Joker

Luthor und Joker gründen ein Start-up

Batman versus Superman, Teil 27: Superman and Batman’s Greatest Foes (1957)

DC Comics

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Titel: Superman and Batman’s Greatest Foes

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1957 (World’s Finest #88), Hardcover: World’s Finest Comics Archives Vol. 2 (2001), Batman & Superman in World’s Finest: The Silver Age Omnibus Vol. 1 (2016)


„… there’s something bigger behind this jokes!“ (Superman)

„Good partners, I mean, cellmates should never argue!“ (Batman)

Die ersten gemeinsamen Abenteuer der World’s Finest, Superman und Batman, waren bisher Kinkerlitzchen. Hier bekommen sie es endlich mit richtigen, klassischen Schurken zu tun, denn zum ersten Mal machen Lex Luthor und der Joker gemeinsame Sache. Ihr Plan ist so genial, dass die beiden Schurken sich gegenseitig auf die Schulter klopfen. Der Joker lobt Luthors Genie, Luthor lobt Jokers Sinn für Humor. Die beiden gründen ein Unternehmen, eine Fabrik, um genau zu sein. Ganz legal, ganz offiziell. Was sie herstellen, ist zunächst geheim, aber sie beteuern ehrliche Geschäftsmänner werden zu wollen. Also düsen sie gemeinsam im Jokermobil durch die Gegend und lachen über den Witz, den sie auf Kosten der Helden machen.

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Die bleiben nämlich skeptisch. Auch als die Schurken der Öffentlichkeit präsentieren, was sie gebaut haben: die Mechano-Men, menschenähnliche Roboter, die selbst bei starker Hitze und großem Druck schwere Arbeiten verrichten können. Doch selbst als Superman und Batman eine Demonstration sehen, vermuten sie einen Schwindel. Dreimal glauben sie auch, die Schurken auf frischer Tat ertappt zu haben: der Joker fängt einen Mann in einem Käfig, dann versucht er, einen mit seinem Auto zu überfahren, einmal bringt Luthor eine Lawine in Gang. Doch jedesmal erweisen sich die Aktionen als Experimente für die Mechano-Men.

Batman und Superman stehen immer wieder als Idioten da.

Und trotzdem geben sie nicht auf. Auch als Superman sich als Mechano-Man ausgibt und er meint, die Verdächtigen bei einem Raub zu erwischen, stellt sich das Ganze als sauber heraus. Erst beim fünften Versuch haben die World’s Finest Recht: Luthor und Joker geben eine Show mit ihren Mechano-Men, während sie parallel dazu eine Bank ausrauben. Natürlich haben die wachsamen Helden längst alles durchschaut und buchten die Gauner ein. Auf eine Frage kommt aber niemand: Warum der ganze Aufwand, um Geld zu stehlen, wenn man es mit der Erfindung so viel leichter hätte ehrlich verdienen können? (Und woher hatten sie überhaupt die Mittel, die Fabrik und die Roboter zu bauen?) Als Unternehmer taugen sie jedenfalls nichts. Aber hier gilt wohl das Sprichwort: old habits die hard. So genial war der Plan dann doch nicht.

(P.S.: Mit dem Cover hat die Story übrigens nichts zu tun.)

>>> Weitere Abenteuer und Duelle von Batman und Superman

Erste Filmbilder aus The Killing Joke

The Killing Joke ist neben Frank Millers Epen das wichtigste Batman-Comic der 80er. Nach The Dark Knight Returns und Year One bekommt nun auch der Klassiker von Alan Moore und Brian Bolland eine Adaption als Animationsfilm. Im Juli 2016 soll er bei der San Diego Comic Con Premiere feiern. Jetzt gibt es erste Bilder daraus: In einem Video, das halb Trailer und halb Making-of ist, erklären die Macher wie Bruce Timm, welche Herausforderungen bei der Verfilmung zu bewältigen waren und wie man die Geschichte um Batgirl erweitert hat. Ein verständlicher Schritt, da in der Story Barbara Gordon vom Joker angeschossen wird und damit ihre Karriere als Superheldin endet. Außerdem sieht man die Synchronsprecher, die schon bei The Animated Series der 90er dabei waren, wieder bei der Arbeit: Kevin Conroy als Batman und Mark Hamill als Joker. Ein guter Grund, sich die Originalversion anzusehen.

Klar wird, dass die Filmbilder nicht an die Kraft von Brian Bollands ausdrucksstarkem Stil heranreichen – und wohl auch nicht heranreichen können. Für die Animation sind Vereinfachungen nötig, dadurch geht aber viel von dem Reiz des Comics verloren. Die Macher beteuern aber, dass inhaltlich keine Kompromisse gemacht werden sollen und der Film so drastisch sein soll wie seine Vorlage. Also wieder ein Batman-Zeichentrickfilm, der nichts für Kinder sein dürfte.

DC enthüllt Jokers wahre Identität

DK III #3 (Variant) (DC Comics)

DK III #3 (Variant, Greg Capullo) (DC Comics)

„If I’m going to have a past, I prefer it to be multiple choice!“

Der Satz aus The Killing Joke (Alan Moore/Brian Bolland) war schon immer maßgeblich für den Joker, wörtlich genommen von Heath Ledger im Film The Dark Knight. In Moores Klassiker bekommt der Joker zwar eine Vorgeschichte als gescheiterter Komiker und Gauner wider Willen angedichtet, aber keinen Namen.(Es handelt sich um eine Neuinterpretation von Jokers Origin als Red Hood aus Detective Comics #168, 1951. In Zero Year wird die Geschichte erneut variiert.)

Doch in Justice League #42 (in der Storyline Darkseid War) hat der Möbius-Stuhl Batman den wahren Namen seines Erzfeindes offenbart. Und am 25. Mai 2016, in Justice League #50, sollen auch die Leser erfahren, wer der Joker einst gewesen ist.

Die Enthüllung soll eine Überraschung sein. Doch schon die Ankündigung ist umstritten. Denn bisher gehörte es zum Mythos und zum Schauer des Schurken, dass er keine Identität hatte. Joker ist der Nihilist, der aus dem Nichts kam. In Tim Burtons ersten Batman-Film (1989) heißt der Joker zunächst Jack Napier (so auch in der Animationsserie von 1992-1995) – und stellt sich sogar als der Mörder von Bruce Waynes Eltern heraus. Eine kritisierte, aber von der Erzählökonomie gerechtfertigte Entscheidung. (Ähnlich war es in Batman Begins, wo Ra’s al Ghul zu Bruce Waynes Ausbilder wurde.)

Jedoch im Comic mit der Tradition zu brechen, ist ein Sakrileg. Zwar wird das Interesse enorm sein, aber mit Geheimnissen ist es so: Das Rätsel ist spannender als die Auflösung. Denn am Ende ist das Mysterium entzaubert. Es ist eine Enthüllung, die niemand braucht.

NACHTRAG 1: Weitere Hinweise zu Jokers Identität gibt es in DC Universe Rebirth #1.

NACHTRAG 2: Eine richtige Auflösung wird es im Dreiteiler Three Jokers geben.


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Kooperation zwischen Konkurrenten

Batman versus Superman, Teil 20: Animated World’s Finest (1997)

Prise Kryptonit gefällig?

Prise Kryptonit gefällig?

Titel: World’s Finest (The Batman Superman Movie), dt. Batman in Metropolis

Story: Alan Burnett/Paul Dini

Erschienen: 1997 (Superman: The Animated Series S02E16-18)


„Two for the price of one – I love it!“ (Joker)

Batman lässt sich nicht reinquatschen. Vor allem nicht bei seinen Methoden. Wenn er in Metropolis Ganoven verhört, muss er damit rechnen, dass Superman mitzureden hat. Doch kaum hat der Stählerne Batman zurechtgewiesen, pariert ihn Batman mit einem Überwurf. Nach Kindergartenmanier schubst Superman zurück, nennt ihn verrückt und dämlich und lässt es sich auch nicht nehmen, mit Röntgenblick unter Batmans Maske zu schauen. Batman revanchiert sich, indem er eine Tüte mit Kryptonit rausholt. (Kurz darauf findet Batman raus, dass Clark Kent Superman ist.)

Gruß an Clark.

Hallo Clark, ich weiß, wer du bist!

In der Superman-Animationsserie der 90er treffen die World’s Finest dreimal aufeinander, zu Beginn mit in einer Dreifachfolge, die für den Heimvideomarkt auch zu einem einstündigen Film zusammengeschnitten wurde. Der Plot vereint, nach alter Tradition, auch die wichtigsten Schurken: Der Joker stiehlt eine Statue aus Kryptonit und bietet Lex Luthor an, Superman für eine Milliarde Dollar zu töten (vgl. Batman und das Phantom). Batman reist nach Metropolis, um das zu verhindern und verbündet sich notgedrungen mit Superman.

Joker und Lex: Ein verlockendes Angebot.

Joker und Lex: Ein verlockendes Angebot.

Doch nicht nur im Dienst sind die beiden Konkurrenten, auch in der Liebe: Bruce Wayne spannt Clark Lois Lane aus – und aus dem Flirt wird Ernst. Allerdings nur, bis sie hinter sein Geheimnis kommt. (Symbolisch schwerwiegend: durch eine Druckerpresse!) Bruce bringt es auf den Punkt: Lois mag Bruce Wayne und Superman, aber nicht die beiden anderen Typen – Batman und Clark Kent. Diese komplexe Dreierbeziehung, die überkreuz zur Fünferbeziehung wird, ist ein typisches Motiv der World’s Finest-Storys. Hier aber wird die Affäre bis zur Eifersucht durchgezogen.

Bruce und Lois kommen sich näher.

Bruce und Lois kommen sich näher.

Natürlich läuft es darauf hinaus, dass keiner die Frau kriegt. Lois spielt die typische Jungfer in Nöten, die von beiden Helden gerettet werden muss. Im Laufe der Handlung merken die beiden, die nichts miteinander zu tun haben wollen, dass sie sich prima ergänzen. Batman kann das Kryptonit unschädlich machen, Superman mit dem Kopf voran durch Wände brechen. Am Ende geht es gegen ein paar bösartige Kampfroboter.

Jetzt seid ihr dran!

Jetzt seid ihr dran!

Trotz der Erkenntnis, dass man ein gutes Team bildet, gerät auch der Abschied nicht gerade freundschaftlich. Man sollte bloß keine regelmäßige Sache daraus machen, sagt Clark. Bruce droht Clark, gut zu Lois zu sein, denn er wisse, wo er wohne. Wie schon bei der ersten Begegnung verzichten sie auf einen Handschlag. Damit ist die „Kinderserie“ deutlich konsequenter als manch Comic.

"Ich weiß, wo du wohnst." Auch zum Abschied kein Händeschütteln.

„Ich weiß, wo du wohnst.“ Auch zum Abschied kein Händeschütteln.

Der Dreiteiler wurde parallel als Comic adaptiert. Dafür gab es 1998 den Eisner Award in der Kategorie Best Graphic Album. An den Charme der TV-Episoden kommt das Heft aber nicht heran. Hier wird eine Story voller Konflikte, zündender Pointen und Action geboten, die sowohl alte Fans als auch Kinder glücklich machen dürfte. Herrlich: Batman und Superman zum Preis von einem.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

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Ein Batman aus Kryptonit

Batman versus Superman, Teil 16: Vengeance (2005)

Titel: (With A) Vengeance (dt. Voller Wut)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Ed McGuinness

Erschienen: 2005 (Superman/Batman #20-25, Paperback 2008/2014 mit Absolute Power) , dt. Panini 2007 (Paperback)


„– and what could be more fitting than … Batman killing Superman?“ (Kryponite-Batman)

Wer diese Reihe verfolgt, dem wird aufgefallen sein, dass „Batman versus Superman“ mehr ein Name ist, der sich an den kommenden Spielfilm anlehnt, als dass es tatsächlich um eine Retrospektive der Kämpfe handelt. Denn zwar gibt es einige, und einige davon habe ich bereits früher vorgestellt, aber in der Regel bilden Batman und Superman ein Team – so auch in der Superman/Batman-Serie. Hier aber, bei Vengeance, kommt es endlich wieder zu einer richtigen Prügelei. Einer auf Leben und Tod.

Aber der Reihe nach. Allerdings ist das nicht so einfach. Batman und Superman stoßen auf die Maximums, die einzige Superheldengruppe, die von der US-Regierung anerkannt ist. Noch nie von denen gehört? Macht nix, die sind neu (dazu später mehr). Jedenfalls tötet Superman einen von ihnen, als Vergeltung für den Mord an Lois Lane. Wann das passiert sein soll? Das spielt keine Rolle, denn die Maximums wissen auch nicht, wovon Superman spricht. Überhaupt haben sie ihn und Batman noch nie gesehen. Kurz darauf holen die Maximums also zum Gegenschlag aus, um den Tod ihres Gefährten zu rächen, doch die Versionen von Superman und Batman, die sie treffen, wissen auch nicht, was los ist.

Damit aber nicht genug: Parallel dazu verbündet sich Bizarro mit Batzarro, seinem Batman-Pendant, um Superman zu helfen. Dabei treffen sie auf den Red Son-Superman und Batman Beyond. Schließlich versammeln sie auch noch einen Haufen Batmen, Supermen und Supergirls aus Paralleluniversen – ganz zu schweigen von Gastauftritten von Darkseid und Lex Luthor. Ach ja, und zwischendurch kommt noch Captain Atom aus dem Weltall zurück (er hat in Public Enemies den Kryptonit-Asteroiden zerstört) und ist besessen von einer Art Kryptonitgeist. Der ergreift schließlich von Batman Besitz und versucht so, Superman zu töten. Der grüne Batman prügelt ein paarmal auf Superman ein, bis sein Gegner ihn mit einem kleinen Rippenstoß halbseitig lähmt und dann in einen Bleipanzer kleidet bis der Kryptonite Man verschwindet (wohin auch immer).

Superman/Batman #23 (DC Comics)

Superman/Batman #23 (DC Comics)

Okay, so viel zum dramatischen Höhepunkt der Story. Aber was soll der ganze Rest? Wer das Marvel-Universum ein wenig kennt, wird in den Maximums eine Art Beinahe-Avengers bzw. Fast-Ultimates erkennen: Soldier = Captain America, Robot = Iron Man, Monster = Hulk (zunächst lila, dann grün), Viking = Thor, Skyscraper = Giant Man, Hornet = The Wasp, Bug = Spider-Man. Die Ähnlichkeiten sind offensichtlich, aber immer noch so, dass es keinen Ärger mit dem Urheberrecht gibt. (Später sollte Jeph Loeb übrigens tatsächlich die Ultimates für Marvel schreiben.) Schließlich verschmelzen sie zu einem Helden („The Maximum Maximum“) und kloppen sich mit einem Amalgam aus Batman und Superman. Aber kaum geht der Kampf los, ist er auch schon wieder vorbei.

Dass das Ganze ein Spiel zwischen Mr. Mxyzptlk und dem Joker (bzw. Bat-Mite) ist, verleiht der Geschichte nicht viel mehr Sinn. Das Problem an solchen Geschichten ist, dass sie so willkürlich sind, dass darin alles passieren und am Ende alles wieder annulliert werden kann. Das Nonsens-Prizip funktioniert gut bei Alice im Wunderland, bei Superhelden-Storys wirkt es ermüdend und spannungsarm. Und so wirkt auch Vengeance völlig überladen an Figuren, ohne dass es einen Zusammenhang oder gar Mehrwert gäbe. Kurz: Viel Lärm um nichts.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Alle Jahre wieder

Batman versus Superman, Teil 11: World’s Finest (1999)

Titel: Batman & Superman – World’s Finest

Autor/Zeichner: Karl Kesel/Dave Taylor, Peter Doherty u.a.

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-10, Paperback 2003), dt. Carlsen 2000 (6 Teile)


„You know, I think we’re getting the hang of this ‚working together‘ thing!“ (Superman)

Kaum treffen Batman und Superman (schon wieder) erstmals aufeinander, passiert am gleichen Ort ein Verbrechen. Doch kaum verbünden sie sich, um es zu bekämpfen, geht etwas schief: Zwar fassen sie den Entführer, doch das Opfer stirbt durch einen (selbstverschuldeten) Unfall – und das alles nur, weil sich die weltbesten Helden nicht abgesprochen haben, wie sie vorgehen sollen. Daraufhin treffen sie sich jedes Jahr am Todestag des Opfers, um auszuprobieren, ob und wenn ja wie sie doch zusammen funktionieren können. Mal kommt Batman nach Metropolis, mal kommt Superman nach Gotham City. Und jedesmal passiert zufällig gerade etwas, das ihrer beider Aufmerksamkeit bedarf.

Erzählt wird keine fortlaufende Geschichte in zehn Teilen, sondern zehn Episoden mit einer narrativen Klammer. Allein der erste und letzte Teil hängen eng zusammen. (Auch formal, weshalb sie im Prestige-Format mit 48 Seiten ausgestattet sind, die übrigen acht Episoden aber bloß Standard-Hefte mit 22 Seiten sind. Im Deutschen wurden daher sechs Teile daraus gemacht.) Die Helden treffen auf Schurken wie Lex Luthor, Joker, Catwoman und Two-Face, auf Verbündete wie Batgirl, auf Nervensägen wie Mr. Mxyzptlk und Bat-Mite, Batman begegnet nach Supermans Tod seinen vier Nachfolgern, Superman trifft auf Batmans Stellvertreter Jean-Paul Valley. Einmal lässt sich Clark Kent für eine investigative Reportage in Arkham Asylum einweisen, indem er sich als Superman ausgibt – und am gleichen Tag brechen einige Insassen aus.

Zitat von Superman #76 (1952) in World's Finest #7 (1999). (DC Comics)

Zitat von Superman #76 (1952) in World’s Finest #7 (1999). (DC Comics)

Die meisten dieser Storys sind so belanglos wie entbehrlich (vor allem die alberne Kobold-Story), zudem teilweise leidlich gezeichnet (manches wirkt cartoonhaft, anderes einfach nur falsch), mit Anspielungen auf die Tradition und einem großen Figurenaufgebot im Finale, wenn Supermans Schurken gegen Batmans Schurken kämpfen, wird vor allem Fan-Service betrieben. Interessant wird es aber dort, wo die Helden miteinander über ihre Rollen sprechen – oder wo sie von anderen analysiert werden. Es geht um unterschiedliche Strategien: Superman wirft Batman vor, er würde die Menschen zu sehr ängstigen. Batman erwidert, dass auch Supermans Präsenz einschüchternd wirkt. Mr. Mxyzptlk stellt fest: „Batman spends the whole life trying to be superhuman, and Superman spends the same time trying to be a normal human!“

Die herausragende Episode ist die siebte, in der Superman Batman nach Smallville bringt. Batman hat vor kurzem erleben müssen, wie der Joker Batgirl (Barbara Gordon) verkrüppelt und Robin (Jason Todd) ermordet hat. Superman hingegen hat gerade erstmals einen Mord begangen – an drei Schurken zugleich, um Schlimmeres zu vermeiden. Das ganze Heft ist ein Dialog über das Überschreiten der Grenze, den Tod eines Menschen zu verantworten. Am Ende dürfen sich die World’s Finest bei Leben und Tod beweisen: Batman rettet einem alten Mann das Leben, während Superman neues Leben zur Welt bringt, indem er Hebamme spielt. Schließlich frühstücken die beiden als Clark und Wayne bei den Kents. Zwar ist nicht immer so viel Harmonie in dem Zehnteiler, aber andererseits besteht auch nie Feindschaft.

Am Ende, wenn sich retroaktive Seligkeit einstellt, kommen Batman und Superman zu dem Schluss, dass sie – trotz aller Differenzen – gut zusammenarbeiten können, auch wenn es ihnen nicht immer recht ist. Dass sie einander mögen, so weit geht die Liebe dann doch nicht. Immerhin reicht es für einen Handschlag – keine Selbstverständlichkeit.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Tausend Jahre Tradition

Batman versus Superman, Teil 10: Generations (1999)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman & Batman: Generations – An Imaginary Tale (dt. Untertitel: Eine imaginäre Geschichte)

Autor/Zeichner: John Byrne

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-4, Paperback 2000), dt. Carlsen 1999 (4 Teile)


„Continuity is important. A sence of history and tradition.“ (Bruce Wayne)

„What a man! Bruce, why can’t you be more like him?“ (Lois Lane)

Was wäre, wenn Superman und Batman normal altern würden? Was wäre, wenn sie heiraten und Kinder kriegen würden? John Byrne hat in seiner Imaginary Tale, wie er die Elseworlds-Story nennt, die Comic-Continuity mit der Comic-Historie verschränkt und die beiden größten Helden gemeinsam alt werden lassen, von der ersten Begegnung 1939 bis zum Jahr 1999 – und dann noch mal über 920 Jahre.

Beim ersten Treffen bei der Weltausstellung in Metropolis (eine Anspielung auf das gemeinsame Cover von World’s Fair Comics) kämpfen sie gegen den Ultra-Humanite, einen Vorläufer von Lex Luthor, zehn Jahre später auf Luthor selbst, der (mit dem Joker) die schwangere Lois Lane goldenem Kryptonit aussetzt, sodass der erste Sohn von Superman ohne Kräfte aufwächst. Doch auch Batman bekommt einen Sohn, Bruce Junior, allerdings erfährt man nie, wer seine Mutter ist. Der wird zum nächsten Robin und nach Dick Graysons Tod zum Batman und bändelt dann mit der Tochter von Superman und Lois an: Kara, dem Supergirl. Doch den Kindern ist kein Glück vergönnt, Luthor lässt die Hochzeit platzen, indem er zuerst Lois und dann Kara tötet. Vorher schon zieht der verbitterte Sohn Joel in den Vietnamkrieg, wo er Kriegsverbrechen begeht und schließlich getötet wird. Superman verliert schließlich seine Kräfte und rächt sich an Luthor, indem er ihn tötet, dann wird er von Batman zur Strafe in die Phantomzone verbannt. Batmans Leben wird dank der Lazarusgrube verlängert.

Am Ende sehen sich Superman und Batman im Jahr 2919 wieder, wo sie sich daran erinnern, schon im Jahr 1929 als Superboy und Robin (!) miteinander gegen Luthor gekämpft zu haben. Aber nicht erst hier wird die Story dämlich, schon vorher gab es eine nervige Episode, in der es um einen Wettstreit zwischen Bat-Mite und Mr. Mxyzptlk ging, ob Superman oder Batman der größte Held ist. Der unzeitgemäße Stil der Geschichten ist zwar der Nostalgie geschuldet, den Reminiszenzen an das Golden, Silver und Bronze Age, aber die Byrnes Erzählweise wirkt immer gleich altbacken und seine Wendungen bemüht.

Zwar ist das Grund-Szenario, das Byrne durchspielt, durchaus reizvoll, geht aber über das Niveau einer Seifenoper nicht hinaus. Der Erzähler rast durch die Jahrzehnte und lässt selbst die dramatischsten Augenblicke vorübergehen, ohne dass die Helden oder die Leser Zeit bekämen, damit umzugehen. So sehr aber die Story das Vergehen der Zeit thematisiert, so sehr versucht sie auch, die Helden zu konservieren. Statt Superman mit dem Verlust seiner Kräfte auch altern zu lassen, wird ein Weg gefunden, wie er sie wiederbekommen kann. Statt Supermans Enkel ohne Kräfte zu lassen, werden sie ihm regelrecht aufgenötigt, damit er als Nightwing das Erbe des Vaters weitertragen kann. Und zu allem Überfluss wird Batman auch noch unsterblich gemacht.

Welchen Sinn ergibt das Konzept vom Altern, wenn die Superhelden dann doch 1000 Jahre und länger leben, so lange bis sie sich aus Langweile neuen Welten zuwenden? Daher heißt es auch folgerichtig am Schluss „Never the End!“ Aber wer altert, sollte auch sterben können. Das hätte den Superhelden etwas mehr von der Menschlichkeit verliehen, die sie nötig gehabt hätten. Stattdessen macht Byrne, was bei DC Tradition ist: Heldenverehrung und Mythenpflege.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Training für die Weltbesten

Batman versus Superman, Teil 7: World’s Finest (1990)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman/Batman: World’s Finest (dt. Fremdes Terrain)

Autor/Zeichner: Dave Gibbons/Steve Rude

Erschienen: 1990 (Mini-Serie #1-3), Paperback 1992, dt. Carlsen 1993


„Perhaps they will even grow closer together, adopting and adapting each other’s methods and philosophies. Perhaps.“ (Perry White)

Es beginnt vielversprechend: Batman und Superman in Aktion in ihren jeweiligen Heimatstädten, Sequenzen ohne Worte, die sie zu ihren Erzfeinden führen – Joker und Lex Luthor. Dann folgt eine kurze Parallelmontage der beiden Schicksale: beide Helden sind Waisenkinder. Doch die Geschichte verläuft für sie jeweils anders: Batman düster, Superman strahlend.

Was liegt da näher, hat sich Autor Dave Gibbons (Zeichner der Watchmen) gedacht, als eine Geschichte über ein Waisenhaus? Eines mit düsterer Vergangenheit, wo Kinder zu Kriminellen herangezogen werden. Eines, das später von Lex Luthor gekauft und abgerissen werden soll, um Profit zu machen, eines, das neu aufgebaut werden soll, um den Verbrecher als Ehrenmann erscheinen zu lassen. Und irgendwie wird der Joker als Kontrahent schon reinpassen, und sei es nur, um Chaos zu stiften. So entsteht aus dem Kampf um Waisenhäuser ein Kampf um die Städte: Feuer in Gotham, ein Stromausfall in Metropolis mit Reaktorunfall.

Batman und Superman kennen sich schon, sind aber alles andere als Freunde. Hier werden sie zu skeptischen Verbündeten. Zunächst ermitteln sie in zivil in der Stadt des jeweils anderen. „Team up? Of course not!“, sagt Bruce Wayne zu Clark. Später, beim großen Finale, kooperieren sie doch. Aber man wird nicht den Eindruck los, dass die beiden Helden mit vereinten Kräften ziemlich unterfordert sind. Die meiste Zeit sind sie mit Lappalien beschäftigt: Brände löschen, Kinder retten, Superman darf einmal die Detonation einer Bombe abfangen, dann einen Kernreaktor ins All schmeißen. Der Joker erscheint eher wie ein Quälgeist als eine Gefahr, sodass Batman es am Ende auch nicht für nötig hält, ihn einzufangen und einzubuchten. Das ist etwa so spannend, wie beim Training der leichtesten Übungen zuzusehen.

Das einzige an der Story, was den Blick in dieses Buch lohnt, ist eine Szene, in der Superman Batman (völlig unvermittelt) den Film Zorro auf VHS schenkt – und gar nicht ahnt, welche Wunde er damit aufreißt. Vor allem aber sind die Zeichnungen reizvoll: Steve Rude lässt Superman und Batman im Stil des Golden Age und der Superman-Fleischer-Cartoons der 40er Jahre erscheinen. Dieser naive, unschuldige Strich funktioniert zwar visuell sehr gut, aber für die Story hätte man sich doch eine Herausforderung gewünscht, die dem Jahr 1990 angemessen gewesen wäre.

Fortsetzung folgt.

>> World’s Finest-Comics

Bisher erschienen:

Nothing really matters to me

„Is this the real life? Is this just fantasy?“ (Queen)

Wirkte der erste Suicide Squad-Trailer wie ein düsterer Psychothriller, wirkt der zweite wie eine Action-Komödie: laut, schnell, schrill. Mit Queens „Bohemian Rhapsody“, der von Realitätsverzerrung und Mord handelt, haben die Macher einen perfekten Song für die Untermalung ausgewählt. „Nothing really matters to me“, heißt es darin am Ende, und tatsächlich haben wir es mit einem Haufen Nihilisten zu tun. Die Task Force der gefährlichsten Kriminellen der Welt wird lakonisch eingeführt: Der eine erschießt Leute (Deadshot), der andere isst sie auf (Killer Croc), der andere verbrennt sie (El Diablo) – und Harley Quinn ist einfach nur verrückt. Und dann gibt es da noch unter anderen den sadistischen Joker (Jared Leto), der hier nur einen Satz zu bieten hat: „I can’t wait to show you my toys.“ Man sieht ihn in einen Chemietank springen, wahrscheinlich Harley hinterher, die er anschließend aus der Brühe fischt, wahrscheinlich rührt daher auch ihr blasser Teint.

In dem an Filmschnipseln völlig überladenen und schnell geschnittenen Video ist nur einer nicht zu sehen: Batman. Aber auch der Feind, gegen den die Suicide Squad eingesetzt wird, kommt darin nicht vor. Das ist auch ganz okay so, es soll ja nicht alles verraten werden (im Gegensatz zum Batman v Superman-Trailer, indem die ganze Geschichte erzählt wird). Was bleibt am Ende? Die Hoffnung, dass Regisseur David Ayer (nicht gerade für seine Subtilität bekannt) es nicht zu gut meint, dass es nicht allzu überdreht und anstregend wird, dass auch mit diesem Film das Fundament für ein stimmiges und aufregendes Filmuniversum gelegt wird. Wenn die Mischung stimmt, könnte Suicide Squad ein großer Spaß werden. Viel Sinn und Tiefgang darf man bei einem Haufen Verrückter ohnehin nicht erwarten.

Am 18. August 2016 wissen wir mehr.

Vom Elternhaus zum Irrenhaus

DC Comics

DC Comics

Titel: Arkham Manor

Autor/Zeichner: Gerry Duggan/Shawn Crystal

Erschienen: 2014-2015 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2015), dt. Panini 2015


„This is the best outcome from a list of terrible options.“

Nachdem Bruce Wayne in Batman Eternal sein Vermögen verloren hat und Arkham Asylum zerstört wurde, wird Wayne Manor zum neuen Arkham. Batman zieht sich in seine Höhle zurück. Arkham Manor ist ein Tie-in, in dem von den Folgen der Umwandlung erzählt wird. Denn kurz nach dem Bezug mordet ein Unbekannter in dem Anwesen. Batman lässt sich undercover einweisen und geht der Sache nach. Die eigentliche Verbrecherjagd verläuft ziemlich linear und unspektakulär, auch die Auflösung nicht weiter von Belang, weil wir so gut wie nichts über den x-beliebigen Mörder erfahren. Deshalb wird die Story noch mit einem kleinen Joker-Clayface-Intermezzo aufgemotzt, in dem Mr. Freeze eine Schlüsselrolle spielt. Leider fällt Freeze dabei aus seiner Rolle: Während er in Batman Eternal noch versucht, in Gotham Verbrecher zu spielen, begnügt er sich hier mit Grillen und Iglubauen im Vorgarten.

Und damit wären wir beim Hauptkritikpunkt: Shawn Crystal neigt mit seinen kantigen Figuren zu Überzeichnungen, die an Cartoons erinnern. Das hat zwar einerseits eine bestechende Dynamik, andererseits kann man dadurch die Handlung nicht ganz ernst nehmen. Wenn Batman am Ende ein schmächtiges Kerlchen durch eine Wand schleudert, verstärkt das den Eindruck davon, dass hier zu dick aufgetragen wurde für eine Story, die man nicht unbedingt hätte erzählen müssen. Das einzig Interessante ist hier, dass Bruce Wayne damit hadert, das Anwesen seiner Eltern als Hort für seine Erzfeinde herzugeben. Aber auch dieser Konflikt ist schnell gelöst, als er zur Erkenntnis kommt, dass der Sohn damit auch bloß seiner Stadt dient.

>> Batman 2011-2019