verhindern kann? Die Figuren kommen in Gewissensnöte und verhandeln die Grundfrage. Es ist die Frage nach der Rolle Gottes und der Selbstverantwortung des Menschen. Es geht also um nichts Geringeres als die Theodizee.

Die Idee, Superman als totalitären Herrscher darzustellen, ist nicht neu. Schon Mark Millar hat das in seinem Klassiker Red Son (dt. Genosse Superman) getan, womit er bloß eine Idee aus World’s Finest #247 (1977) aufgegriffen hat. Bei Injustice geht der Faschismus aber auf ein Trauma zurück, den Verlust seiner zweiten Heimat und seiner Frau. Damit wird Superman wie Batman. Auch in seinen Methoden nähert er sich Batman an, indem er darauf setzt, Menschen Angst einzujagen. Batman wiederum ist die Stimme der Humanität, die mahnt, dass er Zweck nicht die Mittel heiligt. Er bleibt der unbestechliche Idealist. Die World’s Finest tauschen die Rollen.

Batman und Superman liefern sich zunächst ein Wortgefecht, in dem die Frage aufkommt, was Batman an Supermans Stelle täte. Batmans Antwort ist einfach: Superman sei der bessere Mensch von ihnen. Aber nach all dem Unheil, das Superman in bester Absicht anrichtet, ändert sich Batmans Meinung. Am Ende läuft alles auf ein Duell zwischen den beiden hinaus. Doch anders als erwartet wird es kein Kampf auf Augenhöhe. Superman wird nicht durch Kryptonit oder rotes Licht geschwächt, Batman nicht durch einen Anzug gestärkt. Der Dunkle Ritter weigert sich, Gewalt anzuwenden, weil er sich sonst nicht zurückhalten könnte. „I don’t think I can beat you without killing you“, sagt Batman. „And I’m not like you. I’m not a murderer.“ Superman tötet seinen Gegner nicht – er bricht ihm bloß das Rückgrat (wie einst Bane).

Injustice #12: Superman bricht Batman (DC Comics)

Injustice #12: Superman bricht Batman (DC Comics)

So packend die Story ist, leider schwankt die Qualität der Zeichnungen stark, da eine Reihe von Künstlern daran mitgewirkt hat. Manche Seiten sind grandios, andere mäßig. Trotzdem lohnt sich die Lektüre sehr, wenn man eine spannende wie hochdramatische Erzählung abseits der Continuity lesen will – auch wenn man das Spiel dazu nicht kennt.

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