Lieber mal wieder ein gutes Buch lesen. (Warner Bros.)
Titel: Suicide Squad
Regie/Drehbuch: David Ayer
Erschienen: 2016
Ist Suicide Squad wirklich so mies, wie die Kritiker behaupten?
Eigentlich wollte ich eine ausführliche Kritik schreiben, aber nach zwei gescheiterten Anläufen merkte ich: mir fehlt die Lust. Deshalb in aller Kürze: Ja, der Film ist reine Zeitverschwendung. Da funktioniert gar nichts. Ein Film wie von Zwölfjährigen für Zwölfjährige. Ein dummes wie ermüdendes Geballer.
Ein austauschbarer Standard-Plot um einen nichtssagenden Schurken, oberflächliche Charakterzeichnung, schwache Einführung der Hauptfiguren, flache und nicht zündende Witze, spannungslose Action, chaotische Erzählweise. Harley Quinn nervt, der Joker enttäuscht, Batman ist bloß Statist. Den Rest kann man vergessen.
DC baut damit sein Extended Universe auf drei kaputten Säulen auf: Nach der hohlen Zerstörungsorgie in Man of Steel, der überladenen Selbstdemontage zweier Helden in Batman v Superman ist Suicide Squad buchstäblich das Selbstmordkommando, das sich entbehrlich macht. Nach drei solchen kapitalen Fehlschlägen besteht kaum noch Hoffnung auf Rettung dieses Filmuniversums. (Ganz zu schweigen von den zuvor erschienenen Reinfällen Catwoman, Superman Returns und Green Lantern.) Auch wenn die Wonder Woman– und Justice League Trailer vielversprechend anmuten und Ben Affleck den nächsten Batman-Film selbst dreht – der Vertrauensvorschuss für diese Filme ist verspielt. Die Vorfreude ist dahin. Kinobesuche werden zu einem Pflichtprogramm, das man über sich ergehen lässt. Es muss sich dringend etwas ändern. Sonst vernichtet DC auf lange Sicht sein Erbe im Film.
Sean Gordon Murphy wird nicht nur der nächste Zeichner von Scott Snyders All-Star Batman werden, sondern auch sein eigenes Batman-Comic schreiben und zeichnen. Wie der Künstler auf Twitter verkündet hat, soll es sich bei dem eigenen Projekt um eine achtteilige Mini-Serie handeln, die außerkanonisch ist. „The Batman book I’m doing alone will be my DK and my Year 100—an Elseworld-like take on Batman. My attempt at an opus“, schreibt Murphy. Ein Titel steht noch nicht fest. Die Story soll so viele Schurken wie möglich enthalten, allerdings in neuen Designs, und auch so viele Regeln brechen wie möglich. Zu seiner Motiviation schreibt Murphy bei Twitter: „Batman is the top of the comic book mountain. It’s my chance to climb it.“
Joker von Sean Gordon Murphy (Twitter)
Sean Murphy ist bekannt für seine Arbeit an Scott Snyders American Vampire und The Wake sowie zuletzt an Mark Millars Chrononauts und Rick Remenders Serie Tokio Ghost. Der Zeichner hat sich bereits im Jahr 2005 mit Batman/Scarecrow: Year One am Dunklen Ritter versucht. Seitdem hat er immer wieder Cover und auch einige Seiten zu Batman beigetragen, wie etwa eine Kurzgeschichte in Detective Comics #27 (2013). Eine Bildergalerie des Künstlers gibt es bei Devianart.com.
Harley Quinns erster Auftritt in Batman TAS (1992) (Warner Bros.)
Die junge Blondine trägt eine Polizei-Uniform. Aber zusammen mit dem Joker hat sie gerade eine Bombe bei einer Polizeiveranstaltung gelegt. Als Batman sie stellt, hat er leichtes Spiel mit ihr: „Ich weiß, was Sie denken“, sagt sie. „So ein Jammer. Wie konnte so ein junges unschuldiges Ding wie Sie nur in so schlechte Gesellschaft geraten?“ Kurz darauf greift sie zu einem Messer, doch da packt Batman auch schon ihre Hand und sie lässt das Messer fallen. Als sie dann allein in Handschellen dasitzt sagt sie zu sich: „Oje! Hätte vielleicht doch lieber auf die Kosmetikschule gehen sollen.“
Beruf verfehlt: Harley Quinn 1992 (Warner Bros.)
So verläuft die erste Begegnung zwischen Batman und Harley Quinn, der Freundin und dem Sidekick des Jokers. Das war 1992 in der The Animated Series-Episode „Joker’s Favor“ (S01E22). Harley wird nicht erklärt, sie ist einfach da: In ihrem schwarz-roten Narrenkostüm, ihrem Herren loyal ergeben, lacht sie über seine schlechten Witze. Eine Szene hat sie in dieser Gestalt, eine andere als falsche Polizistin. Doch sie soll noch einige Auftritte in der Serie bekommen. Wer sie wirklich ist, erfährt man erst zwei Jahre später.
Mad Love (1. Auflage) (DC Comics)
Mad Love (2. Auflage) (DC Comics)
Nachdem sie 1993 auch in der Comic-Serie Batman Adventures eingeführt wurde, bekommt Harley Quinn im Jahr 1994 eine Vorgeschichte: Mad Love. Darin ist Harleen Frances Quinzel zunächst eine Psychiaterin, die sich ihren Weg nach oben geschlafen hat, bis sie in Arkham Asylum auf den Joker trifft. Sie fällt auf seinen Charme und seine Lügengeschichten über seine schlimme Kindheit herein (dieses Multiple-Choice-Prinzip wurde im Film The Dark Knight aufgegriffen) und verbündet sich mit ihm, indem sie sich ein Clownskostüm und sich die neue Persönlichkeit, Harley Quinn, zulegt. Die Psychiaterin verfällt dem Psycho.
Aber dieses Comic ist mehr als nur ein Origin. Denn interessant wird es erst, als ein Dritter die Beziehung auf die Probe stellt: Batman. Mad Love beschreibt eine gestörte Dreiecksbeziehung. Harley gibt sich Joker bedingungslos hin, in masochistischer Selbstaufgabe, aber der Joker interessiert sich nur dafür, wie er Batman möglichst spektakulär und witzig inszeniert umbringen kann. Das wiederum macht Harley eifersüchtig und sie beschließt, Batman zu beseitigen, um ihren Mr. J. wieder ganz für sich zu haben. Aber dabei unterschätzt sie die Eitelkeit ihres Geliebten – und seinen Wahnsinn.
Die Story ist von Paul Dini und Bruce Timm so mustergültig erzählt (in Wort und Bild), so witzig, einfallsreich und dynamisch, dass sie bis heute als eine der besten Batman- und Joker-Storys gilt. Nicht von ungefähr wurde sie mit dem Eisner- und Harvey-Award ausgezeichnet. Ein unerreichter Klassiker. Im Jahr 1999 wurde der Comic sehr werkgetreu, wenn auch leicht entschärft, für eine Episode der New Batman Adventures adaptiert (S01E21).
Batman: Harley Quinn #1 (1999, DC Comics))
Harley Quinn war so beliebt, dass DC im gleichen Jahr die Figur auch in die Haupt-Continuity der Batman-Comics aufnahm, während Gotham gerade im No Man’s Land (dt. Niemandsland) in Trümmern lag. Die Figur bekam einen neuen Origin – der im Wesentlichen der alte blieb. Mit dem Unterschied, dass sie von Poison Ivy Superkräfte bekam. Die Story, die in Batman: Harley Quinn #1 von ihrem Erfinder Paul Dini erzählt wird, hat nicht annähernd den Charme und die Qualität von Mad Love. Man kann nicht einmal sagen, es wäre das Gleiche, nur ein wenig anders. Die Geschichte ist lieblos wie eine Pflichtarbeit runtererzählt, als wäre sie für ein Publikum, das die Figur bereits kennt, und nicht mehr große Erklärungen braucht. Nicht nur die Charaktere beeindrucken, auch der Plot drumherum bleibt kaum im Gedächtnis. Ganz zu schweigen von der uninspirierten visuellen Inszenierung. Allein das Cover von Alex Ross verdient es, eingerahmt zu werden.
Trotzdem setzte Harley Quinn ihre Erfolgsgeschichte fort – und emanzipierte sich vom Joker: Von 2001 bis 2003 bekam sie ihre eigene Serie. Nach dem DC-Reboot von The New 52 im Jahr 2011 wurde die Figur radikal überarbeitet: Das Harlekin-Kostüm wurde eingetauscht gegen einen wilden Punk-Look. Schwarz-rot gefärbte Haare, ein Kragen, ein Korsett, knappes Höschen, Kniestrümpfe, ein Riesenhammer als Waffe. „I’m more like a collage now“, sagt sie in Detective Comics #23.2 (2013). „A mosaic.“ So wird sie Teil der Suicide Squad, einer staatlich gelenkten Eingreiftruppe von Mördern, die gezwungen werden, dem Wohl der Menschheit zu dienen. Aus der Superschurkin ist eine Antiheldin geworden.
Detective Comics #23.2 (DC Comics)
Die neue Entstehungsgeschichte „Harley Lives„, die in Detective Comics #23.2 erzählt wird, fügt Harleen eine schwierige Jugend hinzu. Harleen muss sich als Kind von ihrer wenig aufmunternden, chaotischen Familie absetzen. Deshalb strebt sie umso mehr eine akademische Karriere an. Zunächst klappt es mit dem geordneten Leben, doch es reicht ihr nicht: sie will über das Normale hinausgehen. Als sie den Joker trifft, lässt sie wieder das Chaos ins Leben. Um die Irren zu verstehen, wird sie selbst zu einer von ihnen. Die entscheidende Änderung: um sie zu seinesgleichen zu machen, wirft der Joker sie in den Chemietank, der ihn einst selbst schuf. So bekommt sie einen dauerhaft blassen Teint.
Allerdings erklärt es nicht ihre Mordlust. Denn die ist besonders ausgeprägt. Nur um an bestimmte Kleidungsstücke heranzukommen, schlägt sie willkürlich irgendwelche Leute tot. Schließlich jagt sie Kinder in ganz Gotham mit manipulierten Spielkonsolen in die Luft. Einfach so. Es scheint ihr nicht einmal Spaß zu machen. Aus der Masochistin ist nicht nur eine Sadistin geworden, sondern auch eine Nihilistin, die ihr Mentor und Vorbild Joker längst ist. Mittlerweile gilt sie, laut New York Times, sogar als feministische Ikone, die sich als Misshandlungsopfer von ihrem Peiniger losgesagt hat. Gelobt wird ihre Komplexität und ihre subversive Sexualität, was bedeutet, dass sie eine lesbische Beziehung zu Poison Ivy pflegt. Das hat sogar DC bestätigt:
DC merkte nach einer Weile, dass sich die Suicide Squad-Hefte mit Harley auf dem Cover besser verkauften als die ohne. Die Konsequenz: 2014 bekam sie ihre zweite Solo-Serie. Und die gehört zu den größten Bestsellern des Verlages, zum Teil verkaufte sie sich besser als die traditionelle Batman-Serie Detective Comics. Im gleichen Jahr folgte ein Animationsfilm über die Suicide Squad (allerdings unter dem Titel Batman: Assault on Arkham), in dem Quinn die Hauptrolle – und sogar eine kleine Sex-Szene mit Deadshot bekam (aber die ist nicht weiter der Rede wert).
Es kamen weitere Miniserien dazu, in denen die Antiheldin mit anderen zusammenarbeitete: Harley Quinn and Power Girl (2015-2016) sowie Harley’s Little Black Book (2016). Jüngst hat sie, nach dem Neustart von DC Rebirth, ihre dritte Comicserie begonnen. Daneben ist sie noch für die Suicide Squad tätig – wie man neuerdings auch im Kino sehen kann. Die Darstellerin Margot Robbie trägt im Film auch nicht das alte Harlekin-Kostüm, sondern eine Variante von Punk-Harley, allerdings mit blonden Haaren, die sie übrigens auch in den neusten Comics hat. Auch Robbies Harley nimmt ein Bad in Chemie – allerdings springt sie freiwillig in den Tank, um wie der Joker zu sein.
Harley Quinn #1 (2016, DC Comics)
Demnächst soll Harley Quinn sogar ihren eigenen Spielfilm bekommen. Ob der realisiert wird, hängt allerdings vom Kino-Erfolg des Suicide Squad-Films ab. Die Kritiken sind verheerend, aber immerhin Robbies Darstellung wird gelobt. Und auch ein neuer Animationsfilm mit dem Titel Batman and Harley Quinn ist angekündigt. Die Figur ist längst nicht am Ende.
Aber ehrlich gesagt, wenn ich mir die persönliche Bemerkung erlauben darf: mir geht Harley Quinn auf die Nerven. Schon allein ihre quäkende Stimme in der Animationsserie war schwer zu ertragen, ganz zu schweigen von ihrer bemühten Art. Harley Quinn ist einfach nicht witzig. Den Transfer von der gebildeten Psychiaterin zur naiv-unterwürfigen Mörderin habe ich nie nachvollziehen können. Und auch ihr neueres, görenhaftes Auftreten macht sie mir nicht sympathischer. Was sie trotzdem so erfolgreich macht? Keine Ahnung. Aber es wird wohl nicht nur am Aussehen liegen können …
Lektüretipps für Einsteiger:
Batman: Harley Quinn (DC Comics 2015, 200-seitiges Paperback, englisch, enthält unter anderem die Origins von 1999 und 2013)
(Beide Bände enthalten nichtMad Love. Davon ist mittlerweile auch eine deutsche Neuauflage bei Panini erschienen.)
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Die Story ist bekannt. Selbst wer The Killing Joke nicht gelesen hat, kennt den Inhalt, die ikonischen Panels oder die wichtigsten Zitate. Ein Klassiker eben. Und vielleicht ist gerade das das größte Problem an dieser Adaption. Es gibt keine Überraschungen. Und obwohl im Wesentlichen der Film sich eng an den Comic hält, fehlt etwas Entscheidendes: die noiresken Zeichnungen von Brian Bolland. Während er realistische, dynamische und ausdrucksstarke Bilder für das Grauen und die Tragik gefunden hat, bleibt die Ästhetik des Films flach, arm an athmosphärischen Schatten, die mit groben Strichen gezeichneten Figuren statisch. Es ist ein Armutszeugnis, dass man es weder geschafft hat, einen Stil zu imitieren, noch einen eigenen zu finden.
Weil die Comicvorlage aber zu wenig Stoff für einen 76-Minuten-Film bietet, hat man einen Prolog drangestrickt. Darin wird Batgirl eingeführt. Eine halbe Stunde lang. Zu viel für eine Binnen-Story, die nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun hat. The Killing Joke ist eine Joker-Story. Im Prolog aber geht es um einen x-beliebigen neuen Gangster, einen Emporkömmling, der seinen Onkel erledigt und etwas Persönliches mit Batgirl hat. Ganz nebenbei wird noch eine Liebelei mit Batman eingestreut. Es gibt sogar eine kleine Sex-auf-dem-Dach-Szene, die völlig unvermittelt kommt und kaum der Rede wert ist. Kurz: Diese Vorgeschichte trägt nicht nur nichts Essenzielles bei, sondern bleibt auch für sich genommen belanglos und fade.
Und schließlich bleibt die Kritik am Stoff selbst. Wie schon festgestellt: Der Comic The Killing Joke ist toll erzählt, aber die rührselige Entstehungstragödie des Jokers wirkt spätestens nach Heath Ledger unzeitgemäß. Daher muss man den altbekannten Fall des Red Hood in die Chemikalienbrühe nicht auch noch als Film darstellen. Das hat Tim Burton schon in seinem Batman-Film von 1989 gemacht. Aber na gut, damit sind die drei großen Batman-Klassiker der 80er auch als Zeichentrickfilme zu haben (die anderen beiden sind Year One und The Dark Knight Returns). Wer die Geschichten wirklich genießen will, sollte bei den Comics bleiben. (Jetzt ist klar, warum Alan Moore seinen Namen dafür nicht hergegeben hat.)
Zu loben sind allerdings die Beigaben auf der Blu-ray: Neben zwei Making-ofs zum Film (und einer Vorschau auf Justice League Dark) gibt es auch zwei Episoden von The Animated Series bzw. The New Batman Adventures: Christmas with the Joker und Old Wounds. Nicht in der bestmöglichen Qualität, aber immerhin ein Trostpreis für alle, die keinen Spaß am Hauptfilm hatten. Die alte Serie ist immer noch am besten.
Wer Animationsfilme sehen will, die Comics besser (und freier) adaptieren, sollte sich lieber folgende anschauen:
„You Waynes are hard to kill. I’ll say that much for you.“
Bruce Wayne ist zurück, Batman wird globalisiert – aber Moment mal, da ist noch eine Rechnung offen! Ja, stimmt: Was ist eigentlich mit Hush, der sich während der Streets of Gotham-Storyline als Bruce Wayne ausgegeben hat? Die Angelegenheit wird hier zu Ende gebracht. Aber allzu einfach macht es sich Autor Paul Dini damit nicht. Und deshalb wird der Abschluss seiner Story auch sehr schwerfällig.
Den Auftakt macht noch eine kurzweilige Episode um die Schurken The Carpenter und The Director (in der deutschen Ausgabe ausgespart), die eine Todesfalle für Batman aufbauen, um einen perversen Film damit zu drehen. Leichtes Spiel für Bats. Dann kommt der Hush-Teil. Aber statt einfach zu erzählen, wie der echte Bruce Wayne den falschen überführt oder ihn ausschaltet, greift Dini erstmal in tief in die Kiste der Vergangenheit, d.h. er macht ausgiebig vom Retcon-Trick Gebrauch, indem er die (überstrapazierte) Familiengeschichte von Thomas Elliot und Bruce Wayne ausschmückt. So wird den Eltern der beiden eine Affäre mit italienischen Mafiosi angedichtet, neue Nebenfiguren werden eingeführt werden, außerdem hat der Joker einen Gastauftritt. Das Problem daran: Es gibt so viele Rückblenden, dass die eigentliche Story daran erstickt. Man muss sagen: Die eigentliche Story spielt in ferner Vergangenheit. (Damit wird der deutsche Titel sehr passend: es geht um Familiengeschichten.)
Wanzen im Bett
Dadurch verliert sich jede Spannung, die für die Gegenwart hätte aufkommen können. Hush versucht zunächst, die Killerin Jane Doe aus Arkham freizulassen, die kommt schließlich ganz von selbst frei. Dann versucht ein alter Mafiosi, den falschen Bruce Wayne kaltzumachen, weil er sich an dessen Familie rächen will. (Seltsame Logik: Wenn du nicht mehr die Eltern töten kannst, töte den Sohn.) Nachdem Hush ihn überzeugt hat, dass er den falschen hat, verbünden sich die beiden, um den Wayne Tower zu vergasen. Dabei soll Doctor Death helfen. Doch das Finale endet abrupt: Jane Doe schneidet Hush sein Gesicht ab und als sie ihn töten will, greift Batman ein.
Zwischendurch wird noch eine völlig zusammenhanglose Handlung um einen neuen Schurken eingeführt: Bedbug, der mittels Bettwanzen Menschen zum Diebstahl anstiftet. Ziemlich ekelhaft, aber sinnlos. Die Sache verpufft so schnell und unvermittelt wie sie angefangen hat. Ein offenes Ende bleibt.
Insgesamt ist The House of Hush ein enttäuschender Abschluss einer eigentlich soliden Serie, die den Fokus nicht auf Batman, sondern auf die Schurken und andere Gotham-Bewohner gelegt hat. Das Finale wirkt überzogen lang und ohne klaren Fokus. Altmeister Paul Dini (The Animated Series) hat das schon mal besser hingekriegt. Mit Mad Love, oder zuletzt mit Dark Night – A True Batman Story.
Und noch ein Trailer von der San Diego Comic-Con: The Lego Batman Movie. Wir erfahren, dass Batman einen ungesunden Lebensstil als Einsiedler pflegt, wie Robin zu seinem Kostüm kommt (genial: Reggae-Man) und was sein geheimes Passwort für die Bathöhle ist. Und wir lernen, dass nicht Batman in Bruce Waynes Keller wohnt, sondern Bruce Wayne auf Batmans Dachboden.
Ach ja, und noch eine Lehre: „Life doesn’t give you seat belts!“
Nach diesen zweieinhalb Minuten voller witziger Einfälle ist klar: Dieser Film verspricht, ein Riesenspaß zu werden. Im Februar 2017 soll er in die Kinos kommen. (Am 15. Juni kommt Wonder Woman, am 17. November Justice League.)
Bevor die Filmadaption von Batman: The Killing Joke auf DVD und Blu-ray erscheint (4. August 2016), wird es nur am 29. Juli Previews in einigen deutschen Kinos geben. Welche Kinos in welchen Städten dabei sind, kann man auf der Facebook-Seite des Events oder bei Cinemaxx sehen. In Frankfurt am Main werden sowohl die deutsche als auch die englische Originalversion gezeigt.
Der Comic The Killing Joke (1988), geschrieben von Alan Moore und gezeichnet von Brian Bolland, ist ein Batman-Klassiker. Erzählt wird darin die Entstehungsgeschichte des Jokers und wie der Schurke Barbara Gordon (alias Batgirl) anschießt und ihren Vater, den Commissioner James Gordon, in den Wahnsinn zu treiben versucht. In der Originalfassung der Zeichentrick-Adaption sprechen die Hauptrollen Kevin Conroy (Batman) und Mark Hamill (Joker), beides Veteranen der Animated Series aus den 90er Jahren. Das Drehbuch stammt von Brian Azzarello (Broken City, Flashpoint, Batman Europa, Dark Knight III). Weltpremiere feiert der Film am 22. Juli bei der San Diego Comic-Con.
Titel: Batman & Robin Vol. 3 – Batman & Robin Must Die (dt. Batman und Robin müssen sterben)
Autor/Zeichner: Grant Morrison/Frazer Irving, Cameron Stewart, David Finch
Erschienen: 2010-2011 (Batman & Robin #13-16, Batman: The Return #1), Paperback 2012, dt. Panini 2012 (Paperback)
„I like to think I’m just keeping the costume warm.“ (Dick Grays0n)
„Guess I should have known you wouldn’t just turn up during lunch tomorrow or something normal like that.“ (Dick Grayson)
Das ist er: der Band, in dem Bruce Wayne als Batman zurückkehrt. Endlich. Nach einer langen Interimsphase und einer noch länger anmutenden Rückkehrphase ist Daddy wieder da. Aber nicht so schnell! Zunächst passiert davor noch eine Menge: Nachdem der mysteriöse Detektiv Oberon Sexton sich als Joker geoutet hat, bekommt er zunächst einmal eine Abreibung von Robin verpasst. Mit der Brechstange – als Revanche für Damians Vorgänger, Jason Todd (vgl. Death in the Family). Doch der Joker schafft es, ihn mit seinem Grinsegift zu sedieren und nimmt ihn gefangen.
Inzwischen führt Simon Hurt seinen lang angelegten Plan zum Finale: er lässt in Gotham eine virale Droge von Professor Pyg verbreiten, die Menschen drehen durch. Daraufhin gibt sich Hurt, der gerne Thomas Waynes Fledermauskostüm trägt, vor der Presse als der wiedergekehrten Thomas Wayne aus. Batman und Robin werden gefangengenommen, Batman bekommt eine besondere Kugel in den Kopf geschossen, die ihn erst nach einiger Zeit lähmen wird. Und genau da, im größten Moment der Verzweiflung, kehrt der wahre Batman zurück: Bruce Wayne. Und mit vereinten Kräften … naja, den Rest könnt ihr euch denken. Am Ende verkündet Bruce, dass er große Pläne hat: Batman wird global.
Nicht so raffiniert wie es scheint
Rasant, überladen, chaotisch. Mit diesen drei Worten lässt sich der Abschluss von Grant Morrisons Batman & Robin-Story beschreiben – also wie viele seiner Storys (Batman R.I.P., Final Crisis, The Return of Bruce Wayne). Da mag der ein oder andere gelungene Moment dabei sein, aber ich bin jetzt erstmal froh, endlich mit ihm durch zu sein. Viele halten Morrison für ein Genie, ich finde ihn bloß anstrengend. Man braucht einen langen Atem und sollte nicht zu viel Zeit zwischen den Bänden dieser Mega-Erzählung verstreichen lassen, um hier durchzusteigen. Letztendlich ist das Finale aber nicht annähernd so raffiniert, wie der komplexe Aufbau, der dazu führt.
Bruce Waynes Rückkehr ist natürlich visuell ein Fest, aber etwas atemlos. Es gibt kein Ankommen. Kaum ist er da, muss er nicht nur den Tag retten, sondern verkündet auch seine Pläne für Batman Incorporated und weist jedem Mitglied der Bat-Familie eine Aufgabe zu. Und am Ende, in The Return, wird auch schon der nächste großangelegte Handlungsstrang begonnen: mit Kampfrüstungen, Terroristen im Nahen Osten und Genexperimenten … Keine Zeit zum Durchschnaufen.
Gelungene Zeichnungen
Im dritten Band kann man immerhin das Auge an einigen tollen Zeichnungen erfreuen: allen voran an Frazer Irvings stimmungsvolle Seiten, aber auch Cameron Stewart und David Finch leisten solide Arbeit mit ausdrucksstarken Figuren.
Zur Entspannung gibt es am Schluss noch ein Lied zum Thema Heimkehr: „Daddy’s Home“ von Shep & The Limelites. (Findet ihr nicht auch, dass dieses Blog zu wenig Musik enthält?)
Am 4. August 2016 erscheint die animierte Adaption von The Killing Joke auf DVD und Blu-ray. Jetzt hat DC einen weiteren Auszug aus dem Film veröffentlicht: er zeigt die Eröffnungsszene des Comics. (Im Video oben beginnt der Clip erst bei 3:57.) Mittlerweile hat ein Fan eine überarbeitete Version des Trailers erstellt, die sich stärker an der Optik der Comic-Vorlage orientiert: mehr Schatten wurden hinzugefügt und die Farben lehnen sich an der Original-Kolorierung an (die heutige Comic-Fassung hat weniger grelle Farben).
Hier gibt es einen Bild-für-Bild-Vergleich zwischen Original, dem Trailer und der Neufassung:
Selbstverständlich kommt auch der „Redrawn Trailer“ nicht an das Original heran. Zu detailreich sind dafür Bollands Zeichnungen. Aber dennoch wirkt die Ästhetik des Fan-Trailers viel stärker als das vergleichsweise blasse Original.
Wer es ganz puristisch mag, dem sei Batman Noir: The Killing Joke empfohlen, das im August erscheint und ganz auf Farbe verzichtet. Panini veröffentlicht im September eine Deluxe-Version „in sorgfältiger Neuübersetzung, mit Bonusmaterial und in prächtiger Ausstattung“, so die Verlagsankündigung. Exklusiv bei Amazon werden ab 4. August zwei Sondereditionen verkauft: eine Hardcover-Ausgabe inklusive der Blu-ray des Films und eine Blu-ray mit Joker-Figur.
Damit scheint es von The Killing Joke mehr Versionen zu geben als vom Joker selbst.
Und dann gibt es noch die übliche US-Version des Comics von Alan Moore und Brian Bolland: Ohne Schnickschnack, 64 Seiten lang, beste Unterhaltung in der Originalsprache. In der Regel reicht das, aber ein Bonus würde dem Werk gut tun, nämlich ein Reprint seiner Vorlage „The Man Behind the Red Hood“ (Detective Comics #168, 1951). Auf so eine Ausgabe wird man wohl noch warten müssen.
„This is not the kind of story I’m known for (…)“ (Paul Dini)
„The feel-good story of the year!“ (Joker)
Ein Mann läuft nachts die Straße lang. Da kommen zwei finstere Gestalten auf ihn zu. Sofort wird klar, dass sie nichts Gutes im Sinn haben: Der eine hält den Mann fest, der andere schlägt dem Opfer ins Gesicht. Plötzlich taucht Batman auf, die beiden Angreifer erschrecken und laufen weg, steigen ins Auto und fahren los. Doch mit einem Sprung tritt Batman ihre Windschutzscheibe ein, greift sich die beiden und jagt ihnen einen Schrecken ein, den sie nie vergessen werden. Ende der Geschichte.
Doch das ist nicht die Geschichte, die hier erzählt wird. In dieser Geschichte fehlt der Dunkle Ritter wie das K in Dark Knight, daher ist es nur eine „Dark Night“, die der Held erlebt: Ein einfacher Mann wird grundlos zusammengeschlagen, ein Teil seines Schädels zertrümmert, er wird ausgeraubt, schließlich wird ihm der Tod angedroht. Niemand kommt zur Hilfe und obwohl die Angreifer herumschreien, ruft keiner die Polizei. Und als die Ordnungshüter kommen, nehmen sie weder großen Anteil noch geben sie sich viel Mühe, den Fall aufzulösen.
Sinnkrise eines Autors
Passiert ist diese Geschichte Paul Dini im Jahr 1993. Dini hat damals Karriere als Autor für Batman: The Animated Series gemacht und war gerade dabei, am Drehbuch für den animierten Kinofilm Mask of the Phantasm (dt. Batman und das Phantom) mitzuschreiben. In Dark Night erzählt er erstmals von dem Vorfall und der Sinnkrise, in die er gestürzt ist. Erfolgreich, aber einsam, begann er zu trinken und sich zu isolieren. Seine Arbeit litt: „Somehow writing about Batman seems real pointless right now“, sagt er einmal. Das Besondere: Im Comic trägt er diesen Konflikt im Dialog mit den Figuren aus, mit denen er hadert, nämlich mit Batman, Joker und anderen Schurken, die ihm als imaginäre Gesprächspartner erscheinen.
Vor allem Batman, sonst der Retter in Not, auf den Verlass zu sein scheint, hat ihm nicht helfen können – nicht einmal als Vorbild: „You are the unrealistic, unattainable extension of a child’s power fantasy“, sagt Dini zu seinem Jugendhelden, während er dabei ist, sich eine Waffe zu kaufen. Batman und die Schurken gehen hart mit ihm ins Gericht, sie werfen ihm vor, er verschwende sein Leben. Schließlich bekommt Dini seine Motivation durch das Gespräch mit einem Fan zurück, der dem Autor seine Bedeutung und sein Glück verdeutlicht.
Batmans Daseinsberechtigung
Paul Dini erzählt die Story als er selbst, indem er Storyboard-Zeichnungen vor laufender Kamera anheftet. (Wozu es die Kamera als zusätzliche vermittelnde Instanz braucht, bleibt allerdings unklar.) Er beginnt in seiner Jugend, die er als „unsichtbares Kind“ erlebt hat und mit der Flucht in Fantasiewelten überstanden hat. Später wird für ihn als Cartoon-Autor ein Nerd-Traum war, doch seine Wohnung ist eine Festung der Einsamkeit, mit den Frauen klappt es nicht. Sein Date ist bloß eine tussige Schauspielerin, die darauf hofft, über ihn an Steven Spielberg heranzukommen. Trotzdem macht Dini sich Illusionen, eine Chance bei ihr zu haben – auch wenn eine Beziehung nie klappen würde.
Dinis Selbstoffenbarung gleicht einem Gang zum Psychiater. Doch Dinis Autobiografie geht über reine Schreibtherapie weit hinaus. Es ist nicht nur eine ungeschönte (und sogar zum Teil sehr witzige) Selbstanalyse, sondern auch eine Kritik an dem Konzept von Batman, Superhelden und der Daseinsberechtigung von Fiktion. Damit wird Dark Night zum Batman-Pendant des Superman-Comic-Essays It’s A Bird (2004), indem es ebenfalls um einen Autor in einer Lebens- und Sinnkrise geht, der einen Superhelden hinterfragt. Paul Dini kombiniert geschickt Fakt und Fiktion, lässt neben Batman nahezu alle klassischen Schurken charakterecht zu Wort kommen. Der vermeintliche Eskapismus in Comic- bzw. Cartoonwelten wird zum Spiegel der Seele. Fiktion wird zur Inspiration und Motivation fürs wahre Leben.
Schon jetzt ein Klassiker
Zeichner Eduardo Risso (Broken City/Kaputte Stadt,Batman: Flashpoint) inszeniert die Story in drei Stilen: Meist mit Pinsel koloriert, aber bei der Schlüsselszene wechselt er zu einem Noir-Stil mit harten Kontrasten und flächigen Farben, ähnlich wie Tim Sale vor ihm in The Long Halloween. Auch wenn die Batman-Storys imaginiert werden, kommt seine typische Methode zum Einsatz. Immer wieder gibt es auch cartoonhafte Sequenzen, etwa als Dini seine Situation mit dem des Kojoten aus Roadrunner vergleicht. Dieser Abwechslungsreichtum macht den Comic auch visuell interessant, auch wenn nicht jedes Panel gelungen ist (etwa wie die unförmige Poison Ivy auf Seite 86).
Dark Night: A True Batman Story hat zwar nicht den Anspruch, Dinis gesamte Lebensgeschichte zu erzählen, und ist auch kein ausführliches Making-of der legendären Zeichentrickserie, dennoch steckt genug darin, um über fast 130 Seiten bestens zu unterhalten und mitzufühlen zu lassen. Gerade diese Konzentration auf den Charakter des Helden und den Überfall und seine Folgen macht die Stärke der Story aus.
Im Grunde ist es eine typische (amerikanische) Heldenstory: Aufstieg des Außenseiters, plötzlicher Absturz und Wiederauferstehung. Batman braucht es dazu eigentlich nicht. So wie wahre Helden keine Superkräfte brauchen. Aber es ist gut, dass auch viel Batman in dieser Geschichte steckt. Denn so hat Dini nebenbei einen Kunstgriff gefunden, wie man nicht nur eine glaubwürdige, sondern eine wahre Batman-Geschichte erzählen kann: indem man Batman einfach die Wahrheit sagen lässt.
Dark Night ist nicht nur der Batman-Comic des Jahres – er wird auch bestimmt ein Klassiker wie Dinis Mad Love werden. Die Resonanz ist bereits kurz nach dem Erscheinen überwältigend.